Belletristik Besprechungen

Marc Levy – Kinder der Hoffnung

24. September 2010

Marc Levy erzählt in „Kinder der Hoffnung“ die wahre Geschichte seines Vaters, der als Jugendlicher in den 40er Jahren in der Résistance kämpfte. Einer französischen Widerstandsgruppe, die zum größten Teil aus Einwanderern bestand und gegen die deutschen Besatzer kämpfte. Diese jungen Männer und Frauen, viel zu oft noch halbe Kinder, waren bereit alles für die Freiheit Frankreichs zu geben. Sie waren sich bewusst, dass sie bei jeder durchgeführten Aktion ihr Leben riskierten, viele verloren es. Bomben wurden gelegt, für jeden zum Tode verurteilten Widerstandskämpfer töteten sie einen deutschen Offizier, sie beschädigten Züge und verhinderten damit Transporte, jagten Fabriken in die Luft. Immer darum bemüht, keine Unbeteiligten zu verletzen. Doch sie wurden verraten, von französischer Miliz verhaftet und gefoltert, zum Teil zum Tode verurteilt und schon wenige Minuten nach dem Urteil hingerichtet. Als die Alliierten immer näher rückten, wurden die noch lebenden Widerstandskämpfer in Zügen unter unmenschlichen Bedingungen nach Dachau deportiert. Nur wenige haben überlebt.

„Kinder der Hoffnung“ ist ein erschütternder Bericht über unglaublich mutige Menschen, die in vollem Bewusstsein über die Tragweite ihres Handelns ihr Leben riskierten. Über deutsche Widerstandsgruppen lernt man in der Schule einiges, doch obwohl ich in der Nähe zu Frankreich aufwuchs, hat uns niemals jemand über die französischen Widerstandsgruppen erzählt. Die genauso bewundernswert waren, wie zum Beispiel die Geschwister Scholl, um die bekanntesten jungen deutschen Widerständler zu nennen. Die französischen Rebellen erhielten viel Rückhalt aus der Bevölkerung, die sich zwar nicht offen gegen die Besatzer zu stellen wagte, aber oft wegsah oder, wo möglich, heimlich halfen, wenn die Mitglieder der Résistance eine ihrer Aktionen durchführten. Aber auch hier gab es Denunzianten, Vertrauen war gefährlich.

Marc Levy hat mit „Kinder der Hoffnung“ bewiesen, dass er sehr viel mehr kann als leichte Unterhaltung zu verfassen. Dieser Bericht über die Erlebnisse seines Vaters geht so sehr unter die Haut, dass ich nach der Lektüre erst mal ein wenig Zeit brauchte, um all das gelesene zu verarbeiten. Kein Buch das unterhält, aber ein Buch das einem die Augen für Teile der Geschichte öffnet, die einem sonst vielleicht verborgen geblieben wären. Obwohl sie es mehr als verdient haben, dass man ihrer gedenkt. Sowie allen Menschen, die egal wo und wie, ihr Leben im Widerstand gegen die Nazis gewagt haben und oft auch verloren.

Kinder der Hoffnung – Marc Levy
363 Seiten, Droemer Knaur
ISBN 978-3426500200, 8,95 €

3 Kommentare

  • Antworten Stephie 24. September 2010 von 20:51

    Das Buch habe ich als Hardcover-Version diese Woche für nur 5 Euro erworben 😉 Dann kann ich mich ja auf was freuen, war ja doch sehr skeptisch, was dieses Werk angeht

    • Antworten Emily 24. September 2010 von 22:45

      @Stephie: Die Skepsis kannst Du wieder wegpacken, da hast Du wirklich ein tolles Schnäppchen gemacht! Viel Spaß damit 🙂

  • Antworten Papiergeflüster » Blog Archiv » David Benioff – Stadt der Diebe 10. Dezember 2010 von 22:09

    […] nicht bezeichnen, andere haben mich mehr berührt, gingen mehr unter die Haut, zum Beispiel “Kinder der Hoffnung” von Marc […]

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