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Kinder-/Jugendliteratur

Besprechungen Hörbücher Kinder-/Jugendliteratur Phantastik

Eoin Colfer – Der Atlantis-Komplex, Artemis Fowl VII (Hörbuch)

26. September 2012

 

Artemis zweifelt selbst an seinem Verstand. In lichten Momenten ist ihm klar, dass dieser Verfolgungswahn und die Fixierung auf die Zahl 5 nicht mehr gesund sein können. Kurz darauf, kann er sich selbst nicht mehr an seine Zweifel erinnern. Auch Holly fällt auf, dass Artemis sich sehr merkwürdig verhält. Leidet er etwa am Atlantis-Komplex? Gerade jetzt, wo sie mal wieder die Welt retten müssten?

Entweder ich entwachse Artemis Fowl langsam, oder die Bücher werden wirklich immer weniger spannend. Lesen wollte ich den Atlantis-Komplex schon nicht mehr, als Hörbuch wollte ich es dann noch einmal versuchen. Rufus Beck soll ja auch so großartig lesen. Ich wurde aber leider auch mit dem Hörbuch nicht wirklich warm.

Wirklich neu war die Geschichte nicht, wie es ausgeht war auch klar. Es gibt keine großen Überraschungen, was der Spannung nicht unbedingt gut tut. Viele alt bekannte Tatsachen und Spleens der Charaktere werden wieder aufpoliert, neues kommt wenig dazu. Die Welt hat Artemis schon einige Male gerettet, warum sollte es diesmal anders sein?

Rufus Beck liest wirklich gut, aber ich kam mit der Interpretation einiger Charaktere nicht zurecht. Das ist reine Geschmackssache, aber ein dämlich wiehernder Foley widerspricht einfach meinem Bild dieses hochintelligenten Zentauren. Warum der Zwerg Mulch Diggums mit bayerischem Dialekt sprechen sollte, hat sich mir auch nicht erschlossen. Das kommt davon, wenn man erst nach etlichen Bänden in Buchform mit den Hörbüchern beginnt, man hat schon eigene Bilder der Figuren im Kopf. Die sich nicht immer mit denen decken, die der Sprecher darstellt.

Für mich leider der letzte Artemis Fowl Band, der die meiste Zeit an mir vorbei plätscherte, ohne mich wirklich fesseln zu können.

Hörbuch

Der Atlantis-Komplex
Autor Eoin Colfer
Sprecher Rufus Beck
Länge 7 Stunden 42 Minuten (gekürzt)
Genre: Jugend-Hörbücher

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

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Besprechungen Kinder-/Jugendliteratur Phantastik

Cornelia Funke – Lebendige Schatten, Reckless II

30. August 2012

 

Der Preis für die Rettung seines Bruders war groß. Die dunkle Fee hat ihn verflucht, auf seiner Haut blieb eine Motte zurück. Sechs Mal wird sie zubeißen, dann wird Jacob sterben. Er versucht alles, um den Fluch aufzuheben. Immer an seiner Seite ist Fuchs. Seine letzte Hoffnung ist ein seltenes Artefakt, doch auch der Goyl Nerron ist auf der Jagd danach. Wer wird schneller sein? Jacob, Nerron oder der Tod?

Der zweite Band von Reckless gefiel mir wesentlich besser als der erste. Blieben die Figuren in „Steinernes Fleisch“ noch recht flach, so gewinnen sie hier endlich an Format. Wir erfahren wie Jacob in die Spiegelwelt kam, was er erlebte, welche Freunde er fand. Auch Fuchs erzählt ihre Geschichte und erhält damit mehr Tiefe.

Cornelia Funke lässt auch hier wieder etliche Märchen lebendig werden, belebt die Welt hinter dem Spiegel mit unzähligen Figuren, die uns bekannt sind. Aber auch hier bleibt die Zeit nicht stehen, die Modernisierung hält Einzug. Ein beängstigender Gedanke.

Die Suche nach dem lebensrettenden Artefakt folgt leider ziemlich dem wohl bekannten Schema F. Ein Hinweis, fast da, Problem, Problem gelöst. Der nächste Hinweis, fast da, Problem, Problem gelöst. Vor allem die Lösung der Probleme ging doch meist recht fix. Wirkliche Spannung wollte da nicht immer eintreten, ahnte man doch schon, was auf den nächsten Seiten passieren wird. An manchen Stellen kam mir auch die Logik zu kurz. Einmal liegt Jacob nach dem Biss der Motte noch lange flach, ein anderes Mal duelliert er sich kurz darauf auf Leben und Tod. Dass ein erfahrener Schatzjäger das Wortspiel im Namen seines geheimen Verbündeten nicht versteht, schien mir auch nicht ganz verständlich.

Die Atmosphäre des Buches und die hier wirklich schön gezeichneten Figuren ließen mich allerdings die Lektüre trotzdem genießen. Es gab etliche Charaktere, denen ich gerne im dritten Band wieder begegnen würde, um sie noch besser kennen zu lernen.

Ein märchenhaftes Abenteuer mit schönem Flair, dem auch Kritiker des ersten Bandes sicher etwas abgewinnen können.

Lebendige Schatten, Reckless II – Cornelia Funke
416 Seiten, Dressler Verlag
ISBN 9783791504896, 19,95 €
Hardcover

Erstverkaufstag 06.09.12

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Besprechungen Hörbücher Kinder-/Jugendliteratur

Yves Grevet – Méto, Das Haus (Hörbuch)

26. August 2012

Méto lebt zusammen mit 63 anderen Jungen in einem Haus, in dem strenge Regeln herrschen. Jeder Schritt ist genau vorgegeben, jede Abweichung strengstens verboten. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird von den Cäsaren hart bestraft. Keiner der Jungen kann sich an eine Zeit vor dem Haus erinnern. Oder weiß, was danach mit ihnen passieren wird. Nur eines ist sicher, sobald ihr Bett bricht, verschwinden die Jungen. Méto beschließt, dem auf den Grund zu gehen. Was steckt hinter all diesen Regeln? Wer hält sie hier wie Gefangene und warum?

„Méto, Das Haus“ ist der erste Band einer neuen Jugendtrilogie. Den Pressestimmen nach soll es Fantasy-Elemente haben. Die ich als Fantasy-Leser hier aber so minimal finde, dass ich das Buch niemals als Fantasy-Titel eingeordnet hätte. Für mich ist es eher ein Thriller, und damit mal wieder Buch, das ich auch Jungs sehr empfehlen kann.

Der Leser ist anfangs genauso ahnungslos wie die Jungen, die im Haus leben. Zusammen mit einem Neuling lernt er die strengen Regeln kennen, um dann zusammen mit Méto langsam die dunklen Geheimnisse hinter allem aufzudecken. Die Unwissenheit wird ganz langsam in wohldosierten Happen gemindert, die die Spannung kontinuierlich bis zum Ende aufrechterhalten.

Die Kürzungen im Hörbuch fielen nicht auf, der Sprecher Rainer Strecker passt wunderbar zum Text und fesselte mich schon nach wenigen Minuten.

Das Ende lässt einen den nächsten Band schon herbei wünschen, auch wenn die Handlung teilweise abgeschlossen ist. Es gibt noch etliche Fragen zu klären, Band zwei und drei werden von mir sehnsüchtig erwartet.

Hörbuch

Méto, Das Haus
Autor Yves Grevet
Sprecher Rainer Strecker
Länge 3 Stunden 52 Minuten (gekürzt)
Genre: Jugend-Hörbücher

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 10,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

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Belletristik Besprechungen Kinder-/Jugendliteratur

John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter

30. Juli 2012

Hazel ist 16 Jahre alt und hat Krebs. Sie weiß, dass sie nicht mehr lange leben wird. Deshalb beschließt sie, keine Freundschaften oder gar eine Beziehung einzugehen. Sie will Kollateralschäden vermeiden, wenn sie dann eines Tages gehen muss. Es sollen nicht mehr Menschen darunter leiden müssen, als sich nicht vermeiden lässt. Doch dann trifft sie Gus in der Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder und alles ändert sich. Er hilft ihr, sich ihren größten Wunsch zu erfüllen, den Autor ihres Lieblingsbuches zu treffen. Um ihm die Fragen zu stellen, die ihr schon lange auf der Seele brennen. Gus und Hazel haben beide ihre Handicaps, aber sie lassen sich nicht unterkriegen. Und das Leben gewinnt wieder neuen Wert für sie beide. Auch wenn sie wissen, dass es nicht für ewig sein wird.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ stürzt den Leser in eine Gefühlsachterbahn. Das Grundthema ist traurig und wird nicht geschönt. Ohne Weichmalerei werden die schrecklichen Seiten des Krebses beschrieben. Aber Hazel und Gus haben ihre ganz eigene Art, mit diesem Schicksal umzugehen, die von einem trockenen Humor geprägt ist. Der einen beim lesen immer wieder schmunzeln und sogar lachen lässt.

Nicht nur der Kampf gegen den Krebs und die zarten Bande einer Jugendliebe werden hier thematisiert. Auch der Umgang der Eltern mit ihren kämpfenden und sterbenden Kindern wird immer wieder beschrieben. Wie kann man alte Freundschaften aufrechterhalten, wenn man selbst inzwischen in einer ganz anderen Welt lebt, als die Freundin, für die Jungs und Shoppen momentan das einzig Wichtige im Leben sind?

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hat mich berührt, wie schon lange kein Buch mehr. Auf allen möglichen Gefühlsebenen. Es hat mich nachdenklich gemacht. Und trotz aller Traurigkeit mit einem warmen und positiven Gefühl zurück gelassen. Damit ist es mein absoluter Buchtipp für alle, die dem Ernst des Lebens ins Gesicht schauen können und nicht nur leichte Unterhaltung suchen.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter – John Green
286 Seiten, Hanser Verlag
ISBN 9783446240094, 16,90 €
Hardcover

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Besprechungen Kinder-/Jugendliteratur Phantastik

Tahereh Mafi – Ich fürchte mich nicht

23. Juli 2012

 

Juliette wurde weggesperrt, in einer Irrenanstalt. Nicht weil sie verrückt wäre, viel schlimmer. Ihre Berührung ist tödlich. Selbst ihre Eltern hatten zuviel Angst vor ihr. Seit fast einem Jahr hat sie keine Menschenseele mehr gesehen, mit niemandem gesprochen. Doch dann ändert sich alles. Sie soll als Waffe missbraucht werden, den Machthabern als Folterknecht dienen. Die Welt hat sich verändert, seit sie eingesperrt wurde. Kann und will sie, die eigentlich nie jemandem Leid antun wollte, diese Rolle erfüllen? Wem kann sie vertrauen? Ist sie wirklich ganz alleine auf der Welt?

“Ich fürchte mich nicht” wird für Biss-Leser angepriesen, was mich erst einmal abschreckte. Biss-Leser werden nicht enttäuscht werden, es gibt wirklich eine schöne Liebesgeschichte. Aber sie ist nicht halb so kitschig und blumig wie bei Bella und Edward. Das lässt schon die hier gezeichnete dystopische Welt nicht zu. Düster, beinahe hoffnungslos, aber nur beinahe. Natürlich gibt es Widerstand gegen die Obrigkeit. Die sich langsam entwickelnde Romanze ist nur ein Teil der spannenden Handlung, actionreiche Szenen sind wesentlich häufiger als Liebesszenen.
Seine Sprache macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Juliette flüchtet sich in Bücher, seit sie lesen kann. Ihre Gedanken lesen sich sehr bildhaft und intensiv. Es ist auch das erste Mal, dass mir in einem Buch durchgestrichene Wörter auffielen, eine Schreibweise, die aus Blogs bekannt ist.

Auch “Ich fürchte mich nicht” ist mal wieder der erst Band einer Reihe. Es endet so spannend, dass ich zu gerne gleich weiter gelesen hätte. Denn jetzt geht es in eine Richtung, die mir wirklich gut gefällt. Welche das ist, würde zuviel verraten, deshalb schweige ich.

Endlich mal wieder ein Jugendbuch, das mich wirklich begeistert hat, auch wenn es ein paar Klischees der Dystopie eindeutig erfüllt. Teile der Handlung bleiben bis zu letzt rätselhaft, was einen spätestens die zweite Hälfte des Buches regelrecht verschlingen lässt.

Ich fürchte mich nicht – Tahereh Mafi
318 Seiten – Goldmann Verlag
ISBN 9783442313013, 16,99€
Hardcover

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Besprechungen Hörbücher Kinder-/Jugendliteratur Phantastik

Nina Blazon – Wolfszeit (Hörbuch)

12. Juni 2012

 

 

Frankreich, 18. Jahrhundert. In der Auvergne geht eine Bestie um, immer wieder fallen ihr junge Mädchen zum Opfer. Der König schickt eine Gesandtschaft aus, um das Geheimnis der Bestie zu lösen. Welches Tier fällt immer wieder Menschen an? Es wird von einem wolfsähnlichen Wesen berichtet, aber ein Wolf würde sich niemals so verhalten? Gibt es vielleicht noch eine menschliche Bestie, einen Mörder, der die schlimmen Zeiten nutzt um zum Spaß zu töten? Thomas Auvray ist Naturwissenschaftler und Teil der königlichen Delegation. Auf der Suche nach der Bestie lernt er Isabelle kennen, die einer Attacke des Monsters gerade noch entkommen konnte. Doch auch Isabelle hat ein Geheimnis.

In „Wolfszeit“ hat Nina Blazon die bekannte Geschichte der Bestie aus dem Gévaudan neu interpretiert. Im 18. Jahrhundert gab es dort tatsächlich eine Reihe bestialischer Morde, die einem wolfsähnlichen Tier zugeschrieben wurden. Das mich „Wolfszeit“ nicht wirklich packen konnte, lag wahrscheinlich daran, dass ich schon verschiedene Bearbeitungen dieser Geschichte gelesen und gesehen habe, die nicht für Jugendliche geeignet waren.

Thomas und Isabelle sind interessante Charaktere, denen ich gerne gefolgt bin. Die familiären Verstrickungen von Isabelle haben mit der Geschichte des Wolfs allerdings wenig zu tun und konnten mich nicht wirklich fesseln. Das Verwirrspiel um ihre Herkunft war etwas konstruiert, wenn auch nicht unmöglich. Die Geschichte der Bestie bietet den Rahmen für die Geschichte, die unvermeidliche Liebesgeschichte passt sich gut hier ein.

Dass ich einen Großteil des Buches nebenbei hörte lag, wie bereits geschrieben, nicht an der Geschichte selbst. Ohne Vorkenntnisse der Ereignisse im Gévaudan hätte sie mich wahrscheinlich deutlich mehr gefesselt. Als Jugendbuch-Aufbereitung der Werwolf-Geschichte ist sie wirklich sehr gelungen. Wer die härteren Varianten von Markus Heitz oder den Film „Pakt der Wölfe“ kennt, der wird hier eine wesentlich sanftere Version vorfinden.

Die Hörbuch-Adaption mit Simon Jäger als Sprecher ist empfehlenswert, seine Stimme passt sehr gut zur Atmosphäre des Buches.

Hörbuch

Wolfszeit
Autor Nina Blazon
Sprecher Simon Jäger
Länge 8 Stunden 54 Minuten (gekürzt)
Genre: Biografien & Erinnerungen

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 17,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

 

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Besprechungen Kinder-/Jugendliteratur

Alina Bronsky – Spiegelkind

11. April 2012

Juli ist ganz normal. Das ist wichtig, in einer Welt, in der Menschen in Normalos und Freaks eingeteilt werden. Ein Normalo möchte auf keinen Fall ein Freak sein, damit steht man außerhalb der Gesellschaft. Von einem Tag auf den anderen stellt sich Julis Welt auf den Kopf. Ihre Mutter verschwindet, niemand will ihr sagen, was los ist. Nur eines hört sie immer wieder: ihre Mutter ist eine Phee. Wesen, die wegen ihrer besonderen Fähigkeiten von den Normalos gefürchtet werden. Was ist mit ihrer Mutter geschehen? Und was bedeutet das für Juli? Ist sie selbst eine Phee? Kann sie ihre Mutter finden?

„Spiegelkind“ spielt in Welt, die unserer gar nicht so fern ist. Die Trennung zwischen Freaks und Normalos ist hier überspitzt, die Pheen bringen ein wenig Phantastik mit hinein. Aber auch bei uns gilt es doch oft als erstrebenswert, möglichst wenig aufzufallen. Damit ist „Spiegelkind“ eine weitere der gerade so modernen Dystopien, aber eine sehr gelungene.

Da es der Auftakt einer Trilogie ist, bleiben noch etliche Fragen am Ende ungeklärt. Aber nicht mehr, als sonst auch bei Reihen üblich. Ich habe schon erste Bände gelesen, in denen wesentlich weniger geklärt wurde. Die Fragen, die sich als roter Faden durch den ganzen Roman ziehen, halten die Spannung dauerhaft hoch.

Die phantastischen Elemente bringen Abwechslung rein, weil sie nicht in das Standard-Schema Fantasy passen. Es gibt keine Vampire oder ähnliches, die Pheen haben zwar deutlich erkennbare Vorbilder, aber auch etliche ganz eigene Eigenschaften.

Einen großen Pluspunkt gebe ich dem Buch dafür, dass es endlich mal wieder ein Jugendbuch ohne Liebesgeschichte ist. Nicht einmal ansatzweise, kein bisschen Liebe. Die Charaktere konzentrieren sich ganz auf ihre Probleme, Freundschaft und Familie stehen im Vordergrund. Eine angenehme Abwechslung auf dem aktuellen Jugendbuchmarkt.

„Spiegelkind“ ist der spannende Auftakt einer neuen Trilogie, interessante Gesellschaftskritik ohne das obligatorische Liebesgesäusel.

Spiegelkind – Alina Bronsky
301 Seiten, Arena
ISBN 9783401067988, 14,99 €
Hardcover

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Besprechungen Kinder-/Jugendliteratur Krimis und Thriller

Rachel Ward – Den Tod vor Augen, Numbers II (Hörbuch)

3. April 2012

„Den Tod vor Augen“ ist die Fortsetzung zu „Den Tod im Blick“. Adam hat von seiner Mutter die furchtbare Fähigkeit geerbt, in den Augen der Menschen ihren Todestag zu erkennen. Er sieht nicht nur die Zahlen, er spürt auch kurze Eindrücke ihres Todes. Wird er friedlich oder gewaltsam sein? Dann geschieht etwas unheimliches, immer mehr Menschen tragen denselben Todestag in ihren Augen. Der 01.01.2028. Und sie werden alles andere als friedlich sterben, eine Katastrophe steht bevor. Adam will nicht tatenlos zusehen, aber er kann die Zahlen nicht ändern. Trotzdem beschließt er zu handeln. Kann er tausende Tote verhindern?

Die Fortsetzung zu „Numbers – Den Tod vor Augen“ ist sehr gut gelungen, auch oder gerade weil sie anders ist als der erste Teil. Der mich auch schon fesselte. Adam hadert auch mit seiner Fähigkeit und versucht, die verborgen zu halten. Aber um Menschenleben zu retten muss er anderen davon erzählen. Er ist nicht alleine mit seiner besonderen Fähigkeit, Sarah hat Adam schon oft in ihren Träumen gesehen, bevor sie ihn kannte. Es waren keine schönen Träume. Neben dem Umgang der beiden mit ihren besonderen Fähigkeiten und der bevorstehenden Katastrophe spielt die Gesellschaft in diesem zweiten Band eine wichtige Rolle.

Der erste Band spielt noch in einer Welt, wie wir sie kennen. Doch wie wird sie in einigen Jahren aussehen? Hier ist es eine Welt der Kontrolle. Jeder Mensch bekommt einen Chip eingepflanzt, ist jederzeit und überall zu orten. Ohne die Möglichkeit sich, dagegen zu wehren. Wer aus dem Raster fällt, wird zum Gegner der Gesellschaft.

Klingt düster? Ist es auch. Das gesamte Buch besteht aus düsteren und spannenden Passagen, ein Grund, weshalb man sich nicht mehr davon trennen mag, hat man einmal damit begonnen. Das Hörbuch wurde von den beiden Sprechern Sascha Icks und Philipp Schepmann sehr stimmig umgesetzt. Einziges Manko: Warum quieksen so viele Männer, wenn sie eine Frauenstimme lesen? Frauen sprechen im umgekehrten Fall doch auch nicht extra tief. Spätestens wenn ein Mann eine schreiende Frau in diesem quieksigen Ton liest, sträuben sich mir die Nackenhaare. Es kam aber hier zu selten vor, als dass es mich vom Genuss des Hörbuches abgehalten hätte.

„Den Tod vor Augen“ ist ein sehr spannendes Hörbuch mit Gänsehautfeeling für alle Altersklassen, das man auch hören kann, ohne den ersten Teil zu kennen.

Hörbuch

Den Tod vor Augen, Numbers II
Autor Rachel Ward
Sprecher Sascha Icks und Philipp Schepmann
Länge 7 Stunden 5 Minuten (gekürzt)
Genre: Mystery & Gänsehaut

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 16,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

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Besprechungen Kinder-/Jugendliteratur Krimis und Thriller

Cory Doctorow – For the Win

12. März 2012

 

Viele Jugendliche überall auf der Welt spielen sie, Online-Rollenspiele. Die meisten von ihnen nur zum Spaß, aber für viele wurde das Spiel zum bitteren Ernst. Goldfarmer lassen Kinder und Jugendliche für sich arbeiten, sie verdienen ihr Geld mit dem spielen. Allerdings unter unglaublichen Bedingungen und nur für einen Hungerlohn. Wollen sie aussteigen, hat der Spaß ein Ende. Wei-Dong aus LA spielt eigentlich nur zum Vergnügen, lernt aber im Spiel einige der beruflichen Spieler kennen und rutscht in ihren Gewerkschaftskampf gegen die Ausbeuter. Mit Streik ist es nicht getan, schnell geht es um Leben und Tod. Denn die Spiele sind längst große Wirtschaftsräume, deren Ertrag sich die Bosse nicht entgehen lassen wollen.

Cory Doctorow beschreibt in „For the Win“ die unglaublichen Arbeitsbedingungen, unter denen viele dieser Spieler leiden müssen. Aber nicht nur die Welt der Spieler wird näher beleuchtet, auch die Arbeiterwelt in Asien allgemein. Ganze Städte, die nur aus und für Fabriken bestehen, und mit ihnen fallen. Mädchen die aus dem Dorf in die Stadt kommen, um das Geld für ihre ganze Familie zu verdienen und ausgebeutet werden. Gewerkschaften sind dort nicht gewollt, werden mit allen Mitteln verhindert.

Ihr Kampf gegen die übermächtigen Bosse ist Thema dieses Buches. Was passiert, wenn es mutige Menschen gibt, die sich erheben? Ebenso wie der wirtschaftliche Einfluss von Online-Rollenspielen. Teile des Buches ähneln einem Wirtschafts-Grundkurs, aber immer spannend und leicht verständlich anhand der Vorgänge in den Spielen erklärt.

Mir hat sich mit diesem Buch eine Welt eröffnet, die mir bisher unbekannt war. Ich wusste nichts über Goldfarmer und den Handel mit virtuellen Währungen. Anhand der ganz unterschiedlich positionierten Charaktere wird dem Leser gezeigt, wie es hinter den Kulissen zugeht.

Ein Buch, das nicht nur für Spieler interessant ist. Sozialkritisch und zum nachdenken anstoßend, ein wirklich großartiges Buch.

For the Win – Cory Doctorow
635 Seiten, Heyne
ISBN 9783453267527, 16,99 €

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