Buchhandel & eBooks Szenen eines Buchhändlerlebens

Digitale Verlagsvorschauen – hui oder pfui?

28. Mai 2015

 Vorschauenhellkl

Langsam aber sicher wird es ernst, die ersten Systeme stehen in den Startlöchern oder sogar schon bereit, die digitalen Verlagsvorschauen kommen. Wahrscheinlich erst einmal parallel zu den gedruckten auf Papier, aber Random House rechnet damit, ab 2017 keine Vorschauen mehr drucken zu müssen. Buchmarkt „Keine gedruckte Vorschau mehr ab 2017?“

Wer bei digitalen Verlagsvorschauen an das denkt, was die Verlage momentan auf ihren Webseiten zum Download anbieten, der denkt zu kurz. Dort findet man aktuell nur statische PDFs, ohne die Funktionen, die für uns Buchhändler zur Bearbeitung essentiell sind.

Wenn wir Verlagsvorschauen durchsehen, werden die mit Eselsohren versehen, Notizen hinterlassen, mit Meinungen, Bestellmengenwünschen oder auch Fragen, es werden Post-its geklebt, mit verschiedenen Farben markiert… um am Ende demjenigen, der die Bestellung ausführt, die Meinung verschiedener Kollegen gemeinsam zu präsentieren.

Das ist ein wesentlicher Punkt, den auch digitale Verlagsvorschauen erfüllen müssen, wenn sie für den Buchhändleralltag tauglich sein wollen. Das haben verschiedene Anbieter erkannt und umgesetzt.

Welche Vorteile haben digitale Vorschauen, gegenüber den seit vielen Jahren gewohnten gedruckten Ausgaben?

  • Papierberge, Druck- und Versandkosten werden eingespart. Es sind wirklich Berge an Papier, die zweimal jährlich in den Buchhandlungen eintrudeln, das Bild zeigt nur einen winzigen Teil davon. Unnötigerweise oft teuer auf Hochglanzpapier gedruckt, mit den verschiedensten Veredelungen, um in der Masse überhaupt aufzufallen. Paketbote möchte man zu der Zeit nicht sein.
  • Filialübergreifende Zusammenarbeit und gebündelte Bestellungen werden vereinfacht. VLB-TIX und edelweiss, zwei Systeme die für digitale Vorschauen entwickelt wurden, bieten die Möglichkeit Kommentare und Notizen zu hinterlassen, die in geschlossenen Kollegengruppen auch geteilt werden können. Gemeinsames bestellen ist hier auch möglich, jede Filiale gibt ihre Bestellmenge an, die gebündelte Bestellung wird verschickt, im Warenwirtschaftssystem wird die Bestellung mit der Aufteilung auf die Filialen erfasst. Das erleichtert die Kommunikation beim Bündeln von Bestellungen enorm.
  • Mobil und zuhause arbeiten ist möglich. Die Systeme können auch am Tablet genutzt werden, oder man greift vom heimischen Rechner darauf zu. Vorbei die Zeiten, in denen Buchhändler kiloweise Vorschauen nach Hause und wieder in die Buchhandlung tragen, weil man zuhause mehr Zeit und Ruhe für diese Arbeit hat.
  • Marketingmaterialien werden zur Verfügung gestellt. Teilweise bekommt man die auch auf den Verlags-Webseiten, muss sich dafür aber oft auf den Seiten anmelden. Statt unzähliger Passwörter hat man hier alles in einem Portal.
  • Budgetkalkulation wird erleichtert. Blättert man durch die Vorschauen und kreuzt mal hier, mal dort einen Titel an, verliert man leicht den Überblick, wieviel gerade zusammen kommt. In der digitalen Vorschau kann man ein Budget angeben und behält leichter den Überblick, auch verlagsübergreifend.
  • Verlagsübergreifende thematische Suche nach Stichworten ist möglich. Nützlich wenn zum Beispiel Büchertische zusammengestellt werden. Das ist auch ein Vorteil für kleinere Verlage, die hier mit abgefragt und aufgeführt werden.

Eselsohren sind auch virtuell möglich, in den digitalen Verlagsvorschauen nennen sie sich Merklisten. Die digitale Nutzung der Vorschauen wird eine Umstellung sein, bietet aber neben den gewohnten und benötigten Anwendungen einige Vorteile. Die genannten sind nur ein Teil davon.

Drei verschiedene Systeme gibt es momentan für digitale Vorschauen:

  • VLB-TIX, angeboten von der MVB und Newbooks Solutions, aktuell in der Pilotphase, geplanter Start im 4. Quartal 2015
  • edelweiss, angeboten von Above the Treeline /Harenberg, in der Einführungsphase
  • Novi24, angeboten von Softpoint/eBuch, seit 2010, Release Januar 2015

Einen Vergleich der drei Systeme findet man im Börsenblatt Artikel „Ein Rennen um Mehrwert und Relevanz“. Dort gibt es auch eine sehr gute Übersicht der wesentlichen Punkte im Vergleich zum Download. Wichtige Unterschiede sind zum Beispiel der Datenbestand neben den angebotenen Funktionen.

VLB-TIX und edelweiss bieten kostenlose Webinare für Buchhändler und andere Interessierte an. Digitale Vorschauen sind nicht nur für Buchhändler gedacht, auch Bibliothekare, Journalisten, Vertreter und Blogger gehören zu den Zielgruppen.

Für die ist die Nutzung der Vorschauen kostenlos, die Verlage zahlen je nach System unterschiedliche Beiträge. Sparen im Gegenzug aber Druck- und Versandkosten, wenn sich die Nutzung der digitalen Vorschauen in den nächsten Jahren durchsetzt.

Meiner Meinung nach ein eindeutiges „hui“ für die digitalen Verlagsvorschauen, erste Einblicke in Webinaren haben mir das bestätigt, ich freue mich darauf, bald damit arbeiten zu dürfen.

Teile diesen Beitrag:

12 Kommentare

  • Antworten Sabrina 28. Mai 2015 von 23:29

    Also von mir auch ein HUI! Wenn das System stimmt. Nur eine sture PDF ist das nicht hilfreich, aber ich finde die Berge an Papier, wenn dann doch mal die gedruckte Vorschauen eintrudeln doch sehr sehr viel.

    • Antworten Papiergeflüster 30. Mai 2015 von 18:36

      @Sabrina Und nach einem halben Jahr spätestens landet alles in der Tonne. :(

      • Antworten Sabrina 3. Juni 2015 von 11:34

        richtig. entsorgt werden muss das ganze dann ja auch wieder. eigentlich total sinnfrei.

        • Antworten muprl 3. Juni 2015 von 17:35

          Wenn wir, oder unsere lieben Schülerpraktikanten Zeit haben, schneiden wir aus den Kinderbuchvorschauen Bildchen aus, die dann auf die Geschenkverpackung für Kinderbücher geklebt werden. :-) Klingt vielleicht gaga, aber wir haben kein extra Kinderpapier und daher ist das eine gute Resteverwertung.
          Aber Ihr habt ja total recht. Ökologisch und wirtschaftlich betrachtet sind die gedruckten Vorschauen so sinnvoll wie Cocktailschrimchen. ;-)

  • Antworten muprl 30. Mai 2015 von 11:06

    Die Funktionen der digitalen Vorschauen klingen super. Ich habe das auch schon vor ein paar Wochen ausprobiert und war aber erst mal von der Optik enttäuscht. Außerdem musste ich leider feststellen: Für meine kleine Buchhandlung ohne Filialen und mit einem überschaubaren Buchbestand macht das aufwendige System keinen Sinn. – Auch weil wir viel über die Barsortimente arbeiten und nur 2 Mitarbeiter sind.
    Für mich wäre der Verzicht auf gedruckte Vorschauen also derzeit definitiv ein Verlust. Aber wenn die digitalen Systeme aus ihren Testphasen heraus sind schaue ich mir das Ganze noch mal an.

    Übrigens: Ich hoffe auch sehr, dass neben der tollen Software auch bald mal etwas mehr in die Entwicklung von augenfreundlicher Hardware investiert wird. Nach einem Tag voller Bibliographiearbeit, Warenwirtschaft, Rechnungen schreiben, Homepage pflegen, Facebook aktualisieren, Plakate entwerfen, E-Mail-Korrespondenz u.s.w. ist bisher das Durchblättern einer Verlagsvorschau eine willkommene Entspannung für die Augen. Aber vielleicht bin ich da ja auch besonders empfindlich.

    • Antworten Papiergeflüster 30. Mai 2015 von 18:35

      @muprl: edelweiss ist wirklich noch nicht richtig schön, eher funktional. VLBTIX gefällt mir optisch besser, so weit ich es im Webinar schon gesehen habe. Aber das Argument mit den bildschirmmüden Augen am Abend kann ich wirklich gut verstehen. :)

      • Antworten muprl 3. Juni 2015 von 17:26

        Ich bin schon gespannt auf VLBTIX – da konnte ich nämlich bisher noch nicht reingucken. Nur edelweiss und das andere im Börsenblatt aufgelistete System. (Novi24?)

        • Antworten Papiergeflüster 3. Juni 2015 von 19:33

          @muprl bei VLBTIX gibt es auch immer wieder kostenlose Webinare, einfach mal anmelden. :)

  • Antworten Michael 30. Mai 2015 von 17:28

    Wow, dieser Beitrag ist echt hui! Kompakt informiert + hilfreiche Links. Top. Bin vor einigen Wochen zufällig auf edelweiss gestoßen und hab mich gefragt, ob es da auch andere Systeme gibt. Jetzt habe ich alles zum Thema auf einen Blick. Danke!
    Bin gespannt, wie es in dem Bereich weitergeht.

    • Antworten Papiergeflüster 30. Mai 2015 von 18:34

      @Michael: vielen Dank, freue mich sehr, wenn es weiter geholfen hat. :)

  • Antworten Judith 31. Mai 2015 von 22:24

    Danke für diesen Beitrag! Für mich als Bloggerin ists natürlich um einiges praktischer, die Bücher der Verlage online anschauen zu können. Und auch unkomplizierter und schneller.

    Aber eine Frage: Werden die Kataloge für jeden zugänglich sein? Und wäre es nicht sinnvoller, die Kataloge in eine Homepage einzubetten anstatt dafür ein eigenes System (also edelweiss etc.) nutzen zu müssen?

    liebe Grüße,
    Judith

    • Antworten Papiergeflüster 1. Juni 2015 von 06:29

      @Judith: Ja, VLB TIX und edelweiss sind für alle zugänglich. Man muss sich registrieren, aber für Buchhändler, Blogger und Journalisten ist das kostenlos.
      Sie sind auf Homepages integriert, man muss nichts installieren.
      Liebe Grüße
      Simone

    Hinterlasse eine Antwort