Besprechungen Historischer Roman

Anthony McCarten – Licht

8. März 2017

Thomas Ava Edison war ein äußerst produktiver Erfinder. Unter anderem erfand er die erste Glühbirne und experimentierte viele Jahre mit Elektrizität. Mit Unterstützung seines Finanziers J. P. Morgan elektrifizierte er New York, lag aber immer im Streit mit der Konkurrenz. Seine Glühbirne funktionierte mit Gleichstrom, sein Kollege und Konkurrent Tesla erfand eine Glühbirne die mit Wechselstrom funktioniert. Edison verteufelte den Wechselstrom, war der Meinung er sei gefährlich und verwendete ihn selbst, um den ersten elektrischen Stuhl zu erfinden.

„Licht“ erzählt die Geschichte von Thomas Ava Edison, der schon als Kind stark schwerhörig wurde und sich mit seinen Ehefrauen hauptsächlich über Morsezeichen verständigte. Unterhaltungen mit ihm waren anstrengend, weil er es nicht leiden konnte, angeschrien zu werden. 80 Dezibel! Diese Ansage bekamen alle seine Gesprächspartner zu hören. Aber welcher Nicht-Wissenschaftler könnte damit schon etwas anfangen. Allgemein war Edison alles andere als ein sympathischer Mensch, seine Familie hatte es nicht leicht mit ihm, Freunde hatte er nur wenige.

Knallhart und ehrgeizig musste man zu der Zeit aber wohl auch sein, wenn man sich durchsetzen und nicht untergehen wollte, in der Welt der Wissenschaft. In einer Zeit, in der die Technik ihren großen Durchbruch hatte, eine Erfindung die nächste jagte und die Welt sich dermaßen schnell veränderte, dass es nicht wenigen Menschen zu schnell ging.

Viele bekannte Namen tauchen hier auf, man kannte sich in Erfinderkreisen, traf sich und belauerte sich. Bekriegte sich teilweise regelrecht, ging es ja nicht nur um Ruhm und Ehre, sondern immer auch ums liebe Geld.

„Licht“ ist keine Biographie, sondern wird aus der Sicht des dem Tode nahen Edison erzählt, ist bewusst damit nicht frei von Verzerrungen und Beschönigungen. Das macht dieses Buch aber auch zu etwas besonderem, selten mochte ich eine Geschichte so sehr, obwohl mir ihr Protagonist eigentlich zuwider ist. Sie fängt die Atmosphäre dieser Zeit der Veränderung ein, vermittelt das Erstaunen über die Wunder der Technik und lässt einen vieles, was uns heute längst selbstverständlich ist, mit einem Schritt Abstand sehen und bewusster wahrnehmen.

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Licht – Anthony McCarten
Deutsch von Gabriele Kempf-Allié und Manfred Allié
368 Seiten, Diogenes Verlag
ISBN 9783257069945, 24,00 €
Hardcover

eBook
ISBN 9783257607819, 20,99 €

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3 Kommentare

  • Antworten Wo viel Licht, ist auch viel Schatten | brasch & buch 10. März 2017 von 23:50

    […] finden auch Papiergeflüster und […]

  • Antworten Licht von Anthony McCarten oder Faust gibt es noch - Rezension 29. März 2017 von 17:25

    […] Rezensionen auf anderen Blogs Papiergeflüster Paper and […]

  • Antworten Elke Schneefuß 3. April 2017 von 15:30

    Anthony Mc Carten ist ein höchst interessanter Autor, allerdings empfinde ich seine Bücher als sehr unterschiedlich gelungen: Mit “Funny Girl” beispielsweise konnte ich wenig anfangen, “Der Englische Harem” dagegen hat mich von der Seite an gefangen genommen und gehört bis zum heutigen Tag zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Vielen dank für diese Rezension, sie ist gut geschrieben und hat mich neugierig gemacht!

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