Besprechungen Phantastik

Terry Pratchett – Das Mitternachtskleid

13. Dezember 2015

Mitternachtskleid

Tiffany ist jetzt schon eine Weile Hexe und kümmert sich um ihre Leute. Denn Hexe sein bedeutet nicht, die ganze Nacht auf dem Besen reiten und es sich gut gehen lassen. Als Hexe kümmert man sich um all die Alten und Kranken, aber auch die Sorgenfälle, wie die Tochter, die von ihrem Vater so sehr verprügelt wurde, dass sie ihr eigenes Kind verlor. Sorgen, für die Tiffany eigentlich noch zu jung sein sollte, um sie zu verstehen, aber als Hexe ist das eben so. Wenn sie dafür wenigstens Anerkennung bekäme, aber in letzter Zeit schauen die Leute sie und auch andere Hexen merkwürdig an. Jemand schürt den Hass auf Hexen und dieser Jemand hat es auf eine ganz spezielle Hexe abgesehen. Eine Hexe, die schon den Winter küsste. Kann Tiffany auch dieser Herausforderung bestehen?

„Das Mitternachtskleid“ ist der vierte Band der Tiffany Reihe, die mit zu meinen Lieblingsreihen der Scheibenwelt zählt. Neben der TOD- und der Hexen-Reihe. Tiffany und die Wee Free Men sind einfach immer wieder großartig, mit einem sehr angenehmen Humor zwischen den ernsten Themen.

Tiffany versucht immer das Richtige zu tun, aber oft ist es für irgendwen doch verkehrt, egal was sie tut. Sie rettet Amber vor ihrem Vater, doch der bezichtigt sie der Entführung. Sie erleichtert dem König seine letzten Stunden und wird des Mordes angeklagt und des Diebstahls gleich noch obendrauf. Niemand glaubt ihr, schließlich ist sie eine Hexe. Und Hexen sind böse, das weiß ja wohl jedes Kind.

Was Verleumdung und tumbe Verallgemeinerung bewirken können, zeigt Pratchett in „Das Mitternachtskleid“. Was passiert, wenn Vorurteile einfach nachgeplappert werden, ohne die eigenen Gehirnwindungen einzuschalten. Ein Verhalten, dass mir momentan in den sozialen Medien viel zu oft begegnet, wenn rechte Parolen und Ausländerhass sich in einem Ausmaß verbreiten, der mir Angst macht. Daran wurde ich bei der Lektüre dieser Geschichte oft erinnert.

Das ist es, was die Bücher von Pratchett so besonders machen. Sie spielen in einer phantastischen Welt, aber die dient ihm dazu, unserer realen Welt den Spiegel vorzuhalten. Und selten ist es schön, was man darin sieht, auch wenn es hinter Humor verborgen ist. Man kann immer lachen bei seinen Büchern, aber ebenso oft hält man auch inne, denn tief in den Geschichten steckt immer ein Körnchen Wahrheit.

Terry Pratchett war ein Meister seines Fachs, der viel zu früh gehen musste. Auf sein letztes Buch, den fünften Band um Tiffany, freue ich mich einerseits, aber ich werde ihn auch schweren Herzens lesen. Es gibt noch etliche seiner über siebzig Werke, die ich noch entdecken kann. Und trotzdem wird dieses letzte Buch ein Abschied sein.

"buchhandel.de/

Das Mitternachtskleid, Tiffany IV – Terry Pratchett
Deutsch von Regina Rawlinson
416 Seiten, Goldman Verlag
ISBN 9783442478705, 9,99 €
Taschenbuch

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eBook
ISBN 9783641065850, 8,99

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