Belletristik Besprechungen

Garth Risk Hallberg – City on Fire

10. Mai 2016

CityonFire

Neujahr 1977, im Central Park liegt ein siebzehnjähriges Mädchen im Schnee, zwei Kugeln im Kopf. Was geschah mit Samantha, dass ihr Silvester so endete? Die Polizei sucht den Täter vergeblich. Warum war sie im Park? Wer wollte sie ermorden? Sams Geschichte berührt viele andere Geschichten. Da ist zum Beispiel Charlie, ihr bester Freund, der nach dem Tod seines Vaters aus der Spur gerät. Und Mercer, ein schwuler und farbiger Lehrer an einer Mädchenschule, der Sam verletzt im Park findet. Sein Freund William Hamilton-Sweeney, Erbe eines Finanzimperiums, der sich aber von seiner Familie verabschiedet hat und als Künstler in den Tag hinein lebt. Seine Schwester Regan, mitten in einer Scheidung und gleichzeitig im Kampf um das Ansehen ihres Vaters. Der Reporter Richard, der versucht herauszufinden, was Sam zustieß und der Polizist Larry, der diesen letzten großen Fall gerne abschließen würde.

Das erste was einem an „City on Fire“ auffällt, sind seine Ausmaße, 1080 Seiten. Was mich im ersten Moment abschreckte, an so einem Werk liest man doch eine ganze Weile. Oft werden solche Seitenzahlen auch erreicht, weil der Autor es nicht schafft, sich kurz zu fassen und ins Schwafeln gerät, was zu seitenlanger Langeweile führen kann. Nicht bei „City on Fire“. Garth Risk erzählt ohne auch nur eine Seite Langeweile die Geschichten vieler verschiedener Menschen, die oft ohne es zu wissen miteinander in Verbindung stehen. Bis diese Geschichten in der Nacht des Black Outs am 13. Juli 1977 zu einer Geschichte werden.

Die relativ schnellen Wechsel zwischen den Personen, deren Geschichten erzählt werden, halten die Geschwindigkeit im Roman konstant hoch. Die Pausen dazwischen sind nie zu lang, die Verbindungen werden dem Leser immer schnell klar. Solch eine komplexe Geschichte so perfekt zu gestalten und das in einem Debüt, ist wirklich eine besondere Leistung.

Garth Risk Hallberg hat mich auch mit seiner Sprache begeistert, verwendet immer wieder besondere Bilder und Wendungen. Ohne die Lektüre dadurch zu schwer werden zu lassen. Das Buch liest sich schnell, auch wenn ein gewisses Maß an Konzentration immer geboten ist, um die vielen Verbindungen zu registrieren, die der Autor einbaute.

„City on Fire“ ist die Geschichte einer Stadt in einer Zeit, in der alles im Wandel ist. Ganze Viertel verändern innerhalb kürzester Zeit ihr Gesicht. Mittendrin in all diesen Veränderungen stehen die Geschichten dieser Menschen, deren Leben ebenfalls an Punkten der Veränderung ankamen. Die neue Wege finden, sich wieder zurecht finden müssen. Die dabei auch auf Irrwege geraten. Und den Leser schon nach wenigen Seiten hoffnungslos an das Buch fesseln.

Ich hatte lange überlegt, ob ich mich an dieses dicke Buch heranwagen soll und habe es nicht eine Seite lang bereut, es getan zu haben. Nur habe ich die eBook Version, wegen der Handlichkeit, bevorzugt. Ein wirklich großes und großartiges Werk, das mich sehr begeistert hat. Traut euch, auch wenn es ein wenig Zeit braucht. Es ist jede Seite wert und hätte nicht kürzer sein dürfen.

"buchhandel.de/

City on Fire – Garth Risk Hallberg
Deutsch von Tobias Schnettler
1080 Seiten, S. Fischer Verlag
ISBN 9783100022431, 25,00 €
Hardcover

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eBook
ISBN 9783104031774, 21,99 €

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Wer probelesen möchte, hier gibt es eine kostenlose eBook Leseprobe.

6 Kommentare

  • Antworten Thomas 10. Mai 2016 von 22:05

    Hallo,
    das Buch war mir bis vor kurzem gar nicht aufgefallen, dann habe ich es bei dir und Mara von buzzaldrins gesehen und näher recherchiert.Könnte genau meinen Geschmack treffen. Die “Welt” vergleicht es sogar mit einem meiner absoluten Lieblingsbücher (Bleak House von Charles Dickens). Fragt sich nur wo ich zeitlich diese ganzen Wälzer unterbringen soll, hier stehen auch noch “Unschuld” , “Die Gestirne” und Frank Witzels “Die Erfindung der …”.
    Vielen Dank jedenfalls für diesen ersten Einblick.
    Viele Grüße
    Thomas

    • Antworten Papiergeflüster 11. Mai 2016 von 17:52

      Uff, das sind ja wirklich einige Wälzer. Ich wage mal zu behaupten, dass “City on Fire” von allen noch am schnellsten gelesen ist. 😉 Ohne banal zu sein liest es sich wirklich flott. “Unschuld” hatte ich wegen akuter Langeweile abgebrochen, die anderen beiden gar nicht erst gewagt. 😉

  • Antworten Thomas 11. Mai 2016 von 20:48

    Du machst mir jetzt ein bisschen Angst. Mal schauen, welches dicke Buch der Urlaubswälzer wird…LG.

  • Antworten [Die Sonntagsleserin] Mai 2016 | Phantásienreisen 5. Juni 2016 von 08:00

    […] 1080 Seiten dick ist „City on Fire“ von Garth Risk Hallberg, das überall nur mit Superlativen beworben wird – den Lobpreisungen scheint der Roman jedoch durchaus gerecht zu werden: „Es ist jede Seite wert und hätte nicht kürzer sein dürfen“, urteilt zum Beispiel Simone auf Papiergeflüster. […]

  • Antworten HibiscusFlower 9. Juni 2016 von 18:59

    Danke für diese wirklich sehr ansprechende Rezension.
    Das Buch hatte ich schon ins Auge gefasst, nur zum Lesen bin ich bisher nicht gekommen.
    Nun habe ich einen Grund.
    Liebe Grüße, Hibi

    • Antworten Papiergeflüster 9. Juni 2016 von 19:31

      Ich hoffe, die Zeit findet sich bald, es lohnt sich wirklich sehr. 🙂

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