Belletristik Besprechungen

Ratih Kumala – Das Zigarettenmädchen

12. Oktober 2015

Zigarettenmaedchen

Ihr Vater liegt nach mehreren Schlaganfällen im Sterben, „Jeng Yah“ murmelt er immer wieder im Halbschlaf. Ihre Mutter wird wütend, dass sie diesen Namen tatsächlich noch einmal hören muss. Was ist damals vorgefallen, dass ihr Vater sich noch immer an diesen Namen erinnert, der ihre Mutter so verstört? War sie seine Geliebte? Die Brüder Lebas, Karim und Tegar machen sich auf die Suche nach Jeng Yah und der Geschichte, die sie mit ihrem Vater verbindet. Sie finden die Geschichte zweier Männer, beide Zigarettenhersteller, und ihrer Feindschaft. Aber auch die Geschichte ihrer Familien, die sich immer wieder berühren. Und die Geschichte von Jeng Yah, dem Zigarettenmädchen.

„Das Zigarettenmädchen“ ist ein Familienroman, der ganz nebenbei die Geschichte Indonesiens thematisiert. Ein Land von dem ich bisher wenig wusste, um ehrlich zu sein. Ein Land mit einer sehr bewegten Geschichte voller Besetzungen, Aufstände und Gewalt, die Bewohner konnten sich oft nur fügen und hoffen, ungeschoren davon zu kommen. 2015 ist Indonesien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.

Gleichzeitig erfährt man einiges über die Produktion von Zigaretten, speziell den Nelken-Zigaretten, auf Indonesisch Kretek genannt, weil sie beim Abbrennen das typische Geräusch „kretek-kretek“ machen. Diese Zigaretten werden mit einer speziellen Gewürztunke behandelt, die jeder Marke ihren eigenen Geschmack verleiht. Das Rezept dieser Gewürztunke ist natürlich streng geheim.

Lebas, Karim und Tegar sind die Söhne eines bekannten Zigarettenfabrikanten und erfüllen ganz unterschiedliche Rollen. Tegar ist der Älteste und wurde schon in seiner Jugend zum Nachfolger seines Vaters erzogen, musste neben der Schule in der Fabrik helfen und lernen, sie zu führen. Lebas ist der Jüngste und lebt eigentlich nur für seinen Spaß, sein Traum ist einen eigenen Film zu drehen. Diese zwei total gegensätzlichen Lebenseinstellungen der Brüder führt zu einem chronischen Streit, den der mittlere Bruder Karim stets zu schlichten versucht.

So nah wie auf dieser Reise, auf der Suche nach Jeng Yah, waren sich die Brüder schon lange nicht mehr. Diese Suche bildet den Rahmen der Geschichte, gleichzeitig wird in Rückblicken die Geschichte der Familie erzählt, die auch von den politischen Geschehnissen geprägt wurde. Eine sehr angenehme Mischung, auch für Nichtraucher geeignet. Obwohl Zigaretten fast allgegenwärtig sind, haben sie mich nie gestört. Die Herstellung und Geschichte der Zigaretten war genauso interessant, wie die Geschichte der Charaktere.

„Das Zigarettenmädchen“ ist ein interessanter Einblick in eine Kultur, über die man nur selten hört. Verpackt in einer Geschichte, der man von der ersten Seite an gespannt folgt und teilnimmt an den Geschichten der Charaktere, die einem jeder auf seine Weise nahe stehen.

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Das Zigarettenmädchen – Ratih Kumala
Deutsch von Hiltrud Cordes
308 Seiten, CULTurBOOKS unplugged
ISBN 9783959880046, 17,90 €
Broschur

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eBook
ISBN 9783959880282, 11,99 €

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4 Kommentare

  • Antworten literatwo 12. Oktober 2015 von 19:23

    Danke für die Worte zum und übers Werk – ich schleiche ständig drumherum.

    Du machst Lust aufs Lesen. Danke.

    LG – Bini

    • Antworten Papiergeflüster 12. Oktober 2015 von 19:27

      @Bini Danke 🙂 Ich hatte beim schreiben das Gefühl, dem Buch nicht gerecht zu werden, meine Begeisterung nicht in Worte fassen zu können. Weil es so viele Kleinigkeiten sind, die es zu etwas Besonderem machen. Freut mich, wenn ich doch geschafft habe, Lust aufs Lesen zu machen. 🙂

  • Antworten literatwo 12. Oktober 2015 von 19:34

    Das hast du auf jeden Fall und ich habe einfach auf eine Rezension gewartet, die mich weiter leitet – ich merke, dass es nicht einfach war, so ist es bei einigen Werken – oft sind es genau diese guten Werke.

    🙂

  • Antworten Leserückblick Oktober 2015 - Papiergeflüster 1. November 2015 von 18:31

    […] Ratih Kumala – Das Zigarettenmädchen Drei Söhne auf der Suche nach der Vergangenheit ihres Vaters. Die Geschichte einer Zigarettenfabrik und auch die Geschichte Indonesiens. Eine Familiengschichte, die einem nebenbei die Geschichte eines Landes nahebringt, über die viel zu lange geschwiegen wurde. […]

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