Besprechungen Phantastik

Robin Hobb – Die Schamanenbrücke

4. November 2008

Schamanenbruecke

Die Schamanenbrücke ist der erste Teil der neuen Reihe „Nevare“, die in einer ganz anderen Welt spielt als die Weitseher und die Zauberschiffe zuvor. Die Reihe ist in einer Gegend angesiedelt, die an das junge Amerika erinnert. Es gibt ein Eingeborenenvolk, das sowohl von der Lebensart als auch vom Glauben (Schamanen) an Indianer erinnert. Der Bau einer großen Straße um neue Gegenden zu erschließen lässt einen an den Bau der Eisenbahn denken, auch hier gibt es zum Beispiel Sträflingskolonien die beim Bau eingesetzt werden.

Nevare wird als zweiter Sohn eines Adeligen geboren, damit ist seine Berufung zum Soldaten festgelegt. Der erste Sohn ist immer der Erbe, der zweite wird Soldat, der dritte Priester. Dies ist eine von vielen starren Regeln und Normen die in dieser Gesellschaft herrschen, ihr den Rücken stärken, sie aber auch einengen. Seit der König den „Neuen Adel“ aus verdienten Soldaten ernannt hat, gibt es viele Probleme mit diesen Regeln, da der „Alte Adel“ sich in seiner Macht beschränkt und vom König betrogen fühlt. Das bekommt Nevare auf der Kadettenakademie sehr deutlich zu spüren, wo zwischen den Söhnen des neuen und des alten Adels ein regelrechter Krieg herrscht.

Als hätte er damit nicht schon genug Sorgen, versucht eine Schamanin ihn als Werkzeug zur Rettung ihres Volkes einzusetzen.

Magie kommt in diesem Buch nur relativ wenig vor, noch weniger als in den Weitsehern. Robin Hobb hat es hier geschafft einen kompletten Endkampf mit nur zwei Zaubersprüchen zu gestalten, der trotzdem spannend ist. Und das sind keine effektvollen Feuerbälle oder ähnliches, sondern lediglich die Sprüche „Lass los“ und „Halte fest“. Solche Szenen sind es, weshalb ich ihre Bücher immer wieder gerne lese. Sie vermag es einen zu fesseln, ohne dass man sagen könnte warum. Die Handlung des Buches ist an sich nichts besonderes, die meiste Zeit begleitet man Nevare einfach auf seinem Weg, der oft relativ gleichtönig ist. Trotzdem konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, und wollte immer wissen wie es weiter geht.

Man sollte sich auf jeden Fall Zeit für dieses Buch nehmen, es liest sich nicht so schnell weg wie manch andere Fantasylektüre. Dafür hat es aber auch eine viel schönere Sprache zu bieten.

Ich habe es genossen, wieder ein Buch von Robin Hobb zu lesen. Aber es konnte ihre bisherigen Zyklen meiner Meinung nach nicht ganz erreichen. Die Weitseher, die Zauberschiffe und die zweiten Chroniken von Fitz dem Weitseher waren noch ein gutes Stück besser. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass dies der Auftakt zu einer neuen Reihe ist. Robin Hobb führt ihre Charaktere sehr genau ein, vielleicht ist der zweite Band wieder besser. Was mir allerdings gefehlt hat, war wirkliches Mitgefühl. Wie oft habe ich mit Fitz geweint, und das waren bisher die einzigen Fantasybücher, die bei mir solche Gefühlsregungen ausgelöst hatten. Mit Nevare konnte ich nicht wirklich mitleiden, eher hätte ich ihn lieber mal geschüttelt und gefragt, ob er denn wirklich so naiv ist.

3 Kommentare

  • Antworten Enpunkt 26. November 2008 von 01:49

    So unterschiedlich sind die Geschmäcker; ich fand den Roman unterhaltsam, und je länger ich ihn las, desto weniger konnte ich aufhören. Allerdings war’s mein erster Hobb-Roman; bislang schreckte ich vor den Trilogien und Zyklen eher zurück …

  • Antworten Emily 26. November 2008 von 11:17

    Dann solltest Du bei Gelegenheit mal den Weitseher Zyklus versuchen, der erste Band ist “Der Adept des Assassinen”. Wenn Dir die Schamanenbrücke so gut gefiel, wirst Du damit sicher auch sehr viel Spaß haben.

  • Antworten Soleil 21. April 2009 von 10:59

    Ich liebe diese Autorin und schleiche um dieses Buch schon ewig herum, in der Hoffnung, dass es bald bezahlbar ist. Erst vor einigen Wochen habe ich die Zauberschiffe beendet (die anderen beiden Trilogien habe ich zuvor gelesen). Danke für die Rezi, klingt echt toll. So nach “muss ich haben!”

    LG
    Soleil

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: