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So wird man Detektiv

Mit dem “Handbuch für Detektive” von Jedediah Berry lerne ich gerade, wie man unverhofft vom Schreiber zum Detektiv werden kann. Und was dabei alles zu beachten ist, zum Glück gibt es das “Handbuch für Detektive”, dass die wichtigsten Regeln enthält.

Zum Glück steht Charles Unwin, dem eben dieses Schicksal wiederfuhr, nicht nur das Handbuch sondern auch seine Assistentin Emily Doppel zur Seite. Jahrelang war er Schreiber für den überall bekannten Detektiv Travis T. Sivart. Als der plötzlich verschwindet wird Unwin zum Detektiv und muss Sivart finden. Wobei er es schnell mit den finsteren Gestalten der Unterwelt zu tun bekommt.

Es ist kein typischer Krimi, dafür sind zuviele phantastische Elemente enthalten. Laut Verlag ist es eine Fantasy Noir. Egal wo man es einordnet, ich habe gerade sehr viel Spaß damit.

Murphys Gesetz, wer kenn es nicht. Wenn etwas schief gehen kann, wird es das garantiert auch tun. Außerdem kommt ein Unglück selten alleine. In „Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu“, mit dem Untertitel „Warum die Welt so fies, gemein und hinterhältig ist“, hat Joachim Graf Anekdoten zum alltäglichen Quäntchen Unglück gesammelt. Wer hatte noch nicht das Vergnügen einer Reise mit der deutschen Bahn? Oder kämpft nicht ab und an mit den Tücken der Technik?

In vielen Geschichten kann man sich als Leser zu einem kleinen Teil wieder finden. Bei anderen konnte ich nur den Kopf schütteln, weil sie eindeutig unter „selbst Schuld“ fielen. Die ein oder andere Geschichte ist sehr überspitzt erzählt, was ich manchmal als etwas zu gewollt witzig empfand. Insgesamt würde ich empfehlen, das Buch mit viel Ironie im Hinterkopf zu lesen.

Dann ist es eine amüsante Nebenbeilektüre, die mich gut unterhalten hat. Auch wenn ich dem Autor empfehlen würde, vielleicht doch mal in das Glücks-Buch von Herrn Hirschhausen zu schauen. ;) Ganz großer Pluspunkt für das Buch ist das gelungene Cover. Schon der Anblick des betröppelten Pechvogels lässt die Laune gleich um ein paar Grad steigen.

Vielen Dank an den Autor, der mir ein Rezensionsexemplar zukommen ließ.

Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu – Joachim Graf
189 Seiten, Heyne
ISBN 9783453601505, 8,95 €

Das Buchfrage Widget in der Sidebar hatte ich euch ja schon mal vorgestellt. Ich bin immer noch begeistert davon und lese gerne in den Fragen und dazugehörigen Antworten. Wenn ich eine weiß, antworte ich natürlich auch selbst.

Zur Einführung gab es die Aktion 30 Tage – 30 Autoren, in der sich allerhand deutsche Autoren den Fragen ihrer Leser gestellt hatten. Weil das so gut ankam, dürft ihr jetzt weiter fragen. Jeder zweite Freitag wird nun zum Fragenfreitag, an dem sich ein Autor von euch löchern lässt.

Am 30.08.2010 beginnt die Aktion mit dem Autor Hans Rath. Wer mindestens eine Frage stellt, hat auch die Chance ein Buch zu gewinnen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Fragen stellen.

Von der Bloggerjury zum diesjähringe Leserkompass auf Lovelybooks hatte ich euch ja schon mal kurz berichtet. Lesekreis hat sich jetzt die Mühe gemacht, alle teilnehmenden Blogs und Literaturseiten vorzustellen. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, in dem sehr viel Arbeit steckt und auch die schöne Beschreibung von Papiergeflüster. ;)

Wer neugierig auf die Bloggerjury ist, sollte mal vorbei schauen. Vielleicht findet ihr ja auch noch den ein oder anderen schönen Blog, der euch bisher in der Masse verborgen blieb?

Link zur Bloggerjury im Überblick.

Auf der FeenCon 2010

Am 24. und 25. Juli fand in der Stadthalle Bad Godesberg wieder die FeenCon statt, präsentiert von der Gilde der Fantasy-Rollenspieler. Dementsprechend drehte sich dort auch alles um die Themen Fantasy und Rollenspiel.

Für Rollenspieler gab es neben etlichen Ständen mit Literatur und Zubehör auch viele Möglichkeiten aktiv zu werden. Sowohl Pen & Paper- als auch Tabletop-Spieler oder LARPer konnten zusammen mit Gleichgesinnten Abenteuer erleben. Auch für Brettspieler gab es genug Möglichkeiten verschiedenste Spiele zu testen. Zum Beispiel am Stand des Heidelberger Spieleverlages, der neben verschiedenen Rollenspielen auch viele Brettspiele mit Fantasyhintergrund verlegt.

Wir hatten das Vergnügen „Descent“ Probe spielen zu dürfen, das vom Grundprinzip an „Hero Quest“ erinnert. Ein Spieler ist der Overlord und leitet das Abenteuer, er ist für die dunkle Seite zuständig und versucht den Gegenspielern das Leben mit allerhand Monstern und Fallen schwer zu machen. Der Rest der Spieler spielt gemeinsam eine Heldentruppe, die in einem Dungeon unterwegs ist um Schätze zu finden und eine Quest zu erfüllen. Wir hatten soviel Spaß dabei, dass das Spiel dann auch mit nach Hause kommen durfte.

Für Literaturbegeisterte wurde eine ganze Reihe von Lesungen angeboten. Ich war diesmal nur dabei, als Aileen P. Roberts aus ihrem Roman „Thondras Kinder“ las. Eine sehr schöne Lesung, die mit einem gemeinen Cliffhanger endete. Das war aber nicht der einzige Grund, weshalb ich mir den ersten der beiden Bände gleich vor Ort kaufte, die Geschichte hörte sich spannend an und die Idee gefiel mir. Dass ich so noch eine Widmung der Autorin bekam, war dann das Sahnehäubchen. Es waren relativ wenige Zuhörer da, was für die Autorin sicher schade war. Andererseits hat es die Lesung so persönlicher gemacht, was der Fragerunde am Ende gut tat, in der die Autorin einiges darüber verriet, wie sie zum Schreiben kam und wie ihre Romane entstehen.

Ein paar Verlage waren auch als Aussteller vor Ort, so erfuhr ich zum Beispiel am Stand von Feder & Schwert, dass das Warten auf Oliver Plaschkas „Der Kristallpalast“ bald ein Ende haben wird. Er ist schon im Druck und soll Ende des Monats ausgeliefert werden.

Im Park an der Stadthalle gab es ein kleines Lager und ein paar Stände, die vielen Gewandeten sorgten für das mittelalterliche Ambiente. Da das Wetter mitspielte, konnte man sich dort gemütlich für eine kleine Pause auf der Wiese niederlassen.

Die „FeenCon“ ist um einiges kleiner als die RPC in Köln, damit aber auch viel gemütlicher. Man muss sich nicht durch Menschenmassen schlängeln und es ist wesentlich leichter einen Platz an einem der Spieletische zu ergattern. Beide Veranstaltungen haben ihren ganz eigenen Reiz. Ich fühlte mich auf der „FeenCon“ sehr wohl und werde wieder hingehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Alex Rühle – Ohne Netz

Alex Rühle ist Journalist bei der SZ und wagt das große Experiment: ein halbes Jahr ohne Internet. Keine Mails, kein Handy, kein Google, kein Youtube. Wer ihn erreichen will, muss es auf den altmodischen Weg tun, ihm einen Brief schreiben oder ihm faxen. Warum er das tut? Weil er das Gefühl hatte, vom Internet abhängig zu werden. Ständig mal eben schauen ob eine Mail rein kam, selbst im Urlaub. So sollte es nicht weiter gehen. Also kappte er alles und musste feststellen, dass es gar nicht mehr so einfach ist, ohne das allgegenwärtige Internet zurecht zu kommen.

Ein faszinierender Bericht darüber, wie es sich anfühlt, in der heutigen Zeit komplett auf Internet und Handy zu verzichten. Wie oft sieht man noch Telefonzellen? Das fällt einem erst auf wenn man eine sucht, weil man eben kein mobiles Telefon zur Hand hat. Von seinen Nachschlagewerken musste er erst einmal die Staubschicht pusten, weil es schon lange Gewohnheit war, schnell mal eben Google zu bemühen. Wer von uns kennt das nicht? Ohne die Unterstützung seiner Kollegen, die ihm wichtige Rundmails ausdruckten, hätte er dieses Experiment gar nicht durchführen können. Es war schon so schwer genug, sämtliche Recherchen mit Hilfe von Büchern, Bibliotheken und sonstigen „urzeitlichen“ Hilfsmitteln zu bewältigen. Dinge, die er sonst innerhalb kürzester Zeit im Internet recherchiert hätte, nahmen viel mehr Zeit in Anspruch. Eine rein analoge Welt ist doch oft um einiges anstrengender.

Aber eben auch ruhiger und intensiver. Die Internetwelt verleitet einen dazu, vieles nur noch oberflächlich wahr zu nehmen. Offline bekam er wieder viel intensiver mit, was um ihn herum geschah. So wäre er mit Handy in der Hand, mal eben die Mails nachschauen, sicher an dem Erpel vorbeigelaufen, den er so aus einer Drahtschlaufe retten konnte. Es kam zu interessanten Kontakten, die ihm sonst sicher entgangen wären, wie der Briefwechsel mit einem Strafgefangenen.

Alex Rühle hat ein lockeres, angenehm zu lesendes Tagebuch über diese Zeit geschrieben. Nie versucht er seine Leser zu missionieren, sie zu überzeugen ebenfalls seinen Weg einzuschlagen. Er schwankt selbst immer wieder mal und ändert seine Meinung über das Experiment von einem zum anderen Monat, wozu er auch steht. Das hat das Buch so nachvollziehbar und menschlich gemacht. Anekdoten über Erlebnisse mit seinen Kindern lockern das ganze immer wieder auf, auch wenn man sich schon über die beruflichen Analog-Probleme sehr gut amüsieren kann.

Ein Buch, das einen bei allem Unterhaltungswert auch nachdenklich macht. Ein Patentrezept findet auch Alex Rühle nicht. Aber nach der Lektüre, in der sich wohl jeder, der das Internet etwas intensiver nutzt, an mancher Stelle wieder erkennt, macht man sich so seine Gedanken über die eigene Nutzung dieser Technik.

Nachdenklich machend ohne erhobenen Zeigefinger, gleichzeitig sehr unterhaltsam, ich kann dieses Buch jedem empfehlen der sich auch schon mal überlegt hatte, ob er nicht vielleicht etwas zu oft im Internet unterwegs ist.

Ohne Netz – Alex Rühle
220 Seiten, Klett-Cotta
ISBN 9783608946178, 17,95 €
Hardcover

Wochenendlektüre

Auch wenn der SUB hoch genug ist, ich konnte nicht widerstehen und habe mir noch neue Wochenendlektüre zugelegt. Als erstes wird “No & ich” von Delphine de Vigan gelesen. Lou ist 13 Jahre alt und sich selbst meist Gesellschaft genug. Bis sie No kennen lernt, die auf der Straße lebt. Ihr neues Projekt lautet: No retten!

Da das Buch nicht besonders dick ist, gibt es als zweite Lektüre “Kinder der Hoffnung” von Marc Levy dazu. In dem Levy die Lebenserinnerungen seines Vaters verarbeitet hat, der 1940 in der Résistance gegen die deutschen Besatzer kämpfte.

Auf beide Bücher freue ich mich schon sehr, weil ich schon um sie herum schlich, als sie im Hardcover erschienen.

Markus Heitz – Collector

Ferne Welten erwarten uns in „Collector“, sowohl räumlich als auch zeitlich. Wir befinden uns im Jahr 3042, die Erde existiert noch, wird aber nur als Lager genutzt. Die Menschen haben sich schon lange im Weltraum ausgebreitet, mit Hilfe von gefundener Technologie, die sie eigentlich gar nicht wirklich verstehen. Auch ihr Daseins-Spektrum haben sie erweitert, neben den „normalen“ Menschen gibt es zum Beispiel teils bis zur Unkenntlichkeit kybernetisierte Wesen mit menschlichem Ursprung, oder Chimären aus Mensch und Tier. Doch dann taucht eine Bedrohung auf, die so genannten Collectors, eine ahumane Spezies, die angeblich die Menschen vor der Ausrottung schützen will und nach und nach die von Menschen besiedelten Planeten unter ihre „Obhut“ nimmt. Was dort wirklich geschieht, weiß niemand. Denn noch nie ist jemand von einem Planeten in der Obhut entkommen.

Kris ist Kutscher auf der Erde, er transportiert sensible Lasten und will mit dem Weltraum nichts zu tun haben. Doch dann soll er eine ganz besondere Last transportieren und ehe er sich versieht, steckt er in einem undurchschaubaren Komplott verschiedenster Konzerne und hat keine andere Wahl, als mit in den Kampf gegen die Collectors zu ziehen. Die noch nie zuvor von Menschen besiegt wurden. Wird es dabei bleiben, oder hat die Menschheit noch eine Chance?

„Collector“ ist der Auftakt zur Justifiers Reihe, die von verschiedenen deutschen Autoren gemeinsam geschrieben wird. Den nächsten Band, „Missing in Action“, schrieb (oder schreibt noch) Christoph Hardebusch, er soll im Oktober erscheinen. Die Grundidee basiert auf einem Rollenspiel aus den 80er Jahren, das von Markus Heitz zusammen mit dem Ulisses Verlag neu aufgelegt wird. Comics soll es auch noch dazu geben. Wem es im Justifiers Universum gefällt, dem wird also nicht so schnell der Stoff ausgehen.

Obwohl ich bisher selten Science Fiction las, hatte ich sehr viel Spaß mit diesem Buch. Markus Heitz schreibt nicht nur phantastische Fantasy und düsteren Horror, er kann auch im Weltraum begeistern. Gegen Ende flogen die Seiten mit Lichtgeschwindigkeit dahin, ich  kam kaum hinterher vor lauter Spannung. Nach und nach lösten sich die meisten Rätsel auf, man entdeckte wer mit wem unter einer Decke steckte und erlebte dabei auch noch die ein oder andere Überraschung. Stoff für Folgebände ist trotzdem noch zur Genüge übrig geblieben.

Mir fehlt der Vergleich zu anderen Werken dieses Genres, dafür kann ich das Buch aber auch Lesern empfehlen, die sonst eher selten in fernen Welten unterwegs sind. Wenn man die Bücher von Markus Heitz mag, sollte man sich auch die Space Opera „Collector“ nicht entgehen lassen.

Collector – Markus Heitz
656 Seiten, Heyne
ISBN 9783453526501, 14,95 €

www.collector-roman.de

Wieder auf hoher See

Demnächst erscheint schon der dritte Band der Sturmwelten von Christoph Hardebusch, vorher lese ich noch schnell den zweiten “Unter schwarzen Segeln”.

Es ist schön, die ganzen alten Bekannten wieder zu treffen. Der arme Jaquento ist mal wieder vom Pech verfolgt, dass Sinosh sich merkwürdig entwickelt beruhigt ihn auch nicht unbedingt. Roxane segelt weiterhin einem unbekannten Schicksal entgegen, sie muss sich für die Geschehnisse aus dem ersten Band vor Gericht verantworten. Auch all die anderen sind natürlich wieder mit von der Partie und ich bin schon sehr gespannt, wohin die Reise sie noch führen wird.

Felix erbt ein Haus in Südfrankreich. Tolle Neuigkeit finden seine Freunde und packen ihre Koffer. Schon am nächsten Tag ist er zusammen mit Marc und Bernhard, Freunden wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, in einem uralten, klapperigen VW-Bus auf dem Weg in Richtung Meer. Sie bleiben nicht lange zu dritt. Bald sammeln sie Zoe auf, die gerade realisiert hat, dass ihr Liebhaber niemals für sie seine Familie verlassen wird. Auf einem Parkplatz treffen sie auf Lilith, die auf dem Weg zu ihrer Schwester ist. Ihre Mitfahrgelegenheit meinte, sie davon überzeugen zu müssen, dass sie als Lesbe auf dem Irrweg ist und nur noch nicht den richtigen Mann getroffen hatte, nämlich ihn. Sie steigt lieber aus und fährt mit den Jungs weiter. Zu guter letzt findet sich noch Jeanne ein, die versucht sich aus einer selbstzerstörerischen  Beziehung zu befreien. Während der Reise taucht so manche Frage auf, wie zum Beispiel „Was ist das Leben?“ Für den einen eine Losbude mit zu vielen Nieten, für den anderen eine Wundertüte. Jeder von ihnen lernt viel über die anderen, aber auch sich selbst.

„Nächsten Sommer“ ist ein Roadmovie, bei dem man am liebsten in den Bus steigen und mitfahren möchte. Die Charaktere sind mit all ihren Schrullen so herzlich und sympathisch gezeichnet, dass man gar nicht anders kann als sie zu mögen. Die Atmosphäre lässt sich mit einem Wort beschreiben: Sommer. Sonnig, warm, ab und an ein klärendes Gewitter mit einem die Gemüter kühlenden Regenguss.

Wer noch Platz im Koffer hat, sollte das Buch für den Sommerurlaub einpacken. Wunderbare Stunden werden ihn erwarten. Ich habe die Lektüre sehr genossen und werde mir jetzt die schon erschienen Bücher des Autors mal näher anschauen.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Nächsten Sommer – Edgar Rai
236 Seiten, Aufbau Verlag
ISBN 9783378006966, 16,95 €
Hardcover

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