Archiv für Historischer Roman

Tilman Röhrig – Caravaggios Geheimnis

caravaggio

In „Caravaggios Geheimnis“ beschreibt Tilman Röhrig das Leben des bekannten italienischen Malers Michelangelo Merisi, der sich später nach seinem Geburtsort Caravaggio nannte. Michelangelo, kurz Michele, entdeckte schon früh seine Leidenschaft für die Kunst des Malens. Nach seiner Ausbildung in Mailand zieht er nach Rom, wo er sich eine Weile mit Arbeit in verschiedenen Werkstätten über Wasser hält. Bis er in Kardinal Del Monte einen Mäzen findet, der die Verbreitung seiner Werke unter den Kirchenobersten unterstützt. Doch Michele bringt sich mit seinem Jähzorn immer wieder in Bedrängnis, muss Rom nach einem tödlichen Unglück verlassen. In den folgenden Jahren findet er keine Ruhe, immer wieder muss er vor den Folgen seiner Unbeherrschtheit flüchten, um nicht im Kerker zu landen. Wird er je nach Rom zurückkehren dürfen?

Tilman Röhrig hat schon einige historische Romane geschrieben. Wie immer ist auch „Caravaggios Geheimnis“ die gründliche Recherche deutlich anzumerken. Im Vergleich zu „Wir sind das Salz von Florenz“ oder „Riemenschneider“ gefiel mir „Caravaggios Geheimnis“ allerdings nicht ganz so gut. Auf den ersten 200 Seiten hatte mich die Geschichte gar nicht gefesselt. Anschließend wurde es besser, aber sie las sich wesentlich schwerer als andere seiner Romane. Vielleicht lag es zum Teil am Charakter des Michele Caravaggio, der mit seinem extremen Egoismus und seinem Jähzorn ein sehr unsympathischer Hauptdarsteller war.

Faszinierend fand ich die Beschreibungen der Malerei, Caravaggio legte besonderen Wert auf Realismus, wählte als Modelle Menschen von der Straße aus. Deren Gesichter Erfahrungen und gelebtes Leben ausdrückten, was er auch in seinen Bildern einfing. Auch die in einer Nebenhandlung erwähnten Differenzen bezüglich des heliozentrischen Weltbildes, und Micheles vorsichtige Andeutungen von Kritik an der kirchlichen Meinung in seinen Bildern fand ich sehr interessant.

Alles in allem ein interessanter historischer Roman, in dem man viel über die frühbarocke Malerei erfährt. Aber keine leichte Lektüre die sich einfach wegliest, ein wenig Zeit sollte man dem Buch geben.

C. J. Sansom – Der Anwalt des Königs

AnwaltKönig

Mathew Shardlake würde sich ja lieber aus der Politik heraus halten. Schließlich ist König Heinrich VIII. nicht für seine Zimperlichkeit bekannt, kommt ihm jemand in die Quere. Sei es auch nur versehentlich. Doch ihm bleibt keine Wahl, er muss nach York reisen und einen ungeliebten Auftrag übernehmen. Schlimm genug, doch er wird zudem auch noch Zeuge eines Mordes und muss kurz darauf selbst um sein Leben bangen.

„Der Anwalt des Königs“ ist ein atmosphärischer Mittelalterkrimi, mit vielen historischen Hintergründen. Zeitweise wurde es etwas zuviel des Guten. Sowohl was die Handlung betrifft, die man sicher um 200 Seiten hätte kürzen können, als auch die Sprache. Wahrscheinlich gehen die Merkwürdigkeiten hier eher auf die Übersetzung zurück. An manchen Stellen wirkt die Sprache übertrieben altmodisch, ab und an wurden auch ganz unpassende Wörter gewählt. So hätte statt „köstliche Gemächer“ sicher „königliche Gemächer“ stehen sollen. Trotz dieser kleineren Fehler vermittelte die Geschichte das mittelalterliche Flair sehr schön. Man konnte sich lebhaft vorstellen, wie unangenehm es war, wochenlang mit dem königlichen Tross quer durch England unterwegs sein zu müssen.

Alles in allem ein unterhaltsamer Krimi, die historischen Fakten oder auch Nichtfakten werden im Anhang ausführlich erläutert. Etwas kürzer hätte er mir besser gefallen, so habe ich ihn in Happen genossen und immer wieder mal ein anderes Buch dazwischen geschoben. Dass mich das wunderschön gestaltete Cover verführt hat, habe ich nicht bereut.

Petra Schier – Mord im Dirnenhaus

„Mord im Dirnenhaus“ ist der zweite Teil einer Reihe historischer Kriminalromane, die im mittelalterlichen Köln spielen. Die Apothekerin Adelina gerät auch hier wieder unverhofft in einen Kriminalfall, steht sogar selbst in Verdacht die Mörderin zu sein. Doch wer hat den ehrenwerten Kölner Bürger wirklich umgebracht? Noch dazu in einer äußert prekären Situation, während seines Besuches im Dirnenhaus?

Mit den sogenannten „in-Romanen“ (zum Beispiel „Die Kastratin“, „Die Kastellanin“, „Die Pelzhändlerin“ und all ihre Töchter und Enkelinnen) kann man mich jagen. Auch wenn diese Reihe auf den ersten Blick ein wenig danach klingt, passt sie gar nicht in deren Schema. Stattdessen liefert sie eine faszinierende Beschreibung des Lebens in Köln im 14. Jahrhundert. War man gerade in dieser Stadt unterwegs, macht es noch mehr Spaß, zusammen mit Adelina durch diese Straßen zu wandern und sich vorzustellen, wie es damals ausgesehen haben mag. Der Kriminalfall an sich ist ganz nett, für mich aber eher nebensächlich. Viel interessanter finde ich die Berichte über Adelinas Leben. Wie realistisch die sind kann ich nicht einschätzen, aber für mich dürfen auch mal kleinere Fehler enthalten sein. Grobe Schnitzer sind mir keine unter gekommen. Für ein paar nette Stunden in vergangenen Zeiten genau das richtige Buch.

Elizabeth Kostova – Der Historiker

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Klappentext:

Ein junges Mädchen findet in der Bibliothek ihres Vaters ein Konvolut mit vergilbten Briefen. Das Geheimnis um den Vater und das Schicksal der Mutter verbinden sich zu einem Drama, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Die Briefe fragen nach der Herkunft von Vlad dem Pfähler, dem Urbild der Dracula-Legende. Eine atemberaubende Suche in Klöstern, Bibliotheken und Archiven beginnt.

Meine Meinung:

Eher ein historischer als ein Horrorroman, auch wenn die Frage ob Vlad der Pfähler, alias Dracula, doch noch lebt sich durch das ganze Buch zieht. Ist die Legende wahr? Auf der Suche nach der Antwort folgt man mehreren Historikern bei ihren Recherchen, meist in Form von Briefen oder Berichten. Im zweiten Drittel wird es etwas zäh, aber nicht so schlimm, dass ich das Buch hätte weglegen wollen. Das letzte Drittel wird schnell wieder sehr spannend, am Ende überschlagen sich die Ereignisse und es gibt einige Überraschungen.

Die Herbst-/Winterzeit ist die richtige Zeit für dieses Buch, Dämmerung und Kerzenschein vertiefen die düstere Stimmung des Buches wunderbar. Ganz nebenbei erfährt man noch einiges über die Geschichte Istanbuls, Bulgariens und Ungarns. Vorallem natürlich über Vlad, aber auch über die Kirchengeschichte und die Politik, nicht nur im 15. Jahrhundert sondern auch im 20. Jahrhundert.