Archiv für Krimis und Thriller

Sebastian Fitzek – Das Kind

Simon ist zehn Jahre alt und der festen Überzeugung, einen Mord begangen zu haben. Vor fünfzehn Jahren. Deshalb wendet er sich an den Strafverteidiger Robert Stern, der ihm erst einmal wenig Glauben schenkt. Doch als er an der Stelle, die Simon ihm nennt, tatsächlich eine Leiche findet, beginnt er an seinen Zweifeln zu zweifeln. Wie der Junge ihm beschrieb, wurde das Opfer mit einer Axt erschlagen. Wenig später finden sich weitere Leichen, alle eindeutig länger tot als Simon alt ist. War er tatsächlich in seinem früheren Leben ein Mörder und erinnert sich nun an seine grausamen Taten? Wer ist der geheimnisvolle Fremde, der Robert Stern mit angeblichem Wissen über seinen kurz nach der Geburt verstorbenen Sohn erpresst? Wie viele Tote werden sie noch finden?

„Das Kind“ war mein zweiter Psychothriller von Sebastian Fitzek. Wie schon „Der Seelenbrecher“ fand ich es sehr spannend, konnte es, einmal angefangen, kaum mehr aus der Hand legen. Man muss einfach immer weiter lesen, um endlich zu erfahren, wie es ausgeht.

Die unglaubliche Geschichte Simons, in seinem vorherigen Leben ein Mörder gewesen zu sein, ließ mich anfangs skeptisch sein. Auch die Geschichte mir Robert Sterns verstorbenem Sohn ist mehr als merkwürdig. Doch gegen Ende löst der Autor die Handlung sehr gut auf. An manchen Stellen ein klein wenig konstruiert, aber mit der Lösung hätte ich gut leben können. Wenn nicht das allerletzte Kapitel noch gewesen wäre.

Sehr spannend war es, an vielen Stellen saß ich wie gebannt über den Seiten und bekam nicht mehr viel von der Welt um mich herum mit. Aber das Ende hat meine Begeisterung ein wenig getrübt. Trotzdem freue ich mich schon auf die anderen Werke des Autors. Wenn es mal wieder spannend und kurzweilig sein soll, sind seine Bücher genau das Richtige.

“Das Kind” wird gerade verfilmt, auf das Ergebnis bin ich schon sehr gespannt. Bis er in die Kinos kommt, fülle ich die Wartezeit mit “Der Augenjäger”, die Fortsetzung zu “Der Augensammler”, der mich mehr begeistert hatte. “Der Augenjäger” erscheint im September, genau richtig für die gemütliche Herbstlesezeit.

Das Kind – Sebastian Fitzek
394 Seiten, Droemer Knaur
ISBN 9783426637937, 8,95 €

Sebastian Fitzek – Der Augensammler

Er hat wieder zugeschlagen, der Augensammler. Wie bisher noch jedes Mal ermordete er die Mutter und entführte das Kind. Der Vater hat genau 45 Stunden Zeit sein Kind zu finden, bevor es in seinem Versteck sterben wird. Nach ihrem Tod entfernt der Augensammler den Kindern das linke Auge. Warum tut er das? Alexander Zorbach ist Journalist, auch er versucht dem Serienmörder auf die Spur zu kommen. Vielleicht zu erfolgreich, denn plötzlich hat die Polizei ihn selbst im Verdacht. Als ob das nicht schon schwierig genug wäre, bekommt er auch noch Besuch von einer blinden Physiotherapeutin, die behauptet, am Tag zuvor den Augensammler behandelt zu haben. Sie hat die Vergangenheit ihres Patienten gesehen, als sie ihn berührte und wurde Zeugin einer grausamen Tat.

Eigentlich kann man Sebastina Fitzeks Bücher mit einem Wort beschreiben: spannend! Das war bisher noch jedes, das ich von ihm gelesen habe. Genauso konnte ich auch „Der Augensammler“ kaum wieder aus der Hand legen. Anfangs hatte ich noch etwas Schwierigkeiten mich auf das Buch einzulassen, weil ich eigentlich kein Freund von übersinnlichen Effekten in Thrillern bin. Das Rätsel um die Identität des Augensammlers hat mich dann aber doch schnell gefesselt. Vielleicht ist es ja wirklich Zorbach selbst? Unmöglich wäre es nicht gewesen. Das übersinnliche Element bekam an Ende eine so geschickte Wendung verpasst, dass ich auch damit wieder versöhnt war. Durch eine Kleinigkeit wurden alle Unklarheiten beseitigt, jedes Puzzleteil passte perfekt und die Wahrheit die sichtbar wurde, ließ mich atemlos die letzten Seiten verschlingen.

Beeindruckend war auch die gründliche Recherche. Sebastian Fitzek hat sich für die Darstellung der blinden Physiotherapeutin Hilfe von Betroffenen geholt, die ihn in das Leben stark sehbehinderter Menschen einführten. Nebenbei erfährt man darüber auch einiges im Roman.

Die rückwärts zählenden Seitenzahlen sind übrigens kein Herstellungsfehler, sondern Absicht. Welcher Grund dahinter steckt, zeigt sich erst ganz am Ende. Ein raffinierter Effekt, der perfekt zur Geschichte passt, hat man sie erst einmal durchschaut.

„Der Augensammler“ ist ein packender Thriller, den man am liebsten am Stück verschlingen würde. Die Fortsetzung erwarte ich schon ungeduldig, “Der Augenjäger” ist für September 2011 angekündigt.

Der Augensammler – Sebastian Fitzek
442 Seiten, Droemer
ISBN 9783426198513, 16,95 €
Hardcover

Simon Beckett – Leichenblässe

Nach dem Anschlag auf sein Leben in „Kalte Asche“ ist David Hunter mehr oder weniger genesen. Um sich darüber klar zu werden, ob er in seinem Beruf als Forensiker weiterhin arbeiten will, besucht er seinen alten Freund Tom auf der Body Farm in Tennessee. Es bleibt allerdings nicht lange bei der theoretischen Untersuchung von Leichen. Als in einer Berghütte ein Mordopfer gefunden wird, wird David gebeten bei den Ermittlungen zu helfen. Schnell stellt sich heraus, dass dies erst der Anfang einer rätselhaften Reihe verwirrender Leichenfunde ist. Werden sie ihn stoppen können, bevor der Täter weitere Menschen ermorden kann?

„Leichenblässe“ ist der dritte Band mit dem Forensiker David Hunter und macht Lust auf mehr. Der zweite Band „Kalte Asche“ hatte mich nicht wirklich begeistert, „Leichenblässe“ war dafür umso fesselnder. Von der ersten Seite an hatte es mich gepackt und steigerte die Spannung bis zum grandiosen Finale langsam aber stetig.

Mit diesem Titel und einem Forensiker als Hauptfigur ist es nicht erstaunlich, dass allerhand Leichen im Buch auftauchen. Allerdings waren sie hier wesentlich präsenter und zahlreicher als in den ersten beiden Teilen, sie wurden auch um einiges genauer beschrieben. Da sie meist alles andere als frisch waren, sollte man als Leser nicht zu empfindlich sein. Hartgesottenere Leser können das Buch aber unbesorgt auch beim Essen lesen, ich habe es erfolgreich getestet.

Mit „Leichenblässe“ ist Simon Beckett ein richtig fesselnder Krimi gelungen, der Lust auf den nächsten Teil der Reihe macht. „Verwesung“ erschien ganz frisch im Februar 2011, ich bin gespannt was uns erwartet.

Leichenblässe – Simon Beckett
414 Seiten, Rowohlt
ISBN 9783499248594, 9,95 €

Gehört: Martin Suter – Allmen und die Libellen

Allmen ist ein Lebemann und gibt das Geld mit vollen Händen aus. Selbst musste er nie dafür arbeiten, sein Vater hinterließ ihm ein nicht kleines Vermögen. Da Allmen niemals lernte mit Geld umzugehen, schafft er es in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Da bietet sich ihm scheinbar eine unwiderstehliche Gelegenheit, seine Schulden zu beseitigen. Ganz legal wäre es nicht, aber man muss sich ja nicht erwischen lassen. Schneller als er sich versieht, sitzt er ganz schön in der Tinte und muss um sein Leben bangen. Wird er sich aus dieser Situation wieder hinaus manövrieren können?

Martin Suter schrieb mit „Allmen und die Libellen“ einen Krimi, den auch nicht Krimileser gerne lesen oder hören werden. Es ist eher ein Ganovenstück, mit einem sehr sympathischen Möchtegernkriminellen als Hauptfigur. Der Spannungsbogen ist geschickt gesetzt, die Auflösung des scheinbar so eindeutigen Anfangs hat mich sehr begeistert. Man sollte die praktische Seite von Hosenträgern nicht unterschätzen. Hatte ich anfangs noch den Kopf über Allmens großzügigen Lebensstil geschüttelt, so hatte ich ihn und auch Carlos am Ende richtig ins Herz geschlossen.

„Allmen und die Libellen“ war mein erster, aber garantiert nicht mein letzter Suter. Ich hatte sehr viel Spaß beim hören, was nicht zuletzt auch an der sehr angenehmen Stimme und Lesart von Gert Heidenreich lag.

Hörbuch

Allmen und die Libellen
Autor Martin Suter
Sprecher Gert Heidenreich
Länge 4 Stunden 6 Minuten (ungekürzt)
Genre: Krimi

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 17,95 €)

Gehört: Sebastian Fitzek u. a. – P. S. Ich töte Dich

Sebastian Fitzek versammelt in P. S. Ich töte Dich 13 Zehn-Minuten-Krimis verschiedener Autoren. Gehört dauern sie allerdings ein wenig länger. Wie in Sammlungen üblich, variiert die Qualität auch hier von ganz gut bis extrem spannend. Gemeinsam haben die Geschichten nur eines: es geht um Mord und Totschlag.

Die meisten Geschichten hörten sich wirklich gut, einige wenige fesselten mich so sehr, dass ich die Verspätung der Bahn gar nicht so schlimm fand. Nur sehr wenige ließen mich aufatmen, als sie

endlich vorbei waren. Eine habe ich vorgespult, was aber am Sprecher lag. Der die meisten Geschichten sehr gut liest, hier aber eine dermaßen hektische Sprechweise an den Tag legte, dass ich schon vom Hören nervös wurde, aber nicht wegen der Handlung.

Die Kurzkrimis eignen sich gut, um neue Krimiautoren für sich zu entdecken. Oder Autoren auf ihrem Ausflug in ein für sie weniger bekanntes Genre zu begleiten, wie zum Beispiel Markus Heitz. Der zwar schon einige Vampir-Thriller geschrieben hat, hier aber den ersten mit bekannten eher klassischen Krimi veröffentlichte.

P. S. Ich töte Dich ist mit den kurzen Krimis gut als Unterhaltung nebenbei geeignet, wenn man wenig Zeit am Stück zum hören findet. Eine interessante Mischung mit vielen bekannten Krimiautoren sorgt für Spannung, jede Geschichte ist etwas ganz eigenes. Alle zusammen ergeben ein gelungenes Hörbuch, dass mir eine lange Bahnfahrt angenehm verkürzt hat.

P. S. Ich töte dich. 13 Zehn-Minuten-Thriller
Autor Sebastian Fitzek, Val McDermid, Markus Heitz und andere
Sprecher David Nathan, Simon Jäger
Länge 6 Stunden 41 Minuten (ungekürzt)
Genre: Psychothriller

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 20,95 €)

Simon Beckett – Kalte Asche

David Hunter wird auf die schottische Insel Runa gerufen, nachdem in einem alten Cottage eine Leiche gefunden wurde. Keine alltägliche Leiche, der Großteil des Leichnams ist zu Asche verbrannt. Nur die Füße und eine Hand sind merkwürdiger Weise von den Flammen verschont geblieben. Hunters erster Verdacht bestätigt sich schnell, es war kein Unfall. Doch warum lässt der Mörder die Leiche einfach im Cottage liegen? Die Klippen wären nicht weit gewesen, das Problem damit auf immer verschwunden. Kaum wird auf der Insel bekannt, dass es sich um Mord handelt, zieht ein furchtbarer Sturm auf. Runa ist vom Festland aus nicht mehr erreichbar, auch die Funkverbindung bricht zusammen. Die Inselbewohner und Hunter sind auf dem Eiland gefangen, zusammen mit einem Mörder. Der nächste Mord lässt nicht lange auf sich warten…

„Kalte Asche“ ist der Nachfolger zu „Die Chemie des Todes“, lässt sich aber auch gut lesen, ohne den Vorgänger zu kennen. Es gibt die ein oder andere kurze Anspielung, für die Handlung spielen die aber keine Rolle. Die einsame Insel mit einer überschaubaren Anzahl an Protagonisten, einer von ihnen der Mörder und der totale Abschluss von der Außenwelt sind klassische Krimielemente, wie man sie zum Beispiel auch von Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“ kennt.

Richtige Spannung kam bei mir eigentlich erst gegen Ende auf, bis dahin dümpelte sie auf recht durchschnittlichem Niveau dahin. Interessant waren die Erläuterungen zum Phänomen der spontanen Selbstentzündung. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse dann regelrecht, kaum glaubt man, jetzt wisse man wie alles ablief, wird dem Leser noch mal eine lange Nase gedreht, es steckt doch noch mal wesentlich mehr dahinter als gedacht.

Das wirklich gute Ende hat mich dann auch wieder mit dem bis dahin nicht wirklich herausragenden Buch versöhnt, wer „Die Chemie des Todes“ mochte, sollte auch hier zugreifen. Jetzt bin ich gespannt auf den dritten Teil, „Leichenblässe“.

Kalte Asche – Simon Beckett
431 Seiten, Rowohlt
ISBN 9783499241956, 9,95 €

Dan Simmons – Drood

1865 überlebt Charles Dickens ein furchtbares Zugunglück. Als er später seinem Freund Wilkie Collins darüber berichtet, erzählt er auch von einem geheimnisvollen Fremden namens Drood, den er dort getroffen haben will. Diese geheimnisvolle Erscheinung lässt ihn nicht mehr los, er macht sich auf die Suche nach Drood und begibt sich dazu in die Londoner Unterwelt. Mit der Zeit wirkt er regelrecht besessen von diesem Drood, der auch von anderen gesucht wird. Wegen mehrfachen Mordes. Eine verhängnisvolle Verkettung von Ereignissen nimmt ihren Lauf, was ist Wahrheit, was ist Wahn?

„Drood“ entführt den Leser nach London im 19. Jahrhundert und lässt diese Stadt mir all ihren Facetten vor seinen Augen auferstehen. Sowohl die Reichen als auch der Abschaum gehören zu dieser Stadt. Die Ärmsten der Armen, die in den Kanälen leben weil es dort wärmer ist als über der Erde, werden von den meisten Menschen der besser gestellten Schichten ignoriert, nicht jedoch von Charles Dickens, der auch in seinen Romanen immer wieder auf das Leben weniger Begünstigter aufmerksam machte.

Dan Simmons hat mit „Drood“ einen fesselnden und spannenden historischen Roman über das Leben von Charles Dickens geschrieben, erzählt aus der Sicht seines Freundes Wilkie Collins, ebenfalls Schriftsteller und stark von Laudanum abhängig. So kommt es, dass der Leser teilweise kaum zu unterscheiden vermag, was wirklich so geschehen sein könnte und welche Szenen dem Opiumrausch geschuldet sein mögen. Erst gegen Ende wird eine Lösung dieser Frage angeboten, ob man sie annimmt, bleibt aber einem selbst überlassen.

„Drood“ ist ein großartiger historischer Roman mit einigen düsteren Elementen, dessen 970 Seiten mir nie zuviel erschienen. Dan Simmons schuf in diesem Buch eine dermaßen dichte Atmosphäre, dass ich nur schwer wieder in die Gegenwart zurück fand. Nach der Lektüre sieht man die Bücher von Dickens mit anderen Augen, mir hat es auf jeden Fall Lust gemacht, endlich mehr von diesem Autor zu lesen. Vielleicht auch mal etwas von Wilkie Collins, der mir bisher unbekannt war.

Drood – Dan Simmons
975 Seiten, Heyne
ISBN 9783453408067, 10,99 €

Arne Dahl – Dunkelziffer

Die 14-jährige Emily verschwindet spurlos während einer Klassenfahrt in den Wäldern Schwedens. Eigentlich kein Fall für die Spezialeinheit für Gewaltverbrechen von internationalem Charakter, der A-Gruppe. Doch zur Zeit ihres Verschwindens wurden mehrere Autos mit litauischem Kennzeichen gesehen. Dass in der Gegend drei bekannte Pädophile leben, macht den Fall noch brisanter. Die mit einer Klaviersaite fast enthauptete Leiche mitten in Stockholm scheint anfangs nichts damit zu tun zu haben. Bis auch in dem Wald, in dem Emily verschwand, eine Leiche gefunden wird. Die Kehle mit einer Klaviersaite durchtrennt …

„Dunkelziffer“ ist mal wieder ein grandioser Krimi aus der Feder meines Lieblingskrimiautors. Er schafft es tatsächlich, sich immer wieder zu steigern. Dieses Buch habe ich fast am Stück verschlungen, obwohl ich eigentlich andere Pläne hatte. Aber ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen, es entwickelte einen unglaublichen Sog, der mich nicht mehr los ließ.

Im Vergleich zu den anderen Büchern von Arne Dahl ist „Dunkelziffer“ schon fast ein klassischer Krimi. Die Haupthandlung, die Suche nach der verschwundenen Emily, ist von Anfang an klar und zieht sich bis zum Ende durchs Buch. Nach und nach entwickeln sich andere Fälle und erst mit der Zeit finden sich die Verbindungen zu dem verschwundenen Mädchen. Was „Dunkelziffer“ von vielen anderen Krimis abhebt ist die Sprachgewalt und die Komplexität, die einen zum Mitdenken zwingt.

„Dunkelziffer“ ist ein fantastischer Krimi, der einen atemlos in die düsteren Abgründe des Verbrechens abtauchen lässt. Ich hoffe es gibt bald neuen Stoff von Arne Dahl, dem bisher auf meiner Rangliste noch niemand Platz Eins streitig machen konnte.


Dunkelziffer – Arne Dahl
415 Seiten, Piper
ISBN 9783492053501, 19,95 €

Krystyna Kuhn – Der Sturm, Das Tal 1.3

Anfang November, der Rememberance Day steht bevor. Für einige Schüler und Lehrer im Grace College ein Datum mit unschönen Erinnerungen. Dass die Schule für einige Tage Ferien macht und alle Bewohner zu Verwandten und Bekannten fahren, kommt da gerade recht. Der aufziehende Schneesturm lässt sie das Tal nur noch schneller verlassen. Nur Chris, Julia, Debbie, Rose und Benjamin schaffen es nicht rechtzeitig, alleine mit zwei Wachmännern bleiben sie im College zurück. Wirklich zwei Wachmännern? Einer von beiden scheint verschwunden zu sein. Und wie kam die DVD mit Filmaufnahmen der vor Jahren verschwundenen Studenten in den Kinosaal? Schnell stellt sich heraus, dass noch jemand zurück geblieben sein muss, der jetzt hinter ihnen her ist und dabei auch über Leichen geht. Werden sie ihm entkommen?

Es ist kaum zu glauben, aber die Spannung steigert sich in Krystyna Kuhns Reihe „Das Tal“ von Band zu Band. Wenn das so weiter geht, brauche ich demnächst einen Beruhigungstee vor der Lektüre. Zu der, schon in den ersten Bänden immer im Hintergrund lauernden, mystischen Bedrohung durch das Tal selbst, kommt hier  noch eine sehr viel realere Bedrohung dazu. Immer mehr Verbindungen zur geheimnisvollen Vergangenheit des Colleges werden aufgedeckt, kaum jemand im Tal ist nicht aus einem bestimmten Grund dort.

In jedem Band erfährt der Leser ein wenig mehr aus der Geschichte von ein oder zwei Personen. Diesmal sind es Chris und Debbie, und auch ihre Vergangenheit ist mit dem Tal verknüpft. Umso mehr Geheimnisse gelüftet werden, umso bedrohlicher wirken das Tal und seine Bewohner. Denn nur die wenigsten haben hier positive Erfahrungen gemacht, manch einer sinnt auf Rache für längst vergangene Taten.

„Der Sturm“ ist der Beweis dafür, dass Fortsetzungen durchaus funktionieren können und nicht an Qualität verlieren müssen. Von Band zu Band steigt die Spannung, diesen hier habe ich in einem Rutsch durchgelesen, es ging gar nicht anders. Mit jedem Mal erscheint einem das Warten auf den Folgeband noch etwas schwerer. Band 4, „Die Prophezeiung“ ist für Februar angekündigt.

„Das Tal“ ist eine unglaublich spannende und immer bedrohlicher werdende Mystery-Thriller Reihe für Jugendliche, die aber auch viele Erwachsene atemlos die Seiten verschlingen lässt.

Der Sturm, Das Tal Season 1.3 – Krystyna Kuhn
265 Seiten, Arena
ISBN 9783401065311, 9,95 €

Arne Dahl – Totenmesse

Die A-Gruppe, auch als Spezialeinheit für Gewaltverbrechen von internationalem Charakter bekannt, ermittelt wieder. Obwohl Paul Hjelm inzwischen nicht mehr zur Truppe gehört, ist er auch dieses Mal involviert. Denn bei dem Banküberfall, den die A-Gruppe bearbeitet, gehört seine Ex-Frau zu den Geiseln. Die Bankräuber drohen halb Stockholm in die Luft zu jagen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass viel mehr dahinter steckt. Plötzlich sind verschiedene Geheimdienste in den Fall verstrickt, ehemalige und aktive Spione tauchen auf, der kalte Krieg scheint noch nicht vorbei. Was hat all das mit einem alten Notizbuch zu tun?

Wieder einmal hat Arne Dahl viele verschiedene Rätsel zu einem wunderbaren Netz gewebt, aus dem sich langsam, Stück für Stück, die einzelnen Stränge aufdröseln und die ganze Geschichte erst verständlich wird. Ich bewundere ihn immer wieder dafür, wie er es schafft so komplexe Geschichten ohne logische Fehler und mit soviel Spannung zu gestalten.

„Totenmesse“ ist bereits der achte Band aus der Reihe um die Ermittler der A-Gruppe. Bisher gefielen mir alle sehr gut. „Ungeschoren“ war mit starkem Bezug auf den „Sommernachtstraum“ fast etwas zu mystisch, „Totenmesse“ ist wieder bodenständiger und einfach ein typischer Dahl. Wer die Bände davor mochte, kann hiermit nichts falsch machen. Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte unbedingt mit dem ersten Band, „Misterioso“, beginnen, da die Entwicklung der Gruppenmitglieder ein wichtiger Teil der Bücher ist.

Für Freunde skandinavischer Krimis quasi ein Muss, Arne Dahl schreibt einfach famose Bücher, die man vor lauter Spannung erst nach dem letzten Punkt wieder aus der Hand legen kann.

Totenmesse – Arne Dahl
416 Seiten, Piper
ISBN 9783492259002, 9,95 €