Belletristik Besprechungen

Harper Lee – Gehe hin, stelle einen Wächter

25. Juli 2015

GehehinWaechter

„Gehe hin, stelle einen Wächter“ spielt zwanzig Jahre nach „Wer die Nachtigall stört“. Dem Klassiker, den Harper Lee vor 55 Jahren veröffentlichte, für den sie unter anderem den Pulitzer-Preis erhielt, bis heute ihr einziges Buch. Bis das Manuskript von „Gehe hin, stelle einen Wächter“ gefunden wurde, das sie vor „Wer die Nachtigall stört“ schrieb.

Jean Louise Finch, aus der Nachtigall als Scout bekannt, lebt inzwischen in New York und besucht ihren Vater in Maycomb. Ihr Bruder ist vor ein paar Jahren gestorben, Atticus leidet an Rheuma, seine Schwester Alexandra ist bei ihm eingezogen, um ihm zu helfen. Scheint in den ersten Tagen noch alles wie all die Jahre zuvor zu sein, muss Jean Louise schon bald feststellen, dass sich doch einiges in Maycomb verändert hat. Es gibt einen Bürgerrat, dem auch ihr Vater und ihr Jugendfreund Henry angehören, in dem übelste rassistische Reden gehalten werden. Ihr Vater ein Rassist? Der Atticus, der vor zwanzig Jahren viel riskierte, als er einen Farbigen vor Gericht vertrat?

Als sie ihn zur Rede stellt, gibt es etliche Absätze in diesem Buch, die mich regelrecht anwiderten. Farbige werden als minderbemittelt bezeichnet, geistig auf dem Niveau von Kindern, gar nicht in der Lage auf der gleichen geistigen Ebene wie Weiße zu agieren. Und Jean Louise, die im Vergleich zu Maycomb relativ weltoffen ist, widerspricht ihm nicht. Vertritt aber die Meinung, dass auch sie Menschen seien und daher alle Rechte eines Menschen haben sollten. Das Ende ließ mich leicht erschüttert zurück.

Hätte man dieses Buch, das Atticus Heldenrolle aus „Wer die Nachtigall stört“ demontiert, besser nicht veröffentlicht? Nein, es ist deshalb kein schlechtes Buch. Sprachlich noch auf einer anderen Ebene, aber mit wichtigem Inhalt. Es zeigt, welcher unglaubliche Rassismus vor gar nicht so vielen Jahren in den Südstaaten der USA herrschte. Und leider zum Teil auch immer noch herrscht. Ebenso wie die Rolle aussah, die einer Frau damals zustand. Gegen die Jean Louise versucht zu rebellieren, wofür sich aus dem Schatten ihres Vater befreien muss.

Erschütternd, berührend und leider immer noch aktuell, ein Buch, das gelesen werden sollte.

"buchhandel.de/

Gehe hin, stelle einen Wächter – Harper Lee
Deutsch von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel
317 Seiten, DVA
ISBN 9783421047199, 19,99 €
Gebunden

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eBook
ISBN 9783641179496, 15,99 €

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1 Kommentar

  • Antworten franzischoenbach 23. August 2015 von 10:46

    Huhu, das klingt interessant. Ich liebe ja “Wer die Nachtigall stört” und brenne darauf, auch diese Buch zu lesen. glg Franzi

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