Besprechungen Phantastik

Patrick Rothfuss – Die Furcht des Weisen I

6. Dezember 2011

 

Der zweite Teil und damit der zweite Tag der Königsmörder-Chronik. Nach den dramatischen Vorkommnissen des vergangenen Tages, kehrt schnell wieder der Alltag im Dorf ein. Die Ernte wartet nicht, die Schafe müssen auf den Markt. So hat Kvothe Zeit, dem Chronisten weiter über seine Vergangenheit zu berichten. Die nächsten Trimester an der Universität und seinen Abenteuern in Vintas. Wie schon zuvor konnte der junge Kvothe es einfach nicht lassen, sich mit seinem Erzfeind Ambrose anzulegen. Nach einer größeren Eskapade ist ein gewisser räumlicher Abstand zwischen den beiden nötig. Aber auch in Vintas halten sich die Abenteuer nicht von Kvothe fern. Sein Ziel verliert er trotz allem nie aus den Augen, mehr über die Chandrian heraus zu finden. Sagenumwobene Gestalten, die seine Familie grausam ermordeten. Wird er sie finden, bevor sie ihn finden?

Das lange Warten auf die Fortsetzung zu „Der Name des Windes“ hat sich gelohnt. Besondere Bücher brauchen eben auch ein wenig länger, die schreiben sich nicht einfach so runter. Und „Die Furcht des Weisen“ hat all das, was schon „Der Name des Windes“ so besonders machte. Eine wunderbare Atmosphäre, die dank des bildhaften Schreibstils entsteht. Man meint, selbst in der Schankstube des Wirtshauses zu stehen, mit Kvothe im Anker beim Kartenspiel zu sitzen oder mit ihm in den Räumen des Handwerkszentrums zu schwitzen. Die Charaktere sind einem nahe, weil sie einfach menschlich sind. Egal wie hoch oder niedrig ihre Stellung sein mag, sie haben alle ihre Licht- und Schattenseiten.

Kvothe stellt sich so oft wirklich dämlich an und stößt sich regelrecht selbst in die nächsten Schwierigkeiten, dass man vielleicht den Kopf darüber schütteln kann. Aber er ist 16 Jahre alt. Gerade wenn Frauen ins Spiel kommen, ist das ein Alter, in dem die Vernunft schon mal gegen die Hormone verliert. Der erwachsene Kvothe ist darauf auch nicht mehr stolz, aber er steht zu diesen Eskapaden und auch das ist ein Punkt, der ihn mir so sympathisch macht.

Die Spannung kommt natürlich auch nicht zu kurz, bei all den Abenteuern, durch die der junge Kvothe durch muss. Seine Suche nach den Chandrian ist der rote Faden, der sich nur langsam entwickelt. Was aber nicht weiter stört, es kann gerne noch etliche weitere Bände dieser Chronik geben. Es gibt noch genügend Geschichten zu erzählen und Namen zu entdecken. Wie Kvothe zum Königsmörder wurde, weiß man auch nach diesem Buch noch nicht.

Wahrscheinlich auch noch nicht nach Teil II des zweiten Bandes. Da der Textumfang zu groß war, wurde das Buch im Deutschen geteilt. „Die Furcht des Weisen 2“ erscheint laut Verlag Ende Januar 2012. Das Ende des ersten Teils ist gut gewählt, sehr spannend aber nicht unerträglich spannend. Vielen Dank an den Verlag dafür. Das Warten auf die Fortsetzung wird auch so schon lange genug dauern.

Patrick Rothfuss hat mit der Königsmörder-Chronik eine epische Fantasyreihe begonnen, die momentan nur wenig Konkurrenz zu fürchten hat. Ähnlich beigeistert haben mich bisher nur wenige Bücher.

Die Furcht des Weisen 1, Tag 2 der Königsmörder-Chroniken – Patrick Rothfuss
859 Seiten, Klett-Cotta Hobbit Presse
ISBN 9783608938166, 24,95 €
Hardcover

4 Kommentare

  • Antworten Nova 7. Dezember 2011 von 08:46

    Ohhh…da würde mich jetzt aber interessieren, welche dich denn noch so beeindruckt haben!?!

  • Antworten Emily 7. Dezember 2011 von 20:13

    @Nova: George Martins “Das Lied von Eis & Feuer”und Robin Hobbs “Weitseher”-Zyklus zum Beispiel.

  • Antworten Christine 8. Dezember 2011 von 09:13

    Wo du es in deiner Rezi schreibst, fällt mir mal wieder auf, dass mir 16 Jahre einfach viel zu jung vorkommen.
    Beim Lesen habe ich immer einen18 oder 19jährigen jungen Mann im Kopf. Nie einen nur 16jährigen.
    Wie ging es dir dabei?

    • Antworten Emily 8. Dezember 2011 von 21:27

      @Christine: Stimmt, das ging mir genauso. Ich hatte auch immer eher einen jungen Mann im Kopf, keinen Jugendlichen. Aber er sieht ja auch älter aus und wird von anderen älter geschätzt. 😉 Nur seine Unbedarftheit zeigt ab und an, dass er doch noch jung ist.

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