Bücherwelt

Mutation zum eBook-Wurm

8. September 2015

Heute ist es geschehen, ich habe mir ein Buch eines meiner Lieblingsautoren, die Fortsetzung einer Reihe, deren bisher erschienene Teile komplett als gedruckte Ausgaben in meinem Regal stehen, als eBook gekauft. Warum das einen Blogeintrag wert ist? Weil ich lange darüber nachgedacht habe, in welcher Form ich mir dieses Buch kaufen soll und dabei die eine oder andere Erkenntnis über mein Buchverhalten gewann.

Shelfie0815Wie die meisten Leser habe ich auch einen leichten Hang zum Sammler. Wer in mein Zimmer kommt sieht hauptsächlich: Bücher. Mehrere Regale, die teilweise doppelreihig bestückt sind, voll mit meinen Schätzen. Ich liebe es, vor den Regalen zu stehen und mich beim Anblick der Bücher an die Geschichten zu erinnern, die zwischen den Buchdeckeln schlummern. Oft auch an die Situation, in der ich ein bestimmtes Buch las.

Aber: ich lese, seit ich lesen kann und ich lese viel. Momentan sind es jährlich über hundert Bücher. Das geht schon ein paar Jahre lang so, da sammeln sich schnell Büchermassen an. Es gibt immer wieder Bücher, von denen man sich relativ leicht trennen kann, weil sie nichts Besonderes waren. Das tat ich schon immer. Vor drei Jahren zog ich zu meinem Mann und musste meine Bücherbestände verkleinern, der Platz wurde weniger. Das war das erste Mal, dass ich richtig viel aussortierte. Seit dem tue ich das immer wieder und immer öfter, hat man einmal damit verschenkenangefangen, fühlt es sich richtig gut an. Bücher, die mir bei der letzten Ausmistaktion noch zu viel bedeuteten, mussten beim nächsten Mal dann doch auswandern. Freunde und Verwandte klagen schon, weil ihre Bücherregale jetzt überlaufen, die meisten meiner Bücher habe ich verschenkt. Inzwischen sogar an die Nachbarn, ab und an stelle ich eine Kiste vor die Tür, mit Büchern zum verschenken. Die ist auch immer sehr schnell leer.

Als Fantasy-Leserin habe ich auch etliche Reihen in meinen Regalen. Autoren, von denen ich jedes bisher erschienene Buch besitze. Das waren die Regale, in denen sich bei allen Entrümpelaktionen immer noch am wenigsten tat. Noch kann ich mich von diesen Büchern nicht trennen. Aber jetzt stand der Kauf genau so eines Buches an.

Chaos2Es hatte einen schlechten Zeitpunkt erwischt, erst vor wenigen Wochen ist meine komplette Bibliothek inklusive Regalen in ein anderes Zimmer gezogen. Ich hatte also jedes Buch, das hier steht, mindestens zweimal in der Hand. Und am nächsten Tag Muskelkater. Obwohl ich immer wieder so fleißig Bücher weggebe, waren es immer noch viel zu viele. Nach dieser Aktion fasste ich den Vorsatz, in Zukunft hauptsächlich eBooks zu kaufen. Aber kann ich das auch bei einer Serie, die ich so sehr liebe, deren Anblick im Regal immer wieder schön ist?

Es fällt mir schwer, aber ja, ich kann. Oder muss es können. Weil es nicht nur eine Serie oder ein Autor sind, die sich hier sammeln. Und viele von denen schreiben relativ regelmäßig, mindestens ein Buch pro Jahr. Selbst wenn ich nur die weiterhin alle gedruckt kaufe, werden meine Regale bald platzen. Denn die wachsen leider nicht mit, auch die Zimmer nicht, in denen sie stehen.

Deshalb habe ich mir heute „Der Thron der Finsternis“ von Peter V. Brett als eBook gekauft. Zu der Entscheidung hat allerdings auch beigetragen, dass es mal wieder ein dicker Schinken mit über 1.000 Seiten ist. Ich lese ja schon seit einer ganzen Weile sehr gerne eBooks und habe schlicht keine Lust mehr, mir an so einem dicken Buch einen Bruch zu lesen. Ich liebe die 185 Gramm eBuch in der Hand, mit eingebauter Beleuchtung und der Schrift in der Größe, in der ich Halb-Maulwurf sie als angenehm empfinde.

Natürlich werde ich trotzdem immer wieder gedruckte Bücher lesen und möchte auch gar nicht ganz darauf verzichten. Aber nur, weil ich bisher alle Bücher einer Reihe auf Papier gekauft habe? Das ist kein Grund, mir beim nächsten Umzug an noch mehr Bücherkisten den Rücken zu ruinieren. Das werden auch so nicht zu wenige sein, versprochen.

 

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10 Kommentare

  • Antworten Karo 9. September 2015 von 08:19

    Ich danke dir für diesen Beitrag, weil ich selbst gestern Abend mit meinem Kindle im Bett lag und über einen Blogbeitrag nachdachte, der „Wieso ich eBooks lese“ heißen sollte.
    Und ein Grund ist eben dieses „irgendwann ist kein Platz mehr“. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich gerne parallel lese und mir früher an meinem Rucksack/Handtasche nen Bruch gehoben habe, weil gern mal drei dicke Schinken drin waren.

    • Antworten Papiergeflüster 9. September 2015 von 09:20

      @Karo: Schön, dass ich damit nicht alleine bin. :) Parallel lese ich tatsächlich auch gerne. Jetzt aber auch mal auf verschiedenen eBook Readern. ;) Wäre natürlich nicht nötig, aber ich habe sie auf verschiedene Zimmer verteilt. *g*

  • Antworten Ascari 9. September 2015 von 09:39

    Du sprichst mir aus der Seele! In meiner kleinen Wohnung wachsen die Regale mittlerweile auch nicht mehr mit. Deswegen trenne ich mich auch immer wieder von meinen Prints, hat man erst einmal angefangen, wird es leichter. Das heißt nicht, dass nicht neue wieder dazu kommen, aber Neuzugänge gibt es jetzt auch immer öfter in digitaler Form.

    Bei vielen Büchern weiß ich einfach, dass ich sie „nur“ lesen und nicht ins Regal stellen will. Und dazu tut es auch ein kleiner handlicher Reader, auf dem ich alles dabei haben kann zum Lesen. Mittlerweile bin ich kein Fan mehr davon, große, schwere Wälzer mit mir rumzuschleppen, das hab ich spätestens bei der Jahrhundertrilogie von Ken Follett bemerkt.

    Liebe Grüße
    Ascari

    • Antworten Papiergeflüster 10. September 2015 von 20:30

      @Ascari: danke, wir sind da ganz einer Meinung. :) Tut gut zu wissen, dass es auch anderen so geht.

  • Antworten sandhofer 9. September 2015 von 20:10

    Wird aus dem Papiergeflüster nun ein Elektronengeflüster? Den Weg ins e-book wirst Du allein gehen müssen; dahin kann ich Dir nicht folgen. Es tut weh, Weggefährten und -innen zu verlieren, aber das ist das Schicksal einer jeden Queste. Mögen Dir die Lesegötter und -göttinnen trotzdem gewogen bleiben – meinen Segen hast Du … nicht. :)

    • Antworten Papiergeflüster 10. September 2015 von 20:29

      @sandhofer: aber an den Inhalten hier ändert sich doch nichts? Ich lese doch schon eine ganze Weile verstärkt eBooks, der Text bleibt der gleiche. Ob gedruckt oder elektronisch. ;) Der Name bleibt, weil es nie ganz ohne Papier gehen wird, auch wenn er nicht mehr 100%ig passt. :)

  • Antworten Gastspiel von Simone Dalbert im Börsenblatt - Würzblog 15. September 2015 von 17:34

    […] Bloggertreffen in Würzburg hat Simone „Papiergeflüster” Dalbert noch erzählt, dass sie einen Gastbeitrag für das Börsenblatt geschrieben hat. Aber […]

  • Antworten Lady Moonlight 1. November 2015 von 20:10

    Ein sehr interessanter Beitrag! Ich kann dich wirklich gut verstehen. Ich möchte zukünftig auch überwiegend E-Books kaufen. Das Platzproblem kenne ich nämlich gut, in meinen Regalen ist leider gar kein Platz mehr, obwohl ich im Sommer bestimmt 100 Bücher aussortiert habe. Außerdem habe ich auch ziemlich schlechte Augen, weshalb ich sehr froh bin, dass man bei E-Books die Schrift vergrößern kann. Das Licht ist abends natürlich auch ein großer Vorteil. Zudem lese ich sehr viele englische Bücher, die in elektronischer Form oft viel günstiger sind. Die integrierte Wörterbuchfunktion ist dafür natürlich auch ziemlich praktisch, falls man doch einmal ein Wort nachschlagen muss. Trotzdem werde ich mir meine absoluten Lieblingsbücher auch weiterhin zusätzlich als Printversion ins Regal stellen. Zumindest so lange es meine Regale noch zulassen. :) Ich denke aber auch schon darüber nach, komplett umzusteigen. Das bringe ich vorerst aber ehrlich gesagt nicht übers Herz. Ich möchte nicht darauf verzichten, ab und zu in einem Buch zu blättern. Durch die E-Books spare ich trotzdem jede Menge Platz. Ich kaufe mir Reihen nun erst als Printversion, wenn mir mindestens zwei Bände gefallen haben. Das ist dann zwar etwas teurer, als wenn ich sofort die gedruckte Buchversion gekauft hätte, spart aber jede Menge Platz in den Regalen. Da ich hauptsächlich englische Ausgaben kaufe, sind diese zudem oft wirklich für 1-3 Euro als E-Book zu haben. Da muss man nicht viel überlegen.

    • Antworten Papiergeflüster 7. November 2015 von 18:24

      Aktuell höre ich immer öfter von Freunden, dass sie über das gleiche Thema nachdenken. Ist interessant, wie es dann gehandhabt wird.

  • Antworten frederica987 10. März 2017 von 01:13

    Auf meinen Reader kommt bisher nur Zweitklassiges. Bücher, an denen ich vermutlich nicht hängen werde, die ich aber gern mal lesen möchte. Und meist billige (englische) oder sogar kostenlose (Klassiker) Bücher. Bücher, die mir wichtig sind, möchte ich dann doch irgendwann mal in gedruckter Form haben. Man weiß auch nicht, wie lange man noch E-Books in dieser Form wird lesen und wieder runterladen können. Ja, zur Zeit geht das auf absehbare Zeit aber was ist in 10 oder 20 Jahren? Wenn die Bücher evtl. nicht mehr aufgelegt werden? Meine Druckausgaben habe ich dann immer noch; von meinen E-Books weiß ich das nicht so sicher.

    Übrigens bin ich nun stolze Besitzerin eines Lehrbuches der inneren Medizin, das sicher mal an die 100 € gekostet hat. Es stand am Straßenrand „zu verschenken“. Das ist hier in der Gegend sehr verbreitet und ich habe schon einige interessante Bücher einfach aus Kartons gefischt, die Leute vors Haus gestellt haben. Man muss ein bisschen Glück bzgl. Ort, Zeitpunkt und Tragemöglichkeit haben, kann dann aber doch einiges ergattern. Das Medizinbuch hätte ich mir sonst aufgrund des Preises nicht gekauft, auch weil ich nicht Medizin studiere und mich das Thema nicht so brennend interessiert, dass ich 100 € investieren würde. Das Buch lag eine Weile im Bad und ich habe auf diese Weise mehr über das Thema gelesen als es ohne die Spenderkiste vermutlich der Fall gewesen wäre.

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