Besprechungen Phantastik

Markus Heitz – Judassohn

17. April 2010

Judassohn

Sia ist ein „Kind des Judas“, Angehörige einer besonders mächtigen Vampirart. Sie wacht über ihre menschlichen Nachkommen, damit diese nach ihrem Tod nicht ebenfalls als Vampire wieder erwachen. Doch eines Tages findet sie bei einem Besuch ihrer Nachfahren ein grausames Blutbad vor. Ein Feind, der sie lange gesucht hat, nimmt grausame Rache für das, was sie ihm vor zwei Jahrhunderten antat.

„Judassohn“ ist wieder einmal ein richtiger Pageturner, fängt man damit an, kann man es kaum noch aus der Hand legen. Als Fortsetzung zu „Kinder des Judas“ tauchen natürlich einige Personen daraus auf, aber der Leser trifft auch Charaktere aus „Ritus“, „Sanctum“ und „Blutportale“ wieder. Handlungsstränge dieser Bücher werden hier zum Teil noch einmal aus anderer Sicht beschrieben und vertieft. Daher ist es auf jeden Fall ratsam, diese Bücher vor „Judassohn“ zu lesen. Den man auch ohne die Vorkenntnisse versteht, aber die Verknüpfungen zu den anderen Romanen machen doch einen ganz besonderen Reiz aus.

Dank dieser Verbindungen spielt „Judassohn“ auch zum Großteil im 18. Jahrhundert, der Zeit zu der auch „Ritus“ und „Sanctum“ spielen.  Mir gefallen die historischen Teile immer etwas besser als die gegenwärtigen, da Heitz es einfach meisterhaft versteht, die vergangene Atmosphäre aufleben und den Leser ganz und gar in ihr eintauchen zu lassen.

Wer Heitz schon öfter gelesen hat weiß, dass man als Leser nicht zimperlich sein darf was Gewalt angeht. Auch hier geht es öfter mal ziemlich brutal zu, was will man bei Vampiren und Werwölfen auch anderes erwarten. „Kinder des Judas“ war mir stellenweise fast etwas zu blutig, würde man es verfilmen bräuchte man wesentlich mehr Filmblut als in „Kill Bill“. In „Judassohn“ fand ich den Blutlevel angemessener, auch wenn es wahrlich nicht selten fließt.

Auf was ich gerne hätte verzichten können, sind die Erotikszenen. Kommt es mir nur so vor, oder werden die von Roman zu Roman länger? Besser auf jeden Fall nicht, ein paar ansprechendere Synonyme für die männliche Anatomie hätten vielleicht wenigstens für Abwechslung gesorgt.  Dass er der Mischung von Vampiren und Marquis de Sades Praktiken nicht widerstehen konnte, kann ich ja noch nachvollziehen. Zum Glück beschränkten sich die extremen Szenen auf den mittleren Teil des Buches.

Trotz dieses kleinen Mankos ein sehr gutes Buch, das mich Markus Heitz treu bleiben lässt. Er gehört zu den wenigen Autoren, von denen ich mir jedes neue Werk so schnell wie möglich besorge. Weil er immer wieder mit gleich bleibender oder sogar steigender Qualität für gute Unterhaltung sorgt, sowohl in der klassischen als auch in der Dark Fantasy.

Im Dezember erscheint als dritter Vampirthriller aus seiner Feder die Fortsetzung „Judastöchter“, auf die ich jetzt schon sehr gespannt bin. Perfekte Lektüre für die Weihnachtstage.

Judassohn – Markus Heitz
686 Seiten, Knaur
ISBN 9783426652251, 14,95 €

1 Kommentar

  • Antworten Papiergeflüster » Blog Archiv » Lesungen auf der Role Play Convention 2010 30. April 2010 von 23:41

    […] sollte dann Markus Heitz aus „Judassohn“ lesen. Als ich kurz vor Beginn der Lesung eintraf, saß allerdings immer noch Herr Hennen am […]

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