Besprechungen Sachbuch

Stefan Bollmann – Frauen und Bücher, Eine Leidenschaft mit Folgen

10. November 2013

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“Frauen und Bücher” erzählt über das Lesen und was es für Frauen bedeuten kann. Es beginnt im 18. Jahrhundert, als Frauen Bücher gerade erst für sich entdeckten. Und mit ihnen eine ungeahnte Freiheit fanden, zumindest zwischen den Buchdeckeln und in ihren Gedanken. Zu oft waren sie gefangen in den Konventionen. Gerade in der Provinz war das Leben einer Frau damals fast ganz auf ihren Haushalt begrenzt. Romane haben ihnen gezeigt, was außerhalb ihrer Grenzen existiert. Romane haben ihnen über all das berichtet, worüber man auch unter Frauen nicht spricht, weil es sich nicht geziemt. So manche Frau wollte sich danach nicht mehr in das enge Korsett der Gesellschaft pressen lassen. Kein Wunder, dass Männer bald meinten, Lesen wäre ungesund, der Psyche der Frauen bekäme das gar nicht gut. Doch ein paar bewundernswerte Frauen haben sich von diesen Zwängen befreit, nicht nur aber auch wegen der Bücher. Die sie lehrten, selbständig zu denken, selbständig sein zu wollen.

Auch im 19. und im 20. Jahrhundert gab es Frauen, in deren Leben Bücher eine ganz besondere Rolle spielten. Einige von ihnen werden hier vorgestellt, wie Mary Shelley Frankenstein, E. Marlitt, Jane Austen und Virginia Woolf. „Ulysses“ von James Joyce wäre ohne die Buchhändlerin Sylvia Beach vielleicht nie erschienen, die in Paris die bekannte Buchhandlung „Shakespeare and Company“ führte. Wie wird in Zukunft gelesen? Sind die Leserinnen von Shades of Grey die Leserinnen unserer Zeit? Wie stehen Autoren dazu, wenn ihre Leserinnen selbst zu Autoren werden und ihre Figuren und Welten verwenden?

Eine Geschichte des Lesens ist natürlich auch eine Geschichte der Literatur, aber nie zuvor hätte ich gedacht, dass Literaturgeschichte so interessant geschrieben sein könnte. Fesselnd wie ein Roman wird vom Beginn der Dichterlesungen erzählt, wie Klopstock reihenweise Damen zu Tränen rührte. Wie das Lesen in Gesellschaft üblich war, das gegenseitige Vorlesen die Wirkung von Texten noch intensivierte. „Frauen und Bücher“ zeigt aber auch die Geschichte der Frauen in der Gesellschaft und die Veränderung ihrer Rolle. All das anhand zahlreicher spannender Portraits von faszinierenden weiblichen Leserinnen und Schriftstellerinnen.

Mein Buchtipp für alle Frauen die selbst gerne lesen. Nach der Lektüre beobachtet man sich selbst beim Lesen, liest vielleicht sogar intensiver. Aber auch die Männer, die die Faszination verstehen wollen, die Bücher so oft auf Frauen ausüben, sollten einen Blick ins Buch riskieren. Ein Buch, das sich nicht nur wunderbar liest, sondern auch wunderschön gestaltet ist, wie es ein Buch über Bücher und die Liebe zur Literatur verdient.

Am Mittwoch, den 13. November 2013 liest Stefan Bollmann übrigens in der Stadtbücherei Würzburg.

„Frauen und Bücher, Eine Leidenschaft mit Folgen“ – Stefan Bollmann
443 Seiten, DVA Verlag
ISBN 9783421045614, 22,99 €
Gebunden

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1 Kommentar

  • Antworten Die Leserinnen entdecken „Frauen und Bücher“ | Frauen und Bücher 10. November 2013 von 22:02

    […] „Eine Geschichte des Lesens ist natürlich auch eine Geschichte der Literatur, aber nie zuvor hätte ich gedacht, dass Literaturgeschichte so interessant geschrieben sein könnte. Fesselnd wie ein Roman …“ Simone Dalbert, Papiergeflüster […]

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