Bloggerleben

Warum ich eure Mails ungelesen lösche

22. Mai 2016

Papierkorb

Als Blogger bekommt man täglich viel Post ins Mailfach. Seit Bücher veröffentlichen so einfach wurde, meinen Hinz und Kunz das auch tun zu müssen. Natürlich wäre es schön, wenn Buchblogger dann ein wenig Werbung für das Werk machen würden und eine Massenmail an ein paar hundert Blogger ist schnell geschrieben. Um ehrlich zu sein, solche Mails lösche ich meistens ungelesen.

Warum mache ich mir nicht einmal die Mühe sie zu lesen oder gar zu beantworten?

Auf meiner Impressumsseite, die jeder aufgesucht haben sollte, der mir eine Mail an die Blogadresse schreibt, steht ein deutlicher Hinweis, dass ich keine Rezensionsexemplare annehme. Aus Zeitgründen. Wer mir trotzdem schreibt, der muss damit zurechtkommen, dass ich nicht antworte. Nach einer Woche nachzufragen, ob ich denn die Mail nicht gelesen hätte, motiviert mich garantiert nicht, das Buch jetzt doch noch zu besprechen. Die meisten dieser Mails sind einfache Copy & Paste Nachrichten. Die ganz Gewitzten schreiben noch einen ersten Satz, dass sie so gerne die Rezensionen auf meinem Blog lesen würden. Um mir dann ihr Buch aus einem Genre zu empfehlen, das ich garantiert nicht lese und nie bespreche. Wenn ich jede dieser Mails beantworten würde, würde ich mir mehr Arbeit machen, als es die Anfragenden selbst taten. Selbst wenn ich eine gespeicherte Standardantwort schicken würde. Das ist pro Mail nicht viel Zeit, aber in der Summe aller Mails kommt da ganz schön was zusammen. Zeit, die ich lieber zum Lesen eines Buches verwende.

Warum will ich euer Buch nicht lesen?

Weil ich in meiner Freizeit lese. Niemand bezahlt mich dafür. Ich habe einen Job, ein Leben, was dann noch übrig bleibt, wird zum Lesen und darüber bloggen genutzt. Das ist oft wenig genug Zeit. Wer würde da nicht lesen wollen, was er sich selbst ausgesucht hat? Bücher von Selfpublishern gehören da so gut wie nie dazu. Damit entgehen mir sicher ein paar wenige Perlen. Die aber in einem Meer an Schund verborgen sind, es ist nicht meine Aufgabe, diese Perlen zu finden. Was kein Lektorat und Korrektorat durchlaufen hat, kommt mir erst gar nicht in die Lektüreliste. Und damit meine ich nicht, dass Tante Elfriede mal drüber gelesen hat. Natürlich sind Lektorat und Korrektorat keine Qualitätsgarantie, auch bei Verlagen habe ich schon Werke gefunden bei denen ich mich fragte wie man es schafft, solche Patzer zu übersehen. Aber nur ein verschwindend winziger Anteil an Büchern wurde schlechter, weil ein Lektor und ein Korrektor mit am Text arbeiteten. Also bitte, wenn ihr euch Lektor und Korrektor spart, erspart mir eure Anfragen, ich werde diese Bücher nicht lesen.

(Nachträgliche Ergänzung, weil dieser Absatz oft falsch verstanden wurde. Ich weiß, dass es Selfpublisher gibt die sehr professionell veröffentlichen, auch mit Lektorat und Korrektorat und dass es wirklich tolle Bücher auch im Selfpublishing-Bereich zu entdecken gibt. Aber leider leistet sich die Masse der Selfpublisher das nicht, was es den guten Autoren schwer macht, weil ihre Werke in dieser Masse untergehen. Leider ist es auch gerade diese Masse der Selfpublisher, die Copy & Paste Mails verteilen und einem unerwünscht das Mailfach füllen. Es war nicht meine Absicht, alle Selfpublisher über einen Kamm zu scheren.)

Es geht immer noch besser

Mit den Jahren sieht man ja so einiges an Anfragen, die meisten lösche ich inzwischen ungelesen. Ab und an findet man aber doch faszinierende Mails. Erklärt mir eine „Autorin“ doch, dass der Verlag erst bei 150 Vorbestellungen drucken würde. Ob ich nicht Werbung für dieses Buch machen könnte, dass es noch gar nicht gibt, nur eine Leseprobe. Wenn es dann erscheint, würde ich natürlich auch ein Exemplar bekommen.

Meine Leser vertrauen meinem Urteil, warum sollte ich ein Buch besprechen, das ich gar nicht gelesen habe, weil ich es nicht lesen konnte, weil es gar nicht existiert?  Ich hatte kurz überlegt, der „Autorin“ zu antworten, sie solle sich einen vernünftigen Verlag suchen. Eine solche Praxis ist nämlich nicht üblich. Ich habe ihr die Antwort erspart und die Mail gelöscht.

Ein weiterer Liebling der Rezensionsanfragen ist der, an dem das Buch gleich als eBook angehängt ist. Diese Teile sind nicht immer klein, wie auch immer die Autoren es schaffen, solche Monster zu fabrizieren. Mein Mailfach ächzt schon mal, wenn das mehrmals an einem Tag geschieht. Auch ein Fall, der sofort gelöscht wird.

Mein persönliches No -Go

Womit man mich als Buchhändlerin ja besonders ärgern kann, sind Rezensionsanfragen für Bücher, die nur bei Amazon lieferbar sind, weil es so wunderbar einfach ist, dort zu veröffentlichen. Meistens eBooks, aber inzwischen gibt es die ja auch gedruckt. Wer wirklich regelmäßig und gerne mein Blog liest, wie es so oft behauptet wird, der kann sich denken, dass er mir solche Anfragen besser gleich erspart. Manchmal bin ich nämlich masochistisch veranlagt, lese die Anfragen die eintrudeln tatsächlich und beantworte sie. Sehr ehrlich und deutlich. Weil auch mir mal die Hutschnur platzt. Man hätte ja den Hinweis auf der Impressumsseite einfach beachten und mich nicht anschreiben können.

Ich arbeite nicht grundsätzlich ohne Rezensionsexemplare, aber ich wähle sehr genau und nach meinem Geschmack aus, was ich anfrage. Es gibt ein paar Herzensverlage, denen ich blind vertraue. Aber sonst bin ich wählerisch, weil es meine wertvolle Lebenszeit ist, die ich mit den Büchern verbringe. Es ist sowieso schon zu wenig Zeit, alle lesenswerten Bücher zu lesen. Ich lasse mich gerne über Bücher informieren. Aber wenn ich nicht auf eure Mails antworte, habe ich entweder kein Interesse an diesem Buch, oder die Mail gar nicht erst gelesen. Akzeptiert das. Mein Leben, meine Zeit, meine Buchauswahl.

53 Kommentare

  • Antworten Jacquy 22. Mai 2016 von 18:54

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Mit dem Hinweis, dass du Anfragen generell nicht annimmst, hätten bei mir auch direkt alle verspielt. Wer nicht lesen kann oder es sogar absichtlich ignoriert, hat keine Antwort verdient. Ich selbst bekomme nur recht selten Anfragen, aber das sind zu 90% auch welche, wo das Buch absolut null meinem Geschmack entspricht – was man innerhalb von zwei Minuten hätte rausfinden können. Da mache ich mir dann auch keine Mühe, eine Antwort zu tippen und das sollten die Autoren auch erwarten und damit leben können.
    Auch wenn das irgendwie gemein klingt: Ich finde das völlig gerechtfertigt.

    Liebe Grüße!

    • Antworten Papiergeflüster 22. Mai 2016 von 19:00

      @Jacquy Vielen Dank 🙂

  • Antworten Tausend Leben 22. Mai 2016 von 19:36

    Toller Beitrag. Ich bin ja noch relativ neu dabei und lese auch nur das, was ICH unbedingt lesen möchte. Ich habe so schon das Gefühl, dass ich so viele tolle Bücher verpasse weil die Zeit einfach nicht reicht. Um drittklassige Bücher zu lesen – oder Bücher ohne jede Klasse – ist das Leben definitiv zu kurz. Ich kann mir vorstellen wie nervig es sein muss, von solchen Anfragen überschwemmt zu werden. Alleine die Zeit, die das Löschen der Mails in Anspruch nimmt…

  • Antworten Emma 22. Mai 2016 von 19:37

    Hey,
    dein Artikel ist wirklich genial. Ich kam mir neulich schon etwas blöd vor, weil ich Bücher von Selfpublishern auch meist ablehne. Diese Mails von Leuten, die meinen Blog lesen und mir dann Sachen andrehen wollen, die ihrer Meinung nach zu mir passen, nerven mich auch kommen bei mir aber noch nicht so häufig vor was wahrscheinlich auch mit meiner Reichweite zusammen hängt.
    Allerdings saß ich neulich auch auf der anderen Seite und wollte andere Blogger für ein Projekt begeistern. Da kamen auf meine Mails auch wenige Rückmeldungen. da habe ich mir dann auch gedacht das keine Antwort eben auch eine Antwort ist
    Viele Grüße
    Emma .

  • Antworten Paul Hübscher 22. Mai 2016 von 20:00

    Besonders genial sind die (auch Verlage!), die mir ein e-book andrehen wollen. Jeder, der mein Blog auch nur ansatzweise gelesen hat (was ich von solchen Leuten erwarte!), weiss, dass mit e-books bei mir kein Blumentopf zu gewinnen ist. Aber lesen ist offenbar schwieriger als schreiben…

  • Antworten MsBookpassion 22. Mai 2016 von 20:25

    Hallo 🙂
    Ein sehr gelungener Artikel, den ich absolut unterschreiben kann.
    Zwar bekomme ich selbst nur selten Anfragen, aber wenn welche kommen, dann passen sie absolut nicht in mein Beuteschema oder die Anfragen sind einfach nur unpersönlich. Sowas mag ich dann schon nicht.
    Das mittlerweile jeder glaubt er könne schreiben und müsste das auch noch veröffentlichen… *hach* Ich finde es einfach schade, welche Ausmaße das alles angenommen hat. Und kann dich da sehr gut verstehen, was die Selfpublisher angeht. Von denen halte ich mich – auf Grund schlechter Erfahrungen – fern.

    Finde das alles absolut legitim, wie du das handhabst. Ganz nach dem Motto: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil 🙂

    Danke für den tollen Artikel.
    Liebe Grüße
    Jacky

  • Antworten Silvia 22. Mai 2016 von 21:23

    Gerade in den letzten Wochen habe ich das Gefühl, das viel mehr solcher Mails meinen Briefkasten erreichen. Warum ein Autor, der soviel Zeit in ein Buch investiert, nicht auch etwas Zeit damit verbringen kann passende Kundschaft und Blogs anzuschreiben kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich bemühe mich allerdings Alls Mails zu beantworten. Aber vielleicht bekomme ich nicht ganz so viele wie du…

  • Antworten Ein Gespenst namens Rezension | Bianca Fuchs 22. Mai 2016 von 21:51

    […] Zeit immer häufiger dazu, dass Blogger zu recht ihren Unmut darüber äußern (zum Beispiel hier). Wer also einen Blog gefunden hat, von dem er glaubt, sein Buch könnte dem Inhaber gefallen, […]

  • Antworten Andrea 22. Mai 2016 von 22:12

    Ich kann Dich sehr gut verstehen. Aber den einen Grund Deiner Wut kann mann vielleicht ein bisschen abschwächen: Du hast doch auch ein Mailto-Icon in Deiner Menu-Leiste, es muss also nicht zwingend so sein, dass alle Deine Bitte im Impressum extra noch ignoriert haben, indem sie Dir schreiben.

    • Antworten Papiergeflüster 22. Mai 2016 von 22:18

      Stimmt, den habe ich aber erst seit dem Relaunch im Februar diesen Jahres. Die Mails bekomme ich schon seit Jahren. ?

  • Antworten DerSinn 22. Mai 2016 von 22:44

    Dem schließe ich mich vollinhaltlich an! 😀

  • Antworten Sayuri (Sabrina) 22. Mai 2016 von 23:29

    In einigen Punkten gebe ich dir recht, in anderen nicht.
    Ich lese dennoch alle Mails, ich finde das wenn man schon eine Mailadresse angibt, dann sollte man so höflich sein zu antworten. Die Mail muss ja nicht höflich sein 😉
    Den genau das passiert mir auch, wenn derjenige mich mit Falschen namen anschreibt oder Frau Buchmagie.de oder so bekommt er die Passende Antwort. Die sollen gefälligst aus Fehlern lernen! Oder wenn das Genren nicht passt, sorry ich hab ein mediakit da steht ALLES drin, wer was annimmt und wer was ließt. Wenn dann so Floskeln: ich habe deinen Blog mit Freude gelesen daher hier Buch xy für dich, und es ist ein Krimi, den bei uns wirklich KEINER ließt. dann bekommt derjenige seine Antwort, patzig und genauso unpersönlich.

    Aber ich nehme durchaus auch gut geschriebene Emails an. Und habe wunderbare Perlen von Selbstpublishern gefunden. Ich finde es schade, dass man meint nur weil man SPler ist, das man Korrektorat und Lektorrat spart. Die meisten die ich gelesen habe, hatten alle ein teures selbst finanziertes! Die geben sich dann auch richtig mühe in Emails. Ich unterstütze lieber einen Spler als nen Verlag.Ich hab schon so schlechte Verlagsbücher gelesen (erst vor kurzen wieder) und so tolle andere. Daher gebe ich jeden, der vernünftig anfragt, auch eine Chance. Ich sage auch ehrlich wenn ich einfach keine Zeit habe. Die meisten schenken einen dennoch das Buch und meinen dann “wenn du mal Zeit hast kannst du reinschauen” Ohne zwang ohne das man dann und dann einen link schicken muss. Ich habe so auch viele Autoren kennengelernt, persönlich getroffen und geschnackt. Einige sind lieb gewonnene Freunde geworden, mit denen man sich auch so außerhalb der Bücherwelt trifft.
    Das bisschen zeit für die Mails (und ich bekomm an die 200 die Woche) nehme ich mir, auch neben Vollzeitstudium, Familie, Kind und Hobby! Ich bin höfflich erzogen worden, das ich wenigstens Absagen verteile.

    • Antworten Papiergeflüster 23. Mai 2016 von 06:32

      Ich habe auch einen Briefkasten, auf dem steht “Bitte keine Werbung einwerfen”. Die meisten halten sich daran. Ich schreibe denen, die es nicht tun, auch keinen Brief. ? Auf Copy & Paste Mails nicht zu antworten, finde ich nicht unhöflich.
      Natürlich gibt es auch Selfpublisher die sich ein Lektorat und Korrektorat gönnen, aber die meisten leider nicht. Ich bin nicht bereit, die wenigen guten in der Masse zu suchen.

  • Antworten buzzaldrinsblog 23. Mai 2016 von 00:25

    Liebe Simone,

    ich kann deinen Ärger sehr gut nachvollziehen, vor allen Dingen gerade dann, wenn du schon extra darauf hinweist, dass du keine Rezensionsexemplare annimmst. Ich versuche so häufig wie möglich zu antworten, ärgere mich aber auch immer wieder über unverlangt eingesandte Bücher und zuletzt auch immer häufiger über Agenturanfragen. Da ist es manchmal egal, wie häufig ich darum bitte, vom Verteiler gelöscht zu werden, ich kriege doch immer wieder eine Nachricht.

    Liebe Grüße
    Mara

  • Antworten Jürgen Schulze 23. Mai 2016 von 09:24

    Mein Anwärter auf Platz 1 der unverschämten Anfragen war ein per Spam-Technik (verborgene Header-Bereiche in der Mail, für die Teckies unter euch) eines polnische Autors eines per Google Translate übersetzen Textes, der netterweise gleich im Anhang steckte.

    • Antworten Papiergeflüster 23. Mai 2016 von 15:01

      Ach je, es geht wirklich immer noch besser. 😉

  • Antworten Zeitzeugin /Wortgezeiten 23. Mai 2016 von 14:41

    Grundsätzlich handhabe ich es sehr ähnlich.
    ABER du weißt schon, dass sich auch so mancher Selfpublisher ein Lektorat und Korrektorat leistet? Der Absatz hätte meines Erachtens nach echt nicht sein müssen.

    • Antworten Papiergeflüster 23. Mai 2016 von 15:01

      Das weiß ich, aber die Masse tut es leider nicht und macht es damit den anderen schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Und gerade aus der Ecke kommen die meisten Anfragen. Dass dieser Absatz polarisiert, ist mir klar. Aber meine Blog, meine Meinung. Und so denke ich nach 8 Jahren als Bloggerin mit diversen Erfahrungen.

      • Antworten Zeitzeugin /Wortgezeiten 23. Mai 2016 von 17:41

        Ich blogge auch seit mehreren Jahren. 🙂
        Dass du deine Meinung behalten darfst, ist natürlich logisch, korrekt finde ich es dennoch nicht. AUch nur meine Meinung. Dem Rest deines Beitrags stimme ich jedoch zu. 🙂

  • Antworten Sabrina 23. Mai 2016 von 16:54

    Ich bin nicht an Rezensionsexemplaren und ähnlichen Angeboten interessiert und mache das auf meinem Blog auch deutlich. Wer mich trotzdem mit solchen Angeboten anschreibt, kann lange auf eine Antwort warten. Und wer mich ungefragt und unerwünscht anschreibt, soll mir bloß nicht mangelnde Höflichkeit vorwerfen, wenn ich nicht antworte. Die mangelnde Höflichkeit kann man bei der Person suchen, die meine ausdrücklichen Infos und Wünsche ignoriert hat.

  • Antworten Chris Popp 23. Mai 2016 von 17:58

    Ich musste mehrmals herzhaft lachen, weil sich die Erfahrunen ja mal so was von decken. 🙂

  • Antworten Christian 25. Mai 2016 von 07:39

    Naja, kein schlechter Artikel, verständlich zwar, aber….
    Es gibt immer ein aber. Es ist doch so, dass die meisten Blogger immer dieselben Bücher von den großen Verlagen lesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die hundertste Rezension von diversen “gehypten” Büchern noch sinnvoll ist. Sehr wenige bieten kleineren bis mittleren Verlagen doch die Möglichkeit ihre wirklich guten Romane (natürlich nicht alle) einen größeren Publikum bekannt zu machen. Nein, da muss es dir hundertste Besprechung eines Bestellers sein….gähn. Da könnt ihr auch mal an die Nase nehmen 🙂

    Auch bei den Buchhändlern geht das in dieselbe Kerbe. Und dann jammern alle wegen den großen bösen Am***** Aber das ist ein anderes Kapitel, gehört nicht zu dem Artikel.

    • Antworten Papiergeflüster 25. Mai 2016 von 07:52

      Auf Papiergeflüster gibt es natürlich auch mal Besprechungen zu aktuellen Bestsellern, aber genauso auch Nischenliteratur. Ich denke die Mischung passt. Manchmal will ich diese Bestseller nämlich wirklich lesen uns dann schreibe ich auch darüber. Ich entscheide mich nicht für oder gegen ein Buch, weil es ein Bestseller ist. Sondern weil es mich gerade interessiert.
      Im Buchhandel geht es dabei auch schlicht um Wirtschaftlichkeit. Die sich selbst verkaufenden Bestseller sind die Brotartikel des Buchhandels. Sollen wir die den Supermärkten und Tankstellen überlassen und selbst nur Liebhaberliteratur verkaufen? Davon kann keine Buchhandlung überleben. Man beachte den zweiten Teil des Wortes: Handel.

      • Antworten Christian 25. Mai 2016 von 08:10

        Das man als Buchhändler auch die aktuellen Bestseller haben muss, steht außer Frage.
        Ich finde als kleiner Buchhändler sollte man sich aber zusätzlich spezialisieren weil…. die großen Besteller ich als Kunde ja eh überall bekomme, da brauch ich keine großartigen Empfehlungen, Rezension etc., und gerade wenn man Literatur abseits des Mainstreams sucht, ja genau dann einen Buchhändler braucht!
        Und der Buchhändler hat ja eigentlich sehr wenig Risiko wenn er solche Nischenprodukte zusätzlich nimmt. Denn schließlich hat er ja volles Rückgaberecht wenn sich keines der Bücher verkauft. Ist eigentlich eine herrliche geschäftsmännische Situation, weil ich kenne wenig Einzelhandelsbranchen wo man quasi ohne kaufmännisches Risiko Ware einkaufen kann….

        Ich will nicht aggressiv daherkommen, aber das “stört” mich halt sehr oft, wenn manche Buchhändler immer jammern… ich finde das gehört auch mal gesagt oder?

        • Antworten Papiergeflüster 25. Mai 2016 von 08:46

          Natürlich darf das gesagt werden. 🙂 Aber da liegt ein grundsätzliches Missverständnis vor. Wir Buchhändler kaufen nicht ohne kaufmännisches Risiko ein. Wir können nicht alles einfach zurück schicken, nur eine bestimmte Quote. Bezahlen müssen wir die Ware trotzdem bei Einkauf, remittieren frühestens nach einem Jahr. Bis die Rückzahlung kommt, vergeht nochmal eine gewisse Zeit. So lange ist das Geld weg. Und die Bücher belegen Regalplatz, der begrenzt ist. Wo sonst Bücher stünden, die sich verkaufen und damit Geld einbringen würden.
          Dass Nischenprodukte sinnvoll sind, um sich von der Masse abzusetzen stimmt, da gebe ich Dir eindeutig recht. Aber jeder Buchhändler muss nach dem einkaufen, was seine Kunden (die Mehrheit, nicht Einzelne) kaufen wollen. Wenn man in einer Großstadt ist, kann man sich die Nische eher erlauben, als in einer kleineren Stadt. Das ist alles gar nicht so einfach. 🙂

  • Antworten mikkaliest 25. Mai 2016 von 12:09

    Huhu!

    Ich habe meine Impressum-Seite gerade so geändert, dass jetzt über UND unter meiner Email-Adresse in roten Lettern steht, dass ich zur Zeit keine weiteren Rezensionsexemplare annehme. Mal schauen, ob das einen Unterschied macht (ich vermute: nein).

    Und ja, ich kenne das auch, dass mir jemand schreibt, er finde meinen Blog soooo toll – und mir dann ein Buch anbietet, das keinen Schlag in mein Beuteschema passt…

    Ich lese manchmal ganz gerne Indie-Bücher, aber da schaue ich dann schon erstmal drauf, ob da Sorgfalt reingesteckt wurde im Sinne eines Korrektorats und/oder Lektorats. Ulkigerweise lese ich gerade ein Buch einer Indie-Autorin, die tatsächlich beides in Anspruch genommen hat – wo aber dann anscheinend der Lektor/Korrektor schlampig gearbeitet haben… Aber meist verbessert ein Lektorat ein Buch eben doch, wie du schon sagtest.

    Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, weniger Rezensionsexemplare anzunehmen und mich auf die zu konzentrieren, die ich selber anfrage, weil mich die Bücher wirklich interessieren.

    LG,
    Mikka

  • Antworten Amelie 25. Mai 2016 von 12:31

    Kann ich nur beipflichten! Wundervoll gesagt! Und hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich nehme Rezensionsexemplare zwar auch nur dann, wenn ich sie beim Verlag angefragt habe, aber es passiert doch immer wieder, dass eine Rundmail von einem meiner Standardverlage kommt und ich mich hinreißen lasse, das Buch daraufhin “anzufragen” beziehungsweise das Angebot anzunehmen. Meist ist das nämlich ein ziemlicher Griff ins Klo. Und wie du schon sagtest, ist das alles hier ein Hobby und man sollte tatsächlich die Bücher, die man liest, besser aussuchen, um seine Zeit nicht mit etwas zu verschwenden, bei dem man sich schon im Voraus nicht sicher ist, ob es einem gefallen wird.

  • Antworten Poettgen 25. Mai 2016 von 23:40

    Hallo, mir sind doch glatt die Tränen gekommen wegen der schweren Schicksale, die hier geschildert werden. Wie sähe es um die Gemütslage aus, wenn gar keine E-Mails mehr kämen und der Verdacht entstünde, dass die wundervollen Blogs keine Beachtung mehr fänden?
    Tschüss
    Anne Poettgen

    • Antworten Papiergeflüster 26. Mai 2016 von 07:26

      Ich habe schon zu Zeiten geloggt, als sich noch kaum ein Verlag für Blogger interessierte und es Selfpublisher nicht in dieser Menge gab. Blogger sind weniger auf Selfpublisher angewiesen als umgekehrt.

    • Antworten mikkaliest 26. Mai 2016 von 11:39

      Es kommen bei mir auch genug Mails an, wo man merkt, da hat sich jemand die Mühe gemacht, auch wirklich mal zu gucken, ob das Buch auch zum Blog passt – und über diese Mails freue ich mich sehr. Wenn aber der Eindruck entsteht, dass der Blog ausschließlich als kostenlose Werbeplattform gesehen wird, warum sollte ich mich dann darüber freuen?

  • Antworten Book Experiences 26. Mai 2016 von 23:08

    Kann ich genau so unterschreiben. Vor allem deine abschließenden Worte bringen es nochmal genau auf den Punkt! Da habe ich dann inzwischen auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich auf manche Mails einfach gar nicht antworte.

    Viele Grüße
    Juliana

  • Antworten Christian 27. Mai 2016 von 08:02

    Also ich muss Anna Poettgen recht geben.
    Mädels und Jungs, jetzt tut mal nicht so auf “arm” und auf so wichtig! Unfassbar!
    Ihr seit Blogger und eines der Begleiterscheinungen des Blogger Dasein ist es nun mal, das man viele Mails bekommt. Das ist vielleicht Arbeit und kostet Zeit? Oh ja, aber that´s life, oder andes gesagt, wenn man ein Pony reitet muss man auch den Stall ausmisten…. 🙂

    • Antworten Papiergeflüster 27. Mai 2016 von 08:36

      Nicht wenn in meinem Blog deutlich steht, dass ich diese Art Mails nicht möchte. Wer das meint nicht lesen/beachten zu müssen, der darf auch nicht mit einer Antwort rechnen.

      • Antworten Christian 27. Mai 2016 von 09:23

        Ach bitte, das ist sinnloses Jammern, Natürlich ist wer lesen kann klar im Vorteil, aber das tut fast niemand im Internet.
        Ich weiß zum Beispiel das viele Verlage Manuskripte nur postialisch und nicht per mail wollen, und dreimal darfst raten was oft passiert. Und ja selbst die antworten darauf und sei es nur das…bla bla
        Oder oder oder, aber wer ernsthaft einen öffentlichen Blog hat, muss man auch manchmal antworten. Denkt doch mal umgekehrt, wenn ihr mal was nicht lest oder “absichtlich” überlest…. Bin überzeugt das ich euch auch schon mal passiert.

        Also eine Bitte zum Schluss, vermisst mir jetzt nicht meine Blogger die ich lese, weil wegen so einen Thema verliert man die Lust, das kommt so großspurig von euch daher, wie wenn ihr Superstars seit und macht euch deswegen nicht sympathischer. Im Gegenteil.
        Wer die Mails nicht “aushaltet” darf halt nicht öffentlich bloggen! Punkt!
        Es soll euch nichts schlimmeres passieren und denkt an eines: Bevor der Hochmut vorm Fall kommt in euren Fall, denkt an: “Trends (Blogger) kommen und gehen” und dann jammert ihr erst wieder.

  • Antworten Christian 27. Mai 2016 von 09:25

    Ach bitte, das ist sinnloses Jammern, Natürlich ist wer lesen kann klar im Vorteil, aber das tut fast niemand im Internet.
    Ich weiß zum Beispiel das viele Verlage Manuskripte nur postialisch und nicht per mail wollen, und dreimal darfst raten was oft passiert. Und ja selbst die antworten darauf und sei es nur das…bla bla
    Oder oder oder, aber wer ernsthaft einen öffentlichen Blog hat, muss man auch manchmal antworten. Denkt doch mal umgekehrt, wenn ihr mal was nicht lest oder “absichtlich” überlest…. Bin überzeugt das ich euch auch schon mal passiert.
    Also eine Bitte zum Schluss, vermisst mir jetzt nicht meine Blogger die ich lese, weil wegen so einen Thema verliert man die Lust, das kommt so großspurig von euch daher, wie wenn ihr Superstars seit und macht euch deswegen nicht sympathischer. Im Gegenteil.
    Wer die Mails nicht “aushaltet” darf halt nicht öffentlich bloggen! Punkt!
    Es soll euch nichts schlimmeres passieren und denkt an eines: Bevor der Hochmut vorm Fall kommt in euren Fall, denkt an: “Trends (Blogger) kommen und gehen” und dann jammert ihr erst wieder.

    • Antworten Papiergeflüster 27. Mai 2016 von 10:17

      Keine Sorge, ich antworte oft genug auf Mails. Nur eben nicht auf diese Art Mails. Weder fühle ich mich als Superstar, noch empfinde ich es als Hochmut wenn ich selbst über meine Zeit und was ich mit ihr anfange bestimme. Bloggen ist ein Hobby, ich verdiene keinen Cent damit. Deshalb muss ich überhaupt nichts und darf alles. Punkt!

      • Antworten Christian 27. Mai 2016 von 10:31

        Deshalb muss ich überhaupt nichts und darf alles. Punkt!

        Ja so sehen das wohl dann alle, auf beiden Seiten.

  • Antworten Peter Hakenjos 28. Mai 2016 von 13:42

    Och Männoh! Jetzt bin ich aber sowas von enttäuscht, wo man doch so super über Blogger verkaufen kann und ich habe keine Chance … heulllll! Na ja, da die meisten Blogger so viele Leser haben wie ich, während die anderen für weibliche Leserinnen bis 28 bloggen und ich selbst 67 (noch!) bin, trockne ich meine Tränen gleich wieder 🙂

    • Antworten mikkaliest 30. Mai 2016 von 10:51

      Ich denke, die meisten Blogger wollen ja gar nicht sagen, dass Selfpublisher keine Chance haben, sondern nur, dass es nett wäre (und auch ein Zeichen von Respekt, der natürlich von beiden Seiten kommen sollte), wenn sich der Schreiber der Mail die Mühe machen würde, sich den Blog zumindest KURZ anzuschauen, ob der Blogger zur Zeit überhaupt Rezensionsexemplare annehmen kann oder ob das Buch halbwegs zum Blog passt. Meistens lässt sich das ja mit nur ein, zwei Klicks schon herausfinden.

      (Nur nebenher: ich bin 39 Jahre alt und blogge zwar über Jugendbücher und Fantasy, aber genauso auch über Klassiker, historische Romane und Gegenwartsliteratur. Anfang Juli mache ich mit bei einer Blogtour zu einem Buch einer 83-jährigen Autorin. Man kann genauso wenig alle Blogger über einen Kamm scheren, wie man alle Selfpublisher über einen Kamm scheren kann.)

  • Antworten Astrid 31. Mai 2016 von 13:45

    Ich verstehe vollkommen deine Problematik und kann auch verstehen, dass es nervt, wenn man ständig Mails bekommt, die man einfach nicht haben will.

    Leider kommt auch jetzt mein Aber, das wenig mit der Thematik, aber mit deinem Ton zu tun hat. Ich verfolge deinen Blog schon echt lange (und ich würde fast sagen, bis fast zu den Anfängen) und du hast mir zu sehr vielen Zeiten viele Anregungen geschenkt. Aber seit geraumer Zeit finde ich, dass du einen arg bissigen, teilweise überheblichen Ton anschlägst.

    Auch hier: Ich verstehe vollkommen, dass du auf die Mails nicht antwortest und genauso, dass du diese nicht lesen willst. Leider klingen viele deiner Beiträge mittlerweile trotzdem von oben herab, was ich so schade finde, weil es mir sehr oft die Lust nimmt weiterzulesen.

    • Antworten Papiergeflüster 31. Mai 2016 von 16:46

      Liebe Astrid, das tut mir leid, kann ich aber nicht ändern, weil ich es nicht nachvollziehen kann. Dieser Artikel hier ist bissig und von oben herab, das war auch so gedacht. Aber bei allen anderen Artikeln ist es das nicht, ich denke auch nicht bissig oder von oben herab wenn ich sie schreibe und wüsste wirklich nicht, was ich anders formulieren sollte. Die meisten Artikel sind ja auch Buchbesprechungen, die meisten davon positiv. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, was daran bissig oder von oben herab sein soll. Ich halte mich nicht für etwas besseres, wer mich kennt, weiß das. Mein Schreibstil ist oft knapp und schnörkellos, aber das war er schon immer und hat nichts mit Arroganz zu tun.

  • Antworten Susanne Fuß 12. Juni 2016 von 00:27

    …von der anderen Seite gesehen oder: Aus dem Leben eines Ein-Euro Jobbers.

    Ich oute mich direkt: Ich gehöre zu den Schmuddelkindern, zu den Self-Publishern, mit denen man jetzt also nicht mehr spielen will, ich gehöre zu denen ,die die Absagen der Verlage nicht davon abschrecken konnten, ihre (Mach)Werke an das Licht der Öffentlichkeit zu bringen (ein gar nicht so einfaches Unterfangen, schließlich wird es bei 70.000 Neuerscheinungen pro Jahr schwierig, noch einen Platz an der Sonne zu finden).

    Als Self-Publisher muss man bekanntlich alles selber machen – auch das Marketing. Da der Self-Publisher kein Feuilleton findet, das zu einer Rezension bereit wäre, schweift der Blick unweigerlich über die große, weite Bloggerlandschaft, die als einzige eine Chance auf Öffentlichkeit jenseits des eigenen Bekanntenkreises verspricht. Und so schreibt der Autor notgedrungen Blogger an. Wenn der Autor dann auch noch ein finanzielles Anliegen mit seiner Tätigkeit verfolgt bzw. verfolgen muss, ist die Notwendigkeit, Aufmerksamkeit zu erzielen, noch einmal drängender. Sicherlich ist es für den Blogger nicht erfreulich, wenn er – ungeachtet seiner im Blog dokumentierten literarischen Vorlieben- standardisierte Massen-E-Mails bekommt, die DEN Self-Publishing Roman annoncieren, auf den die Welt noch gewartet hat. E-Mails dieser Art sollten sich leicht identifizieren und ebenso einfach in das digitale Nirwana befördern lassen. Notfalls markiert man die Mails besonders aufdringlicher Zeitgenossen als Spam. Und Tschüss! Wo liegt das Problem?

    Das Problem für den Self-Publisher ist leider nicht so einfach vom Tisch. Würden alle Blogger grundsätzlich ausschließen, E-Mails von Self-Publishern zur Kenntnis zu nehmen, würde dem Self-Publisher die zentrale Möglichkeit des Marketings genommen und die nahezu einzige Chance, sich als Autor zu etablieren. Die meisten Debütautoren erfahren, wenn sie es nicht schon wissen, sehr schnell, dass kein Verlag unverlangt eingesandte Manuskripte in irgendeiner Form ernsthaft wahrnimmt und dieser Weg schlicht nicht mehr gangbar ist.

    Es wird bemängelt, dass sich Self-Publisher keine Zeit nehmen und keine Mühe beim Anschreiben der Blogger machen. Angenommen ein Autor schreibt nicht aus reinem Hobby, sondern muss zumindest ein bescheidenes Einkommen mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit erzielen, dann stellt sich bei allen Tätigkeiten auch immer die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Das Schreiben des Werks wurde zunächst in Vorleistung erbracht, die Veröffentlichung hat weiteres Geld gekostet. Nun steht noch die stundenlange Recherche nach passenden Blogs im Internet an. Dazu noch das Verfassen von Anschreiben. Auch mir ist es passiert, dass ich nachts, nach längerer Suche, nicht mehr in der Lage war, ein super originelles, persönliches Anschreiben zu verfassen. Also schreibe ich den Standard: „Ich glaube, Dir könnte mein Buch gefallen, möchtest Du eine Rezension schreiben?“usw. Und, ja, auch ich habe schon Blogger angeschrieben, die in ihrem Impressum darauf hinweisen, dass sie keine Rezensionsanfragen beantworten. Ich habe mit “Driving Phil Clune” eine Komödie geschrieben, ein Genre, das in der Bloggerlandschaft unterrepräsentiert ist. Wenn man sich stundenlang durch Fantasy, Romance, Chick Lit und Thriller-Blogs gekämpft hat, und dann endlich jemand findet, der genau ins Beuteschema passt, wo Hintergrund, Alter und Schreibstil gleichermaßen BINGO schreien, dann macht man sich voller Eifer an das Anschreiben und muss nur noch schnell die E-Mail-Adresse suchen, um festzustellen, dass Rezensionsanfrage nicht beantwortet werden. Das macht man zwei, dreimal mit – und dann probiert man es halt doch, weil man es sich zum Ziel gesetzt hat, wenigstens eine Rezensionsanfrage pro Tag abzusenden und die Hoffnung grundsätzlich zuletzt stirbt. In einem Fall habe ich mich auch dazu hinreißen lassen, ungefragt ein E-Book zu verschicken. Es hatte einfach alles gepasst! Wie man sich denken kann, kam nichts dabei raus, außer einer entnervten Absage. Immerhin mehr als Nichts.

    Rezensionsanfragen zu schreiben ist Arbeit und zwar gänzlich unbezahlte Arbeit. Wenn man Erfolg hat, darf man dem Blogger ein Buch schenken, das ich z. B. mittlerweile auch selber bezahlen muss, da mein Rezensionsexemplarkontingent beim Verlag ausgeschöpft ist. Was zurückkommt ist zwar sehr wichtig, hat allerdings nichts mit Geld zu tun: Es ist die Bestätigung, von der Sache her auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn man sich finanziell im freien Fall befindet. Es hat sich darüber hinaus der eine oder andere nette Kontakt ergeben. Wenn ich den Erfolg allerdings finanziell ausdrücken sollte, würde jeder Ein-Euro-Jobber im Vergleich zum Großverdiener. Ich habe errechnet, dass ich für jede Rezensionszusage 7 Stunden arbeiten musste (passende Blogger aussuchen, anschreiben. Nach 12-14 Anschreiben kommt vielleicht eine Zusage zurück.) Gut Zweidrittel der Blogger veröffentlicht dann tatsächlich eine Rezension, der Rest schweigt, auch nach mehrfacher Bitte. Mir wäre ein netter Zweizeiler bei Amazon als Rezensionsersatz schon recht, aber auch dazu reicht es offensichtlich nicht. Immerhin darf ich nach einem Jahr auf 9 wunderbare Bloggerrezensionen zurückblicken. Mit einem Blogger, der mit dem Humor in in meinem Roman nichts anfangen konnte, habe ich mich auf den Verzicht der Rezension geeinigt, auf vier weitere Rezensionen warte ich nach einem Jahr noch vergeblich. Macht zusammen gut 90 Stunden Arbeitseinsatz. Durch die Bloggerrezensionen wurde nachweislich EIN Buchverkauf generiert. Gesamterlös: 1 Euro. In Anbetracht dieser Situation mag man es mir und anderen Autoren bitte nicht übel nehmen, wenn ich, wenn wir den Aufwand, der mit der Formulierung einzelner Anfragen verbunden ist, zurückschrauben müssen. Was letztendlich zählt, sollte doch der Buchinhalt sein.

    Da ich mit meiner publizistisch/schriftstellerischen Tätigkeit nicht viel, aber zumindest einen gewissen Zuverdienst einfahren muss, um über die Runden zu kommen (ohne einen verbeamteten Ehepartner geht literarisch sowieso nichts) habe ich in der Tat mittlerweile auch ein Problem. Ein neuer Roman ist zwar in der Pipeline, allerdings bin ich mit den Marketing-Aktivitäten zu meinem ersten Roman noch sehr beschäftigt und muss zusätzlich versuchen, bezahlte Aufträge zu akquirieren und auszuführen, so dass kaum Zeit zum Schreiben bleibt. Von den drei Kindern, die meine Aufmerksamkeit zwischenzeitlich immer mal wieder einfordern ganz zu schweigen…

    Vor diesem Hintergrund fehlt es mir einfach an Mitleid für den duch penetrante Self-Publisher gebeutelten Blogger. Leute, lasst Euch gesagt sein: Ein Problem, das sich durch das Betätigen eines Löschen-Buttons erledigt, ist kein Problem!

    Darüber hinaus möchte ich naturgemäß ein Plädoyer dafür einlegen, Anfragen von Self-Publishern nicht grundsätzlich zu löschen, sondern neugierig zu bleiben. Gequirlte Kacke ist schnell identifiziert. Von daher denke ich, dass es gar nicht so viel Zeit beansprucht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Selbst wenn man das nicht beim täglichen Maileingang leisten kann, vielleicht aber doch ab und zu. Ihr könntet die Geburtshelfer spannender neuer Autoren sein. Die Autoren werden es Euch danken!

    • Antworten Papiergeflüster 12. Juni 2016 von 11:24

      Liebe Susanne,
      Du schreibst
      “Rezensionsanfragen zu schreiben ist Arbeit und zwar gänzlich unbezahlte Arbeit. ”
      Sie zu beantworten ist auch gänzlich unbezahlte Arbeit. Du sprichst selbt die Relation von Aufwand und Nutzen an. Alle diese Mails zu lesen und zu beantworten bedeutet für mich viel Aufwand, und null Nutzen. Nur angegriffene Nerven, dank der vielen genervten Antworten, die mich dann zurück erreichen, warum ich denn nicht erkenne, dass dieses eine Buch doch was ganz besonderes ist und gelesen werden muss.
      Geburtshelfer für neue Autoren sind die Verlage. Wer sich bewusst gegen eine Veröffentlichung bei einem Verlag entscheidet, sollte vorher wissen, worauf er sich einlässt. Darüber muss hinterher keiner weinen, weil sich kaum Blogger finden, die das Buch in ihrer Freizeit rezensieren wollen.

  • Antworten Christian 12. Juni 2016 von 09:58

    Gefällt mir dein Beitrag, SUSANNE FUSS.
    Nur ich denke es wird kein Umdenken hier stattfinden.
    Ich bin kein Selfpublisher, bedauere aber das viele Blogger eben nicht mehr diesen Weg gehen. Fast überall nur mehr dasselbe Buch, weil man vielleicht vom Verlag eines geschenkt bekommen hat, oder andere Vergütungen und sei es nur ein bezahltes Platzerl im Geschäft, bekommen hat. Natürlich nicht bei allen Bloggern, aber wenn man fast überall nur mehr dieselben Art von Bücher gebloggt werden, könnte man schon auf solche Gedanken kommen…

    Und ja wenn man sich beschwert wegen ach so vieler Mails zum löschen….also ja, da kann man sich nur mehr wundern…
    “Mein Gott, jetzt komme ich erst drauf was ich in meiner vorigen Firma gelitten habe, da kamen pro Tage hunderte Mails….Oh mein Gott!!” *Sarkasmus aus*

    • Antworten Papiergeflüster 12. Juni 2016 von 11:26

      Lieber Christian,
      Firma = Job, Blog = Hobby. Der Unterschied ist klar, oder? Wenn ich mich abends an mein Blog setze, habe ich vorher auch schon acht Stunden in meinem bezahlten Job gearbeitet.
      Ich kenne keine Blogger, die einen bezahlten Platz in einer Buchhandlung bekommen oder Vergütungen von Verlagen. Rezensionsexemplare, ja. Aber mehr nicht. Wenn alle das gleich Buch besprechen, funktioniert vielleicht einfach das Marketing des Verlags gut? Wer sich für eine Veröffentlichung ohne Verlag entscheidet, muss eben auch darauf verzichten.

  • Antworten Susanne Fuß 12. Juni 2016 von 13:19

    Es wird hier so getan, als könnte der Autor eine freie Entscheidung treffen zwischen Verlagsveröffentlichung und Self-Publishing. Mag sein, dass der eine oder andere sich freiwillig für das Self-Publishing entscheidet. Ich glaube jedoch, dass die große Mehrzahl lieber bei einem Verlag veröffentlichen würde, sofern die Konditionen halbwegs stimmen. Die Verlage geben sich doch keine Mühe mehr, bei der Vielzahl von unverlangt eingesandten Manuskripten eine Auswahl zu treffen. Ich gehe davon aus, dass das meiste, wenn nicht alles ungelesen in den Papierkorb wandert. Wozu soll ein Verlagshaus einen teuren Lektor beschäftigen, wenn sich draußen hunderte Blogger unentgeldlich durch den Publikationsdschungel schlagen? Sollten sich da Perlen finden, kann man ja immer noch ein Vertragsangebot machen. Diese Haltung ist durchaus nachvollziehbar. Schließlich müssen auch Verlage wirtschaftlich denken. Das heißt aber auch, dass man als Debütautor keine Chance hat, direkt bei einem Verlag unterzukommen. Man ist also gezwungen, den Umweg durch die Bloggerlandschaft wählen. Ich habe mittlerweile einen Literaturagenten gefunden, der versuchen wird, meinen neuen Roman in einem Verlag unterzubringen. Ich bin jedoch sicher, dass es nie dazu gekommen wäre, wenn ich nicht schon mittlerweile 10 gute bis sehr gute Bloggerrezensionen vorweisen könnte.
    Ich kann “meinen” Bloggern nur dankbar sein, dass sie eine offenere Haltung gegenüber Self-Publishern haben, als die, die hier propagiert wird. Ohne Eure Unterstützung geht es nicht. Im übrigen: Verlage wollen keine Geburtshelfer sein, Verlage wollen (und müssen) in allererster Linie Geld verdienen.

    • Antworten Papiergeflüster 12. Juni 2016 von 13:29

      Wenn dem wirklich so ist, dass Blogger inzwischen unentgeltlich die Arbeit von Verlagen machen, ist da was schief gelaufen. Und ich bin nicht bereit, unentgeltlich die Arbeit eines anderen zu machen. Ein guter Grund mehr, bei meiner Einstellung zu bleiben. Eigentlich sollte das dann gar kein Blogger mehr tun, damit die Verlage diese Aufgabe wieder übernehmen.

  • Antworten Susanne Fuß 12. Juni 2016 von 16:56

    Theoretisch gebe ich Dir vollkommen Recht! Verlage sollten Literaturwissenschaftler einstellen und gut dafür bezahlen, dass sie sich durch die Massen der eingesandten Manuskripte lesen und die wahrscheinlich wenigen Talente entdecken und fördern. Das sollten keine Rechtsanwaltsgehilfinnen oder Wurstfachverkäuferinnen leisten müssen, die in ihrer Freizeit einen kunterbunten Literaturblog betreiben, der uns in teilweise bemerkenswertem Deutsch über die Qualitäten der neuesten Herzschmerz-Vampirschmonzette aufklärt..
    Aber jetzt mal die Polemik beiseite: Die Uhren lassen sich nicht mehr zurückdrehen, die Verlage werden ihre Politik nicht ändern. Natürlich ist es ärgerlich, wenn einem bewusst wird, dass die eigene Arbeit dazu benutzt wird, um fremde Kassen klingeln zu lassen. Auf der anderen Seite eröffnen sich Blogger die Möglichkeit, die Literaturszene neu aufzumischen. Die Leserschaft (zu denen die Blogger ja gehören) kann selber entscheiden, was für Literatur sie lesen will und ist nicht mehr darauf angewisen, den von einigen wenigen Lektoren vorgegebenen Geschmack zu teilen. Ihr Blogger habt maßgeblich Einfluß auf die Literatur, die produziert und publiziert wird. Das drückt sich zwar nicht in klingender Münze aus, aber in der Freude am Lesen der Bücher, die eine Chance haben publiziert zu werden, weil sie Euch am Herzen liegen (dazu zählt selbstverständlich auch der Vampirroman). Es ist Euer Hobby, von daher gehe ich davon aus, dass der Spaß und nicht die Verdienstmöglichkeiten die eigentliche Motivation ausmacht.
    Lesen sollte Spaß machen und bloggen sollte Spaß machen. Wenn die Freude ausbleibt, sucht man sich halt ein anderes Hobby. So einfach ist das.

    • Antworten Papiergeflüster 12. Juni 2016 von 17:19

      Als Buchhändlerin habe ich einen ganz guten Überblick über die Literaturlandschaft, die alles andere als eingeschränkt ist, auch wenn man sich auf von Verlagen veröffentlichte Werke beschränkt. Das sind immerhin 90.000 Titel im Jahr. Für mich vollkommen ausreichend. Und eben weil ich mir den Spaß an meinem Hobby erhalten will, werde ich ihn nicht zum Marketinginstrument für Selfpublisher machen.

  • Antworten Susanne Fuß 12. Juni 2016 von 18:50

    Ob Du Dich zu einem Marketinginstrument machst, entscheidet sich nicht an der Frage, ob Du Dich mit Verlagsautoren oder Self-Publishern abgibst, sondern ob Du unabhängige Rezensionen schreibst bzw. bestellte Jubelrezensionen. Ich gehe mal davon aus, dass Du von Letzteren Abstand nimmst, also brauchst Du keine Angst zu haben, als Marketinginstrument missbraucht zu werden. Es ist auch nicht mein Anliegen, Dich für Self-Publishing Titel zu interessieren. Und schon gar nicht will ich mir erdreisten, Dir vorzuschreiben, wofür Du Dich zu interessieren hast und wofür nicht. Ich möchte allerdings versuchen zu verhindern, dass Dein Beispiel Schule macht, in dem ich eine andere Sichtweise aufzeige. In der Hoffnung, dass der eine oder andere mir folgen kann (lieben Dank an Christian) sende ich beste Grüße an Dich und alle Leser und stelle fortan meine mailtechnischen Belästigungen ein. Versprochen!

  • Antworten Christian 13. Juni 2016 von 07:55

    Ich denke mal es wird auch ein Fehler gemacht, die Verlage immer als reiche, ausbeuterische Unternehmen darzustellen, die gefälligst mal etwas für AutorInnen machen sollen.
    Mag sein, das einige große Verlage so agieren, aber da kommt man als “normaler” Autor sowieso nicht rein, wenn man ehrlich ist.
    Aber… es gibt doch so viele und auch gute Kleinverlage, die engagiert und motiviert sind, genauso wie der Autor oder Autorin. Ja natürlich verkauft man dort nicht zehntausende von Stück seines Werkes und wird auch schon gar nicht reich davon, aber mal ein erster Schritt oder?
    Und genau diese Kleinverlage, so wirkt es auf mich, tuen sich unheimlich schwer von Bloggern wahrgenommen zu werden. Schaut mal in eurer Rezensionsliste, von wie viele Kleinverlage habt ihr was gelesen bzw geschrieben….

    Und das ist der Grund warum ich mir als Leser so schwer mit Bloggern tue und schreibe, immer der Einheitsbrei. Weil mal ehrlich, diese allgegenwärtigen, eventuell gehypten Werke, findet man überall und man kann sich auch beim “bösen” Am***** genug Kritiken anschauen. Aber so manche Perle unter den Werken der Kleinverlage, gehen total unter! Das finde ich schade bei den vielen Bloggern!

    • Antworten Papiergeflüster 13. Juni 2016 von 18:13

      Ich kenne etliche Blogger, die bewusst Bücher aus unabhängigen Verlagen lesen, zum Beispiel bei We read Indie

  • Antworten Jean Parker 2. Oktober 2016 von 11:52

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
    Mir geht es ähnlich, obwohl ich keinen Vermerk auf meinem Blog stehen habe, dass ich momentan oder überhaupt keine Bücher von SPlern annehme, denn ich würde es durchaus tun. Nur möchte ich dann selbst entscheiden, welche der angebotenen Bücher ich auch wirklich besprechen möchte und welche nicht.
    Diese Kettenmails und Copy & Paste kann ich überhaupt nicht leiden, denn diese vermitteln mir, dass der Autor sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, sich meinen Blog genauer anzusehen. Vor ein paar Wochen hatte ich eine Mail im Postfach, in deren Adresszeile 43 weitere Mailadressen standen und die Bücher, die man sich aussuchen konnte so überhaupt nicht zu meinem Blog passen. Themen waren unteranderem Splatter, Vergewaltigung, sinnloses Blutvergießen, Kannibalismus usw. die Liste könnte ich noch ewig fortführen. Und sowas mag ich nicht, deshalb habe ich einen Beitrag geschrieben, der den Autoren dabei helfen soll, den richtigen Blog für ihr Buch zu finden. Ob sich das überhaupt einer zu Herzen nimmt, hoffe ich zwar, wage es aber ehrlich gesagt zu bezweifeln.
    Da ich nicht nur Bloggerin, sondern auch Autorin bin, weiß ich, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Bloggern ist, aber man sollte bei der Suche auch mal die Glubscher auf machen und die Wünsche der Blogger respektieren.
    Gegen eine Mail mit der Ankündigung, dass Buch XY bald erscheint würde ich mich viel mehr freuen, als eine plumpe Mail mit der Bitte, die häufig nicht einmal eine Bitte, sondern eine Aufforderung ist, das Buch zu lesen und zu rezensieren.
    Ob sich daran jemals etwas ändern wird, glaube ich nicht, hoffe aber, dass Autoren langsam anfangen zu verstehen, dass wir Blogger kein Geld dafür nehmen, es in unserer Freizeit machen und es auch nur machen, weil wir Spaß daran haben. Wir könnten ja auch lesen, ohne einen Blog zu führen und damit in irgendeiner Form Werbung für Bücher zu machen.

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