Besprechungen Phantastik

Oliver Dierssen – Fledermausland

17. Juni 2010

Fledermausland

Sebastian wird mitten in der Nacht von Flügelschlagen und bestialischem Gestank geweckt. Eine Fledermaus! In seinem Schlafzimmer! Die überträgt doch bestimmt Tollwut? Nackt wie er gerade noch in friedlichem Schlummer lag, rettet er sich aus dem Zimmer und versucht Hilfe zu rufen.

Doch diese Fledermaus war erst der Anfang. Sebastian muss feststellen, dass an den Geschichten über Vampire, Zombies und anderen Gestalten doch mehr dran ist, als er immer dachte. Sein Leben wird komplett auf den Kopf gestellt, auch seine Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. Wie sehr ist er bereit, um sie zu kämpfen?

„Fledermausland“ ist Dierssens erster Roman, weshalb ich recht vorsichtig daran ging. Unnötiger Weise, es ist ein sehr gelungenes Buch, ich freue mich schon auf weitere Werke aus der Feder des Autors. Eine Genreeinordnung fällt mir schwer. Klassische Fantasy ist es nicht, eher humorige Fantasy. Allerdings sieht der Autor selbst sein Buch nicht als Fantasy, wie er bei der Livestream-Lesung auf Lovelybooks verriet. Er bezeichnet es als „Großstadtliebesgeschichte mit Zombies“, die davon handelt, wie jemand im Leben zurecht kommt und mit der Liebe umgeht.

Auf die Frage, welche Message „Fledermausland“ enthalte meinte er, dass ein Buch nicht unbedingt eine Message braucht, man könne sich auch einfach mal unterhalten lassen. Da stimme ich ihm zu, mit „Fledermausland“ gelingt das auch sehr gut. Ich habe viel gelacht und hatte jede Menge Spaß mit seinen teilweise obskuren Ideen. Stellenweise hat es mich an „Nebenan“ von Bernhard Hennen erinnert, mit einem Schuß der Wächter-Reihe von Lukianenko.

Einziges Manko war meiner Meinung nach die künstliche Verdickung des Buches. Etwas kleinerer Zeilenabstand und durchschnittliche Schriftgröße, schon hätte das Buch einige Seiten weniger, was den Lesekomfort vergrößert hätte.

Wer gerne etwas schräge Geschichten liest und nichts gegen Vampire und Zombies hat, sollte sich „Fledermausland“ mal näher anschauen. Lasst euch unterhalten und schräg anschauen, wenn ihr das Buch in der Öffentlichkeit lest und plötzlich laut loslachen müsst.

Fledermausland – Oliver Dierssen
448 Seiten, Heyne
ISBN 9783453266636, 12,95€

11 Kommentare

  • Antworten Lina 18. Juni 2010 von 13:05

    Oh ja, ganz meiner Meinung^^ Das Buch ist wirklich schräg! Aber hat ein schönes Ende… Und was ich noch fragen wollte [Achtung Spoiler!] Was genau ist Sebastian denn jetzt geworden? Wirklich so ein muffiger Mantel? Oder hat er mehr von Teddy? Ich bin verwirrt…

  • Antworten PiMi 18. Juni 2010 von 17:01

    xD … Der Titel erinnert mich an den Film “Fear and Loathing in Las Vegas” mit Johnny Depp, der da sagt: “Wir können hier nicht anhalten! Das ist Fledermausland!”
    Ob der Autor wohl auch Fan ist ?

    • Antworten Emily 18. Juni 2010 von 19:11

      @PiMi: Zumindest steht genau das Zitat auch vor dem ersten Kapitel. Ich meine, er hat im Interview nach der Online-Lesung auch was darüber erzählt, bin mir aber nicht mehr ganz sicher.

      @Lina: Da habe ich auch drüber gerätselt, denke eher der Mantel.

  • Antworten PiMi 18. Juni 2010 von 21:54

    Ich bin nach deiner Rezi auf jeden Fall neugirig geworden und werd es wohl mal auf mein Wunschliste setzen.

  • Antworten Fledermausfreund 20. Juni 2010 von 00:34

    Der Autor ist tatsächlich Fan von Fear and Loathing … Und die Antwort auf die Verpuppungsfrage (da ein Nachfolger gerade nicht in Sicht ist): Es ist im Fluss, die Verpuppung ist ein schleichender Prozess, dessen Ende nicht klar ist. Allerdings – im Auftaktkapitel eines noch zu veröffentlichenden Nachfolgebandes verspürt Sebastian eine seltsame Anziehungskraft des Spülenschrankes.

    • Antworten Emily 20. Juni 2010 von 01:05

      @Fledermausfreund: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. 🙂 Schön zu hören, dass es einen Nachfolgeband geben soll. Auch wenn es noch ein wenig dauert, er steht schon auf der Wunschliste.

  • Antworten PiMi 4. Juli 2010 von 19:27

    Also ich habe das Buch jetzt auch gelesen und kann es nur empfehlen. Es ist wirklich sehr lustig und die 448 Seiten lesen sich viel zu schnell weg.

    Aber was er geworden ist, ist mir auch nicht ganz klar.

    @ Fledermausfreund: Spülschrank, klingt ja dann wohl eher nach Mantel. 🙂

    • Antworten Emily 4. Juli 2010 von 19:30

      @PiMi: Nach der Antwort von Fledermausfreund bin ich mir sicher, dass es der Mantel ist.

      Unsere Kommentare lesen sich für alle, die das Buch noch nicht kennen wohl ziemlich merkwürdig. *g* Lest es und ihr werdet wissen warum wir von Mänteln und Teddys schreiben. 😉

  • Antworten Fledermausfreund 6. Juli 2010 von 08:08

    Möglicherweise wird sich der Autor da auch noch ein Hintertürchen offen gelassen haben. Es stellt sich natürlich auch die grundsätzliche Frage, ob ein postmoderner Fantasy-Roman überhaupt auf eine klar definierte Verpuppung angewiesen ist (ähem), oder ob die Erwartungshaltung der Leser nicht bereits der gewünschte Effekt ist. Sollte es zu einer Fortsetzung kommen (was gerade wirklich nicht klar ist) oder zu einer Verfilmung (was momentan wahrscheinlicher ist), gibt es wohl Klarheit!

    • Antworten Emily 6. Juli 2010 von 09:07

      @Fledermausfreund: Du spannst Deine Leser ja ganz schön auf die Folter. 😉 Eine Verfilmung wäre genial, ich kann mir das Buch sehr gut auf der Leinwand vorstellen. Und freue mich schon auf die Szene, als er von den “Kioskbewohnern” getarnt wird. *lach* Die Szene, als er tatsächlich essen muss was da auf der Gabel ist, hat sich eingebrannt. 😉 Wo bekämen wir denn am ehesten mit, ob es mit der Verfilmung klappt? Die Daumen sind auf jeden Fall dafür gedrückt. Auf eine Fortsetzung hoffe ich natürlich trotzdem.

  • Antworten Papiergeflüster » Blog Archiv » Deutscher Phantastik Preis 2010 – Die Gewinner 9. Oktober 2010 von 23:12

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