Belletristik Besprechungen

Mareike Krügel – Sieh mich an

4. August 2017

Ein fast normaler Freitag in Katharinas Leben. Sie versucht Ordnung in ihrem Leben und ihrer Familie zu halten, die Listen die sie dafür anlegt werden allerdings schnell wieder überholt, vom alltäglichen Chaos. Ihr Mann kommt nur am Wochenende von der Arbeit nach Hause, sie versucht ihren Job und ihre zwei Kinder zu managen, was verdammt viele Nerven kostet. Auch ohne, dass sich der Nachbar einen Daum abfährt und der Trockner brennt. Über den Knoten in ihrer Brust versucht sie nicht nachzudenken, dieses Wochenende soll noch einmal ganz normal sein. Am Montag wird sie sich darum kümmern. Und doch finden ihre Gedanken immer wieder Wege, sich damit zu beschäftigen. Was wird, wenn sie stirbt? Wie war ihr Leben bisher, nicht so wie geplant, aber trotzdem gut? Oder hätte sie manche Entscheidung anders treffen sollen?

Der gesamte Roman spielt nur an einem einzigen Tag, diesem besagten Freitag. Und doch lernt man Stück für Stück das gesamte Leben Katharinas kennen. In Erinnerungen, kleinen Einblicken, nicht chronologisch aber doch schnell ein Gesamtbild ergebend. Katharina ist eine ganz normale Frau, wie man sie selbst sein könnte, oder die Nachbarin oder Freundin. Mit Sorgen und Nöten wie man sie kennt, aber auch gut verborgenen dunklen Erinnerungen, an die sie selbst nur selten rührt.

Ruhe kennt Katharinas Leben nicht, ständig ist etwas los, das Chaos regiert und verleiht der Geschichte Geschwindigkeit. Ich habe das Buch an einem Tag gelesen, weil es einfach immer weiter geht, schwupp ist man schon im nächsten Geschehen und dann ist es auch schon zu Ende. Die Geschichte lässt einen mit vielen Gedanken zurück, denn bei aller Leichtigkeit, mit der die Geschichte erzählt wird, steckt doch so viel darin, dass man sie nach der letzten Seite noch nachwirken lassen möchte. Immer wieder fallen mir Szenen und Sätze ein, die im Buch nur kurz stattfinden, aber doch so wahnsinnig viel enthalten, dass sich erst nachträglich entfaltet. Definitiv kein Buch, das man so schnell wieder vergisst. Aber eines, das die gelungene Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang mitbringt, die so schwer zu treffen ist. Das sich locker leicht lesen lässt, um im Nachhinein umso eindrücklicher seine Wirkung zu entfalten.

Sieh mich an – Mareike Krügel
Piper Verlag

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4 Kommentare

  • Antworten Elke Schneefuß 5. August 2017 von 14:23

    Ich hatte eine Leseprobe gesehen und fand den Stil sehr flüssig und gekonnt. Eines der Themen – Bedrohung durch eine bösartig Krankheit- machte es mir ein schwer, dranzubleiben, da ich gerade einen ähnlichen Fall im entfernteren Bekanntenkreis hatte. Trotzdem ganz sicher ein interessantes und lesenswertes Buch. Danke für die Rezi!

    • Antworten Papiergeflüster 6. August 2017 von 11:02

      Liebe Elke, manchmal ist es einfach die falsche Zeit für ein Buch, egal wie gut es ist. Das ist so ein Fall, wo ich das sehr gut verstehen kann.

  • Antworten -Leselust Bücherblog- 13. August 2017 von 19:17

    Hallo Simone,
    Schöne Worte hast du da geschrieben. Zu dem Buch habe ich mittlerweile so viele kontroverse Meinungen gehört, dass ich langsam wirklich neugierig auf das Buch geworden bin. Der Klappentext hatte mich eigentlich nicht so sehr angesprochen. Aber deine Buchbesprechung landet eindeutig in der “Pro- Buch Waagschale”, also werde ich der Geschichte wohl mal eine Chance geben. Hoffentlich dauert es nicht mehr so lange, bis der Titel in unserer Stadtbücherei zu finden sein wird.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag noch, Julia

    • Antworten Papiergeflüster 14. August 2017 von 12:34

      Hallo Julia, ich drücke die Daumen, dass eure Stadtbücherei es bald im Bestand hat. 🙂 Und bin gespannt, wie es Dir gefällt! Liebe Grüße

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