Szenen eines Buchhändlerlebens

Buchgeschichten: Bastelstunde

2. Dezember 2013

Bei der Gestaltung der Schaufenster ist nicht nur Sportlichkeit gefragt. Auch eine gewisse kindliche Ader hilft, wenn es ans basteln und austüfteln der Dekoration geht.

Dieses Jahr stellten wir fest, dass unser Vorrat an Papierschneeflocken zu klein ist, es mussten neue her. Allerdings ist es schon etliche Jahre her, dass ich Sterne oder Schneeflocken aus gefaltetem Papier geschnitten hatte. Ich kann mich zwar noch gut an die vorweihnachtlichen Bastelrunden erinnern, nur wie genau ich das damals gemacht hatte, blieb im Nebel der Nichterinnerung verschwunden.

Für die ersten Versuche hätte ich mich dann auch vor jedem Erstklässler schämen müssen. Geometrie war das einzige, was man diesen Schneeflocken vorwerfen konnte. Aber von der filigranen Schönheit ihrer Vorbilder waren sie weit entfernt. Wir hatten schon überlegt, den nächsten jungen Kunden mit Gummibärchen zu bestechen. Die können das ja mit links, wahrscheinlich auch mit verbundenen Augen. Dazu kam es dann aber doch nicht, das Internet hat uns dann gerettet. Es gibt nichts, was man dort nicht findet, auch Tipps und Anleitungen für Papierschneeflocken. Noch ein paar Übungseinheiten, schon waren wir wieder fit und unsere Schneeflocken konnten sich sehen lassen.

Auch das zweite Fenster, mit dem Thema Dinosaurier, weckte Erinnerungen an vergangene Zeiten. Wer kennt sie nicht mehr, die Starschnitt-Poster aus der Bravo? So wie wir uns damals die „New Kids on the block“ zurecht klebten, können sich die Kinder heute riesige Dinosaurier basteln. Oder eben auch die Buchhändler. Mein enger Freund für diese Basteleinheit war ein Triceratops, der fertig geklebt größer war als ich. Nämlich ganze 1,13 m auf 1,87 m. Die Kunden schauten etwas überrascht, wie ich mit ellenlangen Papierbahnen mitten im Laden hantierte. Aber ganz ehrlich, mir hat es einen riesigen Spaß gemacht, mal wieder so richtig schön mit Uhu-Alleskleber spielen zu dürfen.

Kleiner Tipp am Rande für die Weihnachtsfenster, man sollte keinen losen Kunstschnee in Schaufenstern verwenden, die direkt neben der Tür liegen. Ein etwas windiger Tag und man findet noch im nächsten August Schneeflocken an den unmöglichsten Stellen im Laden.

Mehr Geschichten aus dem Buchhandel? Findet ihr in “Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin”

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort