Bücherwelt Buchhandel & eBooks

Macht es ohne! (DRM)

15. Juli 2014

Macht es ohne!(8)

Momentan kommen sie wieder fast täglich, Kunden die einfach nur ein E-Book lesen möchten, am ersten mit DRM gesicherten E-Book aber scheitern. Meistens ist das Problem schnell erkannt und gelöst, aber wie viel Zeit hat der Kunde vorher schon damit verbracht, kam dann noch einmal in die Buchhandlung und saß danach mit der Anleitung wieder am Rechner, bis es endlich lief? Muss das sein?

IMG_20140416_191439DRM ist die Abkürzung für Digital Rights Management und eine Geißel für brave Leser und arme Buchhändler. Mit dem Kopierschutz, auch hartes DRM genannt, soll verhindert werden, dass E-Books kopiert und illegal verteilt werden. Soll, weil der Kopierschutz relativ leicht zu umgehen ist. Wer ein E-Book raubkopieren möchte, schafft das ohne große Probleme. Daran wird wahrscheinlich auch das kommende Adobe DRM 3 nicht lange etwas ändern. Weniger technikversierten Lesern wird das Leben aber unnötig schwer gemacht.

Erkläre ich meinen Kunden, was sie vor der Lektüre ihres ersten E-Books alles machen müssen, verlieren die schnell den Faden. Kein Wunder bei: im Internet bei Adobe eine Adobe ID anlegen, das Programm Adobe Digital Editions (nicht den PDF Reader, eine häufige Verwechslung) herunterladen und installieren, die ID in ADE eintragen, den E-Book-Reader anschließen und autorisieren lassen. Dann den Downloadlink in der E-Mail öffnen, aber nicht speichern, sondern mit ADE öffnen. Wenn alles geklappt hat, können Sie jetzt ihr E-Book auf den Reader kopieren.

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Das war die Kurzfassung mit möglichst wenig Fremdwörtern wie acsm Datei etc., ich will meine Kunden ja nicht vollständig schockieren. Denn das ist der Punkt, an dem sich regelmäßig leichte Panik in die Mienen meiner Kunden schleicht, die ich gut nachvollziehen kann. Ich bin relativ technikaffin, das erste E-Book war für mich aber auch eine Herausforderung. Wie soll es da erst denen ergehen, die sonst wenig mit Technik zu tun haben?

Die Kunden bekommen eine schriftliche Schritt für Schritt Anleitung mit, meistens klappt es dann auch mit dem E-Book. Aber all das wäre nicht notwendig, würden Verlage auf hartes DRM verzichten und Wasserzeichen verwenden. Dann könnte man mit E-Books umgehen, wie man das von seinen Urlaubsbildern auf der Digitalkamera kennt. Das versuchen viele Kunden nämlich erst einmal ganz automatisch. Datei herunterladen, speichern, kopieren auf den E-Book-Reader. Bei einem E-Book mit Wasserzeichen, statt des harten DRMs, wäre das erfolgreich und der Kunde glücklich. Da die meisten E-Books aber hartes DRM haben, zweifelt er an sich und seinem E-Book-Reader. Ich möchte nicht wissen, wie viele Geräte ungenutzt in Schubladen liegen, weil die Besitzer entnervt aufgaben.

KoboEntnervt aufgeben möchten manchmal auch die Buchhändler, die zum x-ten Mal erklären, was schief läuft und sich anhören müssen, dass das bei Amazon aber viel einfacher ist. Ja, stimmt, aber auch Amazon hat einen Kopierschutz. Den seht ihr nur nicht, weil ihr in eurem gemütlichen kleinen Walled Garden sitzt. Aber wehe, Amazon macht die Tür zu und sperrt euch aus. Dann war es das mit dem Zugriff auf eure E-Books. Aber das ist ein anderes Thema.

Liebe Verlage, es gibt unter euch ein paar, die es schon wagen. Wie zum Beispiel Bastei Lübbe, die alle E-Books mit Wasserzeichen ausliefern und damit gar nicht schlecht fahren. Auch der Hanser Verlag und viele kleinere Verlage sind schon auf dem richtigen Weg, Hoffmann und Campe will sich dem ebenfalls anschließen. Auf lesen.net findet sich eine (unvollständige) Liste mit Verlagen, die auf hartes DRM verzichten. Laut einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verzichten bereits 65% aller Verlage auf den harten Kopierschutz, als Leser fühlt sich das aber anders an. Weil viele große Verlagsgruppen wie Holtzbrinck oder Random House fast ausnahmslos auf hartes DRM bestehen. Lasst uns doch endlich einfach nur lesen und werft der tollen Erfindung des E-Books nicht ständig harte Steine in den Weg.

Update August 2015: immer mehr Verlage denken endlich um. Bonnier verzichtet ab Juli 2015 auf hartes DRM, Holtzbrinck ab August 2015 und Random House ab 1. Oktober 2015.

Macht es ohne! Die Leser werden es euch danken.

 

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8 Kommentare

  • Antworten Hazamel 16. Juli 2014 von 07:53

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:
    Es erinnert doch sehr an das was schon vor 10 Jahren in der Videospiel-Branche mit dem Kopierschutz los war. StarForce war sch… und heute hat jeder zwangsweise Steam, den Ubi-Launcher und/oder den EA-Shop auf dem Rechner.
    Ich wünsche den Buchhändlern viel Spaß in den nächsten 10 Jahren und so leid es mir tut, aus Kundensicht haben die zwei großen As erstmal alles richtig gemacht: Ich brauche keinen Rechner und brauche mich nicht mit DRM-Problemen rumschlagen. Die freien eBook-Reader sind da mehr das Linux unter den Readern.
    Mein Fazit ist also, dass nicht das DRM per se böse ist, sondern viel mehr, wie man damit umgeht bzw. wie sehr man mich als Kunde das DRM spüren lässt.

    • Antworten Papiergeflüster 16. Juli 2014 von 09:21

      Hartes DRM lässt sich aber nur unbemerkt anwenden, wenn ich den Kunden zwinge, nur meine Angebote zu nutzen. Möchte ich als Nutzer frei sein und auch Angebote anderer Anbieter nutzen, im Bereich E-Books zum Beispiel die Onleihe, spüre ich hartes DRM immer.

      Die Anwendung von hartem DRM ist aber unnötig, mit Wasserzeichen wäre das E-Book nicht weniger sicher, der Nutzer aber weniger genervt.

  • Antworten Timo Falk (silbaer) 16. Juli 2014 von 11:58

    Ich verwalte meine E-Books mit Clibre. Dafür gibt es ein kleines Plugin, da trägt man seine AdobeID, Kindle Seriennummer, whatever ein und dann gibt es auch kein Problem mehr mit den verschiedenen E-Book-Readern die ich so habe, da der DRM-Shit einfach verschwunden ist. Und ich habe nicht einmal ein schlechtes Gewissen, weil das nur mit *meinen* E-Books funktioniert und die E-Books auch nur auf *meinen* Readern landen.

    • Antworten Papiergeflüster 16. Juli 2014 von 15:15

      @Timo Falk: die Möglichkeit gibt es, aber für wenig technikaffine Nutzer ist der Weg über Calibre nicht einfacher, als der über Adobe Digital Editions. Mir geht es darum, dass genau solche Dinge gar nicht notwendig sein müssten. Sie sagen ja selbst, dass die Entfernung des Kopierschutzes kein Problem ist, also ist es unnötig, es überhaupt erst zu installieren. 🙂

  • Antworten Cat-Gerlach 24. Juli 2014 von 20:07

    Danke für den tollen Artikel. Ich bin Indie Autorin und habe einen Mini-Verlag. Seit meinem allerersten eBook verzichte ich auf DRM. Schließlich will ich, dass meine Bücher gelesen werden. Es stört mich auch der Gedanke, dass jemand mein Buch zweimal bezahlen soll, nur weil er ein anderes Lesegerät bekommen hat. Ich finde das unerhört. Aber solange Riesen wie Hugendubel und Random House DRM benutzen, habe ich einen Vorteil, den viele meiner LerserInnen sehr zu schätzen wissen.

  • Antworten Buchkolumne 05/15: Literaturkritik in der Kritik, Verschwörung beim Heyne Verlag und kriminell wichtige Termine | Buchkolumne 1. Februar 2015 von 17:10

    […] hält regelmäßig Vorträge für Neulinge im Reader-Dschungel und setzt sich offen gegen die Verwendung von DRM bei E-Books ein. “Sind wir denn in Schilda?” fragt sie aufgrund der seltsamen Regelung, dass das […]

  • Antworten Tobi 17. Februar 2015 von 22:32

    Irgendwie ist das verrückt, denn die Verlage könnten hier sehr gut von der Musikindustrie lernen anstatt ihre Fehler zu wiederholen. Mit MP3 gab es genau die gleichen Probleme. Was bei Ebooks Amazon ist, war bei MP3 damals Apple. Die Musikindustrie hat sehr schmerzhaft lernen müssen, dass sich der Konsument nicht gängeln lässt. Und wenn ich den Buchtitel und den Namen eines Oneclickhosters in Google eingebe, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr sehr hoch, dass in in der Trefferliste das Buch im epub Format komplett ohne DRM zum Downloaden finde. Hier sieht man ganz deutlich, dass auch hier die Konsumenten nach Auswegen suchen.

    Neben der Tatsache, dass man hier mit DRM gegängelt wird, das eigene Leseverhalten komplett analysiert wird, ich bei einem Ebook nur das Nutzungsrecht erwerbe, nicht das eigentliche Buch und das ich mir bei einem Ebook nicht besonders viel Geld spare ist das Thema für mich nicht besonders interessant. (Ok, ausschlaggebend ist, dass ich einfach old school bin und Bücher auf Papier einfach zu sehr liebe 😉

    Deine Forderung nach DRM freie Bücher ist nur verständlich und ich kann dir da nur in vollem Umfang zustimmen. Was Verlage ihren Kunden hier zumuten ist echt verrückt.

    Liebe Grüße
    Tobi

  • Antworten Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit! | astikos Verlag 24. Mai 2015 von 12:15

    […] vollkommen aus zu wissen, dass es eine Unmenge an Meinungen zu diesem Thema gibt (hier gibt's zwei Beispiele). Auch astikos hat eine: wir finden DRM blöd, weil der Kopierschutz mit höheren Kosten verbunden […]

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