Feeds
Artikel
Kommentare

Nachdem ich “Marked” von P. C. und Kristin Cashor beendet hatte, wollte ich eigentlich mal eine fleißige Runde einlegen. Statt Unterhaltung zu lesen hatte ich den Vorsatz gefasst, “BWL für Dummies” endlich mal fertig lesen. Aber irgendwie konnte ich mich nicht überwinden, zum Frühstück schon über Bilanzen zu lesen. Durchaus verständlich, oder?
Also gab es jetzt doch wieder neue Unterhaltungslektüre. Auch wenn ich es aktuell nicht brauche, lese ich “Anleitung zum Entlieben” von Connie Lubeck. Die Grundlage für das Buch war ein Blog, den sie begann um zu dokumentieren, wie sie sich Stück für Stück von 119 trennt. Dass er ihr nicht gut tut, nicht nur weil er sie nicht liebt, sie ihn aber um so mehr, ist ihr schon lange klar. Trotzdem braucht sie viele Anläufe, ihn endlich aus ihrem Leben zu verbannen. Zumindest hoffe ich, dass sie zu dem Punkt noch kommt.
Dank kurzer Kapitel lässt sich das Buch gut in kleinen Happen zwischendurch genießen. Der Schreibstil ist klasse. Ehrlich und humorvoll, jeder der schon mal Liebeskummer hatte (und wer hatte schon das Glück dem zu entgehen?) wird etwas darin wieder erkennen.

wunschgefluester

Bella und Bobby sind Zwillinge. Aber nicht nur äußerlich sind sie sich nicht wirklich ähnlich. Bobby leidet am Asperger Syndrom. Bellas sehnlichster Wunsch ist, ihrem Bruder näher zu kommen, was dessen Erkrankung aber unmöglich macht. In Ausschnitten, ähnlich einem Tagebuch (jeder Abschnitt ist unter anderem mit ihrem derzeitigen Lieblingslied und dem kostbarsten Besitz überschrieben), begleitet man Bella durch ihr Leben. Auf dem Weg zu sich selbst und damit auch zu ihrem Bruder.

Teilweise erinnert „Wunschgeflüster“ an einen typischen Frauenroman. Vor allem im mittleren Teil, in dem sich der Großteil der Handlung um Bellas Beziehungen dreht. Allerdings geht es oft tiefgründiger zu, als man von Büchern dieses Genres normalerweise erwartet. Durch ihre Beziehungen lernt Bella viel über ihre Beziehung zu Bobby. Die Promigeschichten hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht, aber das ist Geschmackssache.

„Wunschgeflüster“ hat mir sehr gut gefallen, immer wieder habe ich noch ein Kapitel mehr gelesen, als eigentlich geplant war. Kaum hat man das nächste angelesen, steckt man schon wieder mitten drin und möchte wissen, wie es weiter geht. Man freut sich mit Bella und leidet mit ihr, wenn mal wieder eine Beziehung nicht das Wahre war. Weil sie auf der Suche nach dem Richtigen nicht erkennt, dass sie den längst gefunden hat. Sie muss nur noch den Weg zu ihm finden.

Vielen Dank an den Droemer Knauer Verlag, der mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat und mir ein Leseexemplar zukommen lies. „Wunschgeflüster“ war wirklich ein wunderbarer Roman, der mir sonst vielleicht entgangen wäre.

Wunschgeflüster – Melina Gerosa Bellows
396 Seiten, Knaur
ISBN 9783426652039, 12,95 €
Flexcover HC

Monatsrückblick Januar 2010

Eigentlich dachte ich ja, im Januar schon wesentlich weniger zum Lesen zu kommen. Die Monatsstatistik sagt was anderes. Es wurden dann doch sieben Bücher. Auch wenn die meisten davon recht dünn waren, zumindest für meine Verhältnisse, kamen 2984 Seiten zusammen. Ich weiß wirklich nicht, wann ich die alle gelesen habe. Manch einer schlafwandelt ja, vielleicht lese ich nachts Bücher, ohne es zu merken?

Shane Jones – Thaddeus und der Februar ++
Anders, aber toll, voller fantastischer Bilder, die einen noch lange verfolgen.

Bernhard Hennen – Elfenkönigin (Die Elfen IV) ++
Eine gelungene Fortsetzung, diesmal dreht sich alles um Emerelle, die Königin der Elfen.

Nick Hornby – 31 Songs +
Auch wenn ich nur einen kleinen Teil der Lieder kannte, Nick Hornbys Einstellung und Begeisterung haben mich mitgerissen.

Trudi Canavan – Die Meisterin (Die Gilde der schwarzen Magier III) ++
Wem die ersten beiden Bände zu ruhig waren, der wird hier auf seine Kosten kommen, es geht hoch her im Finale.

Kerstin Gier – Rubinrot +++
Unfreiwillige Zeitreisen und unfreiwillige Gefühle, ohne Kitsch, aber sehr spannend und einfach nur toll.

Dörthe Binkert – Weit übers Meer ++
Wie der Ausbruch aus einer von der Gesellschaft bestimmten Rolle befreien kann.

Melina Bellows – Wunschgeflüster ++
Bellas sehnlichster Wunsch, ist “den Einen” zu finden. Bis sie erkennt, dass sie ihn längst gefunden hat. Sie muss nur zu ihm finden.

Kerstin Gier – Rubinrot

rubinrot

Gwen ist froh, dass sie ein ganz normaler Teenager ist, mit ganz normalen Problemen. Nicht wie ihre Cousine Charlotte, die als Trägerin des Zeitsprunggens schon von klein auf darauf getrimmt wird, in allen Zeiten zu Recht zu kommen. Doch dann stellt sich heraus, dass doch alles ganz anders ist. Plötzlich findet sich Gwen im London vergangener Zeiten wieder. Sie steckt unversehens inmitten von Intrigen und Geheimgesellschaften. Als ob das nicht schon schwierig genug wäre, taucht auch noch Gideon auf. Sie gibt sich ja alle Mühe etwas Negatives an ihm zu finden, aber es will ihr einfach nicht gelingen.

Ich stand Rubinrot lange ziemlich kritisch gegenüber. Ein Jugendbuch das von Liebe handelt und ganz in Rosa daher kommt… Da war wohl meine Rosaphobie schuld an der Ablehnung. Völlig zu Unrecht. Die vielen begeisterten Rezensionen haben mich dann doch einen Versuch wagen lassen, worum ich auch sehr froh bin. Ich hätte einen zauberhaften Roman verpasst, den ich in kürzester Zeit durch geschmökert hatte, weil ich ihn gar nicht mehr weg legen wollte. Ja, es ist ein Jugendbuch, aber mit Niveau und überhaupt nicht kitschig. Es ist spannend, und hört gemeiner Weise quasi mitten in der Handlung auf. Zu meinem Glück gibt es die Fortsetzung „Saphirblau“ schon.

Ein wunderbares Buch, perfekt um sich ein Paar Stunden weg zu träumen und alles um sich herum zu vergessen. Auch noch wenn man die Jugendjahre schon einige Zeit hinter sich gelassen hat.


Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten – Kerstin Gier

352 Seiten, Arena Verlag
ISBN: 9783401063348, Preis 14,95 €
Hardcover

Auf der Bestsellerliste steht er auf Platz eins, wo immer man auch büchertechnisch unterweg ist, stolpert man über ihn. Den ersten Band der angeblich einzigen legitimen Nachfolge-Serie der Biss Romane. “Gezeichnet” von P. C. und Kristin Cast, Beginn der Reihe “House of Night”.

Unverhofft erscheint auf Zoeys Stirn eine saphirblaue Mondsichel. Damit ist klar, sie ist gezeichnet, wird zu einem Vampyr werden. Im House of Night, einem Vampyrinternat, soll sie ausgebildet werden. Sofern sie den Wandlungsprozess überlebt.

Auch wenn mich die Biss-Reihe von Stephenie Meyer nicht wirklich begeistert hat (ich weiß bis heute nicht wie sie endet und will es auch gar nicht wissen), kam ich um “Gezeichnet” nicht herum. Die Neugier hat mich gepackt, ich will wissen, warum es auf Platz eins der Bestsellerliste gelandet ist. Hat es den Platz verdient, oder waren das nur die nach Nachschub dürstenden Meyer-Fans? Da ich den englischen Band auf Tauschticket nagelneu und günstig bekam, werde ich es einfach testen. Gefällt es mir nicht, werde ich es dort auch gut wieder los. Mein Gewissen tröste ich mit der Fremdsprachenübung über das wahrscheinlich recht niedrige Niveau hinweg. Die ersten Seiten handelten schon mal nur von typisch amerikanischen Teenagerproblemen. Aber es kann ja noch besser werden.

Bevor ich schon wieder mit dem Buch fertig bin will ich euch doch noch schnell mitteilen, dass ich gerade “Wunschgeflüster” von Melina Gerosa Bellows lese. Ein wirklich schönes Buch, ein wenig wie das Leben: mal sonnig, mal traurig, mal nachdenklich stimmend, mal einfach nur zum Spaß haben einladend. Auf jeden Fall tiefgründiger als ich erwartet hätte.

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag, der mir das Buch vorgeschlagen und ein Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat. Es wäre mir sonst sicher entgangen, was sehr schade gewesen wäre.

Mit den Rezensionen hinke ich dank anderweitiger Verpflichtungen gerade etwas hinterher, sie werden aber so bald wie möglich nachgeliefert.

Ortsgespräch

Nostalgie pur. Florian Illies erzählt von seinen Erinnerungen an die Heimat, in der Provinz. Jeder Leser, der selbst aus einer eher ländlichen Gegend stammend in die Stadt gezogen ist, wird  auf eigene Erinnerungen stoßen. Zum Beispiel der unendliche Austausch aller möglichen im Garten wachsenden Produkte und deren verschiedenster Verarbeitungsformen. Wer wurde noch nie von der Zucchinischwemme erwischt, wenn einem mal wieder sämtliche Nachbarn auf einmal welche schenken möchten? Sie haben doch gerade so viele und können die gar nicht alle essen. Die Nachbarn als bald auch nicht mehr.

Er räumt auch mit so mancher Mär auf, wie zum Beispiel der berühmten Stille auf dem Land. Ich hatte sie schon verdrängt, er brachte sie mir wieder in Erinnerung: die im Sommer ständig irgendwo laufenden Rasenmäher, die Motorsägen, die mühseligen Versuche des Nachbarn im Winter das Auto zum laufen zu bringen. An die Kirchenglocken gewöhnt man sich schnell, doch die all samstäglich punkt 12.00 Uhr gellende Feuerwehrsirene vermisse ich wirklich nicht.

„Ortsgespräch“ gefiel mir wesentlich besser als „Generation Golf“. Bis zum Ende bleibt das leicht gemischte Gefühl der Erinnerungen an muffelige Uraltwohnzimmer und die schönen Tage am Badesee erhalten. Der Erzählstil ist locker, man hat fast das Gefühl, als würde man sich mit jemandem über die gute alte Zeit austauschen. Wobei er auch die Veränderungen nicht auslässt, die im Laufe der Zeit wohl an keinem ländlicheren Eckchen vorüber gehen, wie zum Beispiel dem Verschwinden der kleinen Läden.

Eine nette Zwischendurchlektüre, genau das Richtige für einen gemütlichen Nachmittag.

Ortsgespräch – Florian Illies
208 Seiten, Heyne
ISBN: 9783453405332, 8,95 €
Taschenbuch

Die magische Grenze …

… wurde überschritten. Mein Stapel ungelesener Bücher kann eigentlich nicht mehr als Stapel bezeichnet werden. Würde ich die Bücher wirklich stapeln, kämen sie auf eine Höhe von 3,40 Meter. So hoch sind meine Decken gar nicht. ;-)

Aber nicht die 3 Meter waren die magische Grenze, sondern die 100 Stück. Laut aktueller Zählung stehen hier 102 ungelesene Bücher. Das fatale daran ist, dass ich wirklich jedes davon auch gerne lesen möchte. Leider kann ich immer nur eins auf einmal lesen.

Bei meinem Bücherpensum würden all die ungelesenen Bücher aber gerade mal knapp über ein Jahr reichen, wenn ich keine neuen mehr dazu kaufen würde. Viel zu kurz! Außerdem braucht ein Genrehopper wie ich immer eine gewisse Auswahl für die Folgelektüre. Welch furchtbare Vorstellung, nicht das richtige Buch zu Hause zu haben. Da beruhigen so ein paar ungelesene Bücher doch ungemein. Wer sich jetzt Sorgen um meinen Geldbeutel macht: Tauschticket ist an mindestens der Hälfte der Bücher Schuld, die andere Hälfte ist geschenkt, geerbt oder hat mich von einem Mängelexemplartisch angelacht. Und Gelegenheiten sollte man beim Schopf ergreifen, wer weiß, wann sie sich wieder ergeben.

Lange hatte ich überlegt, ob das Buch etwas für mich ist. Nach vielen begeisterten Rezensionen in verschiedenen Bücherblogs werde ich es demnächst testen. “Rubinrot” von Kerstin Gier ist endlich hier eingezogen. Nachdem alle anderen schon den zweiten Band “Saphirblau” lesen und in den höchsten Tönen loben, muss ich mal langsam aufholen. ;-) Wer noch nicht weiß, worum es geht: eine unverhoffte Zeitreise und Liebe. Allerdings wurde mir gesagt, ich darf es erst nach meiner Klausur am Samstag anfangen, da ich es sonst nicht mehr aus der Hand legen würde. Den Rat beherzige ich mal lieber, da ich mich nur zu gut kenne, und das nicht ganz abwegig ist.

Gleichzeitig zog “Wunschgeflüster” von Melina Gerosa Bellows ein. Das mir netterweise vom Droemer Knaur Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Bella wünscht sich allerhand, doch ihr größter Wunsch ist es, ihren Zwillingsbruder von seinem Autismus zu befreien. Erst als sie ihn fast verliert, lernt sie, ihn so zu akzeptieren, wie er ist. Ich bin sehr gespannt, was aus diesem vielversprechenden Plot gemacht wurde. Das Cover ist auf jeden Fall wunderschön. Wenn draußen alles grau und trüb ist, macht es um so mehr gute Laune. Obwohl es relativ schlicht ist, strahlt es irgendwie Frische und Glück aus.

Bevor die beiden verschlungen werden, lese ich aber noch “Weit übers Meer” von Dörthe Binkert zu Ende. Das lag lange auf dem SUB, eigentlich hatte ich es nur befreit, weil es mit gerade mal 300 Seiten so schön dünn ist. Um dann fest zu stellen, dass es richtig gut ist. Kurz vor der Abfahrt nach Amerika betritt eine geheimnisvolle Dame im weißen Abendkleid das Schiff in Antwerpen. Ihr Erscheinen führt bei einigen Mitreisenden dazu, dass sie ihr eigenes Leben überdenken, sind sie da, wo sie hin wollten? Sollte man jemanden, der aus dem vorgegebenen Weg ausbricht, bewundern oder verachten? Anfang des 20. Jahrhunderts war das Rollendenken noch sehr festgefahren, geriet aber gerade ins Wanken.

neuevahrsued

„Neue Vahr Süd“ erschien nach „Herr Lehmann“, spielt zeitlich aber vor ihm. Frank Lehmann hat schlicht und ergreifend verschlafen zu verweigern. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich dem Dienst am Vaterland zu stellen. Gleichzeitig zieht er von zu Hause aus, in eine mehr als chaotische WG mit einigen seiner Freunde. Man könnte fast von Glück reden, dass er nur am Wochenende dort hausen muss. Auch wenn ihm das Leben in der Kaserne nicht wirklich zusagt. Warum müssen die einen auch andauernd anschreien? Nebenbei gibt es noch Verwicklungen in der Gefühlswelt, er ist nicht der einzige, der sich für Sibille interessiert. Und da ist ja auch noch Birgit.

Das zweite Werk von Sven Regener gefiel mir noch besser als Herr Lehmann. Es enthält einen köstlichen Humor, der einen auch bei Szenen, über die man im realen Leben besser nicht lachen würde, zum grinsen bringt. Ob die Bundeswehr so war wie sie hier gezeichnet wird, kann ich nicht beurteilen. Die Beschreibungen decken sich aber mit Berichten von Freunden, die ebenfalls da durch mussten und etliche Klischees sind natürlich auch erfüllt. Man möchte wirklich nicht in Lehmanns Haut stecken, der so gar nicht in das Bild des gehorsamen Soldaten passt. Das ist das faszinierende an Regeners Geschichten. So schräg sie auch scheinen mögen, man kann sich gut vorstellen, dass sie trotzdem tagtäglich, irgendwo in Deutschland, genau so geschehen. Oder Anfang der 80er geschehen sind, ein wenig Nostalgie ist für alle, die die Zeit erlebt haben, auch enthalten.

Ältere Artikel »