Besprechungen Phantastik

Leigh Bardugo – Das Lied der Krähen

5. November 2017

Kaz ist zwar noch relativ jung, aber mit allen Wassern gewaschen, wie es eben so ist, wenn man sich alleine im Barrel von Ketterdam durchschlagen musste. Inzwischen ist er die rechte Hand des Chefs der Dregs, einer der rivalisierenden Gangs in der Hafenstadt Ketterdam. Als ein Kunde ihm einen schier unmöglichen Auftrag vorschlägt, kann er wegen der fürstlichen Bezahlung nicht ablehnen. Schafft er es, in die Eisfestung einzudringen, hat er den Rest seines Lebens keine Geldsorgen mehr. Wenn nicht, kann ihm das auch egal sein, dann ist er tot. Alleine schafft er es auf keinen Fall, also heuert er fünf andere Außenseiter an, die der Versuchung des schnellen Reichtums ebenso wenig widerstehen können, wie er selbst.

„Das Lied der Krähen“ ist richtig schöne klassische Fantasy. In einigen Besprechungen wird es mit Oceans Eleven verglichen,  mich erinnert die Zusammensetzung der Charaktere und ihre Mission eher an die gute alte Fantasy der 70er Jahre, als es noch Standard war, dass eine Partie auszieht um ihre Quest zu erfüllen. Eine Partie besteht immer aus ganz unterschiedlichen Charakteren, auch hier haben wir einen Dieb, eine Spionin, einen Scharfschützen, eine Magierin und einen Bombenbauer. Ergänzt wird die Gruppe durch ein eher unfreiwilliges Mitglied, das eigentlich lieber die Magierin töten, als ihnen helfen würde.

Faszinierende Charaktere, deren Hintergrundgeschichten nach und nach in angenehmem Maß erzählt werden, ohne dabei zu viel Raum einzunehmen. Eine Welt mit interessantem Magiesystem, die man schon aus den „Grischa“ Romanen der Autorin kennen könnte, aber nicht kennen muss, um diese Geschichte zu verstehen. Und eine Aufgabe, die bis zum Schluss für Spannung sorgt. High Fantasy der guten alten Schule, die man verschlingt.

Man muss die Fantasy nicht neu erfinden, um trotzdem einen richtig guten und empfehlenswerten Fantasyroman zu schreiben. Das hat Leigh Bardugo mit „Das Lied der Krähen“ bewiesen, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Das Lied der Krähen – Leigh Bardugo
Deutsch von Michelle Gyo
Knaur Verlag

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3 Kommentare

  • Antworten Wörterfuchs 5. November 2017 von 18:14

    Ich bin zwar erst im ersten Drittel des Buches, aber ich spüre definitiv einen gewissen Oceans-Eleven-Vibe . Ich mag den vergleich mit der “alten” Fantasy, auch wenn ich damit immer zuerst ein angestaubtes Mittelalter-Setting in Verbindung bringe.

    Die Rezi lässt mich in freudigem Erwarten weiter lesen 🙂

    • Antworten Papiergeflüster 5. November 2017 von 18:42

      Ich dachte eher an die “Chroniken der Drachenlanze” und ähnliches. Aber ich mag Mittelaltersettings auch. 😉 Beides passt. Viel Spaß noch mit dem Buch!

  • Antworten Desiree 9. November 2017 von 09:52

    Hi Simone,

    um das Buch schleiche ich noch herum, da ich normalerweise Fantasy Romance lese, wo zumindest eine kleine Liebesgeschichte dabei ist. Aber deine Rezension hört sich sehr spannend an und auch andere Leser sind ja sehr begeistert von dem Buch 🙂

    Liebe Grüße
    Desiree

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