Archiv für 14. September 2008

Mal keine Fantasy

Zur Abwechslung lese ich jetzt neben “Die Dämonen” mal wieder etwas ganz anderes. “Tausend strahlende Sonnen” von Kaled Hosseini erzählt die Geschichte zweier Frauen in Afghanistan. Wie schon bei seinem ersten Buch “Der Drachenläufer” bin ich von der ersten Seite an gefesselt von der Geschichte. Gestern Abend im Bett wollte ich es nur kurz anlesen. Eine Stunde später konnte ich es nur weglegen, weil mir die Augen dauernd zufielen.

Jim C. Hines – Die Goblins

goblins

Inhalt:

Der selbst für einen Goblin ziemlich schwächliche Jig wird mal wieder von den anderen Goblins getriezt. Dummerweise läuft er dabei einer Gruppe von Abenteurern in die Hände, die in den Höhlen unterwegs sind um ein magisches Artefakt zu finden. Sie zwingen Jig ihnen den Weg zu zeigen, zum tiefsten Punkt des Höhlensystems in den Hort eines Drachen, vorbei an allerhand gefährlichen Monstern. Um das zu überleben, muss Jig zum Helden werden, wo er doch alles andere als dazu geboren ist.

Meine Meinung:

Das Buch lässt sich ganz gut lesen, ist aber nichts Besonderes.

Jig ist ein ganz sympathischer Charakter, der mit seinen Betrachtungen sowohl über die Abenteurer als auch über die Goblins für ein wenig Abwechslung sorgt. Alle anderen Charaktere wirken wie nach einer Anleitung für Fantasyromane geschrieben. Wir haben die typische Party mit einem Zwerg, einer Elbe und zwei Menschen. Einer davon ein geistig nicht unbedingt überragender Held, dafür mit entsprechender Muskelkraft, sein Bruder ein Zauberer. Die Geschichte wirkt wie aus einem Pen & Paper, der Dungeon ist ebenfalls Standard mit den üblichen Fallen und Feinden. Es gibt keine wirklichen Überraschungen, die Handlung ist ziemlich vorhersehbar. Bis auf das Ende, das mich positiv überrascht hat.

Der Schreibstil ist nicht schlecht, aber auch nicht auffällig gut. Da ging wahrscheinlich einiges während der Übersetzung verloren, der ein oder andere Fehler war eindeutig auf die Übersetzung zurück zu führen.

Es war eine nette Lektüre zwischendurch, aber die beiden Folgebände werde ich nicht lesen. Das Buch darf trotzdem hier bleiben, und die Sammlung der Völkerbücher erweitern.

Christopher Moore – Blues für Vollmond und Kojote

Kojote

Inhalt:

Sam Hunter ist ein erfolgreicher Versicherungsmakler mit einem geregelten Leben in dem es ihm anscheinend an nichts fehlt. Dass er ein Indianer der Crow ist und eigentlich Samson Hunts Allone heißt, hält er geheim. Nicht um sich vor Rassismus zu schützen, sondern vor der Vergangenheit.

Allerdings hat er da nicht mit dem alten Indianergott Kojote gerechnet, der plötzlich auftaucht und alles auf den Kopf stellt. Kojote hat eine ganz eigene Einstellung zum Humor und bringt Sam neben der Liebe auch eine Menge Ärger ein.

Meine Meinung:

Wie bisher noch jedes Buch von Christopher Moore gefiel mir auch dieses wieder sehr gut. Wobei mir sein wohl bekanntestes, „Die Bibel nach Biff“, am wenigsten Spaß machte, es hatte doch einige Längen.

Moore hat in seinen Büchern oft die verschiedensten Religionen zum Thema, hier ist es die indianische. Sam muss feststellen, dass man sich vor seiner Herkunft und seiner Medizin nicht verstecken kann, sie holt einen immer wieder ein. Und das ist nicht unbedingt negativ.

Man darf keine ernsthaften Erläuterungen zum indianischen Verständnis von Göttern erwarten, und doch bringt einem Moore dieses Denken etwas näher und kritisiert auch das langsame Vergessen der alten Traditionen. Wie immer mit seinem typischen Humor, trocken und ab und an ziemlich schwarz gefärbt. Ich liebe diese Art des Humors, er wird einem nicht platt um die Ohren geschlagen, sondern geschieht ganz nebenbei. Oft liest man schon den nächsten Satz und denkt: Moment, stand das da wirklich?

Auch immer wieder schön ist das Wiedersehen mit Charakteren aus seinen anderen Büchern. Hier ist es Minty Fresh, den ich schon in „Ein todsicherer Job“ treffen durfte. Inzwischen geben mir Moores Bücher schon so etwas wie ein Gefühl des „nach Hause Kommens“. Viele Orte und Personen tauchen immer wieder auf, ohne dass es wirklich eine Reihe wäre die man komplett gelesen haben muss.

Die Titelübersetzung finde ich diesmal allerdings weniger gut gelungen, der Originaltitel „Coyote Blue“ ist sehr viel passender.

Trotzdem kann ich auch dieses Buch von Moore wieder nur empfehlen, wenn man Spaß an leicht skurrilen Geschichten hat und auch mal über einen Flughund mit Ray Ban Sonnenbrille lachen kann.

Von Dämonen und Goblins

Momentan lese ich gleich zwei Völkerbücher auf einmal. “Die Dämonen” von Tobias O. Meißner und “Die Goblins” von Jim C. Hines. Das zweite wird gelesen, damit ich in der Leserunde mit Tobias O. Meißner nicht zu schnell lese und ganz alleine schreiben muss. ;)

“Die Dämonen” gefallen mir bisher sehr gut. Der Schreibstil ist toll, der ständige Wechsel zwischen den Charakteren sorgt für Geschwindigkeit und Abwechslung.
Und es ist kein typisches “Party erfüllt Queste”-Buch, was mich an “Die Goblins” ein ganz klein wenig stört. Wir haben die typische Party: Zwerg, Elfe, zwei Menschen, davon einer leicht gewaltbereiter Held, der andere (natürlich sein Bruder) Zauberer, die eine scheinbar unerfüllbare Queste erfüllen wollen. Und dazu den Goblin. Der zugegebener Maßen etwas aus dem Klischee raus fällt. Der Zauberer erinnert mich nicht nur dank seines Namens sehr an Raistlin aus Margaret Weis’s “Drachenlanze”. Von der Reihe hat der Autor sich scheinbar doch sehr stark inspirieren lassen. Trotzdem ist es ganz unterhaltsam, der Goblin bringt ein wenig Abwechslung hinein. Auch wenn er ein ganz klein wenig an Tolpan erinnert. ;)

Anthony McCarten – Englischer Harem

englishharem

Inhalt:

Tracy arbeite im Supermarkt an der Kasse, träumt dabei aber lieber von Lord Byron, Lawrence von Arabien und Prinzessin Leia als auf stehlende Kunden zu achten.

Als sie eine neue Stelle als Kellnerin in einem persischen Restaurant annimmt, kann sie nicht ahnen was daraus alles entstehen wird. Hier kommt es zu einem Mix aus Kulturen, Sprachen und Religionen, welche zu guter letzt dazu führen, dass sie die dritte Ehefrau des muslimischen Restaurantbesitzers wird.

Meine Meinung:

Schon seit Tagen überlege ich, wie man dieses Buch beschreiben könnte ohne zuviel zu verraten. Aber doch genug, um den ersten Eindruck eines „Frauenbuches“ zu widerlegen. Denn das ist dieses Buch ganz sicher nicht. Ein Freund vermutete nach einer Beschreibung des Buches, dass es um den „Zickenkrieg“ zwischen den Ehefrauen gehen würde. Aber so oberflächlich ist es eben nicht.

Immer wieder treffen hier unterschiedliche Welten aufeinander. Der Islam auf das Christentum. Die Arbeiterklasse auf die wohlhabende Familie. Die konservativen persischen Eltern auf den aufgeschlossenen ausgewanderten Sohn. Der Vater Besitzer einer Schlachterei, der Sohn Vegetarier. Eine Familie der etwas anderen Art auf einen Staat der nichts außerhalb der Norm verstehen oder akzeptieren will. Die Jugend auf das Alter. Der Verlust eines geliebten Menschen auf das Finden des einen wahren Partners. Über alle Konventionen hinweg. Und die Akzeptanz all dessen sowohl in der Familie als auch in der Gesellschaft.

Es werden so viele Themen angesprochen, dass schnell eines davon zu kurz kommen könnte. Aber McCarten schafft es ein gelungenes Gleichgewicht herzustellen. Jedes dieser Themen wird ernst genommen und keines nebensächlich abgetan. Selbst an sich dramatische Szenen gleiten niemals ins kitschige ab. Es ist von Anfang bis Ende spannend, weil es immer wieder neues zu entdecken gibt.

Schon das Buch „Superhero“ gefiel mir unglaublich gut, mit diesem Buch hat McCarten mich davon überzeugt, dass das kein Zufallstreffer war.

Man braucht etwas Zeit für seine Bücher und sollte nicht erwarten, dass sie nur unterhalten. Dafür enthalten sie zuviel Ernst. Aber sie lassen einen auch nicht traurig zurück, sie sind wie das Leben, eine Mischung aus Spaß aus Traurigkeit, wie die Realität eben.

Ilija Trojanow – Der Weltensammler

Weltensammler

Inhalt:

Der hier beschriebene Weltensammler ist Richard Francis Burton, ein ruheloser Engländer der im 19. Jahrhundert verschiedene Welten nicht nur bereist hat, sondern sich soweit wie möglich in sie eingelebt hat und kaum noch von einem Einheimischen zu unterscheiden war. Er hat sowohl die Sprache als auch die Religion und die Gebräuche des jeweiligen Landes angenommen, sich quasi eine neue Haut übergestreift. Oft kommt die Frage auf, ob das ausreicht, ein anderer Mensch zu werden.

Während des Lesens begleitet man Burton durch Britisch-Indien, auf seiner Reise nach Mekka und während der Suche nach der Quelle des Nils in Ostafrika.

Wobei der Autor gleich zu Beginn betont, dass die Romanfiguren sowie die Handlung überwiegend ein Produkt der Phantasie des Autors sind. Die Handlung folgt der Biographie seiner jungen Jahre manchmal sehr genau, entfernt sich an anderen Stellen allerdings auch weit von dem Überlieferten.

Meine Meinung:

Für diesen Roman braucht man Zeit. Er gehört nicht zu den Büchern, die sich einfach weg lesen. Die man aufschlägt, darin versinkt und erst etliche Seiten später wieder auftaucht. Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten, in die Geschichte hinein zu kommen. Nach einigen Seiten hatte es mich aber doch gepackt und ließ mich auch bis zum Ende nicht mehr los. Die Reisen und Erlebnisse Richard Burtons sind sehr spannend und interessant.

Jede Reise wird in sich abwechselnden Kapiteln aus seiner Sicht und aus der Sicht seiner Begleiter erzählt. Das gestaltet die ganze Erzählung abwechslungsreicher und bringt mehr Farbe hinein. Es ist auch immer wieder interessant, wie die Geschichte aus der Sicht seines Dieners verständlicher weise ganz anders aussieht, als aus seiner eigenen Sicht.

Am besten gefiel mir das mittlere Kapitel über seine Reise durch Arabien nach Mekka. Burton gibt sich als Muslim aus und muss ständig auf der Hut sein, sich nicht zu verraten. Wobei er sich so sehr in seine Rolle begibt, dass man nicht mehr sicher sein kann, ob er nicht doch wirklich den moslemischen Glauben angenommen hat.

Der Bericht über die Suche nach den Quellen des Nils lässt einen sehr mitleiden. So eine Reise ist sicher heute noch nicht angenehm, zu der damaligen Zeit war sie eine Tortur. Da kommen die von einem Diener erzählten Kapitel zwischendurch sehr recht, die einen immer wieder in einen gemütlichen offenen Hof voller älterer Männer versetzen, die sich diese Geschichte von ihrem Freund erzählen lassen.

Ich bin Richard Francis Burton gerne auf seinen Reisen gefolgt, und kann nur empfehlen sich die Zeit zu nehmen, dieses Buch zu genießen.