Besprechungen Historischer Roman Krimis und Thriller

Dan Simmons – Drood

21. Dezember 2010

1865 überlebt Charles Dickens ein furchtbares Zugunglück. Als er später seinem Freund Wilkie Collins darüber berichtet, erzählt er auch von einem geheimnisvollen Fremden namens Drood, den er dort getroffen haben will. Diese geheimnisvolle Erscheinung lässt ihn nicht mehr los, er macht sich auf die Suche nach Drood und begibt sich dazu in die Londoner Unterwelt. Mit der Zeit wirkt er regelrecht besessen von diesem Drood, der auch von anderen gesucht wird. Wegen mehrfachen Mordes. Eine verhängnisvolle Verkettung von Ereignissen nimmt ihren Lauf, was ist Wahrheit, was ist Wahn?

„Drood“ entführt den Leser nach London im 19. Jahrhundert und lässt diese Stadt mir all ihren Facetten vor seinen Augen auferstehen. Sowohl die Reichen als auch der Abschaum gehören zu dieser Stadt. Die Ärmsten der Armen, die in den Kanälen leben weil es dort wärmer ist als über der Erde, werden von den meisten Menschen der besser gestellten Schichten ignoriert, nicht jedoch von Charles Dickens, der auch in seinen Romanen immer wieder auf das Leben weniger Begünstigter aufmerksam machte.

Dan Simmons hat mit „Drood“ einen fesselnden und spannenden historischen Roman über das Leben von Charles Dickens geschrieben, erzählt aus der Sicht seines Freundes Wilkie Collins, ebenfalls Schriftsteller und stark von Laudanum abhängig. So kommt es, dass der Leser teilweise kaum zu unterscheiden vermag, was wirklich so geschehen sein könnte und welche Szenen dem Opiumrausch geschuldet sein mögen. Erst gegen Ende wird eine Lösung dieser Frage angeboten, ob man sie annimmt, bleibt aber einem selbst überlassen.

„Drood“ ist ein großartiger historischer Roman mit einigen düsteren Elementen, dessen 970 Seiten mir nie zuviel erschienen. Dan Simmons schuf in diesem Buch eine dermaßen dichte Atmosphäre, dass ich nur schwer wieder in die Gegenwart zurück fand. Nach der Lektüre sieht man die Bücher von Dickens mit anderen Augen, mir hat es auf jeden Fall Lust gemacht, endlich mehr von diesem Autor zu lesen. Vielleicht auch mal etwas von Wilkie Collins, der mir bisher unbekannt war.

Drood – Dan Simmons
975 Seiten, Heyne
ISBN 9783453408067, 10,99 €

7 Kommentare

  • Antworten Hazamel 21. Dezember 2010 von 16:08

    Bis zu “…dessen 970 Seiten…” habe ich ernsthaft überlegt es mir mal von Dir auszuleihen 😉

    Hört sich in jedem Fall sehr interessant an.

  • Antworten irina 21. Dezember 2010 von 17:17

    Mich hat das Buch kurz nach Erscheinen sehr gereizt, die Rezensionen haben mich dann aber davon abgehalten, es zu kaufen. Deine Besprechung fixt mich jetzt wieder richtig an!

  • Antworten Tanja 23. Dezember 2010 von 08:35

    @hazamel – das habe ich mir auch gedacht! aber eher: oh je 970 Seiten… das letzte Mal als ich mit 1500 oder so auseinander gesetzt habe, hat das Moooonate gedauert. Aber das Buch klingt wirklich gut!

  • Antworten StefanieEmmy 24. Dezember 2010 von 12:49

    Oje, die 970 Seiten machen mir etwas Angst (wie den andern hier auch xD). Aber sonst klingt es ja riiiichtig gut. Ach, einfach mal auf den Wunschzettel und abwarten was passiert ^^

    Danke für die Rezi 🙂
    Und Frohe Weihnachten! 🙂

    • Antworten Emily 25. Dezember 2010 von 10:09

      An alle “Angsthasen”: die 970 Seiten lasen sich wirklich flott. 😉

  • Antworten StefanieEmmy 26. Dezember 2010 von 14:22

    xD Mein nächstes Mammut-Projekt wird “Die Tore der Welt” mit 1300 Seiten (von der Mama zu Weihnachten bekommen), “Drood” merk ich mir jetzt mal für danach vor – seinen Ängsten soll man sich ja angeblich stellen 😉

    • Antworten Emily 27. Dezember 2010 von 13:28

      @StefanieEmmy: ich habe “Sturz der Titanen” auf dem SUB und es lockt so sehr. Mal sehen, ob ich es noch im Urlaub schaffe.

    Hinterlasse eine Antwort

    %d Bloggern gefällt das: