Belletristik Besprechungen

Abbas Khider – Ohrfeige

26. April 2016

Ohrfeige

Karim floh schon vor einigen Jahren aus dem Irak, bekam in Deutschland auch den Asylantrag bewilligt, doch dann wird die Bewilligung zurückgezogen, er wird ausgewiesen. An seinem letzten Tag in Deutschland besucht er noch einmal seine Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde. Fesselt sie an den Stuhl, verpasst ihr eine Ohrfeige und zwingt sie, ihm zuzuhören. Sie, die ihn immer nur knapp abgehandelt hat, ihn nie als Menschen sah. Einen Menschen, der gute Gründe hatte, den Irak zu verlassen.

Karim erzählt von seiner Flucht, vom Kampf mit den Tücken der deutschen Bürokratie, von Asylantenheimen und Steinen, die ihm immer wieder in den Weg gelegt wurden. Auch davon, wie es war, nach dem 11. September als Iraker im Ausland zu sein. Wie sich das Verhalten der Menschen änderte, weil er ursprünglich aus diesem Land kam. Ungeachtet dessen, dass er aus diesem Land flüchtete. Wie er es keiner Seite recht machen konnte.

Es ist eine ehrliche Geschichte, keine die beschönigt um Mitleid zu erregen. Karims Gründe zu fliehen sind ungewöhnlich, das alleine schon lässt den Leser immer wieder schwanken. Auch die unschönen Seiten und Bewohner der Asylantenunterkünfte werden nicht schöngeschrieben. Natürlich gibt es auch sie, die kriminellen Ausländer, genauso wie die kriminellen Deutschen.

Abbas Khider weiß, wovon er schreibt. Er floh selbst aus dem Irak, wo er wegen politischer Aktivitäten gegen das Regime Saddam Husseins mehrmals verhaftet und auch gefoltert wurde. Seit über 15 Jahren lebt er inzwischen in Deutschland, er hatte Glück, sein Asylantrag wurde genehmigt und nicht widerrufen. Er hatte mehr Glück als die Figur in seinem Roman, studierte hier und hat bereits mehrere Romane veröffentlicht.

Mit „Ohrfeige“ trifft er in der aktuellen Situation einen Nerv. Zu viele Menschen sind in einer ähnlichen Situation wie Karim. „Ohrfeige“ hilft ein wenig dabei, sich in ihre Situation zu versetzen. Auch wenn wir in unserem Wohlstand niemals nachempfinden können, was sie erlebten, wovor sie flüchten. Aber eines sollte jedem von uns klar sein. Niemand riskiert sein Leben auf einer Flucht mit ungewissem Ende, wenn er noch etwas zu verlieren hätte.

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Ohrfeige – Abbas Khider
224 Seiten, Hanser Verlag
ISBN 9783446250543, 19,99 €
Gebunden

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eBook
ISBN 9783446251908, 15,99 €

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1 Kommentar

  • Antworten Deutscher Buchpreis 2016 - Was könnte auf der Longlist stehen? 14. August 2016 von 14:12

    […] erschienen sind, sind Abbas Khider: “Ohrfeige” (mehr zum Buch gibt es bei das graue sofa und Papiergeflüster) , Norbert Gstrein: “In der freien Welt”, Reinhard Jirgl: “Oben das Feuer, unten der Berg”, […]

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