Macht es ohne! (DRM)

Macht es ohne!(8)

Momentan kommen sie wieder fast täglich, Kunden die einfach nur ein E-Book lesen möchten, am ersten mit DRM gesicherten E-Book aber scheitern. Meistens ist das Problem schnell erkannt und gelöst, aber wie viel Zeit hat der Kunde vorher schon damit verbracht, kam dann noch einmal in die Buchhandlung und saß danach mit der Anleitung wieder am Rechner, bis es endlich lief? Muss das sein?

IMG_20140416_191439DRM ist die Abkürzung für Digital Rights Management und eine Geißel für brave Leser und arme Buchhändler. Mit dem Kopierschutz, auch hartes DRM genannt, soll verhindert werden, dass E-Books kopiert und illegal verteilt werden. Soll, weil der Kopierschutz relativ leicht zu umgehen ist. Wer ein E-Book raubkopieren möchte, schafft das ohne große Probleme. Daran wird wahrscheinlich auch das kommende Adobe DRM 3 nicht lange etwas ändern. Weniger technikversierten Lesern wird das Leben aber unnötig schwer gemacht.

Erkläre ich meinen Kunden, was sie vor der Lektüre ihres ersten E-Books alles machen müssen, verlieren die schnell den Faden. Kein Wunder bei: im Internet bei Adobe eine Adobe ID anlegen, das Programm Adobe Digital Editions (nicht den PDF Reader, eine häufige Verwechslung) herunterladen und installieren, die ID in ADE eintragen, den E-Book-Reader anschließen und autorisieren lassen. Dann den Downloadlink in der E-Mail öffnen, aber nicht speichern, sondern mit ADE öffnen. Wenn alles geklappt hat, können Sie jetzt ihr E-Book auf den Reader kopieren.

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Das war die Kurzfassung mit möglichst wenig Fremdwörtern wie acsm Datei etc., ich will meine Kunden ja nicht vollständig schockieren. Denn das ist der Punkt, an dem sich regelmäßig leichte Panik in die Mienen meiner Kunden schleicht, die ich gut nachvollziehen kann. Ich bin relativ technikaffin, das erste E-Book war für mich aber auch eine Herausforderung. Wie soll es da erst denen ergehen, die sonst wenig mit Technik zu tun haben?

Die Kunden bekommen eine schriftliche Schritt für Schritt Anleitung mit, meistens klappt es dann auch mit dem E-Book. Aber all das wäre nicht notwendig, würden Verlage auf hartes DRM verzichten und Wasserzeichen verwenden. Dann könnte man mit E-Books umgehen, wie man das von seinen Urlaubsbildern auf der Digitalkamera kennt. Das versuchen viele Kunden nämlich erst einmal ganz automatisch. Datei herunterladen, speichern, kopieren auf den E-Book-Reader. Bei einem E-Book mit Wasserzeichen, statt des harten DRMs, wäre das erfolgreich und der Kunde glücklich. Da die meisten E-Books aber hartes DRM haben, zweifelt er an sich und seinem E-Book-Reader. Ich möchte nicht wissen, wie viele Geräte ungenutzt in Schubladen liegen, weil die Besitzer entnervt aufgaben.

KoboEntnervt aufgeben möchten manchmal auch die Buchhändler, die zum x-ten Mal erklären, was schief läuft und sich anhören müssen, dass das bei Amazon aber viel einfacher ist. Ja, stimmt, aber auch Amazon hat einen Kopierschutz. Den seht ihr nur nicht, weil ihr in eurem gemütlichen kleinen Walled Garden sitzt. Aber wehe, Amazon macht die Tür zu und sperrt euch aus. Dann war es das mit dem Zugriff auf eure E-Books. Aber das ist ein anderes Thema.

Liebe Verlage, es gibt unter euch ein paar, die es schon wagen. Wie zum Beispiel Bastei Lübbe, die alle E-Books mit Wasserzeichen ausliefern und damit gar nicht schlecht fahren. Auch der Hanser Verlag und viele kleinere Verlage sind schon auf dem richtigen Weg, Hoffmann und Campe will sich dem ebenfalls anschließen. Auf lesen.net findet sich eine (unvollständige) Liste mit Verlagen, die auf hartes DRM verzichten. Laut einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verzichten bereits 65% aller Verlage auf den harten Kopierschutz, als Leser fühlt sich das aber anders an. Weil viele große Verlagsgruppen wie Holtzbrinck oder Random House fast ausnahmslos auf hartes DRM bestehen. Lasst uns doch endlich einfach nur lesen und werft der tollen Erfindung des E-Books nicht ständig harte Steine in den Weg.

Update August 2015: immer mehr Verlage denken endlich um. Bonnier verzichtet ab Juli 2015 auf hartes DRM, Holtzbrinck ab August 2015 und Random House ab 1. Oktober 2015.
Update September 2015: “Angst als Umsatzkiller”, meine Meinung zu DRM als Gastspiel im Börsenblatt.

Macht es ohne! Die Leser werden es euch danken.

 

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4 Kommentare

  • Antworten Simone Dalbert: Heute schon eine Buchhändlerin der Zukunft | Virenschleuder-Preis #vsp15 20. September 2015 von 16:07

    […] arbeitet an Möglichkeiten, eBooks direkt im Handel zu präsentieren, sie wendet sich entschieden gegen DRM bei eBooks, sie informiert sich, ihre Kund*innen und ihre Leser*innen über neue Entwicklungen im […]

  • Antworten "Buchhändler sollen auch in Zukunft noch ein Teil der Branche sein können." - www.adibumag.ch 18. November 2015 von 20:42

    […] Wie man in Ihrem Blog lesen kann, ist Ihnen der harte Kopierschutz ein besonderer Dorn im Auge. Kurz und knapp: Warum stört Sie das so und worum geht es dabei überhaupt? […]

  • Antworten mariannebaer 28. November 2015 von 13:32

    Herzlichen Dank für diesen Artikel. Genau das Problem hatte ich vor kurzem. Obwohl ich bereits Adobe Digital installiert war, bekam ich immer wieder eine Fehlermeldung. Ich bin fast irre geworden. Habe Adobe dann deinstalliert und neu installiert und Wunder endlich ging es.
    Zudem finde ich es auch nicht in Ordnung. Das ist ja so, als müsste ich ein gekauftes Buch im Haushalt behalten und darf es weder verleihen noch verschenken.
    Lieber Gruß
    Marianne

  • Antworten Michael 9. April 2016 von 19:12

    Danke für Ihren informativen Artikel!
    Mich stört vor allem, dass ich mich bei einer amerikanischen Firma anmelden und dort Daten von mir hinterlegen soll, obwohl ich mit den amerikanischen Datenschutzbestimmungen nicht einferstanden bin. Und das alles, damit ich ein Produkt, welches ich in Deutschland gekauft habe, überhaupt nutzen kann.
    Das finde ich nicht in Ordnung und kaufe mir daher nur eBooks ohne DRM. Ich hoffe, dass in Zukunft sämtlche Verlage darauf verzichten werden.
    Herzliche Grüsse,
    Michael

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