Belletristik Besprechungen

Mareike Fallwickl – Dunkelgrün fast Schwarz

5. März 2018

Moritz und Raffael waren drei Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal sahen und Raffael beschloss, dass sie Freunde seien. Ab dem Tag waren sie unzertrennlich, auch wenn Moritz schon früh spürte, dass Freundschaft vielleicht doch anders aussieht. Aber niemand entkommt Raffael, der schon als Kind sehr speziell ist. Als Jahre später Johanna neu in ihre Klasse kommt, ahnt Moritz Mutter Marie, dass dieses Dreiergespann nicht gut gehen kann.
Sechzehn Jahre später taucht Raffael plötzlich vor Moritz Tür auf, nachdem sie sich jahrelang nicht gesehen hatten, er war nach der Matura einfach verschwunden. Als dann auch noch Johanna dazu kommt, lässt sich die Wahrheit über die Vergangenheit nicht mehr aufhalten. Alte Wunden brechen auf, lange verschwiegene Wahrheiten werden ausgesprochen.

„Dunkelgrün fast Schwarz“ erzählt über die verschiedenen Facetten der Freundschaft. Von dem Halt den Freunde geben, aber auch dem Schmerz, den sie zielsicherer austeilen können, als jeder andere. Aber der Roman erzählt auch von einer Mutter, die mit ihren Kindern in ein kleines Bergdorf zieht, als Zugezogene dort lange einsam ist. Von Entscheidungen, die, einmal getroffen, das ganze Leben verändern. Von dem Willen einer Mutter, ihre Kinder vor Schmerz zu bewahren und ihrer Machtlosigkei; zusehen zu müssen, ohne etwas ändern zu können.

Die Geschichte wechselt zwischen verschiedenen Personen und Zeiten, gewinnt dadurch nach und nach an Tiefe, weil sich immer mehr Facetten zu einem Ganzen verbinden. Erzählt in einer entspannten, lebensnahen Sprache, auch mal deutlich und hart. Dann wieder zart und verletzlich, wie auch die Protagonisten.

Ein Buch, das erst recht entspannt beginnt, um sich dann immer tiefer und tiefer zu bohren, bis es einen auch nach dem Lesen nicht mehr loslässt. Nach der letzten Seite wollte ich nichts anderes lesen. Ich wollte zurück zu Motz, Marie und all den anderen.

Dass Mareike Fallwickl tolle Buchbesprechungen und Kolumnen schreibt, wusste ich ja schon. Das heißt ja nicht, dass sie auch ein ganzes Buch schreiben kann, das man lesen möchte. Aber sie kann es, dieses Debüt möchte man nicht nur lesen, man möchte mehr davon. Ein Glück, dass sie schon verraten hat, dass es mehr von ihr geben wird.

Dunkelgrün fast Schwarz – Mareike Fallwickl
Frankfurter Verlagsanstalt

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