Besprechungen Krimis und Thriller

Michael Tietz – Rattentanz

29. Oktober 2009

rattentanz

23. Mai, 7.00 Uhr. Von einer Minute auf die andere endet die Zeit wie wir sie kennen, die Gesellschaft wird quasi wieder ins Mittelalter zurück geworfen. Wie das geschehen kann? Ein Computervirus legt sämtliche Computer auf der Welt lahm. Es gibt keinen Strom mehr, kein fließend Wasser, keinerlei Kommunikationsmöglichkeiten, Flugzeuge fallen einfach vom Himmel. Wie gehen die Menschen mit der neuen Situation um? Wie könnten sie trotzdem überleben?

Michael Tietz hat ein spannendes Endzeitszenario entworfen. Nach einem leicht holprigen Anfang, bei dem mir die Personenbeschreibungen zu konstruiert vorkamen, wird es extrem spannend und man könnte die Nacht durchlesen. Zumindest bis zur Hälfte des Buches, dann wurde es mir stellenweise etwas zu lang. Da hätte ein wenig Kürze die Spannung erhalten können. Trotzdem wird es niemals wirklich langweilig, durch ausgewogene Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven bleibt ein gewisses Spannungsniveau erhalten. Neben der Haupthandlung gibt es auch immer wieder kurze Einblicke in Einzelschicksale. Ab und an fielen mir kleinere Logikfehler im Handlungsablauf auf, aber es waren keine groben Schnitzer und verzeihlich.

Ob es wirklich schon am ersten Tag zu Plünderungen käme ist fraglich. Aber wer weiß das schon, möglich wäre es. Der Autor beschreibt eine fiktive Möglichkeit, wie die Gesellschaft auf solch einen Einschnitt in das gewohnte Leben reagieren könnte. Das erschreckende daran ist, dass man sich durchaus vorstellen kann, dass es genau so ablaufen könnte.

Ein empfehlenswertes Buch, nach dessen Lektüre man sich ein einige Gedanken mehr um sein Leben und die Umwelt macht.

3 Kommentare

  • Antworten Julia 30. Oktober 2009 von 18:42

    das hört sich durchaus interessant an. ich werd es mal auf meine goodreads-to-read-liste setzen.

    lg julia

  • Antworten Katrin (BuchSaiten) 30. Oktober 2009 von 20:12

    Klingt zwar nicht wie ein Buch für mich, aber vielleicht als Weihnachtsgeschenk für jemand anders. Wie verläuft denn dann die Geschichte weiter? Kommt es auch zu irgendeinem Ende? Du musst ja nicht zu viel verraten, aber so von der Ausgangssituation aus gibt es ja nicht so viel her…

    Liebe Grüße

    • Antworten Emily 30. Oktober 2009 von 21:46

      @Katrin: Ob es zu einem Ende kommt? Kann ich nicht verraten, ohne zuviel zu verraten. Aber die Situation gibt schon sehr viel Stoff her. Wie reagieren die Menschen, wenn sie plötzlich alleine auf sich gestellt sind. Es keine Kommunikationsmöglichkeiten mehr gibt. Man nur zu essen hat, was man selbst anbauen/züchten kann. Die Selbstverständlichkeit des Supermarktes um die Ecke fehlt. Es kein Gesetz mehr gibt, auf dessen Einhaltung jemand achtet. Wie sozial bleibt der Mensch, wenn sein Leben auf dem Spiel steht. Wer teilt wirklich sein letztes Essen mit dem Nachbarn. Man denkt als Leser auch viel darüber nach, wie man wohl selbst in so einer Situation handeln würde.

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