Die Furcht der Langeweile

Wie hatte ich mich auf den zweiten Band von “Die Furcht des Weisen” gefreut, nachdem mir der erste Band von Patrick Rothfuss ebenso gut gefiel, wie “Der Name des Windes”. Nach nicht einmal 100 Seiten habe ich das Buch vorerst beiseite gelegt. Felurian scheint mir bisher unnötig und nur den männlichen Bedürfnissen des Autors entsprungen. Wirklich viel passiert hier nicht, Kvothe lernt nur über viele Seiten hinweg das Kamasutra der Fae. Es sei ihm gegönnt, man könnte aber schneller wieder zu handlungsrelevanten Szenen kommen.

Deshalb lese ich jetzt erst einmal ein “Bauchbuch”. Ein Buch, auf das ich gerade richtig Lust hatte, wofür jetzt die richtige Zeit war. Und wieder einmal trügt mein Bauchgefühl nicht, ich habe richtig Spaß an Ben Aaronovitchs “Die Flüsse von London”. Peter Grant steht kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Police Constable, ihm winkt eine todlangweilige Stelle am Schreibtisch. Bis er bei einer Ermittlung sachdienliche Hinweise eines Zeugen aufnimmt, die er lieber nicht im Bericht erwähnt. Der Zeuge ist nämlich ein Geist. Damit beginnt Peters Weg in einer Spezialeinheit der Londoner Polizei und seine Zeit als Zauberlehrling. Wunderbarer englischer Humor in einem Krimi mit einem guten Schuss Phantastik.

Unterwegs begleitet mich wie immer ein Hörbuch, momentan ist es “Abgründe” von Arnaldur Indriðason. Mein erster Krimi von diesem Autor, wirklich begeistert bin ich nicht. Er ist nicht schlecht, aber leider auch nur guter Standard. Vielleicht überrascht er mich aber auch noch, er hat noch ein paar Stunden lang die Möglichkeit dazu.

Markus Heitz – Die Judastrilogie (E-Book)

 

Exklusiv als E-Book gibt es jetzt alle drei Bände der Judastrilogie von Markus Heitz in einem Band, für gerade mal 24,99 €. Neben den drei Romanen “Kinder des Judas”, “Judassohn” und “Judastöchter” gibt es auch noch einiges an Zusatzmaterial in “Die Judastrilogie” zu sehen.

Zu jedem Charakter gibt es Steckbriefe und Illustrationen, die wichtigsten Orte und auch die verschiedenen Vampirsorten werden vorgestellt und erläutert. Zu “Kinder des Judas” gibt es gestrichene Szenen, unter anderem Scyllas Tagebücher. “Judassohn” wird durch die Kurzgeschichte “Blutmaske” ergänzt, zu den Judastöchtern findet sich die entfallene Szene “Maskenfluch”.

Wer noch keinen der Romane gelesen hat, die Reihe bietet blutige und spannende Unterhaltung mit einem guten Schuss schwarzen Humors. Meine Rezensionen zum zweiten und dritten Band findet ihr hier:

“Judassohn”

“Judastöchter”

“Kinder des Judas” hatte ich leider noch nicht rezensiert, aber wenn es mir nicht gefallen hätte, gäbe es die Rezensionen zu den Folgebänden nicht. ;)

Die Steckbriefe in “Die Judastrilogie” erweitern sich mit dem Lesefortschritt. Mit meinem Kobo Reader hat mich das erst mal vor ein großes Rätsel gestellt. Ich hatte das Bonusmaterial über das Inhaltsverzeichnis aufgerufen, wo die sich erweiternden Steckbriefe einfach hintereinander stehen. Immer mit dem Hinweis “Steckbrief erweitert sich mit dem Lesefortschritt!”. Erst als ich das E-Book in Adobe Digital Editions aufrief, fand sich die Lösung. Im Text gibt es Links, die dann zum entsprechenden Steckbrief führen. An sich eine tolle Idee, auch wenn ich mich frage, ob ich wirklich zum x-ten Mal einen Steckbrief aufrufen würde, der zum Großteil schon bekanntes enthält. Aber immerhin werden so Spoiler vermieden.

Wenn ich die Links mit meinem E-Book Reader überhaupt nutzen könnte. Der Kobo Reader unterstützt sie leider nicht. Man erkennt sie nur als leicht heller dargestellt, wenn man weiß, wonach man suchen muss. Und kann dann nichts damit anfangen. Wie sieht das auf anderen Readern aus? Funktioniert das dort? Wenn nein, frage ich mich, wofür dieses E-Book konzipiert wurde. Wer liest denn über 2000 Seiten am Rechner? Dafür gibt es doch die handlichen Reader.Edit: das Problem wurde inzwischen eingegrenzt, wahrscheinlich liegt es daran, dass die Datei zu groß ist und der Kobo sehr lange zum öffnen des Links braucht. Länger als ich gewartet habe.

Die Illustrationen sehen übrigens auch auf dem rein schwarz-weißen Bildschirm des Readers sehr gut aus. Es lohnt sich zwar, mal einen Blick in die colorierten Ausgaben zu werfen, aber auch auf einem E-Ink Display sind sie sehr atmosphärisch und machen Lust, die Bücher noch einmal zu lesen, um all diese Charaktere wieder zum Leben zu erwecken.

Wer die Triologie schon kennt, bekommt hier die Möglichkeit, sie ohne Handgelenkschmerzen mal wieder zu lesen. Am Stück, ohne die immer viel zu lange Wartezeit auf den nächsten Band. Wer sie noch nicht kennt, der hat hier die Möglichkeit zu einem günstigen Preis gleich drei Vampire, ähm, Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Die Judastrilogie – Markus Heitz

2150 Seiten, Knaur ebook
ISBN 978-3-426-41389-0, 24,99 €
Exklusiv als E-Book

Wählt das phantastische Buch des Jahres 2011

Auf der Phantastik-Couch könnt ihr euer phantastisches Buch des Jahres wählen. Hier entlang bitte.

Mein persönliches phantastisches Highlight des Jahres ist leider nicht dabei. Im Couch-Talk vom Januar 2012 hatte ich “Die Insel der besonderen Kinder” von Ransom Riggs zu meinem persönlichen Highlight ernannt. Aber es sind einige andere tolle Titel dabei. Zum Beispiel “Fausto” von Oliver Dierssen oder auch “In den Abgrund” von Bernd Perplies.

Anthony Horowitz – Das Geheimnis des weißen Bandes (Hörbuch)

 

Sherlock Holmes und Watson werden von einem Galerist um Hilfe gebeten. Er fühlt sich verfolgt und vermutet hinter dem Mann mit der Schiebermütze, der ihm ständig begegnet, das letzte überlebende Mitglied einer Verbrecherbande. Der Galerist selbst war an der Zerschlagung dieser Bande beteiligt und befürchtet nur einen Rachefeldzug des letzten Bandenmitglieds. Holmes muss nicht lange suchen, findet den Verdächtigen aber nur noch leblos vor. Ermordet. Kurz darauf wird einer der Straßenjungen, die Holmes bei der Suche halfen, ebenfalls brutal ermordet. Was hatte er gesehen, das ihn das Leben kostete? Die einzige Spur ist ein weißes Seidenband, das dem Jungen ums Handgelenk gebunden wurde.

„Das Geheimnis des weißen Bandes“ wurde von der Arthur Conan Doyle Estate offiziell als Nachfolger des Originals anerkannt. Wie man ihn kennt, beobachtet und folgert Sherlock Holmes aus Kleinigkeiten, die den meisten anderen entgehen. Als Meister der Tarnung kann er sogar dem guten Watson schon mal ein Schnippchen schlagen. Mal eben ein paar Minuten überhören, sollte man hier lieber nicht. Will man aber auch gar nicht, dafür ist der Fall viel zu spannend.

Die Stimme von Johannes Steck passt wunderbar und entführt den Hörer schnell ins viktorianische London. Viele Kleinigkeiten lassen das Buch zu einer wunderbaren Hommage an Sherlock Holmes und seinen Mitarbeiter werden. Ich hätte nach dem hören am liebsten gleich noch einmal von vorne angefangen.

Hörbuch


Das Geheimnis des weißen Bandes

Autor Anthony Horowitz
Sprecher Johannes Steck
Länge 5 Stunden 10 Minuten (gekürzt)
Genre: Krimi
Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)
Im Flexi-Abo für 9,95 €

Monatsrückblick Januar 2012

Gelesen

- Simon Tofield – Fütter mich!

Simons Katze hat Hunger, kein Wunder. Alle Zeichnungen drehen sich um dieses elementare Thema, diesmal aber in Farbe. Ein nettes Büchlein, für Simons Katze Fans unverzichtbar. Muss ich erwähnen, dass ich beide Kalender hier stehen habe? ;)

- Oliver Dierssen & Ole Christiansen (Hrsg.) – Die Untoten

Eine ganze Truppe bekannter deutsche Fantasy-Autoren hat Kurzgeschichten rund ums Thema “Untote” geschrieben. Mal schaurig schön, mal schwarzer Humor, aber immer sehr lesenwert.

- Petra Schier – Die Gewürzhändlerin

Sehr schöner Historienschmöker, der im mittelalterlichen Koblenz spielt.

- Christoph Hardebusch – Smart Magic

Fantastischer Jugendroman, in dem ein 15jähriger Waisenjungen plötzlich mit Magie und allerhand anderen unglaublichen Tatsachen konfrontiert wird.

Gehört:

- Anthony Horowitz – Das Geheimnis des weißen Bandes

Sehr schöne “Fortsetzung” der Geschichten von Sherlock Holmes. Spannender Krimi in viktorianischem Flair, der einen nicht mehr los lässt.

- Alex Capus – Léon und Luise

Von Ulrich Noethen wunderbar gelesene Liebesgeschichte um zwei Menschen, die meinen sich verloren zu haben. Ruhig und romantisch, mit beeindruckenden Charakteren.

 

Sieht wenig aus, aber das täuscht. Es kommen einige quergelsene Bücher dazu und ein paar, die noch nicht erschienen sind. Darüber darf ich noch nichts verraten, deshalb tauchen die auch nicht im Monatsrückblick auf. Insgesamt waren es ungefähr 4400 gelesene Seiten.

 

 

Petra Schier – Die Gewürzhändlerin

Luzia hatte großes Glück, als Tochter eines freien Bauern geboren, hat sie nun eine Anstellung als Edelmagd bei Gräfin Elisabeth inne. Das Schicksal meinte es gut mit ihr, ihre Herrin steht ihr nahe und brachte ihr neben den Sitten des gehobenen Standes auch Lesen und Schreiben bei. Als der Händler Martin Wied Hilfe braucht, kommen ihr diese Fähigkeiten zu Gute, auch Rechnen kann sie sehr gut. So springt sie als Gehilfin ein und entdeckt, dass sie ein Talent für den Handel mit Gewürzen und Spezereien hat. Dieses Talent offenbart sich nicht nur Martin Wied, auch seine Konkurrenten erfahren schnell davon. So wird Luzia zu einer gefragten Partie, der Sohn seines größten Feindes hält um ihre Hand an. Wied selbst wird unterdessen des Mordes angeklagt. Luzia versucht seine Unschuld zu beweisen, einen Mord würde er nie begehen. Davon ist sie überzeugt. Als die Vergangenheit sie einholt ahnt sie, wer dagegen nicht vor einer solchen Tat zurückschrecken würde.

„Die Gewürzhändlerin“ ist die Fortsetzung von „Die Eifelgräfin“. Man muss den ersten Band aber nicht gelesen haben, alle wichtigen Handlungen und Personen werden noch einmal kurz aufgeführt. Ich hatte den Vorgänger nicht gelesen und keine Probleme, mich zu Recht zu finden.

Wer Papiergeflüster schon länger liest weiß, dass ich normalerweise selten „-in“ Romane lesen. Also die typischen historischen Romane, die im Titel die Endung „-in“ beinhalten und immer von weiblichen Heldinnen in Liebes- und anderen Nöten handeln. Warum ich hier eine Ausnahme machte? Von Petra Schier habe ich schon einige Bücher der Adelina-Reihe gelesen, historische Kriminalromane die in Köln spielen. Nachdem mir diese Bücher immer sehr gut gefielen, wollte ich es nun auch einmal mit einem ihrer anderen Romane versuchen. Und wurde nicht enttäuscht.

Petra Schier schafft es immer wieder, mittelalterliche Städte vor dem Auge der Leser lebendig werden zu lassen. „Die Gewürzhändlerin“ spielt in Koblenz, das dank seiner günstigen Lage an der Mündung der Mosel in den Rhein eine bedeutende Handelsstadt war. Luzia lebt nicht das durchschnittliche Leben einer Frau in dieser Zeit, ist sich dessen aber bewusst und kämpft auch immer wieder mit den Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben.

Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und man ahnt früh, wie sie ausgehen wird. Was es aber nicht weniger interessant macht, den beiden auf ihrem Weg zu folgen. Beide sind gerade wegen ihrer Unperfektheit sehr sympathische Charaktere, die man schnell ins Herz schließt.

Die Reliquie und ihre Geschichte hätte es für mich nicht wirklich gebraucht, aber das ist Geschmackssache. Sie ist der rote Faden der Geschichte und führt alle Beteiligten zusammen, mir war es allerdings ein wenig zu mystisch angehaucht. Aber nicht so sehr, dass es mich ernsthaft gestört hätte. Der Glaube an solche Dinge gehörte eben auch zu dieser Zeit.

„Die Gewürzhändlerin“ war ein wunderschönes und kurzweiliges Leseerlebnis, das mir so manchen Abend versüßte. Ein Roman, der seine Leser in vergangene Zeiten entführt und nur schwer wieder aus seinen Seiten entlässt. Kaum ein Abend, an dem ich nicht länger las als eigentlich geplant.

Die Gewürzhändlerin – Petra Schier
543 Seiten, Rowohlt Verlag
ISBN 9783499256288, 9,99 €
Taschenbuch

Die Untoten – Oliver Dierssen & Ole Christiansen (Hrsg.) (E-Book)

 

Sieben Kurzgeschichten, die eines gemeinsam haben: den Untod. Wer dabei gleich an Zombies denkt, liegt nur zum Teil richtig. Auch die haben ihren Platz in dieser Kurzgeschichtensammlung aus den Federn vieler, bekannter Autoren gefunden. Aber es gibt noch wesentlich mehr Möglichkeiten des untoten Daseins.

Bernhard Hennen lässt in „Stürmische Zeiten“ eine Wiedergängerin der besonderen Art auftauchen, stürmisch eben. Thomas Plischke lässt einen Künstler „In Wort und Bild“ mehr als realistische Bilder zeichnen. Oliver Dierssens „Akerbeltz“ erinnert vom Schreibstil sehr an „Fledermausland“, aber mit ganz anderen Akteuren. „Ein kleiner Tod“ von Viktoria Schlederer führt den Leser erst einmal auf eine falsche Fährte, um am Ende mit einer düsteren Überraschung aufzuwarten. Jonas Wolf hat ein klassisches Fantasy-Setting mit einem klassischen Zombiefilm gemischt, das Ergebnis ist bissig. 125 Seiten mit 7 ganz unterschiedlichen Geschichten, eine unterhaltsamer als die andere.

Erschienen ist diese Kurzgeschichtensammlung im Nerdpol Verlag, einem noch sehr jungen Projekt der Autoren Oliver Dierssen und Ole Christiansen. Die den Kurzgeschichten neue Wege eröffnen wollen, nämlich den des E-Books. So kommt es, dass man „Die Untoten“ für gerade mal 2,99 € als E-Book erstehen kann. Sie beschreiben den Nerdpol selbst als „Der Verlag für die kurze, digitale Phantastik“. Das auch kurz gut sein kann, haben sie gleich mit ihrer ersten Publikation bewiesen.

Die Untoten – Oliver Dierssen & Ole Christiansen (Hrsg.)
125 Seiten, Nerdpol Verlag
ASIN B006NY730C, 2,99
E-Book

Harold Cobert – Ein Winter mit Baudelaire (E-Book)

Philippe verliert nach und nach alles, was ihm im Leben wichtig war. Erst seine Familie, seine Ex-Frau verbietet ihm den Kontakt zu seiner Tochter. Dann den Job, als ein Kollege ihm einen wichtigen Auftrag wegnimmt. Schneller als er sich versieht, steht er auf der Straße. Mitten unter denen, die er vor kurzem noch verachtet hat. Mitten im ewigen Kreislauf „ohne Job keine Wohnung, ohne Wohnung kein Job“. Erst als er Baudelaire kennen lernt, hat er wieder einen Grund zu kämpfen, um sich aus diesem Sumpf heraus zu ziehen.

„Ein Winter mit Baudelaire“ ist ein wunderschönes und ein furchtbar trauriges Buch. Ein Großteil des Romans berichtet von den furchtbaren Zuständen, mit denen man als Obdachloser zu Recht kommen muss. Auch sprachlich wird der Niedergang von Philippe deutlich gemacht, umso tiefer er in der Gosse steckt, umso derber sind die Beschreibungen. Hält er anfangs selbst Abstand von stinkenden Pennern und sieht auf sie herab, wird er mit der Zeit selbst einer von denen, die in der U-Bahn viel Platz um sich herum haben.

Das französische Sozialsystem wird näher beleuchtet, ebenso die persönlichen Abgründe, die sich auftun, wenn man sich plötzlich in einer solchen Situation wieder findet. Nur wenige haben das Glück, einen Anker in ihrem Leben zu finden und Freunde, die ihnen helfen wieder Fuß zu fassen.

Ein Buch, das mich sehr berührt hat und mich die Menschen auf der Straße mit anderen Augen sehen lässt.

Ein Winter mit Baudelaire – Harold Cobert
288 Seiten, Piper
ISBN 9783492273435, 8,99 €
Taschenbuch

Harry Rowohlt und Oleg Jurjew im Saalbau Luisengarten

Literatur deluxe hat zur ersten “Lesung” im Jahr 2012 zwei außergewöhnliche Künstler eingeladen die zusammen einen zauberhaften Abend mit vielen Geschichten, Anekdoten und einigen Liedern gestalten werden. Am 1. April 2012 liest Harry Rowohlt aus Oleg Jurjews Roman “Die russische Fracht”. Oleg Jurjew singt dazu alte russische Seemanns- und Ganovenlieder. Gemeinsame Auftritte von Jurjew und Rowohlt, der auch das Hörbuch seines Freundes eingespielt hat, gehören zu den seltenen Gelegenheiten die unbändige Sprachlust des Erzählers Jurjew nuanciert, sprachgewaltig und treffend von Harry Rowohlt in Szene gesetzt zu erleben. Beginn der Veranstaltung im Saalbau Luisengarten ist 20 Uhr.

  

© Martin Kunze                                                 © Yura Okamoto

Karten für die Lesung gibt es ab sofort in der Tourist Information im Falkenhaus, Tel: (0931) 37 23 98.

 

Hintergrundinfo: “Die russische Fracht” (gebundene Ausgabe erschienen im Suhrkamp-Verlag; Audio CD – Kein & Aber)

Wenja Jasytschnik muss aus St. Petersburg fliehen. Kriminelle haben seinen Stiefvater ermordet und sich dessen Firma angeeignet. Am Flusshafen winkt die Rettung. Doch der Frachter, den Jasytschnik besteigt, entpuppt sich als Geisterschiff: Während Kapitän Achov in seiner Kabine sowjetische Heldenlieder schmettert und Wenjas schöne Jugendliebe Zoëchen übers Deck stöckelt, dösen in den Kühlräumen der Stiefvater, ein altes jüdisches Ehepaar und andere Untote. Jurjew schickt seinen Helden auf eine irre Odyssee, er tut dies mit sprühender Fantasie und einer virtuosen Sprache, die gewitzt zwischen Jargon, Sprichwörtern, Anspielungen und Zitaten aus der alten Sowjetzeit changiert.

Wer könnte diese unbändige Sprachlust nuancierter, sprachgewaltiger und treffender in Szene setzen als der begnadete Vorleser Harry Rowohlt – mit Unterstützung des Autors selbst, der den singenden Kapitän gibt?



Ohrenschmankerl

Für die heutige Fahrt nach München und zurück hatte ich mir frischen Ohrenschmaus auf den MP3-Player geladen. “Léon und Louise” von Alex Capus sollten mich begleiten. Zum hören kam ich zwar weniger als geplant, aber die ersten anderthalb Stunden des von Ulrich Noethen gelesenen Hörbuches gingen runter wie Öl.

Seine Stimme passt einfach fantastisch zur Geschichte, ich fühle mich nach Frankreich versetzt und verfolge gerade noch gespannt das Kennenlernen von Léon und Louise. Einfach nur wunderschön. Ein echtes Ohrenschmankerl eben.