Belletristik Besprechungen

Nagel – Was kostet die Welt

18. Dezember 2011

 

Meise hat geerbt, ganze 15.000 Euro. Was macht er denn jetzt mit dem Geld? Das, was sein Vater nie damit getan hat: auf Reisen gehen. Die Welt sehen und den Horizont erweitern. Viel lässt er nicht zurück, sein Job als Barmann wartet auf ihn. Als er nach seinen Reisen nach Berlin zurückkommt, findet er aber nicht mehr wirklich zurück in sein altes Leben. 1.000 Euro sind noch übrig, er packt seinen Rucksack und reist kurzerhand zu einem Bekannten, den er in den USA kennen gelernt hatte. An die Mosel, auf ein Weingut. Ohne die Ablenkungen der großen weiten Welt, muss er sich hier auf dem Land der einen oder anderen Selbsterkenntnis stellen.

„Was kostet die Welt“ ist ein Buch voller Betrachtungen und schonungsloser Wahrheiten. Nagel nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt Meise das aussprechen, was man sich oft genug nur denkt. Dabei macht er auch vor dem Innenleben des Protagonisten nicht halt. Konfrontiert mit der Einfachheit des Landlebens und der gänzlich unterschiedlichen Lebenseinstellung der Landbewohner zu seiner eigenen, bleibt auch die eine oder andere Wahrheit über sich selbst nicht aus. In Meises Vergangenheit gibt es so manches, was tief begraben doch nicht ruhen wollte.

Der trockene Humor mit zynischem Unterton  mag nicht jedermanns Sache sein, meinen Humorlevel hat er voll getroffen. Meise ist nicht sympathisch, ganz im Gegenteil. Ich mochte ihn trotzdem. Dass er seinen unfreiwilligen Selbstfindungstrip gerade an der Mosel erlebt, war für mich das Sahnehäubchen. Als Saarländerin ist mir dieser Menschenschlag ganz gut bekannt und Nagel hat sie sehr treffend beschrieben.

Ein tragischer Roman mit viel Humor und erschreckenden Wahrheiten.

Ab Januar wird das Buch auch als Taschenbuch im Heyne Verlag erhältlich sein.

Was kostet die Welt – Nagel
320 Seiten, Heyne
ISBN 9783453266872, 16,99 €
Hardcover

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