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Liebe

Belletristik Besprechungen

Kent Haruf – Unsere Seelen bei Nacht

16. April 2017

Zwei ältere Menschen, beide schon seit Jahren verwitwet. Eines Tages steht sie bei ihm vor der Tür und fragt, ob er nicht die Nächte mit ihr verbringen möchte. Es geht ihr nicht um eine Beziehung oder Sex, aber sie erträgt die Einsamkeit in den Nächten nicht. Sie wünscht sich jemanden, der neben ihr liegt, mit dem sie reden kann. Er stimmt zu, wenn auch erst etwas zögerlich. In der ersten Nacht schleicht er sich noch durch die Hintertür, später stehen sie offen dazu. Auch wenn die Nachbarn und ihre Familien es nicht unbedingt gutheißen. Weiterlesen

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Belletristik Besprechungen

Lot Vekemans – Ein Brautkleid aus Warschau

29. Mai 2016

BrautkleidWarschau1

Marlena ist mit Mitte zwanzig eigentlich zu alt, um noch unverheiratet zu sein. „Den nächsten, der Dich will, den nimmst Du!“ sagt die Mutter. Was die Mutter nicht weiß, bei einer zufälligen Begegnung hat Marlena sich verliebt, und wird geliebt. Von Natan, einem amerikanischen Journalisten, der in Warschau zu Besuch ist, um die Geschichte seiner Familie kennenzulernen. Sie verbringen einige Monate miteinander, doch dann muss Natan plötzlich zurück nach Amerika. Kurz darauf merkt Marlena, sie ist schwanger. Für ihre streng katholische Mutter unmöglich, die Tochter muss verheiratet werden, mit dem geistig zurückgebliebenen Cousin. Marlena flüchtet, weiß nicht wohin, und landet über einen Bräutekatalog in den Niederlanden. Als Ehefrau des Bauern Andries, der seine Frau verlor und jemanden als Hilfe auf dem Hof suchte. Wirklich nahe kommen sie sich nie, aber für Marlenas Sohn Stan wird Andries ein Vater, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann. Als Marlena nach Jahren zum ersten Mal wieder nach Polen zurückkehrt, spürt sie, was sie all die Zeit vermisst hat. Und muss sich entscheiden, zurück zu Andries, oder in ihrer Heimat bleiben? Weiterlesen

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Belletristik Besprechungen

Péter Gardós – Fieber am Morgen

1. Oktober 2015

FieberamMorgen

Miklós hat das KZ überlebt und wurde wie hunderte andere Ungarn nach Schweden gebracht, um dort wieder gesund zu werden. Doch der Arzt macht ihm keine Hoffnung, maximal sechs Monate gibt er ihm noch. Seine Lunge sei zu sehr angegriffen, aber Miklós lässt sich davon nicht entmutigen. Er schreibt Briefe an junge Frauen aus seiner Heimatstadt, die jetzt ebenfalls in Schweden in Krankenlagern sind. 117 Briefe schreibt er, zwanzig Frauen antworten ihm. Aber nur ein Brief berührt ihn. Mit Lili beginnt er einen regen Briefaustausch, sie verlieben sich ineinander. Was wenn sie erfährt, dass er nur noch sechs Monate zu leben hat? Weiterlesen

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Besprechungen Kinder-/Jugendliteratur

Isabel Abedi – Lucian

15. Oktober 2009

Lucian

Rebecca kramt in einer Kiste mit Erinnerungsstücken und hält gerade ihren alten Teddybären namens Lu in Händen, als es geschieht. Es fühlt sich an wie ein hauchfeiner Riss, tief in ihrem Inneren. Da ist plötzlich ein Gefühl der Leere, das sie nicht deuten kann.

Kurz darauf taucht Lucian in ihrem Leben auf, der nicht weiß woher er kommt, alle Erinnerungen verloren hat. Wie durch Zufall begegnen sie sich immer wieder. Doch beide spüren eine gegenseitige Anziehung, die sie nicht mehr an den Zufall glauben lässt. In seiner Nähe fühlt Rebecca sich ganz. Was verbindet die beiden miteinander? Ist Lucian wirklich nur ein Mensch?

„Lucian“ ist ein zauberhafter Roman, der mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen hat. Er handelt von der Liebe, doch nicht nur der zwischen Liebenden, sondern auch der zwischen Eltern und Kindern und ebenso zwischen Freunden. Wie in vielen Jugendromanen wird das Thema Freundschaft groß geschrieben, denn wer hilft mehr als eine Freundin, auf die man sich jederzeit verlassen kann, wenn die eigenen Eltern einem nicht mehr glauben.

Trotz der Tiefe der Emotionen kommt niemals das Gefühl von Kitsch oder übertriebener Tragik auf. Es ist auch kein klassischer Liebesroman, obwohl die Liebe zwischen Rebecca und Lucian das Hauptthema ist. Dank Lucians Geheimnis gehört es eher in die Richtung Mystery.

Das Rätsel um Lucians Herkunft ist es auch, das einen immer wieder weiter lesen lässt. Ganz langsam wird es aufgelöst. Selbst nach der Auflösung kommt aber keine Langeweile auf, ganz im Gegenteil. Denn dann geht es um Leben und Tod.

Die Erklärung von Lucians Existenz ist so schön, man wünscht sich es könnte wirklich so sein. Wer das Buch gelesen hat, weiß was ich meine.

Isabel Abedi hat wieder einmal einen wunderbaren Jugendroman geschrieben, an dem auch erwachsene Leser noch ihre Freude haben. Wenn sie bereit sind, sich auf die Welt der heutigen Jugend mit I-Pod und E-Mails einzulassen, sich gleichzeitig aber an die eigenen Empfindungen in dieser Zeit zu erinnern. Auch daran, wie schön und gleichzeitig schwer es sein kann, sich das erste Mal zu verlieben.

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