Besprechungen Historischer Roman

Roman Rausch – Das Caffeehaus

29. November 2009

Ralf, der mir wie berichtet sein Rezensionsexemplar auslieh, und meine Wenigkeit haben das Buch zwar nacheinander gelesen, aber gemeinsam besprochen. Daher findet ihr hier ausnahmsweise mal keine klassische Rezension, eher eine Besprechung im wörtlichen Sinne. Eigentlich hätten wir auch einen Podcast daraus machen können. Aber ich wollte euch meine Stimme nicht antun. Viel Spaß beim Lesen, wir hatten ihn beim Schreiben.

caffeehaus

Roman Rausch, der bisher einige Würzburg- und zwei Hamburg-Krimis geschrieben hat, wagte sich jetzt an ein neues Genre: den historischen Roman. Räumlich ist er damit aber wieder zurück zu den fränkischen Wurzeln gekehrt, „Das Caffeehaus“ spielt im Würzburg des 18. Jahrhunderts. Hauptcharaktere sind die ehemalige Haremsdame Sabiha und der uns allseits bekannte Balthasar Neumann, die es beide rein zufällig nach einer ersten Begegnung im Türkenkrieg bei Belgrad nach Würzburg verschlug.

Ralf: Überhaupt ist Gevatter Zufall ein stetiger Begleiter in diesem Buch.

Emily: Was ja leider in vielen durchschnittlichen historischen Romanen üblich ist.

Ralf: Ich glaube, dass es schon eine dramatische Notwendigkeit hat. Auch in hochkarätigen Filmen und Büchern, was mich immer nervt.

Emily: Stimmt, selbst die von mir verehrte Rebecca Gablé kommt nicht ohne aus.

Ralf: Rebecca Gablé?

Emily: Hier

Ralf: Ah ja. Historische Romane sind ja wirklich nicht so mein Ding. Ich habe auch beim Caffeehaus gemerkt, dass mich die Fülle an historischen Daten und Ereignissen überfordert.

Emily: Das hängt aber auch sehr vom Autor ab, wie er sie verpackt. Beim Caffeehaus fand ich, dass die Historie mehr im Vordergrund stand als in anderen historischen Romanen. Es ähnelte stellenweise schon einem Sachbuch.

Ralf: Stimmt. Wenn man interessiert ist an den verwandtschaftlichen Verhältnissen der Fürstbischöfe wird man in dem Buch viel lernen können. Aber das Buch erzählt ja nicht nur Geschichte, sondern auch „Gschichtli“. Da wäre zum Beispiel die vom Zufall gebeutelte Sabiha, die in Würzburg das erste orientalische Caffeehaus eröffnet. Eine Powerfrau.

Emily: *räusper* Typisch „…in-Roman“ (meint die spezielle Gattung historischer Romane mit verweiblichtem Titel wie „Die Pelzhändlerin“)

Ralf: Mir wurscht. Powerfrau. Für das 18. Jahrhundert fast schon zuviel Powerfrau.

Emily: Das meinte ich.

Ralf: Trotzdem. Im Roman klingt es ab und zu, als würden die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse Würzburgs von ihr, sei es nur indirekt, bestimmt. Ihr Caffee beeindruckt Fürstbischöfe und Kaiserinnen. In der Science Fiction würde man diesen Effekt wohl „deux ex machina“ nennen. Die Allwunderwaffe Caffee.

Emily: Wobei ich den Caffeeteil recht interessant fand, ich wusste zum Beispiel vorher nicht, das zu der Zeit das Mostfrühstück üblich war. Die Caffeegeschichte fand ich ganz schön, sie hat selbst mir, einer Nichtkaffeetrinkerin Lust auf Caffee gemacht.

Ralf: Da hake ich gleich mal ein, als bekennender Caffeesnob fand ich den Kult, den eben diese Sabiha um das Rösten und Zubereiten macht durchaus nachvollziehbar. Es erinnert mich an ambitionierte Caffeedealer in Würzburg, wie zum Beispiel das DOC, wo wir gerade diese Rezension schreiben. Dieser Teil ist glaube ich auch für jeden Caffeefetischist lesenswert.

Emily: Das wäre dann der Teil, der auch für Nichtwürzburger interessant wäre. Der historische Teil bezieht sich ja schon sehr auf die Geschichte Würzburgs.

Ralf: Wobei ich mir vorstellen kann, dass es für Würzburginteressierte-Nichtwürzburger – potentielle Touristen – quasi als Reiseführer dienen könnte.

Emily: Zumindest für die Residenz, deren Entstehung detailliert beschrieben wird.

Ralf: Ach ja, Neumann.

Emily: Hättest Du den fast vergessen?

Ralf: Könnte man fast vergessen, wobei sein Part im Buch schon recht groß ist. Aber als menschliche Person nimmt man ihn gar nicht so wahr, mehr in seiner Funktion als Bauleiter und Architekt. Aber wenn ich mir den Caffeehaus-Neumann mit seinen offenen und originellen Ideen, für damals zumindest, heute vorstelle, dann würde ihn der Verschönerungsverein wahrscheinlich mit Steinen aus der Stadt treiben. Denn laut Roman musste auch Neumann gegen Betonköpfe und konservative Kräfte ankämpfen.

Wie fanden wir jetzt den Roman?

Emily: Ich fand es einen netten historischen Schmöker, der schnell gelesen ist und mir als Nichtwürzburgerin einiges über die Geschichte der Residenz beigebracht hat. Sabihas Teil war schön, aber nicht notwendig.

Ralf: Dann wäre es nur noch halb so dick. Es ist sowieso schon luftig gesetzt.

Emily: Und Dein Fazit?

Ralf: Es ist ein historischer Roman, damit hat es bei mir schon mal schlechte Karten. Da kann aber Roman Rauscht nichts dafür. Historienfreunden wird er gefallen.

Emily: Wobei er meiner Meinung nach an Tilman Röhrigs „Riemenschneider“ nicht heran reicht, der handwerklich ein Stück besser ist.

Ralf: Von mir aus, aber ich glaube nicht, dass es ein schlechter Roman ist.

Emily: Das stimmt, er war besser als ich erwartet hatte.

Ralf: Lässt sich locker lesen und ich würde ihn, darf man gar nicht so negativ sehen, als nette Urlaubslektüre bezeichnen.

Jetzt trinken wir einen Caffee!

8 Kommentare

  • Antworten schreibmaschine 29. November 2009 von 11:57

    Sei ehrlich: Du wolltest DIR deine Stimme in einem Podcast nicht antun. Dafür habe ich vollstes Verständnis.

    Zu Rausch:

    Seit ich mal seinen ersten hanebüchenen Roman halb gelesen habe. nehme ich von ihm kein Buch mehr in die Hand. Auch keinen historischen. Und du warst ja offensichtlich auch nicht gerade begeistert. Sondern eher höflich zurückhaltend in deiner Rezension.

    • Antworten Emily 29. November 2009 von 12:41

      @schreibmaschine: Stimmt, ertappt. Gleich zweimal. 😉

  • Antworten Haiopaia 30. November 2009 von 20:33

    Das ist ja auch mal eine witzige Art ein Buch zu besprechen.
    Ist Roman Rausch eigentlich ein Pseudonym? Für einen Schriftsteller ist es ja ein fast zu perfekter Name.

    Viele Grüße

    • Antworten Emily 30. November 2009 von 21:09

      @Haiopaia: Sicher bin ich mir nicht, aber ich denke, er heißt wirklich so. Vielleicht ist er deshalb Schriftsteller geworden, konnte bei dem perfekten Namen gar nicht anders. 😉

  • Antworten Gerlinde 30. Dezember 2009 von 19:28

    Die Besprechung von Roman Rauschs “Das Caffeehaus” war eine nette Idee.
    Als gebürtige und mittlerweile weggezogene Würzburgerin möchte ich aber noch ein paar Worte zur o.g. Besprechung verlieren.
    Ich habe “Das Caffeehaus” zu Weihnachten von meinem Mann geschenkt bekommen und habe es innerhalb von drei Tagen ausgelesen. Das ist mir, glaube ich, noch nie passiert.
    Wenn man als Ex-Würzburgerin und an der mainfränkischen Kultur Interessierte so ein Buch in die Hand bekommt, dann geht man mit vielen Erwartungen aber auch so manchen Befürchtungen ans Lesen.
    Mein Fazit: Ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Das Buch ist herrlich geschrieben, fesselnd komponiert und zeugt von einem tiefen Verständnis von Mainfranken und den darin lebenden Menschen. Selten habe ich so ein gut recherchiertes Werk in den Händen gehalten (mein Mann ist Historiker und hatte nichts daran auszusetzen – auch eine Seltenheit).
    Daher konnte ich in keinsterweise die o.g. Süffisanz nachvollziehen. Was soll das auch? Entweder geben Sie Ihre Meinung als Rezensentin ab und stehen dazu, oder Sie lassen es gleich. Der Hinweis dieser “schreibmaschine” ist im Grunde genommen nur peinlich – wie der Mensch der dahintersteckt wohl auch. Ob mir ein frühreres Werk von R.R. gefallen hat oder nicht, ist doch absoluter Unsinn, wenn es um die Besprechung des aktuellen Titels geht. Daher verstehe ich auch nicht, wie sich die Rezensentin im darauffolgenden Kommentar zur “Unwahrheit” outet, sprich: Ich habe eine ehrliche Rezension geschrieben und dann kommt einer daher und ich bestätige ihm, dass ich es doch nicht so ehrlich gemeint habe.
    So etwas habe ich bisher nirgendwoanders gelesen. Hat der Rezensent seine Leser damit verschaukelt? Scheint so.

  • Antworten Emily 30. Dezember 2009 von 23:34

    @Gerlinde: Beleidigungen anderer Kommentatoren bitte ich in Zukunft zu unterlassen. Vorallem wenn Du Dich, im Gegensatz zu Schreibmaschine, selbst hinter einer eindeutig falschen Mailadresse versteckst. Er steht zu seinem Kommentar, der auch nicht peinlich ist, sondern eben seine Meinung.

    Ebenso stehe ich zu meiner Meinung, die ich auch nicht im Kommentar als Unwahrheit bezeichne. Wer schon einige meiner Rezensionen gelesen hat weiß, wie eine begeisterte klingt und erkennt eben auch in der hier, dass ich nicht wirklich begeistert war. Nur beleidige ich weder Autoren noch Leser mit anderen Meinungen, in dem ich den Roman schlecht mache. Lieber erwähne ich die Punkte, die mir trotzdem gut gefielen. Ebenso habe ich erwähnt, was mir weniger gut gefiel. So kann jeder für sich entscheiden, worauf er seinen persönlichen Schwerpunkt setzt und dann entscheiden, was er aus einer Rezension mitnimmt.

    Zum Glück gibt es mindestens so viele verschiedene Bücher wie Geschmäcker, keinem muss mein Geschmack gefallen.

  • Antworten Nanana 31. Dezember 2009 von 10:35

    und so schnell hat ein roman-rausch-fan antiwerbung für dessen buch gemacht. wenn das die denkweise von dessen lesern ist, dann will ich lieber kein buch von ihm lesen. meine güte …

    • Antworten Emily 31. Dezember 2009 von 11:04

      @Nanana: ich kenne auch andere Roman Rausch Fans, auch die kann man nicht über einen Kamm scheren. 😉

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