Belletristik Besprechungen

Shane Jones – Thaddeus und der Februar

6. Januar 2010

Thaddeus

Kaum einer mag ihn wirklich, den Februar. Der Winter dauert schon viel zu lange, der Frühling steht vor der Tür, kommt aber einfach nicht herein. Stellt euch vor, das ginge nicht nur einen Monat lang so, sondern schon über ein Jahr. So lange schon währt der Februar in der Stadt der Ballonfahrer, von der hier berichtet wird. Nicht nur Schneemassen bedecken Straßen und Häuser, auch eine tiefe Traurigkeit legt sich über die Bewohner. Doch einige wollen nicht einfach aufgeben, sie versuchen alles, den Februar zu vertreiben. Allen voran Thaddeus.

„Thaddeus und der Februar“ ist eine sehr vielschichtige Erzählung, deren wahres Ausmaß sich erst gegen Ende offenbart. Dann lösen sich auch viele Fragen auf, die vielleicht während des Lesens entstanden. Ich mag es, wenn ich den Anfang des Buches im Nachhinein noch einmal mit ganz anderen Augen betrachten kann. Das ein oder andere bleibt vielleicht auch ungeklärt, aber selbst der Autor sagt in einem Interview, dass er wohl nicht alles erklären kann, was er schrieb.

Man muss auch gar nicht jeden Satz analysieren. Die Geschichte ist voller fantastischer Bilder, in denen man versinken kann. Sie lassen einen nicht mehr los, taucht man irgendwann wieder auf, hat man das Gefühl ein zauberhaftes Märchen gesehen zu haben. Ja, gesehen, nicht gelesen. Das Kopfkino sprang sofort an, noch zwei Tage nach dem Lesen habe ich eine Unmenge an Bildern im Kopf, wenn ich an das Buch denke. Diese Bilder werden mich auch sicher noch eine ganze Weile begleiten.

Ein Blick unter den Schutzumschlag lohnt sich übrigens, auch der Einband selbst ist mit Abbildungen aus dem Buch versehen. Was nicht sofort auffällt: beide glitzern dezent, wie frisch gefallener Schnee. Überhaupt ist die Gestaltung des ganzen Buches wunderbar passend. Es gibt Seiten, auf denen findet sich nur ein einziger Satz. Besser hätte man die Atmosphäre der entsprechenden Szene nicht ausdrücken können. Man spürt, dass hier nicht einfach nur ein Text abgedruckt und verkauft wird, das gesamte Werk wurde mit viel Liebe zum Detail erstellt.

Erscheinen wird „Thaddeus und der Februar“ Anfang Februar. Vielen Dank an den Eichborn Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hatte. Um euch die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, hier der Trailer zum Buch:

6 Kommentare

  • Antworten Katrin (BuchSaiten) 6. Januar 2010 von 13:35

    Huhu Emily! Mal wieder ein super Buchtipp! Der Trailer hat mich total fasziniert. Allerdings dachte ich zuerst, es wäre eher ein Jugendbuch. Nachdem ich aber die aufgehängten Tiere gesehen habe, kommt es mir weniger so vor… Scheint auch mehr ein Buch zu sein, auf das man sich einlassen sollte oder? Eher nichts für “mal eben so zwischendurch”.

    Viele liebe Grüße
    Katrin

    • Antworten Emily 6. Januar 2010 von 15:09

      @Katrin: ein Jugendbuch ist es definitiv nicht. Aber ja, man sollte sich die Zeit nehmen und darauf einlassen. Das fiel mir aber gar nicht schwer, weil es mich wirklich von der ersten Seite an gefesselt hat. Obwohl ich mit eher mittelmäßigen Erwartungen daran ging. Da es nicht besonders lang ist, kann man es ganz gut zwischendurch mal lesen.

  • Antworten Katrin (BuchSaiten) 7. Januar 2010 von 10:41

    @Emily: Danke für deine Einschätzung, jetzt ist es mir noch sympathischer 😉

  • Antworten Nina 7. Januar 2010 von 21:38

    Ich freu mich schon drauf. Wollte es zwar erst Anfang Februar lesen, aber ich denke, so lange mag ich dann doch nicht warten…

    Liebe Grüße,
    Nina

  • Antworten Gegen das Weiss « njandjulie 25. Januar 2010 von 12:51

    […] fantastischen Büchlein “Thaddeus und der Februar” erzählt wird, das Emily hier rezensiert und mir dankenswerterweise gestern zum Kaffee mitgebracht hat… und sich mit dem […]

  • Antworten Thaddeus bezaubert und überrascht - Thaddeus und der Februar 29. Januar 2010 von 09:55

    […] seinen Kampf gegen den Februar werfen und haben sogar schon etwas dazu geschrieben. Z. B. Emily vom „Papiergeflüster“. Sie meint: „Die Geschichte ist voller fantastischer Bilder, in denen man versinken kann. Sie […]

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