Besprechungen Krimis und Thriller

Michael Tsokos – Zersetzt

19. April 2016

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Ein Fall von Waterboarding im Berliner Regierungsviertel und die Leiche eines Mannes, der angeblich an den Folgen seines Darmkrebses starb, statt Krebs aber nur eine merkwürdige Einstichstelle in der Kniekehle aufweist, wären Dr. Abel eigentlich schon Beschäftigung genug. Aber er wird auch noch nach Transnistrien geschickt, einem osteuropäischen Pseudostaat, um zwei Leichen zu identifizieren. Die Toten lagen schon eine Weile in ungelöschtem Kalk, die Identifizierung wird nicht leicht. Kaum in Transnistrien angelangt wird ihm klar, dass jemand lieber hätte, er würde die Leichen überhaupt nicht identifizieren. Jetzt geht es für ihn selbst um Leben und Tod.

Drei Fälle, die auf wirklich geschehenen Fällen basieren, zu einer fiktiven Geschichte verwoben, „Zersetzt“ gehört in die Sparte True-Crime-Thriller und spielt zeitlich vor „Zerschunden“, dem ersten Band um den Rechtsmediziner Dr. Abel.

Hat im ersten Band der „True“ Teil noch für extra Grusel gesorgt, war es mir hier zu viel des Bösen. Aber nicht nur, dass immer der Hintergedanke dabei war, dass es so ähnlich tatsächlich mal irgendwo geschah, sorgte dafür, dass dieser Thriller mir persönlich zu hart war. Blut und Leichen stören mich in Thrillern nicht, auch wenn ich sie nicht unbedingt brauche. Aber zu einem schnell mal eben weggelesenen Fitzek gehören sie zum Beispiel einfach dazu. Was ich nicht brauche, sind detaillierte und seitenlange Beschreibungen zu Folterszenen und Vergewaltigungen eines in einem Keller gefangen gehaltenen Opfers eines Psychopathen.

Leider machen diese Szenen einen Großteil des Buches aus, neben einer Jagd, deren Ausgang man kennt, wenn man den ersten Band gelesen hat, was die Spannung an dieser Stelle nicht wirklich steigert. Die politischen Hintergründe dieses Pseudokleinstaates waren nicht wirklich neu, Unklarheiten über die Machtverhältnisse mit ein mehreren Beteiligten, die gerne Alleinherrscher wären. Der dritte Handlungsstrang, ein klassischer „Wer ist der Täter“-Strang rund ums Waterboarding, lief leider nur am Rand mit, für mich wäre das noch der interessanteste der drei Stränge gewesen.

„Zerschunden“ hat mich noch gefesselt, „Zersetzt“ wollte ich irgendwann einfach nur noch beenden.  Vielleicht, weil ich eine Frau bin und die kranken Sexphantasien des Täters mich wirklich angewidert haben. Es ist ein Unterschied, ob ich das Opfer einer solchen Tat vorgestellt bekomme und mit der Polizei auf die Jagd nach dem Täter gehe, oder ob ich seitenlang Beobachterin ihrer Qualen bin. Eine Form des Thrillers, die mir nicht zusagt, aber das ist mein persönliches Empfinden. Eindeutig ein Thriller für Hartgesottene und noch besser, wenn man ihn vor “Zerschunden” liest.

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Zersetzt – Michael Tsokos & Andreas Gößling
427 Seiten, Knaur Verlag
ISBN 9783426518779, 14,99 €
Paperback

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eBook
ISBN 9783426437735, 12,99 €

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2 Kommentare

  • Antworten HibiscusFlower 9. Juni 2016 von 18:57

    Hallo 😉
    Auch ich habe das Buch erst in der letzten Woche gelesen.
    Was die Spannung betrifft, erging es mir wie dir. Einziger Unterschied ist, dass der Strang mit dem Psychopathen mich zum Weiterlesen animiert hat, obwohl es mich schon stark an die Grenze geführt hat.
    Wenn ich nicht so neugierig darauf wäre, wie es nach “Zerschunden” weitergeht, würde ich nach diesem Teil aufhören wollen.
    Liebste Stöbergrüße,
    Hibi

    • Antworten Papiergeflüster 9. Juni 2016 von 19:30

      Hallo Hibi, dann kannst Du mir ja erzählen, wie es weiterging, ich traue mich nicht mehr, den nächsten Teil zu lesen. 😉

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