Monatsrückblick

Leserückblick November 2016

1. Dezember 2016

Gelesen3

Romane:

Ian McEwan – Nussschale
Ich gestehe, ich konnte mit „Nussschale“ nichts anfangen und habe es nach drei Anläufen abgebrochen. Die Biologin in mir bekam die Krise, wenn das Ungeborene Kind über die Aromen des Weins sinnierte. Da konnte ich mir noch so oft deutlich machen, dass das künstlicherische Freiheit ist. Ganz abgesehen davon ging mir dieses neunmalkluge und arrogante Wesen dermaßen auf den Keks, der hätte mich auch als Erwachsener genervt. Ich hoffe auf den nächsten McEwan, nachdem mir die letzten doch so gut gefielen.

Christoph Hardebusch – Schattenkaiser
Hat mich endlich aus der wochenlangen Leseflaute gerettet, es gibt sie noch, großartige klassische Fantasy. Mit dem perfekten Maß an Komplexität um nicht zu langweilen, aber doch noch entspannt lesen zu können. Mit Charakteren die einem in Erinnerung bleiben, weil sie nicht den Klischees entsprechen und einer spannenden Handlung. Ich freue mich auf die Fortsetzung. Mehr dazu hier in meiner Besprechung zum Buch.

Dan Wells – Bluescreen
Und gleich der nächste Volltreffer hinterher, ein sehr spannender Jugend Science Fiction Roman. Unsere Welt im Jahr 2050, Roboter erledigen die meiste Arbeit, die meisten Menschen sind arbeitslos, Großstädte verkommen zu Slums. Alle Menschen sind über ihre Djinnis vernetzt, ein Implatat im Nacken, dass direkt mit dem Nervensystem verbunden ist. Eine neue Droge soll für einen unglaublichen Rausch sorgen, in dem sie das Djinni überlastet, bis es abstürzt. Marisa muss feststellen, dass noch viel mehr dahinter steckt, diese Droge ist wesentlich gefährlicher als gedacht. Großer Pluspunkt für dieses Buch: die Mädchen sind die Hacker und Virtual Reality Profis. Die Jungs sind der Offliner, der Sohn aus reichem Haus ohne Plan und der dämliche Drogendealer. Spannund von der ersten Seite an, große Empfehlung für dieses Buch.

Daniel Kehlmann – Du hättest gehen sollen
Die kleine Familie mietet ein Ferienhaus, abgelegen in den Bergen. Beim Einkauf im Dorf rät der Händler ihnen, so schnell wie möglich zu verschwinden. Warum, erfahren sie erst, als es fast zu spät ist. Oder ist es längst zu spät? Wunderbar mystisch und ein bisschen spooky, ein Buch dass nach der letzten Seite nicht zu Ende ist.

Cynthia D’Aprix Sweeney – Das Nest
Vier Geschwister, die sich ihr Leben lang auf die kommende Erbschaft verließen und plötzlich ohne dieses gemachte Nest dastehen. Großartiger Familienroman, eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr. Warum, erzähle ich euch in der Besprechung.

Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses
Drei junge Muslima studieren 2001 in London, ihre Haltung zur Religion ist ganz unterschiedlich. Neben der streng Gläubigen steht die Ungläubige und dazwischen die unentschlossene Peri. Die schon im Zwiespalt zwischen einer sehr gläubigen Mutter und einem ungläubigen Vater aufwuchs. Alle drei verbindet ein Seminar bei einem Professor, der wegen seiner Methoden in der Kritik steht. Er versucht seine Studenten zum Denken zu bringen, alles zu hinterfragen, andere Lebensweisen nicht grundsätzlich abzulehnen. Für die Freundinnen bedeutet das, sich mit ihrer Religion und deren Bedeutung für sich persönlich auseinander zu setzen. In einer Zeit, in der man es als Moslem nicht leicht hat, nach 9/11. Parallel dazu folgt der Leser Peris Leben in Istanbul im Jahr 2016, ebenfalls ein eingeschränktes Leben, aber aus anderen Gründen. Ein beeindruckendes Buch, dass mich noch immer beschäftigt.

Banana Yoshimoto – Lebensgeister
Bei einem Unfall wird Sayoko schwer verletzt, ihr Freund stirbt. Aus dem Leben gerissen, alleine und haltlos zurückgeblieben, aber als sie im Koma lag, hatte sie eine Begegnung, die ihr Halt gibt. Sie stärkt, auf dem Weg zurück ins Leben, dass sie trotz aller Trauer jetzt um so mehr zu schätzen weiß. Ein sehr emotionales Buch, das mich tief berührt hat.

Kevin Hearne – Erwischt, Die Chronik des Eisernen Druiden V
Als die Lehrzeit endlich vorbei ist und Aticus seine Schülerin Granuile an die Erde binden und sie damit zur Druidin machen möchte, fliegt seine Tarnung auf. Zwölf Jahre lang war er angeblich tot, um der Rache diverser Götter zu entkommen, die mit ihm noch ein Hühnchen zu rupfen haben. Jetzt haben sie erfahren, dass er durchaus lebendig ist und sind nicht besonders erfreut darüber. Gleiches Schema wie immer, Atticus muss ein Versprechen einlösen, setzt sich dabei zielgenau ins nächste Wespennest und hat wieder einen Haufen Ärger an den Hacken. Götter, Feen, Vampire und Dunkelelfen sind ihm dieses Mal gleichzeitig auf den Fersen. Leider verliert dieses Schema langsam an Spannung, es wird Zeit für was neues.

Comics & Graphic Novels:

Ted Naifeh – Curtney Crumrin und die Wesen der Nacht
Curtney ist anfangs nicht begeistert, als ihre Eltern beschließen, dass sie ab jetzt bei einem alten Onkel leben sollen, der angeblich Hilfe braucht. Das ändert sich schnell, als sie entdeckt, dass in diesem Haus so einiges in den Ecken lauert und die Bibliothek des Onkels das eine oder andere spannende Geheimnis enthält. Sehr schöner Auftakt einer Reihe, ich bin gespannt, wen Curtney im nächsten Band aufmischt. Die lässt sich nämlich von ein paar magischen Wesen nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen.

Line Hoven – Liebe schaut weg
Zwei Familien in der Zeit des zweiten Weltkriegs, eine in Deutschland, eine in Amerika. Die Wege ihrer Kinder kreuzen sich, das Ergebnis ist die Autorin dieses Buches, die mit dieser Familiengeschichte ihre Abschlussarbeit zeichnete. Hier wird mit wenigen Mitteln so viel erzählt, eine beeindruckende Graphic Novel.

 

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8 Kommentare

  • Antworten wortsonate 1. Dezember 2016 von 15:27

    Daniel Kehlmann ist einer meiner Lieblingsautoren

  • Antworten -Leselust- 1. Dezember 2016 von 23:46

    Wow, hast du viel gelesen diesen Monat.
    Auf den Kehlmann bin ich auch besonders neugierig. Hab erst ein Buch von ihm gelesen, aber das hat mir sehr gut gefallen. Kommt dazu noch eine Rezension?
    Und auf „das Nest“ bin ich auch neugierig. Vom Klappentext her hat es mich eigentlich erstmal nicht so angesprochen, aber da so viele Leser so begeistert davon sind, muss ich es mir vielleicht noch mal näher angucken.
    Liebe Grüße,
    Julia

    • Antworten Papiergeflüster 2. Dezember 2016 von 06:06

      Zu Kehlmann werde ich nichts mehr schreiben. Ich schaffe es nicht, zu allen Büchern zu schreiben. ? Aber in der Zeit gab es eine gute Besprechung, die ist auch online.

      • Antworten -Leselust- 4. Dezember 2016 von 14:43

        Ja, das kann ich gut verstehen. Ich schaffe es auch nicht, alle meine gelesenen Bücher zu rezensieren. Bzw habe ich auch nicht zu allen etwas zu sagen…
        Aber danke für den Hinweis, dann werde ich da mal gucken.

  • Antworten Vanessa M. 2. Dezember 2016 von 11:32

    Schön zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die sich mit „Nussschale“ schwer getan hat. Auch mich hat das Thema sehr befremdet und ich konnte es nicht ausblenden, dass das Kind ungeboren ist, aber schon so altklug. Und beim Thema Alkohol in der Schwangerschaft bin ich sowieso sehr empfindlich.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

    • Antworten Papiergeflüster 2. Dezember 2016 von 18:52

      @Vanessa M. Danke, jetzt fühle ich mich auch etwas besser. Gefühlt war ich bisher die Einzige, die das Buch nicht liebt. Ich konnte es leider auch nicht ausblenden. Aber es muss einem ja nicht jedes Buch gefallen, zum Glück gibt es genug Ausweichmöglichkeiten. ;) Liebe Grüße, Simone

  • Antworten Almut 2. Dezember 2016 von 12:53

    Hallo SImone!
    „Das Nest“ steht schon auf meiner Weihnachtswunschliste, der Kehlmann ist jetzt dazu gewandert. Schade, dass er mir nicht schon früher aufgefallen ist, das wär jetzt um die Zeit das perfekte Buch, wo doch auch grad Dezember ist. Ich mag es, Bücher zu „passenden Zeitpunkten“ zu lesen …
    Liebe Grüße
    Almut

    • Antworten Papiergeflüster 2. Dezember 2016 von 18:51

      Liebe Almut, an Weihnachten ist ja auch noch Dezember, wenn der Weihnachtsmann brav ist, klappt es ja noch. ;)
      Liebe Grüße
      Simone

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