Archiv für Phantastik

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder

Jacobs Großvater erzählt fantastische Geschichten über seine Vergangenheit. Er hätte zusammen mit anderen Kindern auf einer Insel gelebt. Diese Kinder waren alle etwas ganz besonderes, sie konnten schweben oder waren unglaublich stark. Als Jacob älter wird, tut er diese Erzählungen als Märchen ab. Bis er seinen Großvater nach einem Überfall schwer verletzt auffindet. Was hat Jacob im Gebüsch verschwinden sehen? War es doch eines der Monster, vor denen sein Großvater solche Angst hatte? Dessen letzte Worte verfolgen Jacob noch lange, er soll die anderen suchen und sie warnen. Gibt es diese Insel und die Kinder wirklich?

„Die Insel der besonderen Kinder“ handelt nicht nur von besonderen Kindern, es ist auch ein ganz besonderes Buch. Jacobs Großvater hat Fotos der Kinder, die Jacob schnell als manipuliert abtut. Jedes im Buch erwähnte Bild ist auch im Buch enthalten. Selbst handschriftliche Texte finden sich zwischendurch. Das verhilft dem Text zu einer unglaublichen Atmosphäre und passt wunderbar zu dem insgesamt liebevoll gestalteten Buch. Für die eine oder andere Gänsehaut sorgen die Fotos auch mal.

Die Geschichte hat ein bisschen was von X-Men mit einem Schuss Peter Pan, dazu eine Zeitschleife und schon hat man einen wirklich spannenden Plot mit etlichen Überraschungen. Es ist keine klassische Fantasy, aber mit einem eindeutig fantastischen Touch. Endlich auch mal wieder keine fantastisch angestrichene Romanze, Männer können hier beruhigt mitlesen. Die düstere Stimmung passt gut für die kommenden winterliche Lesestunden.

„Die Insel der besonderen Kinder“ ist eine kleine Perle, die mich von der ersten Seite an fesselte. Wenn man viele Bücher liest, wird es immer schwieriger, welche zu entdecken die „neu“ sind. Dieses hier passt in kein Schema und hat mich mit einer ganz neuen Mischung verschiedener Ideen überrascht. Mein Buchtipp für alle, die es gerne mal etwas anders mögen.

Die Insel der besonderen Kinder – Ransom Riggs
416 Seiten, PAN
ISBN 9783426283684, 16,99 €
Hardcover

Walter Moers – Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Hildegunst von Mythenmetz hat sich auf die Lindwurmfeste zurückgezogen und es sich auf seinen Lorbeeren gemütlich gemacht. Bis ihn eines Tages ein Brief erreicht, der ihn aus seiner lethargischen Bequemlichkeit reißt. „Der Schattenkönig ist zurückgekehrt.“ Abgesendet aus der Ledernen Grotte, der Heimat der Buchlinge. Mythenmetz macht sich auf den Weg nach Buchhaim, das er seit 200 Jahren nicht mehr betreten hat. Erstaunt muss er feststellen, dass die Stadt sich nach dem großen Brand damals sehr verändert hat. Er trifft alte Bekannte und lernt allerhand Neues kennen, zum Beispiel den Biblionismus oder auch den Puppetismus. Hier in Buchhaim kann er seiner Vergangenheit nicht entkommen, er muss sich ihr stellen. Im Labyrinth der Träumenden Bücher.

„Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist eines der schönsten Bücher, die ich bisher gelesen habe. Voller wunderbar skurriler Ideen rund um die Welt der Bücher und des Lesens, verwoben mit einer spannenden Geschichte. Letztere fehlte mir leider in der, freudig erwarteten, Fortsetzung „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“.

Rein optisch überzeugt das Buch wieder einmal und verwöhnt den Leser mit wunderbaren Illustrationen von Walter Moers selbst. Durch den Inhalt musste ich mich ab und an ziemlich durchbeißen. In großen Teilen des Buches ergeht sich Mythenmetz in Erinnerungen an seinen letzten Aufenthalt in Buchhaim. Danke für die Auffrischung meiner Erinnerungen, aber ganz so viel hätte es dann doch nicht sein müssen. Man könnte sich fast sparen „Die Stadt der Träumenden Bücher“ vorher zu lesen. Alles Wichtige wird hier, oft mehr als einmal, wiederholt.

Damit wird der Platz für neue Ideen im Buch schon knapp. Es gibt einige tolle Stellen und bei den Ausführungen über den Biblionismus und sogar die Geschichte des Puppetismus kam das gute alte Moers-Lesegefühl auf. Leider stehen die am Anfang und am Ende des Buches, die Mitte zieht sich stellenweise ziemlich. Die Ausflüge von Mythenmetz durch Buchhaim und die Erkundung seiner Geschichte sind leider kein wirklich spannender roter Faden durch die Handlung des Buches.

Meine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den Buchlingen wurde leider nicht erfüllt, der Titel „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ ist eigentlich auch ein wenig irreführend, „Buchhaim, wie der Phoenix aus der Asche“ wäre passender gewesen. Aber wohl nicht so verkaufsfördernd. Im Labyrinth spielt nur das letzte Kapitel, das dann mit einem Satz endet, den ich euch hier nicht verraten möchte. Der mich aber laut aufstöhnen und das Buch mit leichter Enttäuschung beenden ließ. Wahrscheinlich soll er die Vorfreude auf das nächste Buch wecken, hinterließ bei mir allerdings einen etwas schalen Nachgeschmack.

An skurrilen Ideen und wahnwitzigen Situationen mangelt es nicht in „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ und die wirklich gelungenen Illustrationen trösten über die weniger gelungenen Stellen auch ein wenig hinweg. Mit so manch anderem, wirklich großartigen, Werk von Walter Moers lässt es sich aber bei weitem nicht vergleichen.

Das Labyrinth der Träumenden Bücher – Walter Moers
430 Seiten, Knaus Verlag
ISBN 9783813503937, 24,99 €
Hardcover

Maxime Chattam – Der Krieg der Kinder, Alterra III

Matt und Ambre sind in Eden angelangt. Aber die Ruhe währt nicht lange. Die Königin rüstet zum Krieg, die Kinder werden sich aber nicht kampflos ergeben. Matt will sich bald wieder auf den Weg machen, es gibt noch viele Fragen zu klären. Was will der Torvaderon ausgerechnet von ihm? Warum hängt die Königin im ganzen Land Steckbriefe mit seinem Gesicht auf? Woher weiß sie, wie er aussieht und warum sucht sie ihn? Kann er Tobias retten und ist Ambre wirklich eine Karte? Wenn ja, wozu?

An den vielen Fragen sieht man es vielleicht schon, in diesem dritten und abschließenden Band steckt sehr viel drin. Für meinen Geschmack etwas zuviel. Viele Stellen wirken leicht gehetzt, da werden Szenen mit einem Satz einfach abgehakt, die ein paar Wörter mehr verdient hätten. Vielleicht hätte man dem Autor einen vierten Band gönnen sollen, damit er seine Geschichte mit der gleichen schönen Atmosphäre beenden kann, mit der er sie in den ersten beiden Bänden begann. So manche schöne Idee kam hier einfach zu kurz.

Wie schon in den ersten Bänden, stolpert man auch hier ab und an über kleinere logische Fehler. Warum sollte man sich auch nach den Gaben der anderen erkundigen, bevor man sich mit einer kleinen Spezialeinheit auf den Weg macht. Das erläutert man natürlich erst, nachdem man den ersten Kampf hinter sich gebracht hat. Über die Käfer denke ich schon gar nicht mehr genauer nach. Ob einem die Erklärungen zu guter Letzt gefallen oder nicht, mag Geschmackssache sein. Für mich war es zuviel Zufall und blieb damit unerklärt.

Leider ein nicht ganz so gut gelungener Abschluss einer Reihe, die viele interessante Ideen mitbrachte. In den ersten Bänden bewies Chattam, dass er es eigentlich besser kann. Für alle Alterra-Leser trotzdem ein Muss, es gibt natürlich auch ein paar sehr schöne Szenen und man trifft einige alte Bekannte wieder. Großes Plus ist mal wieder das wunderschön gestaltete Cover. Die Alterra-Reihe gehört mit zu den optisch schönsten Reihen in meinem Bücherregal.

Der Krieg der Kinder, Alterra III – Maxime Chattam
428 Seiten, PAN
ISBN 9783426283073 , 16,99 €
Hardcover

Tommy Krappweis – Götterdämmerung, Mara und der Feuerbringer III

Noch immer steht Ragnarök bevor. Mara und Professor Weissinger läuft die Zeit davon, Loge wird immer mächtiger und noch immer weiß Mara nicht, was Thurisaz mit seinen Seminaren bezwecken will. Warum stärkt er Loge? Was hat er vor? Können die fast vergessenen Götter der nordischen Mythen ihr helfen? Wird Ratatösk ihr wieder auf die Nerven gehen und die Frisur zerstören? Kann Mara Loge besiegen und die Welt retten?

Viele Fragen, die sich im Verlauf der ersten beiden Bände angesammtelt hatten, hier werden sie endlich alle beantwortet. Wie es sich für den Abschlussband einer Trilogie gehört, kommt es zum grandiosen Showdown und die eine oder andere Überraschung hat der Autor auch noch für seine Leser parat.

Vor das Vergnügen haben die Götter allerdings den Schweiß gesetzt. Bei diesem Band fiel mir der Einstieg etwas schwerer, als bei den ersten beiden. Zum einen störte mich ein gewisser Sprachfehler, an dem der Autor scheinbar so viel Spaß hatte, dass er ihn seitenlang absolut sinnlos überreizte. Außerdem findet sich diesem Band das, was ich in den ersten beiden so gar nicht vermisst hatte: Mara und die Jungs. Siegfried anzuschmachten war ok, das hier ist ein anderes Kaliber. Eigentlich fand ich es sehr angenehm, dass einem diese Thematik ausnahmsweise mal in einem Jugendbuch erspart bleibt. Aber es sollte wohl nicht sein.

Wer sich an diesen Punkten ebenfalls stören könnte und jetzt überlegt, das Buch gar nicht erst zu lesen, sei beruhigt. Nach ungefähr einhundert Seiten findet der Autor wieder in seine alte Spur zurück und die Geschichte macht genauso viel Spaß wie schon zuvor. Mara und Professor Weissinger bekommen diesmal Unterstützung, die nicht auf den Mund gefallen ist. Die Auflösung der Geschichte ist rundherum gelungen, sehr spannend mit ein paar Überraschungen und alle Fragen werden geklärt.

Es tauchen einige neue alte Götter auf, amüsanter habe ich noch nie so viel über germanische Mythologie gelernt. Mein kleiner puscheliger Lieblingsfeind hatte auch wieder einige tolle Auftritte, vielen Dank dafür an Tommy. Nach diesen Büchern sehe ich Eichhörnchen mit anderen Augen.

Der Abschied von Mara fiel mir schwer, die freche Kröte ist mir ans Herz gewachsen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja doch irgendwann noch Nachschub.

Götterdämmerung, Mara und der Feuerbringer III – Tommy Krappweis
358 Seiten, SchneiderBuch
ISBN 9783505126482, 12,99 €
Hardcover

Walter Sorrells – Erratum

Jessica ahnt nichts Böses, als sie eines Tages eine Buchhandlung betritt. Kurz darauf hält sie ein Buch mit dem seltsamen Titel „Ihr Leb“ in Händen. Auch der Inhalt ist merkwürdig, berichtet er doch von Jessicas Leben. Warum wollen alle dieses Buch besitzen? Jessica ist von nun an ständig auf der Flucht, weiß nicht wem sie vertrauen kann. Nach und nach erfährt sie, was an dem Buch, und auch an ihr selbst, so Besonderes ist. Nur sie kann die Welt retten. Vor dem Nichts, das die Welt, wie sie sie kennt, vernichten könnte.

Es gibt sie tatsächlich noch, Jugendbücher mit einem gewissen Anspruch und fern ab der romantischen Fantasy-Romane, in denen es nur um das eine geht: wer bekommt wen wann. Die Welt zu retten klingt auf den ersten Blick zwar auch nicht nach einem besonders ungewöhnlichen Plot, aber in dem Fall macht die Umsetzung des Ganzen das Buch zu etwas Besonderem.

Zum einen scheut sich der Autor nicht, auch mal relativ komplexe Wörter zu verwenden. Eine „chronoplastische Singularität der tertiären Phase“ findet man sicher nicht in vielen Jugendbüchern. Auch die entworfene Welt fordert den Leser anfangs, weil lange rätselhaft bleibt, wie alles zusammen hängt. Letztendlich wird aber alles erklärt und ist gut verständlich, die empfohlene Altersgruppe ab 13 sollte keine Probleme damit haben.

Wer mal wieder ein etwas anderes Jugendbuch mit angenehm hohem Niveau lesen möchte, dem kann ich „Erratum“ nur ans Herz legen.

Erratum – Walter Sorrells
313 Seiten, Gabriel Verlag
ISBN 9783522302685, 14,95 €
Hardcover

Markus Heitz – Vernichtender Hass, Die Legenden der Albae II

Auch im zweiten Band der Albae Reihe treffen wir wieder auf Sinthoras und Caphalor und begleiten sie während ihres Eroberungszuges ins Geborgene Land. Nach der Eroberung der Festung der Fünften wähnen sie sich sicher und sehen den Sieg schon in greifbarer Nähe. Aber ihre Verbündeten werden ungeduldig, gehen eigene Wege. Auch aus den Reihen der Albae gibt es nicht nur Unterstützung, Sinthoras wird des Mordes an einem Mitglied seines eigenen Volkes verdächtigt. Während die besten Kämpfer im Geborgenen Land eingesetzt werden, taucht ein Heer lange besiegt geglaubter Gegner vor der Hauptstadt der Albae auf. Können sie die Elben und ihre alten Feinde gleichzeitig besiegen? Wird ihnen das Geborgene Land wirklich in die Hände fallen?

Wer „Die Zwerge“ gelesen hat, wird schon wissen, wie der Kampf um das Geborgene Land letztendlich ausgeht. Langweilig wird einem mit „Vernichtender Hass“ trotzdem nicht. Zum einen gibt es wieder tiefere Einblicke in das Leben und künstlerische Wirken der Albae. Als Material für ihre Kunstwerke verwenden sie ihre Feinde. Das ein oder andere Kunstwerk in diesem Buch hat mich sehr beeindruckt und mal wieder bewiesen, über wie viel Fantasie der Autor verfügt. Zum anderen werden auch auf Seiten der Menschen und Elben neue Charaktere eingeführt, der Widerstand im Geborgenen Land bekommt neue Facetten. Mit jedem weiteren Band, der vom Kampf um das Geborgene Land handelt, wird die Geschichte vielschichtiger und faszinierender.

War mir der erste Albaeband teilweise noch zu „nett“, hier kam der Ausgleich. Zwar bin ich blutigeres von Herrn Heitz gewohnt, da hat mich die Judaskind-Reihe geprägt, aber die Albae beweisen endlich wie unglaublich fies sie sein können. Ohne sich dessen bewusst zu sein. Das ist doch Kunst! Und Intrigen zu spinnen gehört in ihrer Welt einfach dazu.

Wer den Stil von Markus Heitz mag, wird sich auch bei diesem Band wieder prächtig unterhalten. Spannung und schwarzer Humor gemischt mit fiesen Intrigen ergeben ein prächtiges Fantasyabenteuer, das nur einen Fehler hat: es war zu schnell vorbei.

Vernichtender Hass, Die Legenden der Albae II – Markus Heitz
652 Seiten, Piper
ISBN 9783492701976, 15,99 €

Paul Hoffman – Die linke Hand Gottes

Cale wächst in einem Kloster des Erlöserordens auf. Von einem Leben vor der Klosterzeit weiß er nichts mehr. Er kennt nur den Namen, den die Mönche ihm gaben: Thomas Cale. Und auch nur den Drill, dem sie hier alle tagtäglich ausgesetzt sind. Denn die Jungen sollen zu Kämpfern ausgebildet werden. Nicht alle überleben das harte Training mit vielen Entbehrungen und noch mehr Gewalt. Aber Cale ist stark. Doch eines Tages beobachtet er etwas ungeheuerliches, handelt unüberlegt und hat keine andere Wahl mehr als die Flucht aus dem Kloster. Noch nie ist es jemandem gelungen, den Suchtrupps der Erlösermönchen für immer zu entkommen. Wird es Cale gelingen?

„Die linke Hand Gottes“ ist der erste Band einer Trilogie. Mit der Welt hatte ich an manchen Stellen so meine Probleme. So werden Städtenamen aus unserer Welt verwendet, aber die Lage der Städte kann nicht mit den mir bekannten übereinstimmen. Immer wieder tauchen Begriffe aus unserer Welt auf, wie Hugenotten und Lollarden. Der Erlöser-Glauben hat deutliche Parallelen zum Christentum. Und dennoch ist es eine ganz andere Welt. Solche Mischungen liegen mir nicht unbedingt. Anspielungen auf bekannte Glaubensarten und ähnliches gerne. Aber die Verwendung bekannter Namen mit anderer Bedeutung sollte einem deutlichen Zweck dienen, den ich hier noch nicht erkannt habe. So wirkt es eher unkreativ. Warum einen neuen Städtenamen ausdenken, wenn ich sie auch einfach Memphis oder York nennen kann?

Trotz dieses kleinen Ärgerpunktes hat mich das Buch gefesselt. Cale ist ein spannender Charakter. Zu einer Tötungsmaschine erzogen, gnadenlos, aber doch nicht ohne Herz. Das beweist er immer wieder. Auch die Materazzi als Herrscher in Memphis und ihre Gesellschaftsstruktur haben mich fasziniert. Dass der Schreibstil nicht immer besonders flüssig wirkt, liegt wahrscheinlich an der Übersetzung.

„Die linke Hand Gottes“ ist richtig schöne epische Fantasy, die noch viel Raum für weitere Entwicklungen bietet. Ich bin gespannt wie es im nächsten Band, „Die letzten Gerechten“, weiter geht. Vielleicht wird dort ja auch noch das ein oder andere Rätsel aus diesem Band gelöst.

Die linke Hand Gottes – Paul Hoffmann
478 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312320, 17,95 €

Cornelia Funke – Geisterritter

Jon wird nach Salisbury aufs Internat geschickt, weil er sich mit seinem Stiefvater nicht wirklich gut versteht. In dem uralten Gemäuer gehen nicht nur seine Mitschüler und Lehrer um. Eines Nachts stehen drei Geister unter seinem Fenster. Nur er kann sie sehen. Als sie ihn kurz darauf überfallen wird klar, sie wollen ihm nichts Gutes. Aber warum gerade er? Und wer könnte ihm helfen? Die Großmutter seiner Freundin Ella kennt allerhand Geistergeschichten und erzählt ihm von einem Ritter, William Longspee, der ihm vielleicht beistehen könnte. Wird er ihre Bitte erhören und Jon vor den Geisterrittern beschützen?

„Geisterritter“ ist ein Abenteuerroman, der stellenweise ein wenig an die Geschichten auf Burg Schreckenstein erinnert. England mit seinen alten Kathedralen und Gutshäusern ist der ideale Ort für eine Spukgeschichte. Wer würde dort nicht am ehesten akzeptieren, dass es Geister gibt? Und selbst die Geister können in diesem Buch sehr sympathisch sein, wenn auch nicht alle. Ein paar von ihnen sorgen für ordentliche Spannung.

Illustriert wurde das Buch von Friedrich Hechelmann. Bilder in Romanen sind immer etwas schwierig, in diesem Fall trafen sie nicht die Vorstellung, die der Text in mir erweckte. Andererseits transportieren sie die manchmal leicht märchenhafte Stimmung ganz gut. Illustrationen sind immer Geschmackssache.

Wer einen neuen Roman im Stil der „Tintentrilogie“ erwartet, wird vielleicht enttäuscht werden. „Geisterritter“ spielt in einer ganz anderen Atmosphäre und bringt weniger Tiefe mit. Wer aber gerne mal eine spannende Spukgeschichte mit wirklich sympathischen Charakteren lesen möchte, der könnte hier richtig sein. Ein Buch, das einlädt, sich an einem verregneten Abend in der Leseecke damit einzukuscheln und sich ein paar Stunden einfach weg zu träumen.

Geisterritter – Cornelia Funke
256 Seiten, Cecilie Dressler Verlag
ISBN 9783791504797, 16,95 €
Hardcover

S. M. Peters – Die Götter von Whitechapel

Die Götter von Whitechapel, das sind Mama Maschine und Großväterchen Uhr. Sie haben Whitechapel in ihre Macht gebracht und regieren nun mit harter Hand. Mama Maschine braucht Sklaven, um ihre Maschine am laufen zu halten. Sie waren einst Menschen, werden von Tag zu Tag mehr zu Maschinen. Großväterchen Uhr sieht alles, wacht über dieses finstere Reich. Ihre Helfer sind die Kesselmänner, unzerstörbar, ohne Emotionen. Sie gehorchen und führen ohne zu fragen ihre Befehle aus, was immer es koste. Kein schönes Leben für die letzten Menschen im Viertel, ständig davon bedroht, als Futter für Mama Maschines Werk zu enden. Die Luft ist verpestet, Nahrungsmittel sind knapp. Nach dem letzten Aufstand haben sie resigniert, er endete verheerend. Aber es gibt noch immer einige wenige, die nicht aufgegeben haben. Die sich auflehnen wollen, lieber sterben als so zu leben. Können sie die Götter von Whitechapel besiegen?

Steampunk à la carte, weder weichgespült noch durch eine Romanze versüßt. Ein Buch für Erwachsene, das ich niemandem empfehlen würde, der zart besaitet ist. Es ist düster, brutal und beschreibt schonungslos eine von Fabrikschloten geschwärzte Welt, in der niemand leben möchte. Diese Welt beschreibt es so eindrücklich, dass sie mich noch eine ganze Weile in Gedanken begleitet hat.

Am Anfang hat das Buch es mir nicht leicht gemacht. Es tauchen etliche Figuren gleichzeitig auf, deren Handlungen man erst mal nur schwer zuordnen kann. Wer gehört zu wem und handelt gegen wen? Wo bin ich hier überhaupt gelandet? Das Durchhalten hat sich gelohnt, der Leser wird mit starken Charakteren belohnt, die einem bei aller Schroffheit sehr nahe gehen. Dazu kommt eine durch ihre Rätselhaftigkeit faszinierende Welt, die sich nur langsam, Stück für Stück, erschließt und mit jedem Stückchen noch fesselnder wird.

Abgerundet wird das Buch durch wunderbar graphisch gestaltete Kapitelanfänge, wie sie bei Büchern von Feder & Schwert üblich sind. Daran sieht man immer wieder, dass diese Bücher noch wirklich mit Liebe zum Buch und zur Geschichte gestaltet werden.

Für alle, die auch gerne mal etwas neben dem Mainstream lesen und kein Problem mit etwas heftigeren Szenen haben, eindeutig eine Leseempfehlung von mir.

Die Götter von Whitechapel – S. M. Peters
448 Seiten, Feder & Schwert
ISBN 9783867621038, 13,99 €

Cassandra Clare – Clockwork Angel, Chroniken der Schattenjäger I

London, 1878. Tessa reist aus Amerika an, um mit ihrem Bruder in England ein neues Leben zu beginnen. Doch Nate ist spurlos verschwunden, Tessa gerät in die Fänge der dunklen Schwestern. Zwei unheimliche Frauen, die sie gefangen halten und Fähigkeiten in ihre wecken, von denen Tessa bisher nichts ahnte. Schon bald lernt sie, dass Vampire und andere finstere Gestalten leider nicht nur in ihren geliebten Büchern existieren. Wird sie ihren Bruder finden und retten können?

„Clockwork Angel“ ist der Auftakt einer neuen Reihe, die thematisch in der gleichen Welt spielt wie die „Chroniken der Unterwelt“, aber einige Jahre früher. Nicht nur die Zeit, auch die Klockwerk-Menschen verleihen dem Roman einen angenehmen Steampunk-Touch. Wobei ich die Übersetzung „Klockwerk“ als wenig gelungen empfinde.

Der Klappenentext passt meiner Meinung nach wenig zum Buch, zum Glück lese ich diese Texte meist er nach dem Buch. In dem Fall fragte ich mich, ob er wirklich zum gerade gelesenen Buch gehört. Fantasy-Jugendbücher kommen kaum ohne eine Liebesgeschichte aus, im Vordergrund steht sie hier allerdings nicht, auch wenn der Klappentext anderes verspricht. Lasst euch davon also nicht abschrecken.

Mit „Clockwork Angel“ hat Cassandra Clare einen wunderbaren Schmökerroman abgeliefert, dessen Atmosphäre  mich schon nach der ersten Seite fesselte. Es gab so manche Überraschung, die die Spannung bis zum Ende aufrechterhält.

Clockwork Angel, Chroniken der Schattenjäger I – Cassandra Clare
572 Seiten, Arena
ISBN 9783401064741, 18,99 €
Hardcover