Besprechungen Historischer Roman

Gina Mayer – Das Maikäfermädchen

20. August 2012

Düsseldorf, ein Jahr nach dem zweiten Weltkrieg. Die Stadt liegt in Trümmern, überall herrscht Armut und Hunger. Mehr schlecht als recht hält sich die Hebamme Käthe über Wasser. Da bietet ihr ein Mädchen einen Pelzmantel an. Wenn sie ihr hilft, die Schwangerschaft zu beenden. Der Hunger siegt, Käthe überhört ihr schlechtes Gewissen und führt den Eingriff durch. Sie ist alleine, ihr Mann in Kriegsgefangenschaft, sie muss überleben. Bald darauf steht die nächste Frau in Not vor ihrer Tür.

Gina Mayer hat es wieder einmal geschafft, dass ich alles um mich herum vergas und in vergangenen Zeiten versank. Sie hat die furchtbare Nachkriegszeit so deutlich beschrieben, die Not und auch die moralischen Zwickmühlen, dass ich immer wieder inne hielt um mich daran zu erinnern, was meine Großeltern über diese Zeit erzählten. Sie lebten auf dem Land, in den Städten sah es damals noch viel schlimmer aus. Leicht war es aber für niemanden, in einem Land zu überleben, in dem es nichts mehr gab. Die eigenen Moralvorstellungen musste man über den Haufen werfen, wollte man überleben. In Extremsituationen wie diesen gelten die üblichen Regeln der Gesellschaft sowieso nicht mehr.

Ganz unterschiedlich erleben die Charaktere die Zeiten nach dem verlorenen Krieg. Käthe gehört nicht zu den Menschen, die im Nachhinein die Augen verschlossen, sie fühlt sich schuldig, weil sie die Zeichen vor dem Krieg nicht gesehen, nicht gehandelt hat. Ihre Freundin Lilo braucht einen guten Freund, der das Lager überlebt hat, um all die Grausamkeit wirklich zu verstehen, die geschah. Doch nach dem Krieg zählte nur noch eins, Überleben. Dafür geht jeder an und über seine Grenzen hinaus.

„Das Maikäfermädchen“ ist ein ruhiger Roman, der mich tief berührte. Es ist wichtig, dass wir diese Zeiten nicht vergessen. Die Generation, die uns davon erzählen kann, verschwindet. Oder will nicht über diese Zeiten reden, will vergessen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir erinnert werden, zum Beispiel durch Bücher wie dieses. In dem Gina Mayer diese furchtbaren Jahre lebendig werden lässt.

Die Zeit in der das Buch spielt, ist grausam. Trotzdem ließ mich die Geschichte nicht traurig, eher nachdenklich zurück. Leseempfehlung für alle, die nicht nur leichte Unterhaltung suchen und gerne tief in Geschichten eintauchen.

Das Maikäfermädchen – Gina Mayer
365 Seiten – Rütten & Loening
ISBN 9783352008436, 16,99 €

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