Besprechungen Phantastik

T. S. Orgel – Orks vs. Zwerge

4. November 2012

 

Eine große Schlacht steht bevor. Die Orks zogen aus, um sich ihr Land zurück zu holen. Die Zwerge haben es ihnen gestohlen und dann noch eine Stadt darauf gebaut. Auf dem Land ihrer Ahnen, den Gebeinen ihrer Ahnen. Jetzt ist die Zeit gekommen, etwas dagegen zu unternehmen. So stößt die brutale Gewalt der Orks auf die unnachgiebige Sturheit der Zwerge. Zäh sind sie beide, wer wird den Sieg davon tragen? Während sich Orks und Zwerge gegenseitig die Köpfe einschlagen, werden auf beiden Seiten im Hintergrund politische Ränke geschmiedet. Geheime Missionen gestartet, die den Ausgang dieses Krieges beeinflussen sollen. Orks oder Zwerge, auf wessen Seite steht das Schlachtenglück?

Der Titel hatte mich erst abgeschreckt. Fällt den Verlagen jetzt wirklich kein noch so abwegiges Volk mehr ein, das für einen Titel herhalten könnte? Jetzt werden die altbekannten der Reihe nach aufeinander los gelassen? Ich wurde dann aber doch positiv überrascht. Zwerge und Orks dürfen hier beide aus ihrer Sicht berichten. Dass diese Sichtweisen stark differenzieren ist klar. Wie so oft auch in unserer Welt, fühlen sich beide Parteien im Recht und haben ganz unterschiedliche Erinnerungen an die Geschehnisse der Vergangenheit. Interessant ist, dass nicht bei allem geklärt wird, wie es denn nun wirklich war. Der Leser liest somit mit zwei unterschiedlichen Hintergründen weiter.

In beiden Parteien gibt es sehr unterschiedliche Charaktere, die mehr oder weniger zufällig zu einer Gruppe zusammengewürfelt werden und sich nun miteinander abfinden müssen. Für jeden Leser dürfte es dabei eine Figur geben, die ihm besonders nahe steht. War ich anfangs noch eindeutig pro-Zwerge eingestellt, konnte ich mich am Ende nicht mehr wirklich entscheiden. Ich hatte in beiden Lagern Favoriten, mit denen ich gefiebert und gelitten habe.

Dass zwei Autoren an diesem Buch schrieben, muss man wissen um es zu merken. Weder am Schreibstil noch an der Handlung fällt auf, dass nicht nur ein Autor schrieb.

Auffällig war eine Häufung der Thematisierung von Brüdern und ihren Beziehungen im orkischen Teil. Vielleicht fiel es mir auch nur auf, weil ich weiß, dass T. und S. Orgel Brüder sind. Es wäre interessant zu erfahren, ob das bewusst eingebaut wurde.

„Orks vs. Zwerge“ spielt durchgehend während des Kampfes um die Stadt Derok, etliche Kampfszenen und viele Leichen sind damit unvermeidbar. Aber hinter all dem Gemetzel verbirgt sich ein anfangs nicht zu erahnender Tiefgang. Es ist eben nicht alles so einfach, wie man es sich gerne macht. Die Welt ist im Wandel, das geht auch an Zwergen und Orks nicht spurlos vorbei.

Ein Buch, das mir wieder richtig Lust auf High Fantasy machte, ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung geben wird. Von so manchem Ork oder Zwerg würde ich gerne wissen, wie es ihm weiter erging.

Orks vs. Zwerge – T. S. Orgel
544 Seiten, Heyne
ISBN: 9783453314047, 12,99 €

 

5 Kommentare

  • Antworten Tom 4. November 2012 von 22:55

    Hi Emily,

    danke für die schöne Rezension! Freut mich, dass es gefallen hat!

    Zu deiner Frage die Brüder betreffend:
    Ja, es wurde absichtlich eingebaut – und nein, es hat nichts damit zu tun, dass wir Brüder sind. *g*

    Aber schön, dass es aufgefallen ist. 😉

    Hintergrund ist, dass Orks sehr oft als (zweieiige) Zwillinge geboren werden. Zwillingsteams sind bei ihnen also eher die Regel als die Ausnahme. Daher fußt ein wichtiger Teil ihrer Kultur auf diesen zwei-Personen-Teams, die sich in ihrem auf Konkurrenz basierenden Umfeld gegenseitig den Rücken freihalten. So sehr, dass einzeln geborene Orks (oder die grundsätzlich einzeln geborenen Oger) als abnorm angesehen und mit Misstrauen betrachtet werden.
    Für Orks ist zum Beispiel die Tatsache, dass Menschen und Zwerge meist einzeln geboren werden, ein wichtiges Indiz für die Schwäche dieser Arten.

    VG, Tom

  • Antworten Bernd 5. November 2012 von 11:10

    Die Erklärung mit den Zwillingen gefällt mir. Was eine echte Orkfrau ist, die wirft gleich zwei Kinder in die Welt. Ein Kind gebären ist was für Schwächlinge! 🙂

  • Antworten sherina 2. März 2013 von 10:06

    Wird es einen zweiten Teil geben?

    • Antworten Emily 2. März 2013 von 11:59

      @sherina: ich weiß nicht, ob das schon entschieden ist. Wenn ich richtig informiert bin, hätten die Autoren durchaus Stoff für eine Fortsetzung, die Entscheidung liegt aber beim Verlag.

  • Antworten Gerberich 13. März 2013 von 23:09

    Das Buch ist ok. Leider bietet es nicht viel Neues für das Genre. Dabei gibt es doch noch so viele Möglichkeiten. Der Roman von Patrick R. Ullrich, “Mission Herodes”, zeigt ja deutlich auf, das man auch mit “alteingesessenen” Figuren, wirklich noch ganz neue Elemente einfügen kann. Etwas mehr Mut, liebe Fantasy-Autoren.

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