Besprechungen Phantastik

Oliver Plaschka – Die Magier von Montparnasse

4. Mai 2010

magiermontparnasse

Paris, 1926, im Gasthaus „Jardin“ wohnen unter anderem auch der Magier Ravi und seine Assistentin Blanche. Bei ihrer letzten Vorstellung im Varieté geschieht ein Unglück, der Mechanismus eines Zauberutensils funktioniert nicht, Ravi kann Blanches Leben nur retten, in dem er echte Magie anwendet. Doch damit verstößt er gegen die Regeln der Société Silencieuse. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen, schon bald wird er von deren Vertretern aufgesucht. Aber noch viel unheimlicher als diese Besucher ist die Tatsache, dass von nun an ständig Sonntag ist. Niemand weiß, warum sich der Tag ständig wiederholt. Hängt es mit dem geheimnisvollen Zauber zusammen, der Blanche in einen Schneewittchen-Schlaf fallen lies?

Oliver Plaschka schafft in „Die Magier von Montparnasse“ eine zauberhafte Atmosphäre, die mich an den Film “Prestige” erinnerte. Die Beschreibungen des „Jardin“ versetzen den Leser in das Paris der 20er Jahre, man meint fast den Duft der Croissants zu riechen, die von der Bedienung Justine zum Frühstück serviert werden. Gleichzeitig ist der Roman ein einziges großes Rätsel, denn auch die Protagonisten wissen nicht, wieso sich dieser eine Tag ständig wiederholt und sind auf der Suche nach der Lösung. Die ständige Wiederholung tut der Welt nicht gut, sie verliert an Farbe und Energie, alles wird trüb und trübsinnig.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von sieben verschiedenen Personen erzählt, wobei die Bedienung Justine eine herausragende Rolle spielt. Nicht nur, weil sie scheinbar nicht ganz so fest an die Wiederholung gebunden ist wie andere. Ist sie die Lösung des Rätsels? Durch die Perspektivenwechsel bleibt die Handlung sehr abwechslungsreich. Es ist interessant, selbst ähnliche Handlungsabläufe aus gänzlich anderer Sicht betrachtet zu sehen. Interessant war auch das Spiel mit den Möglichkeiten, selbst kleine Abweichungen im Handeln können zu gänzlich anderen Ergebnissen führen.

Es fällt mir schwer, den Zauber des Buches in Worte zu fassen. „Die Magier von Montparnasse“ ist keine leichte Unterhaltungsliteratur, es läd zum miträtseln und mitdenken ein, vieles geschieht in Träumen oder wird in Bildern dargestellt. Es ist keine klassische Fantasy, in einem Interview auf Fantasyguide bezeichnete Oliver Plaschka das Buch als „urban fantasy vor einem historischen Hintergrund”, der Interviewer als “magisch-realistisches Kammerspiel”. Wie auch immer man das Buch einordnen möchte, eines ist es ganz sicher: fantastisch.

Die Magier von Montparnasse – Oliver Plaschka
428 SEiten, Klett-Cotta Hobbit Presse
ISBN 9783608938746, 21,90 €
Hardcover

6 Kommentare

  • Antworten Mandy 4. Mai 2010 von 13:00

    Auch mal schön eine positive Rezension zu lesen. Ich fand es leider nicht so erquickend.

    • Antworten Emily 4. Mai 2010 von 16:40

      @Mandy: Schade, dass es Dir nicht so gut gefiel. Aber das Buch, oder auch Plaschkas Stil, ist schon was ganz eigenes, das nicht jedem gefällt. Ich kann auch mit ein paar ungelösten Rätseln leben, das ein oder andere hat sich noch aufgelöst, als ich in einer Leserunde auf http://www.leserunden.de nachgelesen habe.

  • Antworten Papiergeflüster » Blog Archiv » Lesungen auf der Role Play Convention 2010 4. Mai 2010 von 16:52

    […] mich begann die Lesungsrunde mit Oliver Plaschka, der aus „Die Magier von Montparnasse“ las. Dass noch einige Stühle frei blieben lag sicher an der Uhrzeit, auf der Con war allgemein […]

  • Antworten Katha 4. Mai 2010 von 16:56

    Sehr schöne Rezi, die mir jedenfalls schon große Lust auf das Buch selbst macht 🙂 Und gleich heute sind “Die Magier von Montparnasse” bei mir eingezogen…mal schauen, wann ich dazu kommen werde!

    • Antworten Emily 4. Mai 2010 von 17:16

      @Katha: Danke 🙂 Wünsche Dir viel Spaß damit!

  • Antworten Papiergeflüster » Blog Archiv » Nachschub für Leser von Oliver Plaschka 19. Juni 2010 von 13:38

    […] ebenso sehr von “Fairwater oder die Spiegel des Herrn Bartholomew” und/ oder “Die Magier von Montparnasse” begeistert war wie ich, darf sich schon bald auf Nachschub aus Oliver Plaschkas Feder freuen. […]

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