Szenen eines Buchhändlerlebens

Buchgeschichten: Sex sells…

10. Juli 2013

Vorwort:

Diese Geschichte ist jetzt fast ein Jahr alt. Inzwischen ist “Shades of Grey” längst gesellschaftsfähig, als damals der erste Band erschien, war das noch ein wenig anders. Lest selbst.

 

… aber doch nur heimlich. In den letzten Wochen war mit „Shades of Grey“ ein Roman auf der Bestseller-Liste gelandet, den man als „Pornographische Literatur“ einordnen kann. Auch wenn ich ihn ehrlich gesagt nicht schlimmer fand, als so manchen als historischen Roman getarnten Liebesroman. Was auch immer man von diesem Roman halten mag, er verkaufte sich prächtig. Aber nicht in unserer kleinen Vorortbuchhandlung. Ein Gespräch mit der Bibliothekarin vor Ort ergab, dass auch bei ihr noch niemand nach diesem Roman gefragt hatte. Warum wohl? Solche Bücher wollen die Leute anonym kaufen. Im Internet, oder einem Buchkaufhaus, aber nicht im Laden um die Ecke, wo sie mit „Grüß Gott Frau XY“ begrüßt werden und beim nächsten Besuch Gefahr laufen, gefragt zu werden, wie ihnen denn die letzte Bucherwerbung gefiel.

Eine Kundin fragte mich aber doch, nach einem schnellen Blick, ob auch ja niemand zuhört, ob ich es gelesen hätte.  Als ich meinte „Ja, zum Teil“ schaute sie mich erst erstaunt an und fragte dann voller Neugier „Und? Wie war es?“ Als gerade sonst niemand da war, hat sie es dann auch gekauft, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich werde ihr aber den peinlichen Moment ersparen und sie beim nächsten Besuch nicht fragen, wie es ihr denn gefiel.

Bei einem anderen Kunden hatte ich mehr Mühe, mich zusammen zu reißen. Er kam an den Kassentresen und fragte nach einem Zettel. Notierte etwas darauf und schob in mir rüber. Wieder dieser Blicke nach rechts, nach links, jemand in Hörweite? In verschwörerischem Ton teilte er mir mit: „Zu diesem Thema suche ich etwas“. Ich gestehe, ich war jetzt wirklich gespannt, was er da wohl notiert hatte. Es war dann aber doch halb so tragisch, „Bad Fucking“ hatte mich damals mehr verwirrt.

„Pornographie im Internet“ war das verheimlichte Interessengebiet. Wahrlich nichts schlimmes, solche Themen wischen mir nicht das freundliche Lächeln aus dem Gesicht. Auch wenn es mich ein wenig gereizt hat, die bekannte Werbung für Verhüterli zu imitieren. „Tina, haben wir was über Pornographie im Internet da?“

Mehr davon? Gibt es in “Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin”.

1 Kommentar

  • Antworten Thorsten Stolle 10. Juli 2013 von 21:00

    Grüss Gott,

    gerne möchte ich so beginnen.

    Ich finde, das Getue, wegen
    erotischer oder pornographischer Literatur sowas von Kleinkariert. Typisch Süddeutschland !

    Vor 14 Jahren habe ich mich aus beruflichen Gründen auf den Weg gemacht. Ich komme gebürtig aus Niedersachsen. In meiner Heimat, haben sich die Leute oftmals mit “Grüss Gott” begrüßt und sind anschliessend nach dem Gottesdienst in eine Kneipe verschwunden. Daraus hat niemand eine Schlagzeile gemacht.

    Doch hier, hier im Süden, da ticken die Uhren wirklich ein bisserl anders. Diese Welt muss man erlebt haben, denn sonst glaubt es einem keiner.

    Was ist bitte so schlimm daran ? Nichts, gar nichts !

    Sexualität ist etwas völlig normales, und solange nicht jeder promiskuitive Lümmel mit offener Hose um die Ecke schiesst, halte ich dieses Thema für ermüdend.

    Es sollte stattdessen, Freude bereiten, um unser aller Dasein etwas Kreativität zu verleihen.

    Doch in Süddeutschland, besonders im Schwarzwald könnte es noch einige 50 Jahre dauern. Haltet durch !

    Amen !

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