Besprechungen Historischer Roman

Petra Schier – Die Gewürzhändlerin

30. Januar 2012

Luzia hatte großes Glück, als Tochter eines freien Bauern geboren, hat sie nun eine Anstellung als Edelmagd bei Gräfin Elisabeth inne. Das Schicksal meinte es gut mit ihr, ihre Herrin steht ihr nahe und brachte ihr neben den Sitten des gehobenen Standes auch Lesen und Schreiben bei. Als der Händler Martin Wied Hilfe braucht, kommen ihr diese Fähigkeiten zu Gute, auch Rechnen kann sie sehr gut. So springt sie als Gehilfin ein und entdeckt, dass sie ein Talent für den Handel mit Gewürzen und Spezereien hat. Dieses Talent offenbart sich nicht nur Martin Wied, auch seine Konkurrenten erfahren schnell davon. So wird Luzia zu einer gefragten Partie, der Sohn seines größten Feindes hält um ihre Hand an. Wied selbst wird unterdessen des Mordes angeklagt. Luzia versucht seine Unschuld zu beweisen, einen Mord würde er nie begehen. Davon ist sie überzeugt. Als die Vergangenheit sie einholt ahnt sie, wer dagegen nicht vor einer solchen Tat zurückschrecken würde.

„Die Gewürzhändlerin“ ist die Fortsetzung von „Die Eifelgräfin“. Man muss den ersten Band aber nicht gelesen haben, alle wichtigen Handlungen und Personen werden noch einmal kurz aufgeführt. Ich hatte den Vorgänger nicht gelesen und keine Probleme, mich zu Recht zu finden.

Wer Papiergeflüster schon länger liest weiß, dass ich normalerweise selten „-in“ Romane lesen. Also die typischen historischen Romane, die im Titel die Endung „-in“ beinhalten und immer von weiblichen Heldinnen in Liebes- und anderen Nöten handeln. Warum ich hier eine Ausnahme machte? Von Petra Schier habe ich schon einige Bücher der Adelina-Reihe gelesen, historische Kriminalromane die in Köln spielen. Nachdem mir diese Bücher immer sehr gut gefielen, wollte ich es nun auch einmal mit einem ihrer anderen Romane versuchen. Und wurde nicht enttäuscht.

Petra Schier schafft es immer wieder, mittelalterliche Städte vor dem Auge der Leser lebendig werden zu lassen. „Die Gewürzhändlerin“ spielt in Koblenz, das dank seiner günstigen Lage an der Mündung der Mosel in den Rhein eine bedeutende Handelsstadt war. Luzia lebt nicht das durchschnittliche Leben einer Frau in dieser Zeit, ist sich dessen aber bewusst und kämpft auch immer wieder mit den Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben.

Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und man ahnt früh, wie sie ausgehen wird. Was es aber nicht weniger interessant macht, den beiden auf ihrem Weg zu folgen. Beide sind gerade wegen ihrer Unperfektheit sehr sympathische Charaktere, die man schnell ins Herz schließt.

Die Reliquie und ihre Geschichte hätte es für mich nicht wirklich gebraucht, aber das ist Geschmackssache. Sie ist der rote Faden der Geschichte und führt alle Beteiligten zusammen, mir war es allerdings ein wenig zu mystisch angehaucht. Aber nicht so sehr, dass es mich ernsthaft gestört hätte. Der Glaube an solche Dinge gehörte eben auch zu dieser Zeit.

„Die Gewürzhändlerin“ war ein wunderschönes und kurzweiliges Leseerlebnis, das mir so manchen Abend versüßte. Ein Roman, der seine Leser in vergangene Zeiten entführt und nur schwer wieder aus seinen Seiten entlässt. Kaum ein Abend, an dem ich nicht länger las als eigentlich geplant.

Die Gewürzhändlerin – Petra Schier
543 Seiten, Rowohlt Verlag
ISBN 9783499256288, 9,99 €
Taschenbuch

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