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Andrea Levy – Das lange Lied eines Lebens

6. März 2011

July berichtet ihrem Sohn über ihr bewegtes Leben. Sie wurde als Sklavin auf Jamaika geboren, ihr Vater war Aufseher der Plantage. Durch Zufall stieg sie zur Haussklavin auf, deren Leben um einiges angenehmer war als das der Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern. Aber ein Sklavenleben voller Entbehrungen und Ungerechtigkeiten war es noch immer. So kommt es auch, dass July keinen anderen Weg sieht, als ihren neugeborenen Sohn vor der Tür des Pfarrers auszusetzen. Sie erlebt mit, wie sich die Sklaven gegen ihre Besitzer auflehnen und ihre Freiheit erkämpfen. Wird auch July die Freiheit finden? Wie haben sie und ihr Sohn wieder zueinander gefunden?

„Das lange Lied eines Lebens“ hat mich sehr berührt. Obwohl es aus der Sicht einer Sklavin ein alles andere als schönes Leben beschreibt, ist es nicht trübsinnig. July macht das Beste aus ihrem Leben, lässt sich nicht unterkriegen und berichtet in sehr lockerem Stil von ihren Erlebnissen. Der gut zu ihr passt, schließlich ist sie in einfachen Verhältnissen und mit der Sklavensprache aufgewachsen. Durch diesen Stil wirkt der Roman sehr authentisch, lässt den Leser ganz in der dunklen Welt der Sklaverei eintauchen. Aber nie im Morast der Traurigkeit versinken, davor bewahrt einen das Lachen, das einem Julys freche Art immer wieder entlockt.

Ein Buch dem ich viele Leser wünsche, damit die Erinnerungen an das Sklaventum nicht in Vergessenheit geraten. Leider ist das Thema nicht so weit weg, wie es uns in Europa oft scheint. In vielen anderen Gegenden leben Menschen noch immer unter ähnlichen unwürdigen Umständen, wähnen sich einige Menschen anderen überlegen, nur auf Grund ihrer Abstammung. Andrea Levy berichtet in diesem fesselnden Buch darüber, wie mutige Menschen es geschafft haben, sich vom Joch der Sklaverei zu befreien. Von den kleinen wie auch den großen Akten der Rebellion, dem Widerstandsgeist, der sie letztendlich ihre Freiheit gewinnen ließ.

Das lange Lied eines Lebens – Andrea Levy
360 Seiten, DVA
ISBN 9783421044839, 19,99 €

3 Kommentare

  • Antworten Verena 7. März 2011 von 12:45

    Danke für diesen Einblick, der mich sicherlich zur Kaufentscheidung begleiten wird. Ich finde Bücher großartig, die den schmalen Grat zwischen Ernsthaftigkeit und niederschmetternder Traurigkeit gehen und dabei noch ein Lächeln finden können.

    • Antworten Emily 7. März 2011 von 20:55

      @Verena: Dann kann ich Dir dieses Buch wirklich nur ans Herz legen. 🙂

  • Antworten Bibliophilin » Blog Archiv » Abgespickt 14. Juni 2011 von 21:26

    […] zu Veranstaltungen rund ums Buch. Ein Blick auf ihren Blog lohnt sich bestimmt, vor allem auf die Rezension zu “Das lange Lied eines […]

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