Besprechungen Phantastik

Tad Williams – Happy Hour in der Hölle, Bobby Dollar II

31. August 2014

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Bobby Dollar hat ziemlich viel Ärger am Hals, nachdem sein Freund Sam dem Himmel in die Quere kam und half, Seelen einen dritten Weg zu bieten. Aber es kommt noch schlimmer, der Anwaltsengel hat sich in die Gräfin Casimira von Coldshand verliebt, eine Dämonin. Dummerweise erhebt Großfürst Eligor, ein hohes Tier in der Hölle, Anspruch auf Caz. Bobby bleibt nichts andere übrig, als sich in die Hölle zu begeben um Caz aus Eligors Klauen zu befreien. Eine wenig angenehme Reise, bei der dem Engel ziemlich schnell etliche Dämonen auf den Fersen sind. Doch was tut man nicht alles für die Liebe…

„Happy Hour in der Hölle“ ist der zweite Band der Bobby Dollar Trilogie, bleibt aber von der weit verbreiteten „Zweiter-Band-Krankheit“ verschont. Hier wird nicht nur ein wenig erläutert was im ersten Band passierte und vorbereitet, was im dritten passieren wird, die Geschichte würde auch als eigenständiges Buch bestehen können. Obwohl es einfacher ist, der Handlung zu folgen, wenn man „Die dunklen Gassen des Himmels“ gelesen hat.

Bobby bleibt so wunderbar rotzig, frech sympathisch wie schon im ersten Band. Ich mag diesen unangepassten Engel sehr. Einige alte Bekannte tauchen hier wieder auf und bekommen ganz neue Seiten, zum Teil sehr überraschende. Mir wurden Engel sympathisch, denen ich das im ersten Band noch nicht zugetraut hätte, aber auch so mancher Dämon überraschte mit angenehmem Charakter, soweit das Dämonen eben möglich ist.

In der Hölle hat Tad Williams sich ideenmäßig heftigst ausgetobt. Dantes „Inferno“ ist nur eine seiner Inspirationsquellen, hier möchte man nicht mal Dämon in der Hölle sein. Der Gruselfaktor kommt natürlich nicht zu kurz, es gibt aber keine platte Aneinanderreihung verschiedenster Horroszenarien. Diese Hölle hat Format, eine komplexe Gesellschaftsordnung und Bewohner, die nicht den ihnen vorbestimmten Weg, klagend bis zum nie kommenden Ende, gehen wollen. Die Hoffnung haben. In einer Hölle, in der man niemals stirbt, was auch immer dem Dämonenkörper angetan wird. Bei allen grausamen Foltermethoden, die hier beschrieben werden, war das die Tatsache, die mich immer wieder am meisten schockierte.

Mit „Happy Hour in der Hölle“ hat Tad Williams wieder einmal Urban Fantasy mit Niveau geschaffen, selten leidet man so mit einem Engel mit. Pflichtlektüre für alle, die etwas mehr von Fantasy erwarten.

Happy Hour in der Hölle, Bobby Dollar II – Tad Williams
Deutsch von Cornelia Hofelder-von der Tann
565 Seiten, Klett-Cotta Hobbit Presse
ISBN 9783608938333, 22,95 €
Gebunden

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6 Kommentare

  • Antworten Dagmar Eckhardt 31. August 2014 von 21:00

    Die Tage dachte ich noch: ich warte noch auf Deine Rezension und entscheide dann, ob ich es lesen muss.
    Ich muss!

    • Antworten Papiergeflüster 31. August 2014 von 21:10

      @Dagmar hast Du den ersten gelesen? Wenn Dir der gefiel, auf jeden Fall 🙂

  • Antworten Dagmar Eckhardt 31. August 2014 von 21:13

    Und ob der mir gefiel! Damit wäre meine Urlaubslektüre schon mal geklärt.

  • Antworten Papiergeflüster 31. August 2014 von 21:21

    Viel Spaß! 🙂

  • Antworten Papyrus 11. September 2014 von 07:28

    Danke für diese Vorstellung. Ohne dich wäre Bobby Dollar an mir vorbei gegangen. So ist das, wenn man keine richtige Buchhandlung mehr sein eigen nennen kann. Ich freu mich jetzt also erstmal auf Band eins.

    • Antworten Papiergeflüster 11. September 2014 von 19:40

      @Papyrus wünsche Dir viel Spaß mit Bobby und Co. 🙂
      Ist leider so, wenn immer mehr Leute bei Amazon bestellen, aber das glaubt man uns ja erst, wenn es zu spät ist.

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