Besprechungen Phantastik

Wolf G. Heimrath, Johann Wolfgang von Goethe – Werther, der Werwolf

5. Juni 2011

Der junge Werther wird von einem schwarzen Hund gebissen. Ein Unfall, er macht sich keine weiteren Gedanken darum. Kurz darauf lernt er Lotte kennen, die er zu einem Ball begleitet. Als ein Unwetter hereinbricht, geschieht das Unglaubliche. Anstelle seiner Hände sieht er behaarte Klauen! Was ist mit ihm? Ihm fiel schon auf, dass seine Sinne besser wurden, aber einen Zusammenhang zu dem Hundebiss sah er bisher nicht. Soll er sich wirklich in einen Werwolf verwandeln? Wo er doch gerade die Liebe seines Lebens kennen lernte?

„Werther, der Werwolf“ ist ein weiterer Titel aus der Reihe monströser Klassiker, die gerade gehäuft in der Phantastik auftauchen. Auch wenn ich immer ein wenig zweifelnd an diese Bücher herangehe, hier wurde ich schon zum zweiten Mal positiv überrascht. „Heidi und die Monster – Ein Alpendrama“ von Peter H. Geißen gefiel mir sehr gut, zumindest der Inhalt. Über das Cover lässt sich streiten. „Werther, der Werwolf“ überzeugte mich in beiden Punkten, auch das Titelbild ist hier sehr passend gewählt.

Wie das klassische Vorbild, wurde auch diese Parodie als Briefroman  verfasst. Ganze Passagen sind wortgetreue Zitate aus dem Original, stellenweise wurden sie der Handlung angepasst, dann wieder ganz eigene Handlungen hinzugefügt. Diese fügen sich sprachlich nahtlos ein, ich musste nachschauen, was genau zitiert wurde und was neuer Text war. Die etwas altmodische Sprache mag für den typischen Fantasy-Leser anfangs ungewohnt anmuten, sollte aber niemanden verschrecken. Man liest sich schnell ein, die spannende Handlung tut das ihre, den Leser bei Laune zu halten.

Auch wenn ich der Flut an Monster-Versionen altgedienter Klassiker eher kritisch gegenüber stehe, es gibt die eine oder andere Perle darin zu finden. „Werther, der Werwolf“ gehört für mich eindeutig dazu. Vielleicht trägt er ja auch dazu bei, die Berührungsängste mit Klassikern etwas zu mindern. Auch diese Bücher wurden einmal geschrieben, um zu unterhalten. Genießt man einfach mal nur den Text, ohne jedes Wort zu interpretieren, können sie wirklich Spaß machen. Dieser „Werther“ macht zumindest Lust, sich das Original noch einmal näher anzuschauen.

Werther, Der Werwolf – Wolf G. Heimrath, Johann Wolfgang von Goethe
192 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312481, 12,99 €

1 Kommentar

  • Antworten Bibliophilin 5. Juni 2011 von 16:52

    Ich finde den “echten” Werther toll. Goethe hat es wirklich vermocht, mich zu fesseln, so dass ich mit Werther mitgefiebert habe. Ein wunderbares Buch!

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