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Peter Huth – Berlin Requiem

15. Mai 2014

BerlinRequiem

In Berlin wird eine Mauer errichtet. Und zwar im Berlin unserer Zeit, nicht vor Jahrzehnten. Die Mauer grenzt die Stadtbezirke Kreuzberg und Neukölln vom Rest der Stadt ab, denn hier wurden die ersten Infizierten entdeckt. Infiziert mit einem Virus, der sie erst in einen komaartigen Zustand verfallen lässt, erwachen sie daraus, sind sie aggressiv, reagieren nicht auf Ansprache, kennen nur noch eines: die Lust auf lebendes Fleisch. Zombies eben. Angeblich können sich nur Menschen mit Migrationshintergrund anstecken. Die Mauer soll eine Ausbreitung verhindern, doch seit wann halten Mauern Viren auf? Der Journalist Robert Truhs bekommt ein Video zugespielt, dass die brisante Lage ins absolute Chaos verwandeln könnte. Was soll er mit dem Material tun?

Wer hier einen Zombie-Splatter-Roman erwartet, wird enttäuscht werden. Die Zombies sind Zombies wie aus dem Lehrbuch, aber die Handlung lebt von viel mehr, als ihrem Hunger nach Fleisch. Hier geht es nicht darum, wie die letzten Menschen versuchen, in einer zombieverseuchten Welt zu überleben. Sondern wie gehen die Menschen mit den ersten Ausbrüchen um.

Wie nutzen Politiker und Journalisten die Geschehnisse aus, um sie für ihre Zwecke zu ge- oder auch missbrauchen. Wie gehen die Polizisten auf den Geschütztürmen damit um, täglich zig Wesen eliminieren zu müssen, die vor kurzem noch Menschen waren. Wie geht die Gesellschaft mit dem Wissen um, dass dieser Virus vor ihrer Haustür existiert.

Massenflucht, Großmäuler die den Zombies zeigen wollen, wo der Hammer hängt, Rechtsradikale, die die Gelegenheit nutzen, ihr dreckiges Gedankengut zu verbreiten. Das und noch viel mehr steckt in diesem Roman. Der damit der Tradition folgt, dass viele Zombieromane mehr oder weniger deutlich Gesellschaftskritik üben. Dieser hier tut es sehr deutlich und hebt sich damit auf angenehme Weise von billigen Splattergeschichten ab, die nur für Ekel sorgen wollen.

Ein großartiger Roman, den man sich auch dann nicht entgehen lassen sollte, wenn man mit Zombies an sich nicht viel anfangen kann. Sie halten sich meistens angenehm im Hintergrund und überlassen die Bühne überzeugenden Charakteren mit interessanten Geschichten, die einen das Buch schnell am Stück verschlingen lassen.

Berlin Requiem – Peter Huth
333 Seiten, Heyne Verlag
ISBN 9783453676664, 12,99 €
Taschenbuch

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1 Kommentar

  • Antworten Leserückblick Mai 2014 | Papiergeflüster 2. Juni 2014 von 20:56

    […] Peter Huth – Berlin Requiem Toller Zombieroman in dem es mehr um die Menschen rundherum und korrupte Politiker und Journalisten geht, als um die hirnlos schlurfende Masse an Zombies. Mochte ich sehr. […]

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