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Papego – wie das Totholz-Buch zum eBook wird

30. März 2016

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So mancher Büchernarr liest gerne sowohl auf Papier als auch elektronisch, je nach Situation. Zuhause auf der Couch gerne im guten alten Printbuch, unterwegs liest es sich elektronisch wesentlich leichter, zum Beispiel auf dem Smartphone oder Tablet, das man sowieso schon dabei hat. Kein Buch, das man zusätzlich noch tragen muss, die Beleuchtung ist integriert. Aber nicht jeder liest gerne verschiedene Bücher parallel, eines zuhause und eines unterwegs. Manch einer wünscht sich, in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit einfach dort weiterzulesen, wo er am Frühstückstisch die letzten Zeilen las, möchte man doch endlich wissen, wer denn nun der Mörder war. Dafür gibt es jetzt endlich eine Lösung.

Vor einer Weile gab es erste Versuche mit Bundle Lösungen, wer das Printbuch kaufte, konnte sich das eBook kostenlos herunterladen und beide Versionen des Buches nutzen. Diese Lösung wurde mit der großartigen neuen Mehrwertsteuerregelung, dank der ein digitales Produkt nicht kostenlos zu einem Printprodukt dazugegeben werden darf, gleich wieder im Keim erstickt.

Jetzt gibt es eine neue Idee, die Papego App. Ist das Buch Papego-fähig, fotografiert man zuhause einfach die Seite, die man gerade liest und kann mobil bis zu 25% des Buches auf dem Handy oder Tablet weiterlesen. Papego fällt nicht unter die so genannte Bundle-Regelung, da Papego nicht vom Verlag, sondern von der Briends GmbH angeboten wird und die Nutzung nicht an den Kauf (sondern an den Besitz) des Buchs gebunden ist. (Quelle: www.papego.de)

PapegoAufkleber

Klingt furchtbar simpel und ist es auch, ich musste das natürlich gleich testen. Bisher gibt es erst einige wenige Bücher, die mit Papego funktionieren. Der Piper Verlag ist der erste Verlag, der mit dieser App zusammenarbeitet. Papego-fähige Bücher erkennt man am gelben Aufkleber, eine Liste aller bisher mit Papego ausgestatteten Bücher findet ihr auf der Seite des Piper Verlags.

Die App ist kostenlos und steht sowohl für Android als auch für iOS zur Verfügung, eine Registrierung ist nicht notwendig. Man fotografiert einfach das obere Drittel der gerade gelesenen Seite mit der Kamera des Smartphones, die App lädt den Text ab dieser Stelle und man kann auf dem Handy unterwegs weiterlesen. Möchte man später zuhause wieder zum Totholz-Buch wechseln, ist das auch kein Problem. In der App wird die Seitenzahl des gedruckten Buches angezeigt, man weiß jederzeit, wo man gerade im Buch steckt.

Screenshots Papego

So simpel wie die App sind auch die Einstellmöglichkeiten, lediglich die Schriftgröße lässt sich variieren. Die Bedienung ist intuitiv, am einzig heiklen Punkt, was muss man genau fotografieren, hilft ein Hinweis.

PapegoHinweis

Wer eBook Readern gegenüber Smartphones oder Tablets beim Lesen bevorzugt, kann Papego darauf leider nicht nutzen. Bisher gibt es noch keinen eBook Reader, auf dem man eine App installieren kann, der auch eine Kamera hat.

Eine tolle Idee, die auf der Leipziger Buchmesse auch das Publikums-Voting bei Neuland 2.0 gewann. Hoffentlich nehmen bald noch mehr Verlage die Möglichkeit wahr, ihre gedruckten Bücher zusätzlich auch mobil lesbar zu machen.

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9 Kommentare

  • Antworten Rena 30. März 2016 von 18:55

    Hallo,
    ich finde das ist ja genau das richtige für mich! Habe es letzte Woche mit „Die Magie der Namen“ getestet und war erstaunt wie einfach es tatsächlich ist. Für mich ist da nur noch eine Steigerung möglich, indem es irgendwann auch mal auf meinem Tablet funktionieren sollte. (Ob es auf Tablets anderen Hersteller bereits klappt weil ich leider nicht.)

    Ich gehöre übrigens schon lange zu den Print- und Digitallesern, das sieht bisher oft so aus, das ich mir das ebook kaufe und das passende gedruckte Gegenstück aus der Bücherei leihe. Aber diese App macht es mir so viel einfacher…

    Viele Grüße,
    Rena (von analogzweinull.de)

    • Antworten Papiergeflüster 30. März 2016 von 19:19

      @Rena: ich hoffe auch sehr, dass es sich weiter verbreitet und viele Verlage mitmachen. Perfekt für Kombinations-Leser wie uns. ;)

  • Antworten Buchlotsin 30. März 2016 von 20:35

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel, habe die App gleich einmal installiert. Bleibt nur zu hoffen, dass sie sich durchsetzt und bald nicht nur der Piper Verlag als einziger diese unterstützt. Liebe Grüße, Heike

  • Antworten umblaettern 31. März 2016 von 09:07

    Beste Idee ever! Hoffentlich setzt sich das durch.

  • Antworten fraupixel 31. März 2016 von 11:01

    Das ist ja toll, habe ich total verpasst. Dann muss ich einfach jeden morgen meine aktuelle Seite vor dem Weg zur Arbeit fotografieren und kann dann immer weiterlesen? Oper gibt’s da eine Maximalgrenze wie oft pro Buch das geht?

    • Antworten Papiergeflüster 31. März 2016 von 20:10

      @fraupixel: ich habe noch nichts von einer Maximalgrenze gelesen. Sollte genau so funktionieren, wie Du das schreibst. :)

  • Antworten Ralf 31. März 2016 von 20:06

    Ah, interessant.

  • Antworten Hans Caastorb 8. April 2016 von 17:06

    Ich hätte lieber das Bundle. Lesen tu ich offline. Danach, zum Arbeiten für Rezensionen, Verweise, Zitate, kaufe ich mir meist dann das ebook. Es ist besser zu durchsuchen.

    • Antworten Papiergeflüster 8. April 2016 von 18:31

      Das Bundle wäre vielen lieber, aber so schnell wird es das nicht geben, dank gewisser realitätsferner Gesetze.

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