Archiv für 16. August 2009

Bücherwürmer unter sich

Gestern habe ich es endlich auch mal wieder geschafft, an einem Treffen mit anderen Literaturschocklern teilzunehmen. Bei wunderbarem Wetter saßen wir in Nürnberg an der Pegnitz und die Gespräche drehten sich, wen wundert es, meist um Bücher. Um schon gelesene Bücher, Bücher auf deren Erscheinen wir uns freuen, Transportmöglichkeiten für Bücher auf Reisen, anstehende und schon durchgeführte Leserunden mit oder ohne Autorenbegleitung, Lesenächte … Wir sollten wirklich mal einführen, die besprochenen Bücher zu protokollieren. ;-)
Meine Wunschliste ist an einem Nachmittag wieder um einige Titel gewachsen, woran der anschließende Bücherbummel nicht ganz unschuldig war. Wenn man mit anderen Bücherwürmern in einer Buchhandlung stöbert, kann man eigentlich auch gar nicht ohne Buch nach Hause gehen. Ich konnte zumindest nicht widerstehen und habe mir “Der Anwalt des Königs” von C. J. Sansom gekauft. Im Urlaub habe ich ja auch Zeit, mal wieder einen dicken Historienschmöker zu lesen.

Kurz: es war ein wunderschöner Nachmittag, ich freue mich schon auf das nächste Mal. Sehr schade, dass ich bei dem großen Forentreffen in Frankfurt nicht dabei sein kann.

Michel Birbaek – Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr

Viktor wurde verlassen, seitdem flüchtet er vor den Erinnerungen an die perfekte Beziehung. Was gar nicht so einfach ist, da seine Ex ein Filmstar wurde und ihn ständig von irgendwelchen Titelblättern oder Plakatwänden anlächelt. Mit dem Lächeln, das mal für ihn reserviert war. Um zu vergessen, vergräbt er sich in Arbeit, jettet von einer Promiparty zur nächsten und schläft überall, nur nicht zu Hause. Bis er ans Meer fährt, um endlich wieder zu sich zu kommen. Dort trifft er eine Frau, die vielleicht die Richtige ist. Aber woher soll er wissen, wer die Richtige ist? Irgendwann kommt der Punkt, an dem er sich entscheiden muss.

Ein Mann, der Frauenbücher schreibt. Mit einem männlichen Hauptcharakter. Endlich habe ich meine Sparte der Frauenbücher gefunden, mit „Chick Lit“ kann man mich jagen, „Freche Frauen“-Bücher überstehe ich auch nur selten. Birbaeks Bücher sind nicht wirklich leichte Kost. Sie handeln von Gefühlen, aber selten den schönen. Trennungen und Abschied sind hier Thema. Auch Liebe kommt vor, doch die ist alles andere als rosarot, sondern so komplex und undurchschaubar, wie im Leben auch.

Dies war mein zweites Buch von Birbaek, seine weiteren Bücher werden definitiv folgen. Er hat einen sehr angenehmen Schreibstil. Direkt, humorvoll, leicht sarkastisch, manchmal etwas schnodderig. Auch ungewöhnliche Beziehungen spielen eine Rolle, Freundschaften werden genauso hoch bewertet und analysiert wie Partnerschaften. Daher würde ich das Buch gar nicht mal wirklich zu den Frauenbüchern einordnen.

Auf jeden Fall kommt es in das Fach mit den Lieblingsbüchern. Wer eine Sommerlektüre sucht, die nicht seicht sondern eher locker, flockig ist, könnte mit „Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr“ die richtige Begleitung finden. Das ein oder andere Grinsen ist garantiert.

Reisebericht

Mein SUB freut sich, die Reise hat diesmal nur einen kleinen SUB-Zuwachs verursacht. “Good Omens” von Terry Pratchett wurde mir dermaßen überzeugend ans Herz gelegt, dass es jetzt auch schon hier steht. Abgesehen davon kamen nur zwei verliehene Bücher wieder mit nach Hause.

Die Noch-lesen-Liste ist allerdings um einige Titel gewachsen, dank vieler und langer Gespräche über Bücher jeglicher Art. Danke dafür an meine Gastgeber, es hat unglaublich viel Spaß gemacht, stundenlang mit euch zu quatschen und dabei das wunderbare Essen zu genießen. Außerdem durfte ich die Nächte in ihrer Bibliothek verbringen. Doch, ich habe trotzdem geschlafen. Es war toll, inmitten von Büchern zu nächtigen. Ich grübele schon wieder, ob ich hier nicht doch irgendwie ein Zimmer in ein Bücherzimmer verwandeln kann. Am Inhalt scheitert es nicht. ;-)

Die Zugfahrten boten auch viel Zeit zum Lesen. “Die Hexen von Eastwick” von John Updike habe ich komplett gelesen, obwohl sie mich nicht wirklich überzeugt haben. Das darin gezeichnete Frauenbild geht mir ziemlich gegen den Strich. Ein ausführlichere Besprechung folgt noch. In “Gargoyle” kam ich leider nur 50 Seiten weiter. Eine Schar jugendlicher Hühner im schlimmsten Alter war so laut, dass die Musik für länger anhaltende Taubheit gesorgt hätte, sollte sie die übertönen.

“Der Fall Jane Eyre” von Fforde wurde zu Hause auch schon beendet und hat mich wieder begeistert. Wäre der SUB nicht gerade so groß, hätte ich mir gleich den zweiten Band der Reihe geschnappt und weiter gelesen. Jetzt lese ich doch erstmal “Neue Vahr Süd” von Sven Regener. “Rosenrot” von Arne Dahl darf mich morgen ins Wartezimmer beim Arztbesuch begleiten. Ich arbeite fleißig am SUB-Abbau.

Eine Zugfahrt, die ist lustig…

… weil man mal wieder stundenlang schmökern kann. Sofern die lieben Mitreisenden es zulassen. Ich hoffe, dass die Reservierung in der Ruhezone hilft. Sonst kommt einfach Musik auf die Ohren und die Welt wird ignoriert.

Wie immer habe ich lange gegrübelt, welche Bücher mich auf die Reise begleiten dürfen. Wichtigstes Kriterium ist “nicht zu dick”, weil ich nicht schon wieder Muskelkater vom Lesen haben möchte. (Ja, das kommt ab und an vor. Nicht lachen. ;) )

Beinahe wäre “Der Fall Jane Eyre” von Jasper Fforde mitgekommen. Nachdem ich in letzter Zeit wieder so vielen Leuten davon vorgeschwärmt habe, wollte ich es auch unbedingt noch einmal lesen. Allerdings bin ich dabei jetzt schon auf Seite 200, da hätte ich nicht mehr lange an dem Buch. Es wartet also doch zu Hause auf mich.

In die Reisetasche haben es jetzt geschafft: “Gargoyle” von Andrew Davidson, das ich schon vor zu langer Zeit angefangen habe. Das Schriftbild hält mich einfach immer wieder davon ab, es fertig zu lesen. Vielleicht schaffe ich jetzt endlich mal wieder ein Stück davon, das Buch an sich ist toll. Außerdem dürfen “Die Hexen von Eastwick” von John Updike mit reisen. Sollte ich mit den beiden Büchern nicht glücklich werden, kommt “Rosenrot” von Arne Dahl noch mit. Bei dem weiß ich, dass es mir wieder sehr gut gefallen wird, er schreibt Krimis wie ich sie mag.

Mal sehen, was ich nach der eigentlich nur kurzen Reise wirklich gelesen habe.

Volker Klüpfel, Michael Kobr – Milchgeld

Das bisher recht beschauliche Leben mit eher undramatischen Verbrechen hat für Kommissar Kluftinger plötzlich ein Ende, ein Mord ist geschehen. In seinem Heimatort. Da kann einem der Appetit auf Kässpatzen schon mal vergehen. Auf der Suche nach dem Mörder gewinnt er Einblicke in die örtliche Milch- und Käsewirtschaft, in der nicht alle eine so milchweiße Weste haben, wie es auf den ersten Blick scheint.

Nach mehreren Lobeshymnen im Literaturschock-Forum habe ich mich an diesem Krimi versucht. Allerdings traf er nicht ganz meinen Krimigeschmack. Das lag nicht an der Qualität des Buches, daran gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Wer gerne Krimis mit Lokalkolorit liest, vielleicht auch noch das Allgäu und seine Bewohner kennt und mag, der ist hier gut aufgehoben. Der Fall wurde logisch gelöst, Spannung kam auch durchaus auf.

Nur mag ich persönlich Krimis lieber, deren Hauptaugenmerk auf dem Kriminalfall liegt. Gerne lese ich nebenbei auch etwas aus dem Privatleben der Ermittler, verfolge ihre Entwicklung über mehrere Bände hinweg. Aber eben nur in einem gewissen Maß. Hier war das Verhältnis zwischen Fall und Privatleben etwa 50 zu 50, das Wort Kässpatzen tauchte ziemlich sicher genauso oft auf wie das Wort Mörder, vielleicht sogar ein paar Mal mehr. Außerdem fehlte mir das Miträtseln, gegen Ende bekam man den Schuldigen doch recht schnell serviert, konnte selbst gar nicht auf die Lösung kommen. Auch die etwas einseitige Erzählweise, fast nur aus Kluftingers Sicht, fand ich zu wenig abwechslungsreich. Mehr Kapitel aus der Sicht der Verdächtigen hätten mir besser gefallen.

Aber all das ist wie gesagt eine ganz persönliche Meinung, in mein doch recht enges Raster fallen leider nicht all zu viele Krimis. „Milchgeld“ war nett, aber die folgenden Bände werde ich vorerst nicht lesen. Trotzdem kann ich gut nachvollziehen, dass die Bücher vielen Leser gefallen, ich hatte beim Lesen auch des öfteren die Landschaft des Allgäus vor Augen. Wie treffend die Allgäuer beschrieben wurden, kann ich leider nicht beurteilen. Aber Lust mir die Gegend mal anzusehen, kam durchaus auf.

Überdurchschnittlich?

Über einige Ecken kam folgende Liste in die deutschen Bücherblogs. Nina hat sie von Book Chick City, die behauptet, laut BBC hätten die meisten Menschen lediglich sechs Bücher von den einhundert gelesen. Verständlicherweise bezieht sich die Liste hauptsächlich auf englische Literatur. Erstaunlicherweise komme ich trotzdem auf mehr als sechs gelesene Titel, in der Liste sind die von mir schon gelesenen fett markiert.

1. Pride and Prejudice – Jane Austen
2. The Lord of the Rings – JRR Tolkien
3. Jane Eyre – Charlotte Bronte (auf dem SUB)
4. Harry Potter series – JK Rowling
5. To Kill a Mockingbird – Harper Lee
6. The Bible
7. Wuthering Heights – Emily Bronte
8. Nineteen Eighty Four – George Orwell
9. His Dark Materials – Philip Pullman
10. Great Expectations – Charles Dickens
11. Little Women – Louisa M Alcott
12. Tess of the D’Urbervilles – Thomas Hardy
13. Catch 22 – Joseph Heller
14. Complete Works of Shakespeare
15. Rebecca – Daphne Du Maurier
16. The Hobbit – JRR Tolkien
17. Birdsong – Sebastian Faulk
18. Catcher in the Rye – JD Salinger
19. The Time Traveler’s Wife – Audrey Niffenegger

20. Middlemarch – George Eliot
21. Gone With The Wind – Margaret Mitchell
22. The Great Gatsby – Scott Fitzgerald
23. Bleak House – Charles Dickens
24. War and Peace – Leo Tolstoy
25. The Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy – Douglas Adams
26. Brideshead Revisited – Evelyn Waugh
27. Crime and Punishment – Fyodor Dostoyevsky
28. Grapes of Wrath – John Steinbeck
29. Alice in Wonderland – Lewis Carroll
30. The Wind in the Willows – Kenneth Grahame
31. Anna Karenina – Leo Tolstoy
32. David Copperfield – Charles Dickens
33. Chronicles of Narnia – CS Lewis
34. Emma – Jane Austen (auf dem SUB)
35. Persuasion – Jane Austen
36. The Lion, The Witch and The Wardrobe – CS Lewis
37. The Kite Runner – Khaled Hossein
38. Captain Corelli’s Mandolin – Louis De Bernieres
39. Memoirs of a Geisha – Arthur Golden
40. Winnie the Pooh – AA Milne
41. Animal Farm – George Orwell
42. The Da Vinci Code – Dan Brown
43. One Hundred Years of Solitude – Gabriel Garcia Marquez
44. A Prayer for Owen Meaney – John Irving
45. The Woman in White – Wilkie Collins
46. Anne of Green Gables – LM Montgomery
47. Far From The Madding Crowd – Thomas Hardy
48. The Handmaid’s Tale – Margaret Atwood
49. Lord of the Flies – William Golding
50. Atonement – Ian McEwan
51. Life of Pi – Yann Martel
52. Dune – Frank Herbert
53. Cold Comfort Farm
54. Sense and Sensibility – Jane Austen
55. A Suitable Boy – Vikram Seth
56. The Shadow of the Wind – Carlos Ruiz Zafon
57. A Tale Of Two Cities – Charles Dickens
58. Brave New World – Aldous Huxley
59. The Curious Incident of the Dog in the Night – Mark Haddon
60. Love In The Time Of Cholera – Gabriel Garcia Marquez
61. Of Mice and Men – John Steinbeck
62. Lolita – Vladimir Nabokov
63. The Secret History – Donna Tartt
64. The Lovely Bones – Alice Sebold
65. Count of Monte Cristo – Alexandre Dumas
66. On The Road – Jack Kerouac
67. Jude the Obscure – Thomas Hardy
68. Bridget Jones’s Diary – Helen Fielding (allerdings nicht bis zum Ende)
69. Midnight’s Children – Salman Rushdie
70. Moby Dick – Herman Melville
71. Oliver Twist – Charles Dickens (auf dem SUB)
72. Dracula – Bram Stoker
73. The Secret Garden – Frances Hodgson Burnett
74. Notes From A Small Island – Bill Bryson
75. Ulysses – James Joyce
76. The Inferno – Dante
77. Swallows and Amazons – Arthur Ransome
78. Germinal – Emile Zola
79. Vanity Fair – William Makepeace Thackeray
80. Possession – AS Byatt
81. A Christmas Carol – Charles Dickens
82. Cloud Atlas – David Mitchell
83. The Color Purple – Alice Walker
84. The Remains of the Day – Kazuo Ishiguro
85. Madame Bovary – Gustave Flaubert
86. A Fine Balance – Rohinton Mistry
87. Charlotte’s Web – EB White
88. The Five People You Meet In Heaven – Mitch Albom
89. Adventures of Sherlock Holmes – Sir Arthur Conan Doyle
90. The Faraway Tree Collection – Enid Blyton
91. Heart of Darkness – Joseph Conrad
92. The Little Prince – Antoine De Saint-Exupery
93. The Wasp Factory – Iain Banks
94. Watership Down – Richard Adams (auf dem SUB)
95. A Confederacy of Dunces – John Kennedy Toole
96. A Town Like Alice – Nevil Shute
97. The Three Musketeers – Alexandre Dumas
98. Hamlet – William Shakespeare
99. Charlie and the Chocolate Factory – Roald Dahl
100. Les Miserables – Victor Hugo

Es fehlen mir doch noch ziemlich viele Klassiker, die ich eigentlich schon lange mal lesen wollte. Vielleicht sähe meine Liste in ein paar Jahren schon ganz anders aus. Siebzehn sind aber immerhin schon besser als sechs.

Monatsrückblick Juli 2009

Dank Prüfungsstress waren es ein paar Bücher weniger als sonst, irgendwie kam ich aber trotzdem auf 2566 Seiten. Der August wird hoffentlich wieder ertragreicher, immerhin habe ich diesen Monat ein paar Wochen Urlaub.

Douglas Adams – Per Anhalter durch die Galaxis ++

Adams eben, intelligent und gleichzeitig skuril, schräg und humorvoll.

Eva Schwingenheuer – Burka 0

Ein Band mit satirischen Zeichnungen zur Burka, mir fehlte eine Erläuterung der Intention der Autorin.

Michel Birbaek – Was mich fertig macht ist nicht das Leben sondern die Tage dazwischen +
Von allen bisher gelesenen Werken des Autors das schwächste, war auch sein erstes Buch, trotzdem gut.

Katja Reider – Rosalie liebt Trüffel +

Ein sehr kurzes Büchlein über die Liebe, die nicht immer schweinchenrosa ist. Nettes Geschenk.

Andreas Eschbach – Ausgebrannt +

Was würde passieren, wenn uns plötzlich das Öl ausgeht? Lässt einen etwas weiter über den Tellerrand hinaus denken.

Trudi Canavan – Die Novizin +
Ein netter Fantasyschmöker, für entspannte Lesestunden.