Belletristik Besprechungen

Sven Regener – Der kleine Bruder

21. Dezember 2008

Das erste Buch ist der dritte Teil, das zweite der erste und das dritte füllt die Lücke als zweiter Teil. Verwirrt? In „Herr Lehmann“ begegnen wir Frank Lehmann schon in Berlin, im später folgenden „Neue Vahr Süd“ wird seine Vorgeschichte beim Bund in Bremen erzählt. „Der kleine Bruder“ ist die Verbindung zwischen den beiden Büchern, er erzählt wie Herr Lehmann nach Berlin kommt und von seinen ersten beiden Tagen im West-Berlin der Achtziger Jahre.

Frank Lehmann fährt nach dem verfrühten Ende seiner Bundeswehrzeit zu seinem Bruder Manfred nach West-Berlin. Dummerweise konnte er ihn vorher nicht telefonisch erreichen, und muss nach seiner Ankunft feststellen, dass Freddie, wie ihn hier alle nennen, verschwunden ist. Anscheinend weiß auch niemand von seinen Freunden und Mitbewohnern, wo er abgeblieben ist. Also muss Frank sich alleine durchschlagen, dabei lernt er schnell einige Leute kennen, die wir schon aus „Herr Lehmann“ kennen, und erleben damit auch die Anfänge dieser Freundschaften. In diesen ersten zwei Tagen in Berlin lernt Frank jede Menge Hippies, Punks, Hausbesetzer (echte und unechte) und verdrehte Künstler kennen. Ein buntes Potpourri skurriler Persönlichkeiten.

„Neue Vahr Süd“ habe ich noch nicht gelesen, es steht hier auf dem Stapel ungelesener Bücher und wartet auf mich. Nach „Der kleine Bruder“ ist es ein gutes Stück weiter nach oben gewandert, auch weil ich oft gehört habe, es sei noch besser als dieser. Der gefiel mir nämlich schon sehr gut, er las sich flott und war sehr amüsant. Langeweile kam während der Lektüre nicht auf, ich wollte immer wissen wie es weiter geht. Es sind zwar nur zwei Tage aus Frank Lehmanns Leben, aber ziemlich ereignisreiche und chaotische Tage, die man gerne mit ihm verbringt. In manchen Kritiken ist die Rede von flachen Charakteren, was ich nicht so empfand. Eine ganze Reihe Charaktere wurde durchaus plastisch dargestellt, auch wenn Wiederholungen ständig gleicher Sätze als Stilmittel zur Erkennung ab und an etwas zu häufig eingesetzt wurden.

„Der kleine Bruder“ war eine sehr schöne Lektüre für zwischendurch, die 280 Seiten lesen sich sehr schnell weg, viel zu früh muss man Herr Lehmann alleine in Berlin zurück lassen. Vielleicht gibt es ja irgendwann noch einen Band, der die Jahre bis zu „Herr Lehmann“ füllt. Ich würde mich darüber freuen.

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