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England

Belletristik Besprechungen

J. L. Carr – Ein Monat auf dem Land

28. Dezember 2016

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Tom Birkin erinnert sich Jahre später an diesen einen Monat im Sommer 1920, den er auf dem Dorf Oxgoldby verbrachte. Im Auftrag einer Dame, die in ihrem Testament verfügte, dass das übertünchte Wandgemälde in der örtlichen Kirche freigelegt werden soll. Stück für Stück legt Tom ein Meisterwerk mittelalterlicher Kunst frei und wird ein Teil der Dorfgemeinschaft. Menschen, die nur so viel von ihm wissen, wie er bereit ist, ihnen zu erzählen. Dass seine Frau Vinny ihn sitzen ließ, verschweigt er vorerst. Sein Trauma, dass er aus den Schützengräben des ersten Weltkriegs mitbrachte, kann er nicht verbergen. Aber nach und nach bessern sich die Zuckungen in seinem Gesicht, dieses neue Leben scheint ihm gut zu tun. Könnte es nur ewig so weitergehen. Weiterlesen

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Belletristik Besprechungen

Jane Gardam – Letzte Freunde

10. Oktober 2016

letztefreunde

„Letzte Freunde“ ist nach „Ein untadeliger Mann“ und „Eine treue Frau“ der Abschluss der Trilogie um Old Filth, den scheinbar unfehlbaren Richter Feathers. Im ersten Band wurde die Geschichte seines Lebens erzählt, im zweiten Band die seiner Ehefrau Betty, die seine um etliche Facetten ergänzte. Jetzt sind seine Freunde dran, die alten wie die, die er erst kurz vor seinem Tod zu schätzen lernte. Terry Verneering hatte nicht das Glück, reich geboren zu werden, er wuchs in einem kleinen nordenglischen Städtchen auf, seine Mutter ernährte die Familie mit dem Verkauf von Kohle. Was kaum jemand in seinem späteren Leben wusste, nur Fred Fiscal-Smith, denn der kannte ihn schon, als er gerade mal acht Jahre alt war. Auch er bekommt in diesem Band mehr Hintergrund. Wie Verneering es schaffte, ein erfolgreicher Anwalt zu werden und sich ein ganz neues Leben aufzubauen, liest man hier auf ebenso charmante Weise erzählt, wie in den beiden Bänden zuvor. Weiterlesen

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Belletristik Besprechungen

Jane Gardam – Eine treue Frau

15. März 2016

TreueFrau

„Eine treue Frau“ ist die Fortsetzung zu „Ein untadeliger Mann“ und damit der zweite Band der Trilogie um Old Filth, dem scheinbar tadellosen Richter. Dessen Geschichte im ersten Band aus der Sicht von Edward Feathers, also Old Filth persönlich erzählt wird. In diesem Band kommt seine Frau Betty zu Wort. Geboren und aufgewachsen in Hongkong, beide Eltern in den Lagern verloren, lernt sie Edward flüchtig kennen, da macht er ihr auch schon einen Heiratsantrag. Eine gute Partie für ein Mädchen mit ihrem Hintergrund, Weiterlesen

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Belletristik Besprechungen

Isabel Bogdan – Der Pfau

17. Februar 2016

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„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“ Damit sorgt der Pfau für allerhand Aufregung auf dem Anwesen von Lord und Lady McIntosh, die Feriencottages in den schottischen Highlands vermieten. Aber wen wundert es, verrückte Pfauen gehören nicht zur gewünschten Ausstattung. Das Timing des Pfaus hätte kaum schlechter sein können, reist doch gerade eine Gruppe Bänker für eine Teambuildingmaßnahme an. Die pragmatische Lösung des Lords sorgt für einiges an Durcheinander… Weiterlesen

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Besprechungen Krimis und Thriller

Elizabeth George – Bedenke, was Du tust

9. Februar 2016

BedenkewasDutust

Barbara Havers hat sich mit ihrem letzten Fall keinen Gefallen getan, ihre Chefin hat sie seitdem auf der Abschussliste. Noch ein Fehltritt und sie wird in die Provinz strafversetzt. Jetzt muss sie dringend beweisen, dass sie eine gute Polizistin ist und sich ab und zu auch an Regeln halten kann. Ihre Chance kommt, als eine bekannte Autorin in Cambridge ums Leben kommt. Deren Lektorin vermutet gleich, dass es Mord war und scheint recht zu behalten, was sie selbst fast mit ihrem Leben bezahlt. Weiterlesen

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Belletristik Besprechungen

Jane Gardam – Ein untadeliger Mann

24. August 2015

UntadeligerMann

Als Old Filth ist er in Anwaltskreisen bekannt, der Richter Edward Feathers, auch noch Jahre nach seiner Pensionierung. Ein harter aber gerechter Richter, in Hongkong machte er Karriere, immer mit einem untadeligen Ruf. Nach der Pensionierung zog er mit seiner Frau Betty nach England, ein Land, dass seine Heimat ist und doch wieder nicht. Geboren wurde er in Malaya, seine Mutter starb bei seiner Geburt, sein Vater hat sich nie um ihn gekümmert. Mit fünf Jahren wurde er nach England geschickt, lebte bei Pflegefamilien und in Internaten. Ein Leben, das seine Spuren hinterließ, was er aber nie zeigte. Nach außen hin präsentierte er immer die harte Schale, niemals durfte auch nur der Verdacht von Verletzlichkeit aufkommen. Doch nach dem Tod seiner Frau hat er viel Zeit zum Nachdenken, so manches holt ihn ein, was er sich selbst nie eingestehen wollte. Weiterlesen

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Besprechungen Krimis und Thriller

Robert Galbraith – Der Seidenspinner

24. Februar 2015

Seidenspinner

Cormoran Strike hat endlich genug Aufträge als Detektiv um sich über Wasser zu halten, seine Schulden abzubezahlen und sich sogar eine kleine Wohnung leisten zu können. Nachdem er den Fall um Lula Landry gelöst hatte, war er populär genug, dass die Kunden von selbst kamen. Aus lauter Mitleid mittellose Kunden anzunehmen, kann er sich eigentlich aber immer noch nicht leisten. Und trotzdem wird er schwach, als die Ehefrau eines Autors ihn bittet, ihren verschwundenen Ehemann zu suchen. Der hatte sich schon öfter kurzzeitig in Hotels oder bei Liebschaften versteckt, es dürfte nicht schwer sein, ihn zu finden. In welch tiefem Sumpf der Verstrickungen der Literaturszene Strike damit landet, konnte er nicht ahnen. Verleger, Lektoren und Agenten, allesamt Künstlerseelen mit ihren ganz eigenen Spleens und etliche von ihnen hatten schon mal was miteinander. Als dann auch noch ein Mord entdeckt wird, schlagen die Wellen hoch. Die Gerüchteküche brodelt, aber Geschichten erzählen können diese Herrschaften ja alle gut. Wer sagt die Wahrheit? Weiterlesen

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Besprechungen Historischer Roman

Rebecca Gablé – Hiobs Brüder

7. Oktober 2009

HiobsBrueder

Losian hat sein Gedächtnis verloren. So landet er zusammen mit einigen anderen auf einer Insel, auf der die Kirche Menschen verwahrt, die angeblich besessen sind. Wobei die Kirche gerne jeden als besessen verurteilt, der irgendein Gebrechen aufweist, wie zum Beispiel die Fallsucht des jungen Simon. Unverhofft bietet sich den Weggesperrten die Möglichkeit zur Flucht, Losian führt sie auf ihrem Weg quer durch England an. In seinen Träumen quälen ihn Erinnerungsfetzen, doch er weiß nicht mehr wer er war. Seine Suche nach sich selbst ist alles andere als einfach. Will er überhaupt wieder der werden, der er anscheinend war?

„Hiobs Brüder“ schließt zeitlich an „Das zweite Königreich“ an, welches man aber vorher nicht gelesen haben muss. Alle notwendigen Fakten werden geliefert, das Buch beginnt einige Jahre später und behandelt die Epoche die mit „The Anarchy“ bezeichnet wird. Der Kampf zwischen König Stephen und Kaiserin Maud um die anerkannte Herrschaft in England lässt das Land im Chaos versinken.

Endlich wieder ein neuer Roman von Rebecca Gablé, ich lese ihre Bücher sehr gerne. Sie schafft es, historische Begebenheiten in spannende Geschichten einzuweben. Selbst mit dem komplexen Rosenkrieg ist ihr das in „Das Spiel der Könige“ gelungen. In diesem Buch dauert es ein wenig, bis der geschichtliche Hintergrund auftaucht. Lange geht es nur um Losian und seine Kameraden. Nach einem spannenden Einstieg gab es für mich erstmal eine kleine Länge. Dann folgten ein paar Seiten, auf denen man einen Schnellkurs über die aktuelle politische Lage bekommt, ein Charakter der das Gedächtnis verloren hat ist hierfür sehr praktisch. Danach passiert wieder eine Weile nicht wirklich viel. Doch dann kommt das Buch in Fahrt und wird so spannend und interessant wie all ihre anderen Bücher vorher auch. Das Ende macht den für mich leicht enttäuschenden Anfang wieder gut. Es lohnt sich nicht aufzugeben, auch wenn es anfangs stellenweise etwas langatmig ist. Mit Losian ist ihr wieder ein Charakter gelungen, der mir schnell ans Herz gewachsen ist, ebenso seine Gefährten von der Insel. Keiner von ihnen hat es leicht, doch alle finden irgendwie ihren Weg in einer Welt, die sie oft nicht anerkennt.

Ein sehr guter Historien-Roman, der nicht auf der „-in“-Welle reitet. Die männlichen Hauptcharaktere sind neben der gründlichen Recherche mit einer der Punkte, die mich immer wieder an Rebecca Gablés Büchern begeistern.

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