Interviews

Interview mit Markus Heitz zu „Wédōra – Staub und Blut“

28. Juli 2016
Markus Heitz by Martin Höhne

Fotograf: Martin Höhne

Es gibt wieder Nachschub aus der Feder von Markus Heitz, „Wédōra – Staub und Blut“ ist ein Fantasy-Roman und spielt in einer Wüstenstadt. Nach etlichen Fortsetzungen diverser Reihen also eine ganz neue Welt. Dazu hatte ich ein paar Fragen an Markus Heitz:

Hallo Markus, mit „Wédōra – Staub und Blut“ hast Du mal wieder eine ältere Idee in einen Roman verwandelt. Wann entstand die Idee zu diesem Buch?

“Ältere Idee” ist gut – 20 Jahre hat die Stadt auf dem Buckel und durfte unter Bergen aus Sand ausharren, bis ich sie freischaufelte. Aber es gab vorher zu viele andere phantastische Reiche und Völker und Kreaturen.
Richtig vergessen war sie nie. Und jetzt, weil mein Kreativzentrum unbedingt wieder was Neues machen wollte, war es an der Zeit.
Wie es sich für den OldSchool-Rollenspieler gehört, habe ich zuerst die Welt gebaut, danach die Stadt mit allen neun Vierteln und Stadtplan, eben alles, was man so braucht, um einen neuen Kosmos entstehen zu lassen. Dazu sollte es keine HighFantasy-Welt sein, keine Orks, Elfen und keine Zwerge. Ich weiß, das schmerzt die Zwerge-Fans, aber die würden sich da eh nicht wohl fühlen.
Und mit dem Wachsen der Stadt, der Wüste, der umliegenden Reiche, der Götterwelt, den Legenden und Mythen ergaben sich mehr und mehr Möglichkeiten, was sich alles darin ereignen könnte. In den 80ern und 90ern waren Stadt&Diebes-Romane schwer angesagt, lange vor Assassin’s Creed, und auf diese alte Tradition wollte ich zurückgreifen: fester Standort, aber weit entfernt von langweilig. Zumal durch die 15 verschiedenen Staaten um die Wüste sowie die Bewohner der Wüste selbst genug zusätzliches Konflikt- und Intrigenpotential vorhanden ist. Ähnlich wie in Ulldart werden in den Folgebände -sofern die Resonanz groß genug ist- Politik und Ränke nicht minder eine Rolle spielen.
Und es war klar, dass ich ein Heldenpärchen ins Spiel bringe, das unterschiedlicher nicht sein kann.

Warum ist „Wédōra“ eine Wüstenstadt? Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Eine Wüste wird nicht umsonst „Sandmeer“ genannt. Auf See ist jeder kleine Fehler tödlich, und das ist in der Wüste nicht anders. Eine sehr feindliche Umwelt, wenn man sich nicht auskennt. Manchen mögen die Ausmaße der Stadt sehr gewaltig vorkommen, aber es sei an der Stelle auf das antike Rom verwiesen, das zu seinen Hochzeiten genau die gleiche Menge an Einwohnern und ungefähr die gleiche Ausdehnung hatte. Die Antike kannte etliche Großstädte, und so etwas musste ich einfach an einen Ort stellen, an dem Leben kaum möglich ist. Und woher die Stadt ihren Namen hat,  tja, auch das kann man herausfinden.
Wüste fand ich stets faszinierend, obwohl ich hohe Temperaturen hasse. Leider habe ich es noch nicht geschafft, eine Wüste zu besuchen, aber ich stelle mir die Stille einmalig vor. Und wie besonders der Sternenhimmel aussehen muss, weit weg von jeglicher Stadt. Ein Ort, der ebenso furchteinflößend wie majestätisch und karg zugleich ist. Hier ist der Mensch klein und nichtig.
Und: Als Kind faszinierte mich „Lawrence von Arabien“ und die verschiedensten Märchenverfilmungen von „1001 Nacht“, später dann „Dune-Der Wüstenplanet“.
Dazu gehörte auch, mich in die verschiedenen Arten von Wüsten einzulesen, und ich fand es erstaunlich, wie viele verschiedene Sorten es gibt. Einfach NUR Sand wäre zu langweilig. Oder welche Lebewesen an diesen Orten leben, trotz Hitze, Trockenheit und eisigen Nächten. Auch das war faszinierend.

Die Protagonisten sind ein Halunke mit Robin Hood Allüren und eine gesetzestreue Scharfrichterin mit einem dunklen Geheimnis. Wer von den beiden ist Dir sympathischer?

Oh, schwere Frage. Ich mag Tomeija, weil sie so ganz ruhig bleibt und versucht, die Übersicht in jeder Lage zu behalten, während Liothan mehr mit Herz und großer Klappe vorgeht, um sowohl für Gerechtigkeit zu sorgen… sagen wir, seine Art von Gerechtigkeit, die durchaus auch ein bisschen Selbstbereicherung beinhaltet. Entscheiden kann ich mich zwischen beiden nicht.

Bei welcher Szene hattest Du besonders viel Spaß beim Schreiben?

Wundert es Dich jetzt, wenn ich den Verwesungsturm ins Spiel bringe?  Diese Szene -so eklig sie ist- brachte ziemlichen Spaß, auch wenn Tomeija dabei ganz schön in die Bredouille kam. Aber das ist ja der Job der Heldin.
Eine andere war mit Irian, als er in der Wüste seinen eigenen kleinen Krieg anzettelt. Dieser Charakter machte schon ordentlich Laune, weil er in einer ganz eigenen Welt lebt, wofür er von den einen als wahnsinnig angesehen, von den anderen bewundert wird. Verfolgungsjagden zu Fuß müssen auch sein, gerade in einer Stadt wie dieser.

Was hast Du noch an Ideen in dieser Schublade liegen, aus der „Wédōra“ jetzt entstand? Erwarten uns bald noch mehr Romane zu lange gehegten Ideen?

In der Schublade liegt tatsächlich noch Älteres, handgeschrieben und nur angerissen, ein SF-Roman, aber wer weiß? Wenn sich die Gelegenheit ergibt und es sich richtig anfühlt, werde ich das aufgreifen. Leider lag da auch mal die Idee von einem Einhorn, dessen Horn vom Bösen gestohlen wird, weil man damit die schlimmste Dunkelheit heraufbeschwören kann – tja, und dann kam „Legende“ ins Kino, und ich konnte diese Sache vergessen. Pech gehabt.
Aber der nächste Roman für Frühjahr 2017 ist bereits im ersten Durchgang fertig, und diese Idee schleppe ich immerhin seit 2012 mit mir herum: Mystery, ein bisschen Thriller, ein bisschen Horror. Und ein Alltagsgegenstand. Dieses Mal habe ich nicht so lange gewartet. Da war die Zeit definitiv schneller reif. Und ja: Es ist wieder was komplett Neues.

Ich hoffe, aus der Einhorn-Idee wird vielleicht doch eines Tages noch ein Buch. Ein Einhorn von Dir wäre definitiv lesenswert. Vielen Dank für Deine Zeit und die tollen Antworten!

"buchhandel.de/

Markus Heitz »Wédōra – Staub und Blut«
Knaur Verlag, 608 Seiten
ISBN 9783426654033, 16,99 €
Broschur

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eBook
ISBN 9783426434512, 14,99 €

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