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Bücherwelt

Offener Bücherschrank – Würzburg hat jetzt auch einen!

1. April 2010

Update 2017:

Seit Ende Juli 2017 steht ein Offener Bücherschrank in der Eichhornstraße in Würzburg, der rund um die Uhr frei zugänglich ist. Weitere Informationen findet man auf dem Blog der Stadtbücherei.

2010:

In vielen Städten stehen sie schon, jetzt hat auch Würzburg einen offenen Bücherschrank! Was ein offener Bücherschrank ist? Der in eurem Wohnzimmer hat doch auch keine Türen, was ist daran so besonderes? Dieser hier ist offen für jedermann. Wer mag, kann sich ein Buch heraus nehmen, gerne auch ein anderes dafür rein stellen. Pflicht ist das aber nicht. Ob er das Buch danach behält oder zurück bringt, bleibt ihm überlassen. Wer genaueres über die Entstehung der offenen (oder auch öffentlichen) Bücherschränke wissen will, kann auf Wikipedia nachlesen.

Der Würzburger Bücherschrank ist vom Prinzip her genau das gleiche, nur steht er nicht in der Stadt herum. Da die Wirtin unseres Lieblingslokals uns großzügiger Weise ihr Regal zur Verfügung stellt, mussten wir uns nicht erst um einen wetterfesten Schrank und Genehmigungen zur Aufstellung kümmern. So lagen zwischen der Idee und der Eröffnung des Bücherschrankes nicht viel mehr als 24 Stunden. Auf dem Würzblog könnt ihr mehr über die Ideenfindung lesen, wenn es euch interessiert.

Wo findet ihr den Würzburger Bücherschrank?

buecherschrank1

Im „Gehrings“ in der Neubaustraße. Gleich links neben der Theke findet ihr das Regal mit den Büchern. Die erste Bestückung fand gestern Abend statt, wir hoffen der Bestand wächst noch weiter. Bisher ist es noch ein übersichtliches Regalbrett, aber die Möglichkeiten zur Erweiterung bestehen.

Auch wenn ein Besuch des Bücherschrankes nur zu den Öffnungszeiten von Herrn Gehrings möglich ist, besteht keine Verpflichtung sich dann dort auch zu verköstigen. Gerne könnt ihr nur nach den Büchern schauen. Wer sich den leckeren Kuchen oder auch die nicht minder leckeren warmen Mahlzeiten dort entgehen lässt, ist selbst schuld.

Es wäre schön, wenn sich noch ein paar Bücherwürmer und Leseratten finden, die den Bücherschrank am Leben halten. Nur mit Abwechslung im Bestand bleibt er interessant. Also schaut vorbei, vielleicht findet ihr etwas das euch interessiert, oder ihr gebt einem eurer Bücher die Chance auf einen neuen Leser. Aber bitte, nutzt das Regal nicht als Altpapieralternative. Wie das Würzblog so passend schrieb: „Also nicht unbe­dingt den Stadt­füh­rer von Castrop-Rauxel aus dem Jahre 1952.“

Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch im Gehrings, wo man mich wohl erst mal links neben der Theke finden wird. ;)

Edit vom 20.06.2011: Da dieser Beitrag gerade wieder öfter gesucht und gefunden wird, eine Aktualisierung. Das Gehrings hat den Besitzer gewechselt, der Bücherschrank ist leider nicht mehr dort zu finden. Wenn ihr eine Idee habt, wo man einen aufstellen oder einrichten könnte, immer her damit.

Edit 2 vom 29.02.2012: Auch der neue Besitzer des „Gehrings“ mag Bücher, der offene Bücherschrank ist wieder eröffnet. Am gleichen Platz, zu den gleichen Bedingungen. Nämlich keinen. :)

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Besprechungen Historischer Roman

Roman Rausch – Das Caffeehaus

29. November 2009

Ralf, der mir wie berichtet sein Rezensionsexemplar auslieh, und meine Wenigkeit haben das Buch zwar nacheinander gelesen, aber gemeinsam besprochen. Daher findet ihr hier ausnahmsweise mal keine klassische Rezension, eher eine Besprechung im wörtlichen Sinne. Eigentlich hätten wir auch einen Podcast daraus machen können. Aber ich wollte euch meine Stimme nicht antun. Viel Spaß beim Lesen, wir hatten ihn beim Schreiben.

caffeehaus

Roman Rausch, der bisher einige Würzburg- und zwei Hamburg-Krimis geschrieben hat, wagte sich jetzt an ein neues Genre: den historischen Roman. Räumlich ist er damit aber wieder zurück zu den fränkischen Wurzeln gekehrt, „Das Caffeehaus“ spielt im Würzburg des 18. Jahrhunderts. Hauptcharaktere sind die ehemalige Haremsdame Sabiha und der uns allseits bekannte Balthasar Neumann, die es beide rein zufällig nach einer ersten Begegnung im Türkenkrieg bei Belgrad nach Würzburg verschlug.

Ralf: Überhaupt ist Gevatter Zufall ein stetiger Begleiter in diesem Buch.

Emily: Was ja leider in vielen durchschnittlichen historischen Romanen üblich ist.

Ralf: Ich glaube, dass es schon eine dramatische Notwendigkeit hat. Auch in hochkarätigen Filmen und Büchern, was mich immer nervt.

Emily: Stimmt, selbst die von mir verehrte Rebecca Gablé kommt nicht ohne aus.

Ralf: Rebecca Gablé?

Emily: Hier

Ralf: Ah ja. Historische Romane sind ja wirklich nicht so mein Ding. Ich habe auch beim Caffeehaus gemerkt, dass mich die Fülle an historischen Daten und Ereignissen überfordert.

Emily: Das hängt aber auch sehr vom Autor ab, wie er sie verpackt. Beim Caffeehaus fand ich, dass die Historie mehr im Vordergrund stand als in anderen historischen Romanen. Es ähnelte stellenweise schon einem Sachbuch.

Ralf: Stimmt. Wenn man interessiert ist an den verwandtschaftlichen Verhältnissen der Fürstbischöfe wird man in dem Buch viel lernen können. Aber das Buch erzählt ja nicht nur Geschichte, sondern auch „Gschichtli“. Da wäre zum Beispiel die vom Zufall gebeutelte Sabiha, die in Würzburg das erste orientalische Caffeehaus eröffnet. Eine Powerfrau.

Emily: *räusper* Typisch „…in-Roman“ (meint die spezielle Gattung historischer Romane mit verweiblichtem Titel wie „Die Pelzhändlerin“)

Ralf: Mir wurscht. Powerfrau. Für das 18. Jahrhundert fast schon zuviel Powerfrau.

Emily: Das meinte ich.

Ralf: Trotzdem. Im Roman klingt es ab und zu, als würden die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse Würzburgs von ihr, sei es nur indirekt, bestimmt. Ihr Caffee beeindruckt Fürstbischöfe und Kaiserinnen. In der Science Fiction würde man diesen Effekt wohl „deux ex machina“ nennen. Die Allwunderwaffe Caffee.

Emily: Wobei ich den Caffeeteil recht interessant fand, ich wusste zum Beispiel vorher nicht, das zu der Zeit das Mostfrühstück üblich war. Die Caffeegeschichte fand ich ganz schön, sie hat selbst mir, einer Nichtkaffeetrinkerin Lust auf Caffee gemacht.

Ralf: Da hake ich gleich mal ein, als bekennender Caffeesnob fand ich den Kult, den eben diese Sabiha um das Rösten und Zubereiten macht durchaus nachvollziehbar. Es erinnert mich an ambitionierte Caffeedealer in Würzburg, wie zum Beispiel das DOC, wo wir gerade diese Rezension schreiben. Dieser Teil ist glaube ich auch für jeden Caffeefetischist lesenswert.

Emily: Das wäre dann der Teil, der auch für Nichtwürzburger interessant wäre. Der historische Teil bezieht sich ja schon sehr auf die Geschichte Würzburgs.

Ralf: Wobei ich mir vorstellen kann, dass es für Würzburginteressierte-Nichtwürzburger – potentielle Touristen – quasi als Reiseführer dienen könnte.

Emily: Zumindest für die Residenz, deren Entstehung detailliert beschrieben wird.

Ralf: Ach ja, Neumann.

Emily: Hättest Du den fast vergessen?

Ralf: Könnte man fast vergessen, wobei sein Part im Buch schon recht groß ist. Aber als menschliche Person nimmt man ihn gar nicht so wahr, mehr in seiner Funktion als Bauleiter und Architekt. Aber wenn ich mir den Caffeehaus-Neumann mit seinen offenen und originellen Ideen, für damals zumindest, heute vorstelle, dann würde ihn der Verschönerungsverein wahrscheinlich mit Steinen aus der Stadt treiben. Denn laut Roman musste auch Neumann gegen Betonköpfe und konservative Kräfte ankämpfen.

Wie fanden wir jetzt den Roman?

Emily: Ich fand es einen netten historischen Schmöker, der schnell gelesen ist und mir als Nichtwürzburgerin einiges über die Geschichte der Residenz beigebracht hat. Sabihas Teil war schön, aber nicht notwendig.

Ralf: Dann wäre es nur noch halb so dick. Es ist sowieso schon luftig gesetzt.

Emily: Und Dein Fazit?

Ralf: Es ist ein historischer Roman, damit hat es bei mir schon mal schlechte Karten. Da kann aber Roman Rauscht nichts dafür. Historienfreunden wird er gefallen.

Emily: Wobei er meiner Meinung nach an Tilman Röhrigs „Riemenschneider“ nicht heran reicht, der handwerklich ein Stück besser ist.

Ralf: Von mir aus, aber ich glaube nicht, dass es ein schlechter Roman ist.

Emily: Das stimmt, er war besser als ich erwartet hatte.

Ralf: Lässt sich locker lesen und ich würde ihn, darf man gar nicht so negativ sehen, als nette Urlaubslektüre bezeichnen.

Jetzt trinken wir einen Caffee!

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